Reise: Westschweiz 24 Bilder Zoom

Reise-Tipp Westschweiz mit dem Caravan: Drei-Seen-Land

Große Runde: Irgendwo zwischen Bieler See, Neuchâteler See und dem Murtensee wechselt die Sprache von Deutsch zu Französisch. Der Westen der Schweiz eignet sich perfekt für seensüchtige Caravan-Urlauber.

Der Berg ist nicht sehr hoch - nur 653 Meter -, aber wirklich groß, was die Aussichten anbetrifft. Das merkt man, wenn man über die kurvigen Sträßchen von Môtier am Murtensee nach oben auf den Mont Vully zuckelt und den Weitblick direkt am Gipfel genießt. Noch mehr erlebt, wer über Wiesen und Wälder zu Fuß hier herauf kommt, etwa von Sugiez aus. Man sucht sich einen schattigen Picknickplatz unter einem Baum und packt aus: das Baguette, das hier so dünn und knusprig ist wie in Frankreich; und den Schweizer Käse (der noch mit dem roten Taschenmesser klein gesäbelt werden muss). Dazu gibt’s einen herrlichen Ausblick auf den Murtensee, über den kleine weiße Punkte mit Schweif ziehen - die Schiffe, die die Orte am See verbinden. Sie sind zu sehen, aber nicht zu hören.

Wo aber liegt der besondere Reiz des Mont Vully, mal abgesehen davon, dass er einfach ein schönes Fleckchen Erde ist? Von diesem Berg aus sind alle drei Seen zu sehen: nicht nur der Murtensee, sondern auch der Bieler See im Norden und der Neuchâteler See im Westen. Über ein Kanalsystem sind sie alle miteinander verbunden. Mit dem Schiff Romandie I lässt sich das Drei-Seen-Land in einer Tour erfahren.

Erkundungstouren mit dem Auto, dem Rad oder dem Schiff

Wir erkunden das Drei-Seen-Land in seiner ganzen Weite und staunen, wie abwechslungsreich das ist: Mal radeln wir auf Nebenstraßen nah an den grünen Ufern entlang, dann wandern wir von Weindorf zu Weindorf, und wieder ein anderes Mal bringt uns eine mit Schallmauern abgeschottete Autobahn zum nächsten schönen Fleckchen. Und weil diese Autobahn gleichfalls am Wasser entlang führt, müssen wir denn doch ein bisschen den Kopf schütteln über die Schweizer. Wieso verbauen die ein ganzes Seeufer mit Schnellstraße und Bahnlinie, so dass die Orte am Wasser vom Rest der Welt wie abgeschnitten sind?

Wie schön, dass Neuchâtel wieder aufs Wasser und auf die umliegenden Berge blickt! Die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons am Nordwestufer des Neuchâteler Sees hat ein so angenehmes Flair, dass wir sie sofort ins Herz schließen: französisch, lässig, unaufgeregt, schick genug. Hier kann man bei einem Café au Lait an der Place des Halles hocken, sich in der Fromagerie Sterchi fürs nächste Picknick eindecken und abends im Café du Cerf auch mal ein Bier trinken. Schick essen gehen ist im Angesicht des starken Schweizer Franken ja eine eher kostspielige Angelegenheit. Nudeln mit Tomatensoße für derzeit umgerechnet etwa 15 Euro? Da muss öfter die Küche im Caravan ran.

Von den größeren Städten an den drei Jura-Seen ist jede eine Welt für sich, jede hält Überraschungen bereit, alle sind sie ein wenig unperfekt und gerade deshalb liebenswert: In Biel muss man nicht länger verweilen - denkt man, bis man auf die beiden Plätze der charmanten, engen Mini-Altstadt gelangt. Man entdeckt heimelige Arkadengänge, Treppengassen und kleine Galerien und verbummelt plötzlich doch Zeit in der größten zweisprachigen Stadt der Schweiz.

