Ratgeber Reise - Schweden 20 Bilder Zoom

Reise-Tipp Schweden: Schweden-Platte

Schweden präsentiert sich als gastfreundliches Land für Caravan-Urlauber. Beispiel: Bohuslän. Mit viel Wasser, Fels und Fischerdörfern ist es zu jeder Jahreszeit ein ideales Revier für Entdecker.

Alter Schwede: was für ein Licht, was für eine magische Stimmung. Ein fröhliches Völkchen sitzt vor Skaldjurs Café in der abgelegenen Bucht von Havstenssund, schlürft Austern oder isst Muscheln, lässt sich einen Teller mit frischen Garnelen bringen, genießt unterdessen in aller Ruhe den gut gekühlten Weißwein und schaut in die Sonne. Eine kleine Armada bunter Segelboote hält stracks auf die roten Holzhäuser am Anleger zu, blonde Kinder, blonde Frauen, blonde Wikinger springen an Land.

Es ist Spätsommer an der schwedischen Westküste, ein sanfter Wind weht die Melancholie des Nordens für eine Saison voll praller Lebenslust hinter den Horizont. Gut neun Monate lang wirken Licht und Stimmung in diesem Land oft wie gedimmt. Aber dann, als ob der liebe Gott und Astrid Lindgren gemeinsam am Schalter gedreht hätten, leuchtet Schweden für die Sommermonate plötzlich auf. Alles strebt ans Wasser, zum Beispiel an die Schärenküste von Bohuslän, die kleine Provinz der Fischer und Skipper, der Typen und Käuze zwischen der großen Stadt Göteborg und der norwegischen Grenze.

Staffan Greby in Grebbestad ist so ein Typ. Er war erst Ingenieur und dann Blaumuschel-Farmer, der erste in Schweden. Danach hat er aus einem Fischimbiss auf dem Holzsteg eine der berühmtesten Gastwirtschaften der Westküste gemacht, das „Greby’s“. Noch immer, obwohl es ihm schon längst nicht mehr gehört, kommen die Leute bis aus Stockholm, um hier feinstes Seafood zu genießen.

Staffan handelt nun mit Knäckebrot aus Tang und leitet eine Austernakademie.  Das ist hier naheliegend, schließlich gehören die Schalentiere aus Grebbestad zur Weltklasse. Auch Freunde anderer Krustentiere können es sich schmecken lassen, rund die Hälfte der schwedischen Hummer werden hier gefangen, dazu Meereskrebse und Garnelen. Wer Lust hat, fährt mit den Austerntauchern zum Fang.

Blauer Himmel über Land und Meer. Segler, die von den hohen Brücken und den Aussichtsorten auf den Felsen wie hingetupft auf dem glitzernden Wasser wirken. Es ist eine beruhigende, eine stille amphibische Landschaft zwischen den Orten. Hin und wieder machen Radler, Wanderer oder Camper direkt am Ufer Rast. Wenn dort wirklich schon jemand anders sitzt, grüßt man sich, hej, hej, und freut sich auf die nächste Bucht, die man garantiert für sich alleine hat.

Außerhalb der Badeorte gilt nämlich: Es gibt deutlich mehr Mücken als Menschen in diesem Land oder, wie es Gerhard Polt einmal gesagt hat: „Der Schwede wimmelt nicht ...“ Das tut er nicht einmal in einem so bekannten Seebad wie Fjällbacka: rote Holzhäuser, weiße Villen, eingekeilt zwischen der Meeresküste und einer steilen Felswand.

Ingrid Bergman hat hier und auf den Schären vor dem Dorf über viele Jahre den Sommer genossen, weit weg von Hollywood. Die Leute in Fjällbacka haben ihrem berühmtesten Stammgast von damals ein richtiges Denkmal gesetzt, eine Büste auf dem Ingrid-Bergman-Platz. Aus dem Café Bryggan, wo der Weltstar früher oft Kaffee getrunken hat, dringt sanfte Livemusik.

