Reise: Roussillon - Wilde Schönheit 22 Bilder Zoom

Reise-Tipp Roussillon: Wilde Schönheit im Süden von Frankreich

Südlicher als hier ist Frankreich ganz sicher nirgends. Davon ließen sich schon vor 100 Jahren die Maler inspirieren. Vom intensiven Licht, einem prima Klima und ganz viel katalanischer Lebenskultur diesseits der Pyrenäen.

Blau war der Himmel, als Henri Matisse im Sommer 1905 in Collioure aus dem Zug stieg. Blau wie an der Côte d’Azur. Nur dass der Himmel hier, über den rostroten Klippen und dem knalligen Grün der Reben an der Côte Vermeille, noch kräftiger leuchtete. Matisse sah, staunte und blieb. Er mietete sich in einer Kaschemme beim Bahnhof ein. In den heißen Wochen nach seiner Ankunft änderte der Maler seinen Stil radikal. Die Bilder aus dieser Zeit sind mit brachialem Schwung gemalt, auf der Leinwand schlagen die Farben der im Hafen ankernden Boote geradezu aneinander.

Roussilons Aushängeschild: Die Kunst des 20. Jahrhunderts

Der Skandal folgte kurze Zeit später, beim Pariser Herbstsalon. Matisse und sein Mitstreiter André Derain, der ebenfalls mit der Staffelei nach Collioure gereist war, bekamen den Schimpfnamen „fauvistes“, Wilde, verpasst. Am Kai unterhalb der 700 Jahre alten Burg beweist der ausgeschilderte „Weg des Fauvismus“, dass Collioure noch immer so aussieht wie von den „Wilden“ vor über 100 Jahren gemalt. Kopien ihrer Werke führen von der Altstadt zur Burg, die sich vor die lachsrote Dächerlandschaft schiebt. Auf dem Weg, der die Burg umrundet, wird man manchmal von Gischt nass gespritzt – das Meer ist zum Greifen nah.

Ein Kranz kleiner Badebuchten schmiegt sich um das Altstadtquartier Le Mouré, im Hinterland drängen sich die Pyrenäen heran. Das Ganze ist wie eine Explosion der Farben. Rot, Orange, Grün, Violett, Gelb. Darüber der Himmel, sehr blau – willkommen im Roussillon. Rot und Gelb leuchtet die Fahne des Roussillon. Rot und Gelb sind die Farben des Rugbyclubs USAP aus Perpignan, der seit 2004 Partnerclub des FC Barcelona ist. Es sind die Farben Kataloniens.

(Dächer-)Landschaften von einmaliger Schönheit - im Hinterland von Perpignan

Verwaltungstechnisch befinden wir uns im französischen Departement Pyrénées-Orientales, historisch in Nordkatalonien, das seit 1659 zu Frankreich gehört. Die Erinnerung bleibt im Roussillon allgegenwärtig. Orts- und Straßenschilder sind ausnahmslos französisch und katalanisch geschrieben. Und die Autobahn A 9 trägt ab Salses, wo eine Festung an die ehemalige Grenze zu Frankreich erinnert, den Beinamen „La Catalane“. Die Grenze hat sich zum Pyrenäenkamm hin verschoben. In den Dörfern des Roussillon aber wird die katalanische Sardane getanzt. Das Hinterland von Perpignan bietet ein Kaleidoskop dramatisch schöner Landschaften.

Die Hochtäler der Cerdagne oder des Conflent sind im Winter tief verschneit und bis in den Mai ein beliebtes Ziel für Wintersportler. Im Sommer grasen die Kühe der Rasse La Rosée des Pyrénées auf den Almwiesen. In dieser Zeit des Jahres erobern Wanderer und Bergsteiger die Täler, während keine 100 Kilometer Luftlinie entfernt an den Stränden die Sonnenschirme aufgeklappt werden. Von den Hügeln der Aspres, die südwestlich von Perpignan nonchalant zur Côte Vermeille abfallen, schweift der Blick zum 2784 Meter hohen Canigou.

300 Sonnentage im Jahr ziehen die Roussillioner nach draußen

Bis in den Hochsommer liegt Schnee auf dem heiligen Berg des Roussillon. Über den Weinbergen der Aspres aber flirrt spätestens ab Mai die Hitze. Der Tramontane macht die Temperaturen erträglich. Mal säuselt, mal faucht der Pyrenäenwind. Der Tramontane pustet den Himmel blank und garantiert über 300 Sonnentage im Jahresdurchschnitt.