Yverdon-les-Bains ganz am Südende des Neuchâteler Sees hat dramatische Berge im Rücken, es geht Richtung Alpen. Am Altstadtplatz lässt es sich an lauen Aben-den gut sein, aber wir vermissen die Kurpromenade am Wasser. So muss das doch sein in einer Bäderstadt am See? Ist es aber nicht. Wir staunen darüber, dass eine Stadt so nah am Wasser liegen kann, ohne ihm auch zugewandt zu sein. Das Thermalzentrum mit warmem schwefelhaltigem Wasser hat uns dann aber wieder ausgesöhnt mit Yverdon.

Eigentlich ist neben Neuchâtel nur Murten so, wie man sich’s vorstellt: klein, pittoresk, geschmückt allüberall mit Schweizer Flagge, urgemütlich-urig, mit klei-nen Laubengeschäften, üppigen Geranienbalkonen, dem trutzigen Schloss, Res-taurants und einem Yachthafen unterhalb der Altstadt gelegen.

Mit dem Auto zuckeln wir am kleinsten und, wie wir finden, sympathischsten der drei Westschweizer Seen entlang, machen einen Abstecher ins Städtchen Avenches, in dessen Mitte eindrucksvoll ein römisches Amphitheater steht. Dann fah-ren wir weiter ans Nordwestufer, wo auch Weine angebaut werden. Ein Lehrpfad entlang der Hänge erklärt Wanderern die Sorten, die es hier eigens angebaut zur Auswahl gibt: Chasselas beziehungsweise Gutedel bei den hier dominierenden Weißweinen und Pinot Noir bei den Roten. In Praz schmiegen sich die Weinhänge nah ans Ufer, und direkt am Hafen entdecken wir ein kleines Café. Wunderbar, so beim Eisessen aufs Wasser zu schauen, hinüber nach Murten, das von hier aus noch putziger aussieht und das sich vor neugierigen Blicken heute mit einem Dunstvorhang schützt.

Herrlich, so ein Sonntag in der Schweiz. Zwei französisch quasselnde Badenixen schaukeln auf Luftmatratzen übers Wasser, am Steg gießt ein Straßenkehrer die Geranien, und eben bricht ein Pärchen auf. Es ist nicht mit dem Cabriolet da, auch nicht mit dem Fahrrad – das Verkehrsmittel der Wahl ist hier ein schnittiges, blendend weißes Motorboot. Der Luxusschlitten wird angeworfen und hört aufs Wort. Das Geknatter signalisiert, dass nun Madame zusteigen kann, und als die sich ausbalanciert hat, steuert Monsieur stolz aufs Wasser hinaus. Vom Mont Vully aus gesehen rast jetzt ein kleiner weißer Punkt mit Schweif auf die Seemitte zu.

Ausflugs-Tipp: Genfer See – Der Internationale

Den Genfer See - mit 581 km² größter Binnensee Mitteleuropas - teilt sich die Schweiz mit Frankreich. Vor allem Genf, die elegante Metropole am Westufer, sollten Sie nicht verpassen, wenn Sie die französische Schweiz erkunden: Die Stadt ist international wie kaum eine andere im Land. Etwa 200 meist weltweit agierende Organisationen, darunter das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, der Weltfriedensrat und die Vereinten Nationen (UNO), haben hier ihren Sitz. Ein Ausflug an den See, der übrigens nur in Genf „Genfer See“ heißt - sonst Lac Léman -, lohnt sich aber auch wegen der Sicht auf die Alpen, inklusive den Mont Blanc. Und wegen zweier weiterer Städte: Lausanne am Nordufer ist eine sehenswerte, herrlich gelegene Stadt mit Uni-Flair. Und in Montreux wird jedes Jahr im Juli eines der berühmtesten Jazzfestivals der Welt zelebriert. Tipp: Am Nordufer liegen mehrere schöne Campingplätze.

Foto

Joachim Negwer, Würtenberger, Negwer, swiss-image.ch/Stephan Engler, Max Schmid

Datum

25. Juni 2013
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