Weiter südlich sind Smögen und Lysekil für Göteborger, was Kampen oder Timmendorf für Hamburger oder Düsseldorfer bedeuten: Die Jungen und Schönen aus der Großstadt bevölkern in Lysekil den In-Biergarten „Jönssons Katt“, in Smögen angesagte Kneipen wie das „why not“.

Zurück in die Stille, zum Beispiel nach Mollösund auf der Insel Orust, wo Berit und Gunnar Mattson „Emmas Café“ zu einer Institution gemacht haben: eine urige Herberge am Hafen, zu der ein Feinschmecker-Restaurant direkt auf dem Steg  gehört.

In der Chronik, die hier ausliegt, lässt sich nachlesen, wie es damals mit der Heringsfischerei war und mit den Männern, die allzu oft auf See geblieben sind. Eine Fischersfrau, aus hartem Holz geschnitzt, schaut von einem Felsen aufs Meer, als ob sie bangen Herzens auf Mann oder Sohn warte, die da draußen ihre Netze legen. Fjällbacka, Mollösund, Skärhamn auf der Insel Tjörn, Varekil am Halsefjord: Sehnsuchtsorte, eben Bilderbuch-Schweden. Nach sonnensatten Tagen und Nächten zuckeln die Urlauber auf der Europastraße wieder südwärts, freuen sich vielleicht noch auf ein paar kulturelle und kulinarische Höhepunkte zum Schluss. Und auf einmal, im Stau kurz vor der großen Stadt, hat man das Gefühl, dass auch der Schwede durchaus wimmeln kann.

Aber was soll’s, es ist einer dieser milchig-hellen Nachmittage im Norden, das nächste Fischrestaurant ist nicht weit, und im Autoradio spielen sie Abba rauf und runter.

Sie gehören zu diesem Land wie Abba, Volvo- und Michel aus Lönneberga - die typischen roten Holzhäuser, die sich der wald- und wasserreichen Natur so gut anpassen. Manche nennen die Farbe rostrot oder ochsenblutrot. Die Schweden sagen Faluner Rot (falu rödfärg) dazu, weil der Grundstoff seit Jahrhunderten aus dem Schlamm der Kupfergrube von Falun in der mittelschwedischen Bilderbuch-Provinz Dalarna gewonnen wird.

Diese rostfreie Eisenfarbe enthält keine Lösungsmittel, sie lasiert das Holz nur, die Oberfläche bleibt offenporig. Faluner Rot hat sich weit über Schweden hinaus zum Symbol für kuscheligen Ferienhaus-Urlaub in Skandinavien entwickelt. Gerade in Bohuslän finden sich neben Abertausenden Faluner Holzhäusern auch immer häufiger welche in Schwedengelb oder leuchtendem Weiß. Orte wie Mollösund, Grebbestad und die Villenviertel der Seebäder wirken deshalb auch an grauen Tagen bunt und fröhlich. Von beschaulichen Buchten, gedörrtem Stockfisch, lebenslustigen Mittsommernachtsfesten und Fischersfrauen, die aufs Meerschauen - Sehenswertes mit viel schwedischer Gelassenheit.

Strömstad: Nur einen Katzensprung entfernt von Norwegen liegt dieser kleine Hafenort, der sich zu einem freundlichen Ferienziel entwickelt hat. Wie andere Teile von Bohuslän hat Strömstad bis 1658 zu Norwegen gehört. Damals war es ein Fischerdorf, heute ist es Knotenpunkt verschiedener Fährlinien und ein Zentrum der Fischindustrie.

Fjällbacka: Eine spektakuläre Lage zeichnet diesen Ort aus: Er lehnt sich an eine Felswand, die fast 80 Meter steil aufragt. Filmfreunde werden in dem Dorf gleich mehrfach auf Spurensuche gehen können. In der Nähe wurde „Ronja Räubertochter“ gedreht; im Zentrum erinnert eine Statue an Ingrid Bergman, die hier oft Urlaub gemacht hat.

