Reise: Usedom, CAR 6/2012 - Wo der Kaiser baden ging 25 Bilder Zoom

Reise: Usedom: Wo der Kaiser baden ging

Bildschöne Seebrücken, nostalgische Bäder-Architektur, Säulen und Türmchen: In vielen Orten Usedoms herrscht noch ein Hauch von alter Kaiserzeit - doch am Strand weht stets frischer Wind.

Frühlingsstimmung auf Usedom, der Übergang zum prallen Sommer ist fließend, manchmal nur eine Frage von wenigen Tagen. Noch aber flanieren die meisten Urlauber auf Promenaden und Seebrücken, „sammeln“ prominente Namen auf den Erinnerungstafeln vor den renovierten Villen aus der Kaiserzeit, fotografieren die Details der Bäder-Architektur: Giebel, Säulen, Türmchen und Ornamente. Es ist die Zeit der Aktiven, der Zünftigen, die sich nur zu gern von einer frischen Brise durchpusten lassen. Windkosmetik heißt das im Wellness-Jargon der Kurverwaltung. Noch ist hier nicht alles überlaufen - eine sehr gute Gelegenheit für einen Urlaub auf den zahlreichen schönen Campingplätzen in dieser Region.

An den breiten Sandstränden werden sich schon bald viele Urlauber vergnügen, in den Strandkörben erholen, die Picknickkörbe für einen Ausflug ins überraschend vielseitige Hinterland packen. Mit über 1900 Sonnenstunden im Jahr hält Deutschlands zweitgrößte Insel den Rekord in diesem Land. Sie hat eine ungewöhnliche Form, wirkt auf der Karte wie ein zerrissener Lappen, stößt an vielen Stellen fast unmittelbar ans Festland - und hat doch alle Eigenarten einer Insel mit vielen Gesichtern bewahrt.

Die Geschichte von Neureichen, Bankiers und Adeligen

Da sind, in der ersten Reihe, die Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Sie haben den Ruhm der Insel im fernen Nordosten des Landes zu Zeiten begründet, als Urlaub und Ferien noch nichts Selbstverständliches waren. Man reiste um die vorvorige Jahrhundertwende in die Sommerfrische ans Meer, baute sich neben die Fischerkaten protzige Villen und prunkvolle Häuser, die den Lebensstil vor allem der neureichen Berliner jener Zeit an die Ostsee verpflanzten. „Sehen und gesehen werden“ hieß seinerzeit das Motto, und 1897 stöhnte der Kritikerpapst Alfred Kerr, dass man auf der Ahlbecker Promenade genau jene Typen treffe, vor denen man in Berlin geflohen sei. Neben den Bankiers wie Bleichröder und Oppenheim, Unternehmern wie Schering und Stobwasser siedelten sich auch Künstler an: Bildhauer, Maler, Galeristen, Dichter. Wer es sich leisten konnte, erwarb dort ein Haus und bewirtete auf großen Gesellschaften honorige Gäste.

Nach Nazizeit, Zweitem Weltkrieg und 40 Jahren DDR, in denen viele Adelspaläste zu Gewerkschaftsheimen umgebaut oder dem Verfall überlassen wurden, lässt sich wieder viel vom Glanz der frühen Jahre erahnen. Die Seebrücke von Bansin und die hölzerne Konzertmuschel davor - alles fast wie früher. Auch in Ahlbeck, dem wohl populärsten Kaiserbad, ist die historische Brücke mit dem Seepavillon und der Jugend-stil-Standuhr längst wieder zum gesellschaftlichen- Mittelpunkt geworden. Und die Kurverwaltungen knüpfen mit originellen Events an die Belle Époque an, laden zu hochkarätigen Musikfestivals und zu einer Schlemmermeile ein, die sich am Strand durch alle Nobelbäder zieht - ein großartiger Spaß.

Kleine, intime Küstenorte sind berühmten Bädern überlegen

Aber die drei berühmten Bäder sind ja nur ein Teil von Usedom, der bekannteste, aber zugleich der kleinste. Nicht wenige Stammgäste fühlen sich in den kleineren Küstenorten, den sogenannten Bernsteinbädern, besonders wohl: Dort, wo sich die Insel zwischen Achterwasser und Ostsee einschnürt wie eine Frau, die besonders schlank wirken will, bieten Zempin, das charmante Fischerdorf Koserow, Kölpinsee/Loddin mit seinem Küstenradweg und das waldreiche Seebad Ückeritz Romantik und Reize, wie sie Familien, Individualisten und Urlauber auf Campingtour so besonders lieben.

