Piemont, Fluss 12 Bilder Zoom

Reise-Tipp Piemont: Wasser und mehr im Valsesia

Grüne Wahl: Im Norden des Piemont erstreckt sich das Valsesia mit seinen Seitentälern. Es verzückt vor allem Naturfreunde und alle, die ausgiebig wandern oder Wassersport betreiben wollen. Aber auch die exzellente, sehr rustikal geprägte Küche der Region und mehrere günstige Campingplätze locken Caravaner in das Gebiet des mächtigen Monte-Rosa-Massivs.

Die Sportlichen Herausforderungen:

So viel Schnee habe es Anfang Juli hier oben noch nie gegeben, erklärt Marzia Fuselli den Teilnehmern. Die Wanderführerin aus Alagna weist auf die glitzernden Flächen dort drüben, die ihr für normale Bergschuhe zu rutschig erscheinen. Sie empfiehlt daher eine Ausweichroute. Auch sonst überrascht die Region am Fuß des mächtigen Monte Rosa in vielerlei Hinsicht: zum Beispiel weiter unten mit wunderbar ursprünglichen, üppig bewachsenen Tälern. Die bieten eine Fülle weiterer Outdoor-Aktivitäten.

Im Tal der Sesia pflegt man unter anderem seit langem die Tradition des Fliegenfischens. Der zuweilen wild schäumende Fluss ist überdies bei Kajakfahrern und Kanuten sehr beliebt. Daneben gibt es etliche Mountainbikestrecken, die sowohl Könner als auch Freizeitradler begeistern. Kletterexperten finden garantiert ebenfalls das passende Terrain.

Die urtümlichen Walserdörfer:

Das reiche kulturelle Erbe, welches das Valsesia-Gebiet bis heute prägt, ist ausgerechnet Männern zu verdanken, die für ihre rauen Sitten berüchtigt waren. Als bitterarme Schafhirten verließen sie im 13. Jahrhundert ihre Heimat, das Wallis, um in Aussicht auf ein besseres Leben unbesiedelte Alpentäler urbar zu machen. So gelangten sie auch ins abgelegene Sesia-Tal, das ihnen auf rund 1400 Meter Höhe eine bescheidene Existenz eröffnete. Baumaterialien wie Holz und Stein gab es im Überfluss. Das nutzten die Walser dazu, eine ausgeklügelte Bauernarchitektur zu entwerfen. Ihre schiefergedeckten Häuser kann man sowohl am Talende in Alagnas Ortsmitte bewundern als auch im restaurierten Weiler Pedemonte ein Stückchen oberhalb, wo ein Volkskundemuseum eingerichtet wurde. Dieses zeigt unter anderem ein „Firhus“ - eine Küche - und eine „Stobu“ - die gute Stube.

Die Walser waren tiefgläubig. Zum Beispiel bauten sie stets ein winziges Fenster mit ein, das nur im Todesfall geöffnet wurde, um der Seele einen raschen Aufstieg in den Himmel zu ermöglichen. Auch in der Umgebung - zum Beispiel im benachbarten Riva oder auch in Rimasco im Seitental Val Sermenza - fühlt man sich dem Brauchtum verpflichtet: Immer öfter sprechen dort junge Leute wieder den alemannischen Dialekt, mit dem zuletzt ihre Großeltern aufwuchsen.

Die wildromantischen Seitentäler:

Rima und Rimasco bilden die beiden Zentren im Val Sermenza, einem Seitental des Valsesia. Rimasco gilt als eine der größten Walsergründungen in der Region, wenngleich im heutigen Dorf nur noch etwa 120 Menschen leben. In der Ortsmitte erhebt sich die stattliche Pfarrkirche Sankt Jakobus, die einen schönen Holzaltar besitzt. Die Fragmente von Wandfresken aus dem 15. Jahrhundert stellen ein einzigartiges Zeugnis dar: Auf ihnen spiegelt sich das Arbeitsleben der ersten Siedler wider.

Der Ort Rima, der im Walser Dialekt Arimmu heißt, liegt am Talende und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Bergsteiger. Folgt man indes in Rimasco weiter der Hauptstraße, gelangt man ins Egua-Tal. Dort sticht im Weiler Ferrante die Pfarrkirche ins Auge, die an ihrer Stirnfront mit einer großflächigen Himmelfahrtsszene bemalt ist. Den Talabschluss bildet hier die ebenfalls sehr kleine Gemeinde Carcoforo, die seit ihrer ersten Erwähnung im Jahr 1383 immer wieder von Überschwemmungen und Lawinen heimgesucht wurde. Doch die unbändige Natur bringt dieser Gegend bei weitem nicht nur Unheil, sie ist vielmehr ihr größter Schatz.