Und damit fast ebenso viele Nächte, in denen auf den Terrassen von Perpignan und in den Strandclubs unter freiem Himmel gefeiert wird. Die Könige von Mallorca residierten einst in Perpignan, katalanisch Perpinya. Davon zeugt die mächtige Burg im Süden der Altstadt. An der Place Arago rauschen mächtige Palmen im Wind. Ein Café reiht sich ans nächste. Ein paar Schritte weiter in Richtung Rathaus taucht man in verwinkelte Gassen ein. Lauschige Patios und gotische Palais erinnern an Barcelona, nur zählt Perpignan gerade mal 100 000 Einwohner.

Süße Schätze: Obst aus Perpignan und Umgebung ist was für Feinschmecker

Im Hochsommer hat man die Gassen fast für sich allein, denn dann entspannt sich ganz Perpignan à la playa, entweder an den endlosen Sandstränden von Le Barcarès bis St. Cyprien oder an der Felsküste der Côte Vermeille. Trubelig wird es im Sommer in Perpignan nur morgens, wenn auf dem Markt an der Place de la République der Himmel über den Ständen voller Knoblauch, Würste und Schinken hängt. Ab Mai kommen die Kirschen. Bald darauf folgen Aprikosen und Pfirsiche, später Melonen: Das Obst aus der Region von Perpignan genießt frankreichweit einen legendären Ruf.

Auch in kulinarischer Hinsicht unterscheidet sich das Roussillon übrigens vom übrigen Frankreich. Gambas und Fisch werden à la planxa, vom Grill, serviert. Ente kommt mit einer Pfirsichsauce, Wildschwein mit Kirschen auf den Tisch. Tapas gibt es in fast allen Bars. So wie auch auf der anderen Seite der Pyrenäen.

Die Region im Überblick: Vor der Kulisse der Pyrenäen

Unsere Glanzlichter aus dem Roussillon ganz im Süden: von einer ganz besonders heißen Metropole, künstlerischer Inspiration und Kirschen, die so gut schmecken, dass die erste Ernte direkt an den französischen Staatspräsidenten im Elysée-Palast geht.

Mont-Louis :
Frankreichs höchstgelegene Festungs- und Garnisonsstadt Mont-Louis steht auf 1600 Meter Höhe. Ludwig XIV. ließ sie erbauen, um den Zugang zum Hochplateau der Cerdagne und dem Hochtal des Capcir zu kontrollieren. Über dem Zentrum erhebt sich die Zitadelle. Besichtigung nur im Juli und August.

Villefranche-de-Conflent :
Die Hauptstadt des Conflent-Tals ist ein Schmuckstück aus rosa Marmor. Ihre Gründung 1092 verdankt sie der günstigen Lage am Zusammenfluss von Têt, Cady und La Rotja. Die von Festungsmauern umgebene Stadt hat sich seit dem 17. Jahrhundert kaum verändert.

Perpignan :
Sie ist die in meteorologischer Hinsicht heißeste Stadt Frankreichs, und ihr Lebensgefühl ist dem in Barcelona sehr ähnlich. Mitten in Perpignan liegt ein Palmenhain. Abends locken Tapas, tagsüber die nahen Strände und Berge, deren Pisten im Winter zum Skifahren einladen.

Céret :
Die „Wiege des Kubismus“ ist ein bilderbuchschönes Städtchen. Picasso, Braque und Max Jacob kamen ab 1911 mehrere Sommer zum Malen. Rund um das Obstbau-Städtchen blühen die Kirschbäume. Die erste Schale der bereits im Mai reifen Früchte geht traditionell an den französischen Präsidenten in den Elysée-Palast.

Argelès :
Dramatisch rücken die Pyrenäenausläufer bis an den mittelalterlichen Ort heran. Mit Argelès beginnt die Côte Vermeille. Zum Strandausläufer Argelès-Plage führt die Landstraße durch dichtes Grün. Pinien begrünen auch die Plage des Pins, an deren Sandband man leicht ein schattiges Plätzchen findet.

