An der Opalkueste gibt es genuegend Platz. 28 Bilder Zoom

Mit dem Caravan an die Opalküste: Die Küste am Kanal

Der Name klingt nach Fernost, dabei liegt die Opalküste im Norden Frankreichs gleich um die Ecke. Die schönen, ruhigen Gestade am Ärmelkanal taugen ideal für eine Tour mit dem Caravan.

Die lange, breite Strandpromenade des kleinen Seebadeorts Wimereux ist an diesem Vormittag noch fast menschenleer. Ein milder Seewind weht um die Nase, die Luft ist sauber und frisch. Zu Füßen der pastellfarbenen, fein restaurierten Villen aus dem frühen 20. Jahrhundert leuchten blau-weiß gestrichene Badekabinen und bunte Souvenirstände. Davor erstrecken sich der breite Strand und das funkelnde Meer, dessen Farbe von einem karibischen Blau zum mystischen Türkis und zurück wechselt und einem schillernden Schmuckstein gleicht. Dem verdankt diese Region auch ihre ungewöhnliche Bezeichnung: Côte d’Opal, Opalküste.

Der Name Opalküste, anno 1911 vom heimischen Maler Édouard Lévêque ersonnen, klingt eher nach Seeräuber-Gestaden im Fernen Osten und ist außerhalb Frankreichs wenig geläufig. Die schöne Unbekannte erstreckt sich im Norden des Landes von der belgischen Grenze etwa 150 Kilometer südwärts und ist ein ideales Ziel für den Urlaub mit dem Caravan. Auf den vielen guten Campingplätzen sind freilich kaum deutsche Fahrzeuge zu sehen, die zieht es gleich weiter in die Normandie oder Bretagne. Platz gibt es meist in Hülle und Fülle, an den Stränden wie in den Bars und Cafés, und wenn das strapazierte Wort Geheimtipp einmal Gültigkeit hat, dann sicherlich hier.

Spannende Hafenstädte an der französischen Opalküste

Die moderne Fassade der Universität von Dunkerque glitzert im Sonnenlicht, Frankreichs drittgrößter Hafen ringsum rumort geschäftig, Industriebetriebe und Werften zeugen von Fleiß. Die 90.000-Einwohner-Stadt, rund zehn Kilometer von der belgischen Grenze entfernt und unter dem Namen Dünkirchen geradezu ein Synonym für Schrecken und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, ist der nördliche Startpunkt unserer Opalküsten-Tour und bietet glücklicherweise weit mehr als nur gesichtslose Nachkriegs-Neubauten. Feuerschiff, Raddampfer und der majestätische Dreimaster Duchesse Anne im Hafen, viele coole Bars und Cafés schon wegen der 10.000 Studenten, gute Museen zur Bewältigung dunkler Vergangenheit – Dunkerque ist eine vielseitige, spannende Stadt. In Sichtweite zwar zur Hafenindustrie schließt sich der lange, breite und nur selten überlaufene Strand an, gesäumt von schönen Jugendstilhäusern, und später dann das große Naturschutzgebiet "Dunes de Flandre", das bis nach Belgien hinein reicht – top für Wassersportler und Naturfreunde.

Wir haben dann Calais besichtigt mit den berühmten Statuen von Rodin vor dem Rathaus aus rotem Backstein und dem geschäftigen Hafen, von dem aus die XL-Autofähren Richtung Dover in England abdampfen und der das zweithöchste Passagieraufkommen der Welt aufweist. Nun rollen wir auf der gut ausgebauten D 940 an der Küste entlang Richtung Süden in den Parc naturel régional des Caps et Marais d’Opale, das Herz der Opalküste.

Die schoffe Küstenlandschaft

Rechts der Straße ziehen sich Sanddünen entlang, immer wieder locken Parkplätze, von denen aus man an den Strand laufen kann oder ein Picknick hält im Dünengras mit Blick auf Schiffe und Meer. Die schroffen Klippen Cap Blanc-Nez (134 Meter hoch) und Cap Gris-Nez (45 Meter) samt Leuchtturm und Bunkern aus dunklen Kriegszeiten ragen ins Firmament, der Blick geht weit über den Ärmelkanal nach England zu den weißen Klippen von Dover, Dampfer ziehen durchs funkelnde Blau. Hier oben weht oft eine kräftige Brise, Regenwolken segeln vorbei und entladen sich bisweilen in kräftigen Schauern. Tausende Seevögel singen ihr Lied, bald duftet die Küstenvegetation wieder im warmen Sonnenschein.

Die Straße windet sich durch sanfte Hügel und saftige Wiesen, kleine Badeorte mit Namen wie Wissant, Audresselles und Ambleteuse liegen am Pistenrand. Urlauber-Betonburgen sind hier Fehlanzeige, dafür gibt es in den Orten gemütliche Restaurants, die Spezialitäten servieren wie "moules-frites" (Miesmuscheln mit Pommes) oder den flämischen Eintopf "potjefleesch". Die Atmosphäre ist ruhig und unaufgeregt, die Menschen hier gelten ein wenig als die Ostfriesen Frankreichs, liebenswert dokumentiert auch im Kino-Bestseller "Willkommen bei den Sch’tis".

Das Ostfriesland Frankreichs

Kurz hinter dem zauberhaften Badeort Wimereux beginnt dann die 40.000-Einwohner-Stadt Boulogne-sur-Mer. Am Kai des inneren Hafens dümpelt ein Heer kleiner Fischerboote, dahinter liegen große Kühlhallen, wir sind hier im europäischen Zentrum für Handel und Verarbeitung von Meeresfrüchten. Direkt vom Kutter kaufen wir frischen Fisch für die Caravan-Küche. Ein paar Straßen höher wartet dann das Kontrastprogramm: Die Oberstadt, Ville Haute, versetzt mit ihren Palästen, engen Gassen und der großen Basilika in eine andere Zeit.

Ein Stück weiter im Süden lockt der "Garten des Ärmelkanals". Im Badeort Le Touquet-Paris-Plage reiht sich Galerie an Boutique und an Antiquitätengeschäft, oft untergebracht in historischen Villen, umgeben von riesigen Parks voll duftendem Grün: Der Ort gibt sich mondän. Schon sein Name verrät, dass die Schönen und Reichen aus der nahen Hauptstadt gern zur Sommerfrische herkommen. Von wegen nur Frankreichs Ostfriesland – die Facetten der Opalküste gereichen allemal dem schillernden Namen zur Ehre.

Autor

Foto

Silke Tokarski, Thomas Zwicker, Atour France/Richard Soberka, Fabian Charaffi

Datum

3. März 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 02/15.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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