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Schritt für Schritt zum Profi-Camper: Richtig beladen und transportieren

Einen Caravan urlaubsfertig zu beladen ist keine Wissenschaft, aber eine kleine Kunst für sich. Wohin mit Gitarre und Grill? Tipps zum Transport gibt's im fünften Teil der CARAVANING Einsteiger-Serie.

Morgen früh, am besten noch vor Sonnenaufgang, geht es los auf die große Tour - vorher muss alles eingepackt sein. Aber wo fängt man da bloß an? Bei so vielen Staufächern, Schränken und Klappen kann man vor allem als ungeübter Caravan-Packer den Überblick verlieren.

Campingmöbel, Gasgrill, Verpflegung und Küchenkram müssen ordentlich verstaut werden, denn sicheres Gespannfahren hängt stärker mit der richtigen Beladung zusammen, als es vielleicht den Anschein haben mag. Eine ungleichmäßige Beladung bringt das Gespann aus Pkw und Caravan mächtig aus dem Gleichgewicht, was der Fahrer deutlich zu spüren bekommt.

Falsches Packen ist die eine, Überladung durch zu viel Gepäck die andere Gefahr. Ein großer Caravan verführt regelrecht zum hemmungslosen Beladen, das schöne „Auf-Reisen-alles-dabei“-Gefühl macht die Camping-Tour so beliebt. Doch ein Caravan ist nichts anderes als ein Anhänger, auf dessen Fahrwerk dauerhaft eine Mini-Ferienwohnung mit kräftig Gewicht lastet.

Daher ist oft vom Zauberwort der Zuladung die Rede: Sie gibt in Kilogramm an, wie viel Urlaubsgepäck das Fahrzeug eigentlich aushält. Wie finde ich also die Balance zwischen guter Beladung und Sicherheit während der Fahrt? Wo kann ich Gewicht sparen? Und wie werde ich aus den vielen Angaben im Fahrzeugschein von Pkw und Caravan schlau? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in diesem Ratgeber.

Wohnwagen Pack-Anleitung unterteilt nach Stauräumen

So viel vorab: Je übersichtlicher gepackt und auch während des Urlaubs Ordnung gehalten wird, desto weniger Zeit geht mit dem Suchen von Sonnenmilch, Dosenöffner oder Brettspiel drauf - das schont die Nerven. Einfacher wirds mit den richtigen Ordnungshelfern. Leichte Kunstfaser-Organizer, Anti-Rutsch-Matten oder Tellerstapler sind schon für kleines Geld zu haben und lassen dem Chaos im Caravan so schnell keine Chance.

Hängeschränke: Die oberen Hängeschränke sind wie gemacht für Textilien und Kleidung, die wenig wiegt. Offene Fächer und Ablageflächen nutzt man besser erst nach der Anreise, denn beim Bremsmanöver werden selbst die leichtesten Teile schnell zum Geschoss.

Küche: Sie bietet in manchen Caravans fast so viele Fächer, Schubladen und Auszüge wie daheim - durch den knapp 30 Kilo schweren Kühlschrank ist in seiner Nähe aber schweres Ladegut fehl am Platz. In die Schränke am besten unten die schweren und oben die leichten Küchenutensilien packen. Wichtig: Die Kühlschranktür muss vor der Fahrt gut eingerastet sein, damit der Inhalt nicht herausfallen kann.

Schränke: Die meisten Caravans haben einen großen Kleiderschrank, in dem man Jacken aufhängen kann. Durch die Schrankhöhe ist hier auch Platz für sperriges Gepäck oder alles, wofür die Staufächer zu klein sind. Schränke und Klappen müssen gut schließen können, damit sie unterwegs nicht von selbst wieder öffnen.

Bodenfächer: So ziemlich jeder Caravan hat einen von außen zugänglichen Bettkasten, der je nach Bettform sogar über die ganze Anhängerbreite verläuft. Hier ist dann reichlich Platz für Campingmöbel, Grill und Zelt. Wichtigste Packregel für schweres Ladegut: Immer achs- und bodennah verstauen, damit der Schwerpunkt des Caravans möglichst tief liegt.

Zugfahrzeug: So viel schweres Gepäck wie möglich sollte ins Zugfahrzeug geladen werden damit der Schwanz nicht mit dem Hund wedelt. Aber Vorsicht: Oft haben Pkw nicht so viel Zuladung wie man denkt. Und die Caravan-Stützlast zehrt ebenfalls an den Ladereserven. Wichtig ist, dass die Reifen bei voller Beladung mit maximalem Luftdruck gefahren werden.