Collioure :
Tintenblau schwappt das Meer an die von roten Felsen gerahmten Strände des Fischer- und Winzerstädtchens. Gefischt wird kaum noch. Bleibt der Wein. Im Sommer fluten Urlauber die Gassen zwischen der Burg und dem St.-Vincent-Felsinselchen, und auf den Terrassen funkelt der Rotwein im Glas.

Info & Camping in  Roussilon 

Information:

Das Fremdenverkehrsamt des Roussillon unterhält eine gut bestückte Webseite, auf der alle wichtigen Informationen auch auf Deutsch zu finden sind.

Comité Départemental du tourisme des Pyrénées-Orientales,
Adresse: 66005 Perpignan Cedex, 16, Avenue des Palmiers, CS 80540, Tel.: 00 33/4 68 51 52 53.

Camping:

66140 Canet en Roussillon: Camping Village Le Brasilia
Dieses familienfreundliche Campingdorf nördlich von Canet-Plage kann nicht nur mit einer neu angelegten Badelandschaft punkten, sondern es bietet auch ein vielseitiges Freizeitangebot. Das ebene, parkähnliche Gelände hat einen direkten Zugang zu 500 Meter Sandstrand und eine gepflegte Sanitärausstattung. Bars, Restaurants und Geschäfte auf dem Gelände.
Preisgruppe 5*.
Standort: 2 Avenue Anneaux du Roussillon, GPS 42°42’30”N, 03°02’08”O,
Tel.: 00 33/4 68 80 23 82.

66702 Argelès-sur-Mer: Camping le Soleil
Angenehmer Platz in Argelès-sur-Mer direkt an einem weiten, 400 Meter langen Sandstrand. Schattige Stellplätze unter Bäumen, großes Schwimmbad, gepflegte Sanitärausstattung. Laden und Feinschmecker-Restaurant auf dem Platz.
Preisgruppe 5*.
Standort: Route du Littoral, GPS 42°34’33”N, 03°02’32”O,
Tel.: 00 33/4 68 81 14 48,

66360 Serdinya: Camping Mas de Lastourg
Ein einfacher Campingplatz in den Bergen bei Serdinya. Gute Ausgangsbasis für einen Besuch des mittelalterlichen Städtchens Villefranche-de-Conflent, für Wanderungen und für Touren durch die katalanischen Pyrenäen. Schwimmbad, schlichte Sanitärausstattung und schattige Stellplätze.
Preisgruppe 2*.
Standort: 116 Route Nationale Joncet, GPS 42°34’35”N, 02°20’41”O,
Tel.: 00 33/4 68 05 35 25,

66120 Font-Romeu: Huttopia Font-Romeu
Der in einem Wald am Eingang des Dorfes Font-Romeu gelegene Platz hat neben einem traumhaften Ausblick auf die Pyrenäen und ruhigen, schattigen Stellplätzen ein attraktives Angebot an Freizeitaktivitäten. Ideal auch für Wintersportler, denn dieser Platz ist ebenfalls in der Wintersaison geöffnet. Gepflegte Sanitärausstattung. Preisgruppe 4*.
Standort: Route de Mont-Louis, GPS 42°30’22”N, 02°02’48”O,
Tel.: 00 33/4 68 30 09 32,

Sehenswertes

Palais des Rois de Majorque:
nach 35 Jahren Bauzeit konnten die Könige von Mallorca 1285 in Perpignan ihren Palast beziehen. Bis 1344 hielten sie dort Hof. Ehrenhof, Arkadengalerien und monumentale Treppen zeugen bis heute von der einstigen Pracht. Im Torre Major, dem wuchtigen Donjon, lassen sich die Gemächer des Königspaares besichtigen.
Adresse: 6600 Perpignan, Rue des Archers, Tel.: 00 33/4 68 34 96 26,
www.perpignantourisme.com

St.-Martin-du-Canigou:
Der Wagen parkt in Casteil: Weiter dürfen nur autorisierte Fahrzeuge fahren. Vom Weiler führt ein Wanderweg zur Abtei (45 Minuten), die auf einem Felssporn thront. Abteigründer Graf Guifred de Cerdagne verbrachte hier im 11. Jahrhundert seine letzten Monate.
Adresse: 66820 Casteil, Tel.: 00 33/4 68 05 50 03, www.stmartinducanigou.org

