Schoener Ausblick auf die barocke Stadtkirche. 6 Bilder Zoom

Caravan-Urlaub in Preetz: Die Kleinstadt der Holzschuhmacher

Vor langer Zeit arbeiteten in der Kleinstadt Preetz in Ostholstein die Holzschuhmacher Tür an Tür. Heute finden Liebhaber wasserreicher Landschaften hier ein wunderbares Campingziel.

Ein Bankkaufmann, der Holzschuhe aus Berufung schnitzt? So etwas gibt es in Preetz tatsächlich. Doch der Reihe nach. Die kleine holsteinische Stadt erlangte um 1850 einige Berühmtheit, als dort das Schusterhandwerk exorbitant florierte: Rund 160 Werkstätten stellten vor allem Holzschuhe her. Doch in den Folgejahrzehnten sank die Nachfrage nach den klappernden Tretern unaufhaltsam, bis in den 1970er Jahren nur noch ein Betrieb übrig war – der von Lorenz Hamann.

Hamann kämpfte mit ganzer Kraft dafür, das in der fünften Generation geführte Familienunternehmen neu zu beleben. Hierfür wechselte er ins Bankfach, zumindest tagsüber. Er machte da Karriere und schuf sich das Finanzpolster, um sich seiner Passion wieder voll widmen zu können. Als einer der Letzten seiner Zunft beliefert er unter anderem Theater und Festspielhäuser. Fast täglich führt er auch interessierte Besucher durch seine historische Werkstatt: das Preetzer Holzschuhmuseum (Mo–Sa 9–13 Uhr oder nach Vereinbarung; www.preetzer-holzschuhe.de).

Der Name Preetz ist slawischen Ursprungs. Er leitet sich von "po rece" ab, was die Lage an einem Fluss beschreibt – in diesem Fall an der Schwentine, die am 168 Meter hohen Bungsberg entspringt, der höchsten Erhebung in Schleswig-Holstein. Schon sehr früh war Preetz ein bedeutender Marktflecken, wo Holsten, Sachsen und Slawen regen Handel betrieben. Und auch heute ist noch viel von dieser Tradition zu spüren, zum Beispiel wenn man am Samstagmorgen über den großen, bunten Wochenmarkt streift.

Prächtige Patrizierhäuser zieren den Markt, darunter das Heß’sche Haus in der Langen Brückenstraße. Das im 17. Jahrhundert erbaute Fachwerk-Giebelhaus ist mit Backsteinen ausgemauert; die reich verzierte Rokoko-Oberlichttür führt zu den gemütlichen Preetzer Caféstuben. Weitere schmucke Giebelhäuser säumen die Kirchenstraße, die den Marktplatz mit der Stadtkirche verbindet. Der Innenraum des ursprünglich spätromanischen Gotteshauses besticht mit einer barocken, von Säulen gestützten Westempore.

Dazu empfiehlt sich ein Spaziergang durch die parkartige Klosteranlage mit Basilika, die per Führung zugänglich ist. Die moderaten Abgaben ans Kloster haben zum früheren Wohlstand der Schusterstadt beigetragen – heute zählt zu ihrem Reichtum eine intakte Fluss- und Seenlandschaft, die zu ausgiebigen Touren einlädt.

Mögliches nächstes Ziel: die nur wenige Kilometer südöstlich gelegene Stadt Plön, die mit einem prächtigen weißen Schloss aufwartet. Dieses wurde im 17. Jahrhundert im Stil der Spätrenaissance erbaut. Von der Schlossterrasse aus genießt man einen weiten Blick auf den Großen Plöner See mit mehreren kleinen Seen ringsum – gesäumt von einer Reihe ausgezeichneter Campingplätze, darunter Augstfelde und Spitzenort.

Der besondere Tipp

Museum und Mahnmal:
Ein Rundgang durch das deutsche U-Boot 995 aus dem Zweiten Weltkrieg macht eindrucksvoll deutlich, welchen enormen Belastungen die etwa 50-köpfige Mannschaft in der bedrückenden Enge ausgesetzt war. Es kann auf dem Strand im Ostseebad Laboe nahe Kiel täglich besichtigt werden (April–Oktober 9.30–18 Uhr, im Winter bis 16 Uhr). www.laboe.de

Kompakt-Info

Schusterstadt Preetz e. V., Verein für Wirtschafts- und Tourismusförderung, Mühlenstraße 9, 24211 Preetz, Telefon 0 43  42/7 28 04 20, Fax 0 43 42/7 28 60 50, www.schusterstadt-preetz.de

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

18. Oktober 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 10/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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