Caravan-Gewicht beim Packen sparen: die besten Tricks

Kann das auch noch mit? Ohne diese Frage geht wohl kein Packszenario über die Bühne - erst recht nicht, wenn Kinder mit von der Partie sind. Jedes Kilo weniger Gepäck spart nicht nur Sprit, sondern bewahrt auch vor Überladung des Caravan-Gepanns. Hier fünf clevere Spartipps.

Wassertank nicht voll machen: 30 Liter Wasser oder mehr müssen nicht über die Autobahn kutschiert werden, wenn am Zielort Frischwasser aufgefüllt werden kann.

Tütengerichte statt Konserven einpacken: 948 Gramm, so viel wiegt eine Dose Ravioli - stattdessen kann ein ganzer Stapel mit Tütengerichten als Proviant mit.

Camping-Geschirr mitnehmen: Teller aus bruchsicherem Melamin, Töpfe und Pfannen aus leichtem Alu: spart gut fünf Kilogramm.

Alu-Gasflaschen verwenden: statt 22 Kilogramm pro voller Gasflasche im Deichselkasten sind es dann nur noch 16,5 Kilo.

Caravaning lesen: Die Redaktion greift das Thema Gewicht sparen, zum Beispiel beim Zubehör, immer wieder auf.

Übergewicht kostet extra

So teuer kann es es im Ausland werden:

Dänemark: jedes Prozent Überladung kostet 75 bzw. 150 Kronen Bußgeld für den Fahrer bzw. den Halter.

Deutschland: bis zu 7,5 t zGG: über 5 % 10 €; über 10 % 30 €; über 15 % 35 €; über 20 % 90 €; über 25 % 140 €; über 30 % 235 €.

Frankreich: Bußgelder für Überladung ab 135 Euro.

Italien: Bußgeldstaffelung: 5-10 % 39-159 €; bis 20 % 80-318 €; bis 30 % 398-1596 €.

Kroatien: Bußgelder von mind. 300 Kuna (ca. 40 €).

Österreich: ab 2 % Überladung 36 € Bußgeld, der Höchstsatz liegt bei 2180 €.

Schweiz: bis 3,5 t zGG: 100 CHF für bis zu 100 kg, 200 CHF für mehr als 100 kg; ab 3,5 t zGG: 250 CHF für 100-1000 kg Überladung.

Spanien: zGG bis 10 t: 6-15 % 300-400 €; 15-25 % 1500-2000 €; ab 25 % 3300-4600 €.

Die Wiegeprobe für Zugwagen und Caravan

Hier ist Physik im Spiel: wo welche Kräfte und Lasten wirken

Beladung im Caravan: Wie sich der Schwerpunkt des Caravans verändert, hängt von der Lage und dem Gewicht des Reisegepäcks ab. Durch die fehlende zweite Achse empfiehlt es sich, wie im Caravan im grünen Bereich zu packen. Dabei beachten, dass die Stützlast immer den maximal möglichen Wert erreicht. Tendenziell also Schweres auf und vor der Caravanachse verstauen.

Beladung im Zugwagen: Beim Verstauen der übrig gebliebenen sieben Sachen im Pkw wird schnell vergessen, dass die Stützlast des Caravans die Zuladung schmälert. Wichtig: Nach dem Caravan-Packen und vor dem Ankuppeln sollte die Stützlast ermittelt werden. Eine ausgeschöpfte, also maximale Stützlast wirkt sich messbar positiv auf die Fahrstabilität des Pkw-Caravan-Gespanns aus.

Die wichtigesten Begriffe im Fahrzeugschein

Leermasse/zulässige Gesamtmasse (G/F.1). Die Differenz von Gesamtmasse und Leermasse minus der tatsächlichen Stützlast des Caravans ergibt letztendlich die Zuladung des Autos für Fahrer, Gepäck, Passagiere und Kraftstoff.

Stützlast (13). Was hier an Kilogramm angegeben ist, muss mit der Stützlast im Caravan-Schein abgeglichen werden. Der von beiden kleinere Wert gilt, und er sollte zugunsten der Fahrstabilität des Gespanns nicht unterschritten werden.