Train jaune:
Die kanariengelbe Bimmelbahn ist seit 1910 die originellste Art, von Villefranchede-Conflent aufs Hochplateau der Cerdagne zu reisen. Während der dreistündigen Fahrt durch 19 Tunnel und über 20 Brücken überwindet die Schmalspurbahn fast 1600 Höhenmeter und bietet einen tollen Ausblick.
Adresse: Office de Tourisme,  66500 Villefranche-de-Conflent, Place de l’Eglise,
Tel.: 00 33/4 68 96 22 96, www.villefranchedeconflent.fr

In Stein gehauen
Zum Laboratorium der Romanik wurde das Roussillon um das Jahr 1000. Laut Überlieferung riefen die Grafen von Barcelona lombardische Maurer ins Land. Sie führten die typischen, festungsartigen Kirchtürme und Schmuckfriese ein. Der zinnengekrönte Kirchturm der Abbaye de St.-Michel-de-Cuxa überragt zum Beispiel den Conflent. Erstmals setzen sich hier lombardische Stilmerkmale durch. Zu den Paradebauten zählt auch die Kathedrale in Elne. Besonders der südliche Kreuzgang mit einer Darstellung der Erschaffung von Adam und Eva ist ein Meisterwerk. Die Kirche von Serrabone wiederum lockt mit Säulenkapitellen aus rosa Marmor.

Trendweine
Seit dem 7. Jahrhundert wird im Roussillon Wein angebaut. Doch erst seit 20 Jahren sind die Produkte der kleinen, feinen Appellationen Côtes-du-Roussillon und Côtes-du-Roussillon-villages zu Trendweinen geworden. Eine Generation junger Winzer machte es möglich. Besonders gefragt sind die Tropfen von den ganze 620 Hektar umfassenden Weinbergen in Collioure. Die Weine verführen mit Aromen von reifen Beeren, würzig und kraftvoll. Eine Ausnahme sind die Aperitifund Dessertweine aus Banyuls, Rivesaltes oder Maury – sie erleben gerade ihr Comeback. www.vinsduroussillon.com

Ganz oben im Roussillon

Der Canigou gilt als Symbol aller Katalanen beiderseits der Pyrenäen. Die Bezwingung des 2784 Meter hohen Bergs ist daher fast ein Ritual, das jeder Einheimische einmal im Leben absolviert. Von Vernet-les-Bains führt die halsbrecherische Piste du Col de Fillos (20 Kilometer, Mai bis Oktober) bis 900 Meter unterhalb des Canigou-Gipfels. Am besten überlässt man die Tour einem professionellen Anbieter, den das Office de Tourisme vermittelt. Ziel der Jeeptouren, die noch vor dem Morgengrauen beginnen, ist der Refuge de Mariailles, eine Berghütte auf 1700 Meter (55 Schlafplätze, 16 Euro/Nacht, Telefon 00 33/4 68 05 57 99). Von dort startet ein atemberaubender Wanderweg zum Gipfel (6,5 Stunden hin und zurück).
Adresse: Office de Tourisme,  66820 Vernet-les-Bains, Tel.: 00 33/4 68 05 55 35,
www.ot-vernet-les-bains.fr

Preise und Wertung

CARAVANING-Wertung: Dieses Symbol zeigt an, wie CARAVANING einen Campingplatz hinsichtlich Lage, Ausstattung und Freizeitwert beurteilt. Dabei werden maximal drei Smileys pro Kriterium vergeben.

- Preisgruppe 1: bis 20 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
- Preisgruppe 2: bis 25 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
- Preisgruppe 3: bis 30 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
- Preisgruppe 4: bis 35 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
- Preisgruppe 5: über 35 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz

Diese Angaben beziehen sich auf die Hauptsaison. Alle Angaben ohne Gewähr.

Klassifizierung: CARAVANING gibt grundsätzlich die offizielle nationale Klassifizierung (Kategorie oder Sterne) an. Klassifizierungen sind in Deutschland (maximal fünf Sterne) freiwillig, deshalb bedeuten fehlende Sterne nicht zwangsläufig schlechte Qualität. Österreich hat gar keine Kategorien. Frankreich und Italien kennen maximal vier Sterne.

Autor

Foto

Fotos: Negwer, iStockphoto: Floortje, Pejft, Colombo, fotolia: Yvann K, Panorama, Alain Finger, Atout France: Franck Charel, Fabrice Milochau

Datum

6. Februar 2012
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