Noch verträumter und noch naturbelassener ist das Land hinter dem Strand, rund ums Achterwasser, eine seenartige Ausbuchtung des Flüsschens Peene: die Mellenthiner Heide, der Lieper Winkel, die stille Region um den Usedomer See, der Haubenhörn, ein Gewässer nördlich von Liepe. Abenteurer werden die Halbinsel Wolgaster Ort zwischen Trassenheide und Krummin oder die Halbinsel Gnitz zwischen Achterwasser und Krumminer Wiek entdecken wollen.

Der alte Ruhm des Kaufmanns- und Seefahrerlebens

Auch jenseits der Sonneninsel, in den beiden Städtchen, die sich Tore zu Usedom nennen, sind überraschende Begegnungen möglich: In Anklam, dessen Altstadt im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde, mag man sich auf die Spuren des Flugpioniers Otto von Lilienthal begeben. Er wurde hier, am Peeneufer, im Mai 1848 geboren. Das nördliche Tor, über zwei Brücken mit Usedom verbunden, ist Wolgast. Wer mal durch dieses freundlich-gemütliche Städtchen bummelt oder das Heimatmuseum besucht, wird sicherlich etwas vom vergangenen Ruhm der alten Kaufmanns- und Seefahrerstadt spüren.

Und wenn das Vergnügen dann grenzenlos sein soll, lässt man das Auto für einen Tag stehen und setzt sich in Ahlbeck in einen modernen Triebwagen der Bäderbahn.  Wie zu Kaisers Zeiten rauscht sie  wieder bis ins heute polnische Swinemünde, das geografisch zur Insel Usedom gehört. Dort hat einmal das Bäderleben angefangen, damals, als noch niemand von Wellness oder Windkosmetik gesprochen hatte. Heute ist Swinemünde eine lebhafte Stadt – und ein Besuch beim polnischen Nachbarn kann durchaus das i-Tüpfelchen eines gelungenen Usedom-Urlaubs sein.

Wasserschloss Mellenthin

In schöner Lage lockt dieses gut 430 Jahre alte Wasserschloss mit allerlei Reizen. Es ist ein geschichtsträchtiger Herrensitz, an dem sich die Historie der Insel festmachen lässt. Die Anlage umfasst ein Hotel und nebenan einen Gutshof, der jedes Jahr aufs Neue auch einem Storchenpaar als Unterkunft dient. Mellenthin ist ein Ort, in dem die Kirche im Dorf geblieben ist - rustikal und von alten Sagen und Legenden umwoben. Zum Erlebniszentrum gehören ferner eine hauseigene Brauerei und eine Gastronomie, deren Ambiente zum Angebot passt: In Gewölben und mit entsprechend gekleideter Bedienung werden hier zum Beispiel „Räubermolle“ (Spareribs mit Ofenkartoffeln), ein mittelalterliches Ritterbüfett oder ein zünftiger Piratenabend geboten - lohnenswert. www.wasserschloss-mellenthin.de

Traditionell gut

In den noblen Restaurants der Kaiserbäder darf feine Küche erwartet werden. Mindestens genauso beliebt sind aber die vielen Traditionslokale, die pommersche Hausmannskost auftischen. Gute Qualität und viel auf dem Teller, das war schon immer das Motto in dieser einst agrarisch geprägten Region („Beter de Buk platzt, as dat wat öwrig blivt ...“). Natürlich steht Fisch aus der Ostsee überall auf der Karte. Unbedingt probieren: die Ahlbecker Fischsuppe mit Stücken vom Dorschfilet.

Bäderbahn nach Swinemünde

Seit September 2008 rollt die Usedomer Bäderbahn (UBB) von Ahlbeck über die Grenze ins polnische Swinemünde (Świnoujście). Der Ort am östlichen Wurmfortsatz der Insel Usedom wirkt städtischer als die Kaiser- und Bernsteinbäder. Für die Polen ist es ein beliebter Kurort und lebhafter Fährhafen. Die Grenze darf heute nicht nur von Radfahrern, Fußgängern und Fahrgästen der UBB überschritten werden, sondern auch von Pkw bis 3,5 Tonnen. Für Usedom-Urlauber bietet ein Besuch beim Nachbarn neben viel Kultur und Geschichte (Kirchen und Festungen) einen breiten Strand und einen Leuchtturm, der mit 68 Metern bei der Eröffnung 1859 als der höchste auf der Welt galt. www.swinoujscie.pl/de


Die Region im Überblick

Traditionsreiche Seebäder an der Küste, stille Regionen und Dörfer wie aus einer anderen Zeit im Hinterland - die vielen reizvollen Kontraste der Ostseeinsel verleiten zu ausgedehnten Entdeckungstouren.