Smögen: Der hübsche Ort auf der gleichnamigen Insel hat nur 1400 Einwohner. Im Juli kommen an manchen Wochenenden zehnmal so viele Besucher. Ab Mitte August wird es angenehm ruhig; dann macht das Flanieren an der Promenade Smögenbryggan am Hafen, wo sich Pub an Café und Boutique reiht, wieder deutlich mehr Spaß.

Mollösund: Hier ist im sprichwörtlichen Sinne die Kirche im Dorf geblieben, und sogar der Dorsch hängt noch an Holzgerüsten, um sich vom Wind zu Stockfisch dörren zu lassen. Symbol für den bis heute von der Fischerei geprägten, sehr authentischen Hafen ist diese hölzerne Frau, die von einer Felshöhe aus besorgt Ausschau hält.

Göteborg: Die Metropole Westschwedens ist eine schöne, weltoffene Stadt, mindestens zwei Tage sollte man für sie einplanen, durch die Innenstadt schlendern, vorbei am Denkmal des Stadtgründers Gustav II. Adolf (Foto). Danach einen Bummel von der Kungsportbron zum Götaplatsen über den Prachtboulevard Avenyn machen.

Grebbestad: Im Sommer drängen sich hier Freizeitkapitäne, Tagesgäste aus Göteborg und Touristen aus aller Welt. Es geht trotzdem schwedisch-gelassen zu. Aber mindestens zweimal im Jahr steppt der Fisch: an Midsommar und drei Wochen später, wenn der Ort „Carnevalen“ feiert, zum Beispiel mit Mazurka und Walzer auf den Bootsstegen.

Die Felsritzungen von Tanumshede, nur ein paar Autominuten von der Küste bei Grebbestad nach Osten entfernt, sind ein Muss-Ausflugsziel. Sie sehen zwar aus, als würden sie wie ein Comic vom Leben der Bronzezeit-Menschen erzählen. Aber was die Leute mit ihren Zeichnungen vor 3000 Jahren wirklich sagen wollten, ist wissenschaftlich höchst umstritten. Es sind, so viel ist sicher, Zeugnisse alltäglichen wie auch religiösen Lebens. Sie handeln von der Seefahrt, von der Jagd (oder doch eher von kriegerischen Kämpfen?), aber ganz offensichtlich auch von Hochzeiten und mythischen Szenen wie einem Mann mit Schlange. Der Fantasie sind an diesem landschaftlich schönen Ort, der seit 1994 Weltkulturerbe ist, jedenfalls keine Grenzen gesetzt.

Es versteht sich, dass in dieser Küstenregion Frisches aus dem Meer die Speisekarten der Restaurants dominiert. Garnelen (räkor), Räucherlachs (rökt lax) und Heringshappen in unzähligen Varianten wie eingelegt (inlagd sill), mariniert, als Heringssalat (sillsallad) oder Glasmästersill (Glaserhering) mit Roten Beten und Zwiebeln gehören sowohl zur kleineren Schwedenplatte, die zu jeder Tageszeit angeboten wird, als auch zum Smörgåsbord, dem üppigen Mittagsbuffet mit warmen und kalten Gerichten. Für Nicht-Autofahrer ein absolutes Muss: der beliebte Aquavit hinterher.

KOMPAKTINFO

Göteborg maritim: Die Stadt ist von der Seefahrt geprägt, gut gezeigt im Museumshafen „Maritiman“. Dort, am Pakhuskajen, liegen 20 Schiffe aus fast allen Epochen vor Anker. Bis Sept. tgl. 10-18 Uhr, Oktober 10-16 Uhr. Eintritt 80 SEK (ca. 8,50 Euro).