Die deftige Bergbauernkost:
Fast könnte man meinen, dass die herzhafte Regionalküche eigens zur Stärkung von müden Wanderern entwickelt wurde. Sie ist ohne Frage sehr sättigend, was früher dazu führen sollte, die äußerst hart arbeitenden Menschen in der Höhe mit oft strengen Wintern mit genügend Kalorien zu versorgen. Vor der Polenta oder dem Risotto mit Wild empfehlen sich Miacce, knusprige Waffeln, die man mit Honig, Marmelade oder Speck isst, am besten aber mit Toma, einem typischen Bergkäse. Dazu passt vorzüglich ein Glas Gattinara, ein vollmundiger Rotwein, den schon Kaiser Karl V. über alles schätzte.

Polenta gibt es übrigens in zahlreichen Varianten, zum Beispiel mit Lauchsauce (con salsa di porri) oder mit Sardellen und Käse (polenta di frumentino). Das berühmte piemontesische Risotto, oftmals auch „al sugo arrosto“ genannt, wird normalerweise in Weißwein und Fleischbrühe gekocht und zum Schluss mit Parmesan und Butter verfeinert.

Ein anderer typischer Wein im Valsesia, der die DOC-Bezeichnung trägt, ist der Boca. Gekeltert wird er zum Großteil aus der Nebbiolo-Rebe. Die vorgeschriebene Reifezeit im Eichenholzfass beträgt mindestens zwei Jahre und nochmals ein Jahr in der Flasche. Ein augenfälliges Merkmal ist seine kraftvoll rubinrote Farbe.

Das sakrale Vermächtnis:

Am Anfang des Sesia-Tals erhebt sich der Sacro Monte, das Wahrzeichen der Stadt Varallo. Der heilige Berg und berühmte Wallfahrtsort besticht mit seiner großartigen Basilika Mariä Himmelfahrt sowie mit 44 Kapellen, in denen mit insgesamt über 4000 Figuren biblische Szenen nacherzählt werden. Stifter des ältesten heiligen Berges Italiens war 1491 der Franziskanermönch Bernardino Caimi. Friedrich Nietzsche, der als einer der ersten die Stätten allein besuchen durfte, bezeichnete den Ausflug als „den entzückendsten Traum“ seines Lebens. Seit 2003 gehört der Sacro Monte in Varallo zum Unesco-Weltkulturerbe.

Camping-Tipps:

Einfache Plätze in idyllischer Lage, vorwiegend für Zelturlauber, gibt es im Valsesia in fast jeder Gemeinde. Hier eine Auswahl von besser ausgestatteten Anlagen, die auch für Caravangespanne geeignet sind.

Il laghetto: Schöne Lage mit Blick auf den alten Ortskern in Nähe eines Stausees. Enge Zufahrt über eine Brücke. 10 Euro für Standplatz inklusive Personen, Strom 2 Euro, warme Dusche 1 Euro. Mit Bar und Gaststätte. Geöffnet von Anfang April bis Ende Oktober.
Standort: Loc. Sponda Lago 1, 13026 Rimasco, GPS: 4551’39’’N, 0803’53’’O, Telefon 00 39/01 63 95 42 28

La genziana : 17 Hektar großer, von Hütten und Dauercampern geprägter Ganzjahresplatz mit Schwimmbad. 124 Touristenplätze mit Stromanschluss. Zum Wassersportzentrum Monrosa in Balmuccia etwa sechs Kilometer.
Standort: Via Fondiaria 7, 13028 Scopello, GPS: 4546’20’’N, 0805’40’’O,
Telefon 00 39/0 16 37 13 00.

Alagna : Gern besuchte Anlage, teils unter hohen Bäumen, direkt am Ufer der Sesia. Unter schweizerisch-niederländischer Leitung.Erwachsene 5 Euro, Kinder von 2 bis 10 Jahren 3 Euro, Standplatz inklusive Strom 7 Euro. Mit kleinem Laden und Bar. Zum Ortszentrum zirka 400 Meter.
Standort: Mining Town 3, 13020 Riva Valdobbia GPS: 4550’52’’ N, 0756’23’’O,
Telefon 00 39/01 63 92 29 7.

Informationen

Anreise:
Der bequemste Weg mit dem -Caravan führt von Süden her über die mautpflichtige A 26, Ausfahrten Borgomanero oder Ghemme, von dort weiter über Varallo nach Alagna Valsesia.

Restaurant-Tipps

Montagna di Luce: Hervorragend zubereitete, regionale Gerichte und ausgesuchte Spitzenweine, Fraz. Pedemonte 16, 13021 Alagna Valsesia,
Telefon 00 39/01 63 92 28 20, Internet www.montagnadiluce.it

La Stube: Traditionsreiche Gaststätte in zentraler Lage, eröffnet 1865, Walser Spezialitäten, Piazza degli Alberghi, 13021 Alagna Valsesia, Telefon 00 39/01 63 92 32 09, www.hotelmonterosa-alagna.it

Albergo Italia: Typische italienische Küche, Corso Roma 6, 13019 Varallo Sesia.

Auskunft

Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Direktion für Deutschland, Österreich und Schweiz, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt am Main,
Telefon 0 69/23 74 34, Fax 0 69/23 28 94, E-Mail frankfurt@enit.it , Internet: www.enit-italia.de oder www.atlvalsesiavercelli.it

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

14. Juli 2011
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