1 ZINNOWITZ

Kein Kaiserbad, und doch prägt klassische Bäderarchitektur auch hier das Ortsbild: Wer besonders schöne Villen aus der angeblich guten alten Zeit „sammelt“, wird an der Strandpromenade bald fündig. Das Heimatmuseum im Bahnhof bietet mit Exponaten zur Bädergeschichte auch Stoff zum Schmunzeln. www.zinnowitz.de1

2 LIEPER WINKEL

Diese Halbinsel inmitten des Achterwassers ist der perfekte Kontrast zur Perlenkette der Ostseebäder. Naturliebhaber werden sich über Störche und Reiher freuen, die malerischen Dörfer Rankwitz, Warthe und Liepe atmen noch Ursprünglichkeit, von Quilitz geht der Blick auf den Peenestrom. www.rankwitz-im-lieper-winkel.de2

3 BANSIN

Als Kaiserbad ist es das kleinste und jüngste. Aber als der Ort „Banzino“ 1256 gegründet wurde, war von den berühmteren Nachbarorten noch gar nichts zu sehen. Bansin bietet überraschende Gegensätze: Hier Villen, die einst von Hochwohlgeborenen gebaut wurden, dort rustikale Fischerkaten und Heringsräuchereien. www.bansin.de3

4 HERINGSDORF

Schon 1817 gegründet, ist das „Dorf“ bis heute ein Lieblingstreff vieler Berliner. Man flaniert an Gründerzeit-Villen vorbei zur Seebrücke, die mit über 500 Metern die längste in Kontinentaleuropa ist. Sie bietet viel Abwechslung mit Muschelmuseum, Wachsfigurenkabinett, Kino, Disco und 25 Geschäften. www.kaiserbaeder.usedom.de4

5 AHLBECK

Unter den drei Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck galt Letzteres früher als das volkstümlichste - heute haben sich alle drei in Sachen Ambiente und Angebot angeglichen. Beliebter Treffpunkt ist die alte Standuhr vor der Seebrücke. Auch der Konzertpavillon erinnert an Ahlbecks kaiserliche Vergangenheit. www.ahlbeck.de5

6 STADT USEDOM

Das Städtchen, dem die Insel ihren Namen verdankt, ist viel kleiner als die Seebäder - und viel kuscheliger. Alles wirkt wie ein Relikt aus der Fontane-Zeit, mit Kopfsteinpflaster und von Bürgerhäusern gesäumten Gassen. Von der alten Stadtbefestigung ist nur das Anklamer Tor übrig. www.stadtinfo-usedom.de6

Usedom kompakt: Info & Camping

Information
Usedom Tourismus
Der offizielle Partner für Urlaub auf der Sonneninsel hat schon auf der Website eine Menge zu bieten, von Infos zu allen Orten der Region bis hin zu Tipps und Terminen von Festivals und vielen anderen Veranstaltungen.
Usedom Tourismus GmbH
Waldstraße 1, Seebad Bansin
Tel. 03 83 78/47 71 10
www.usedom.de
 
17424 Heringsdorf
Mobilcamp Heringsdorf
 
Ein kleiner und feiner Platz für Ostseefans zwischen den Seebrücken von Heringsdorf und Bansin in direkter Nähe zum Meer. Ebenes Wiesengelände mit Hecken, teilweise von schönen Bäumen und anderen Grünpflanzen umgeben. Auf einer Fläche von 1,2 ha gibt es 71 parzellierte, nummerierte Stellplätze. Komfortable Sanitäranlagen. W-LAN auf dem gesamten Gelände. Von April bis Oktober und zum Jahreswechsel geöffnet. Preisgruppe 3*.
Standort: Triftstraße 10a
GPS 53°57’42”N, 14°09’15”O
Tel. 03 83 78/48 97 03
www.mobilcamp-heringsdorf.de
 