Achslast vorn/hinten (7.1/7.2). Die Achslasten bestimmen, wie viel Kilo durch Gepäck, Passagiere und Caravan vor allem auf der Hinterachse lasten dürfen, ohne dem Zugwagen zu schaden.

Anhängelast gebremst (O.1). Wichtiges Kriterium für die Kombination von Zugwagen und Caravan. Gibt an, wie schwer der gezogene Wohnwagen maximal sein darf. Achtung: Aus technischen Gründen ist bei manchen Zugfahrzeugen die Anhängelast für Steigungsfahrten eingeschränkt.

EG-Typgenehmigung (K) und Gespanngewicht (22). Das zulässige Gesamtgewicht des Zuges wird nur vergeben, wenn der Pkw nach EG-Recht typgeprüft wurde und zum Beispiel folgende Situation eintrifft: Ein zwei Tonnen schwerer Bulli darf theoretisch einen 1400 Kilo schweren Caravan ziehen, sobald aber mehr als zwei Personen dort mitfahren, wird das Gespanngewicht überschritten.

Mehr Gewicht bei Anhängerbetrieb (22). Ein Bonus mancher Autohersteller für Gespannfahrer: Die Hinterachslast (s. 7.2) fällt als Ausgleich für die Stützlast um 95 Kilo größer aus - allerdings nur im Rahmen der zulässigen Gesamtmasse des Pkw.

Mehr Anhängelast (22). Wie bereits im Feld O.1 erwähnt, kann die Anhängelast für Steigungen begrenzt oder die Begrenzung relativiert werden, wenn zum Beispiel 12 % Steigung 1500 Kilo bedeuten, sind es bei 8 % 1700 Kilo. Das Gespanngewicht darf man in aller Regel um die Höhe des Mehrbetrags, also hier 200 Kilo, überschreiten.

100-km/h-Freigabe (22). Mit dieser Kennzeichnung am Caravan darf man schneller als 80 km/h fahren. Bedingung: ein 1:1-Gewichtsverhältnis zum Zugfahrzeug sowie die Bestätigung, dass der Anhänger für Tempo 100 geeignet ist.

Gepäck am Caravan - das nehmen wir huckepack

Fahrradträger: Um die Fahrräder beim Caravan-Urlaub mitzunehmen, gibt es drei Möglichkeiten. Die ungünstigste ist der Transport am Caravan-Heck, da die Hebelwirkung das Gespann aus dem Gleichgewicht bringt. Bei einem Deichselträger ist wichtig, dass man trotzdem noch an den Bugkasten kommt und beim Rangieren keinen Schaden am Pkw anrichtet. Bleibt noch der Fahrradträger am Auto - dann können die Räder auch ohne Caravan von A nach B.

Dachtransport: Dachboxen fürs Auto sind recht beliebt, weil sie rund 250 bis 600 Liter zusätzliches Gepäck verstauen können - natürlich mit der begrenzten Pkw-Zuladung im Hinterkopf. Für das Surfbrett oder das Kajak auf dem Caravan-Dach braucht es eine stabile Dachreling, die einige Hersteller zusammen mit einer Leiter am Heck ab Werk anbieten. Vorher sollte beim Händler oder Hersteller nachgefragt werden, ob und wie viel die Reling tragen darf.

Richtig beladen und transportieren - die wichtigesten Begriffe

Alugasflasche: Gewichtsparende Alternative zu den herkömmlichen Gasflaschen aus Stahl. Wiegt ohne Gas nicht 10,5 kg, sondern 5,5 kg.

Hebelwirkung: Entsteht bei ungleichmäßiger Gepäckbeladung von Caravan und Zugwagen, meist bei einer Überladung im Heck oder dem Radtransport auf der Deichsel.

Leergewicht: Gewicht des Fahrzeugs in fahrbereitem, aber nicht mit Gepäck beladenem Zustand.

Stützlastwaage: Ermittelt die tatsächliche Stützlast am Pkw. Alternativ tut es die Personenwaage.

Überladung: Jedes Kilogramm über dem im Fahrzeugschein als zulässiges Gesamtgewicht angegebenen Wert. Wird vor allem im Ausland mit hohen Bußgeldern bestraft.

CARAVANING Serie Basiswissen: Schritt für Schritt zum Proficamper

Autor

Foto

Ingolf Pompe, ADAC

Datum

25. März 2013
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