City-Erkundung zu Wasser mit den offenen Paddan-Rundfahrtbooten, die am Anleger Lilla Brommen starten. Die etwa einstündige Tour kostet 130 SEK (knapp 14 Euro). www.maritiman.se (englisch), www.goteborg.com

Das Gräberfeld von Blomsholm Ein paar Kilometer nördlich von Strömstad lohnt eine der größten Steinsetzungen Schwedens einen Abstecher. Die 49 Steine erinnern an die Hinkelsteine des Obelix; es sind eindrucksvolle Monumente aus der Zeit der Völkerwanderung (zwischen 400 und 600 n. Chr.).Grebys Meeresfrüchte vom Feinsten. Für schwedische Verhältnisse moderate Preise. Bei schönem Wetter sitzt man auf dem Steg mit Hafenblick. 45702 Grebbestad, Strandvägen 1, Telefon 00 46/52 51 40 00.

Tanums Gestgifveri Im Binnenland von Boshuslän speist man seit 1663 sehr gute Lamm-, Wild- und Fischgerichte. 45732 Tanumshede, Apoteksvägen 7, Telefon 00 46/52 52 90 10.

Anreise: Mit Hochseefähren von Kiel nach Göteborg (Stena Line) oder von Travemünde nach Trelleborg (TT-Line). Für einen Besuch in Kopenhagen: über Malmö und die Öresundbrücke oder von Helsingborg nach Helsingør.

Auskunft: Visitsweden, Telefon 0 69/22 22 34 96, www.visitsweden.com

45297 Strömstad: Daftö Feriecenter

Abenteuerpark und Campingplatz mit Ganzjahresöffnung. Zwei Sandbadestellen und ein öffentliches Freibad. Animation für Kinder, großer Spielplatz. Gastronomie. Preisgruppe 5*.
Standort: Dafter 2511, GPS 58°54’16”N, 11°12’01”O, Telefon 00 46/52 62 60 40.

41655 Göteborg: Lisebergs Camping Kärralund

Ganzjähriger Campingplatz auf Wiesengelände, an einem Naturreservat gelegen. Guter Ausgangspunkt für Ausflüge
nach Göteborg. Preisgruppe 5*.
Standort: Olsbersgatan 1, GPS 57°42’16”N, 12°01’48”O, Telefon 00 46/31 84 02 00.

45196 Uddevalla: Hafsten Resort

In typischer Schärenlandschaft auf einer Halbinsel gelegen. Motorboot- und Kanuverleih, Kinderanimation, Schwimmbad mit Wasserrutsche, langer Sandstrand, moderne Sanitäranlagen. Ganzjährig. Preisgruppe 5*.
Standort: Hafsten 120, GPS 58°18’53”N, 11°43’25”O, Telefon 00 46/5 22 64 41 17.

45691 Kungshamn: Solvik Camping

Wiesengelände in windgeschützter Bucht mit Blick auf die Smögen-Brücke. Ein großzügiger Kinderspielplatz mit vielen Spielmöglichkeiten. Einige Restaurants im Ort. Badestellen etwa 600 m entfernt. Geöffnet von Mai bis September. Preisgruppe 5*.
Standort: Kungshamn, GPS 58°23’31”N, 11°15’28”O, Telefon 00 46/52 31 88 90.

CARAVANING-Kostenrechner: Die Preisgruppen

    * Preisgruppe 1: bis 20 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
    * Preisgruppe 2: bis 25 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
    * Preisgruppe 3: bis 30 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
    * Preisgruppe 4: bis 35 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz
    * Preisgruppe 5: über 35 Euro für 2 Erwachsene, 1 Kind (14 Jahre), Stellplatz

Diese Angaben beziehen sich auf die Hauptsaison, Angaben ohne Gewähr.
Klassifizierung: CARAVANING gibt grundsätzlich die offizielle nationale
Klassifizierung (Kategorie oder Sterne) an. Klassifizierungen sind in
Deutschland (maximal fünf Sterne) freiwillig, deshalb bedeuten fehlende
Sterne nicht zwangsläufig schlechte Qualität. Österreich hat gar
keine Kategorien. Frankreich und Italien kennen maximal vier Sterne.

Autor

Foto

Joachim Negwer

Datum

29. September 2011
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