17449 Karlshagen
Dünencamp Karlshagen
 
Dünencampingplatz im Wald unmittelbar an der Küste im Norden Usedoms, dem unberührtesten Teil der Insel. Der Strand schließt sich direkt an. 340 Stellflächen, in die drei Bereiche „Wald“, „Sonne“ und „Meer“ unterteilt. Moderne Sanitäreinrichtungen, W-LAN an der Rezeption. Ganzjährig geöffnet. Preisgruppe 3*.
Standort: Zeltplatzstraße
GPS 54°07’03”N, 13°50’42”O
Tel. 03 83 71/2 02 91
www.karlshagen.de
 
 
17459 Zempin
Camping Am Dünengelände
 
Fast direkt am Ostseestrand liegt dieser gehobene Platz. 500 Stellplätze auf rund 6,5 ha Fläche, unterschiedlich in Größe und Untergrund im lockeren Küstenwald. 7 Strandzugänge. Moderne Waschhäuser, Restaurant mit W-LAN. Teils Veranstaltungen, Frühschoppen und Kinderanimation in der Hauptsaison. Ganzjährig geöffnet. Preisgruppe 4*.
Standort: Am Dünengelände
GPS 54°04’20”N, 13°56’21”O
Tel. 03 83 77/4 13 63
www.camping-zempin.de
 
 
17459 Koserow
Camping Am Sandfeld
 
Ruhiger Platz abseits der größeren Orte etwa 700 m vom Ostseestrand entfernt. 150 meist parzellierte Stellplätze auf 3,7 ha, teils schattig. 2 moderne Sanitärgebäude, eins davon in der Vor- und Nachsaison beheizt. Mietbare Familienbäder mit Dusche/WC. Spielplatz und Aufenthaltsraum mit TV. Supermarkt wenige Minuten entfernt. 1. April bis 30. September geöffnet. Preisgruppe 1*.
Standort: Am Sandfeld 5
GPS 54°02’48”N, 14°00’40”O
Tel. 03 83 75/2 07 59
www.amsandfeld.de
 
17459 Stubbenfelde
Camping Stubbenfelde
 
Teils naturbelassener Platz in einem Laubwald, in direkter Nähe zum Strand und Küstenwanderweg gelegen. 270 Stellplätze auf rund 5 ha, fester Waldboden mit altem Baumbestand. 2 komfortable Sanitärhäuser, Restaurant mit Frühstück und inseltypischen Gerichten, Shop, Sauna, Fahrradverleih. 30. März bis 3. November geöffnet. Preisgruppe 3*.
Standort: Waldstraße 12
GPS 54°01’53”N, 14°02’16”O
Tel. 03 83 75/2 06 06
www.stubbenfelde.de
 
17449 Trassenheide
Campingplatz Ostseeblick
 
Gehobener Platz direkt am Meer hinter den Dünen im schönen Küstenwald. Etwa 300 Stellplätze auf 3 ha, 65 für Dauercamper. Nette Gastronomie, modernisierte Sanitäranlagen. Gute Rad- und Wanderweganbindung. Vom 30. März bis 31. Oktober geöffnet. Preisgruppe 2*.
Standort: Zeltplatzstraße 20
GPS 54°05’24”N, 13°53’10”O
Tel. 03 83 71/2 09 49
www.trassenheide.de
 
 
17454 Zinnowitz
Campingplatz Pommernland
 
Naturbelassener, gehobener Platz in den Hügeln des Küstenschutzwaldes auf 7,5 ha. 400 Stellplätze; keine Parzellierung. Etwa 200 m Fußweg direkt zum feinen Sandstrand. 3 moderne Waschhäuser, 1 Kleinkinderwaschhaus, Waschmaschinenräume und Behindertensanitärraum. 2 attraktive Abenteuerspielplätze. Täglich frische Brötchen, Restaurant mit gutbürgerlicher Küche und Biergarten, Räucherfisch aus dem Holzofen. Vom 1. März bis 5. Januar geöffnet. Preisgruppe 3.
Standort: Dr.-Wachsmann-Str. 40
GPS 54°04’57”N, 13°53’56”O
Tel. 03 83 77/4 03 48
 www.camping-pommernland.m-vp.de

Autor

Foto

Joachim Negwer, Kurverwaltung Trassenheide

Datum

26. Juli 2012
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