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So campt Europa - Teil 4: Schweden & Norwegen: Nordische Kombination

Camping in Schweden und Norwegen ist absolut populär. Dort gibt es gemessen an der Gesamtbevölkerung europaweit die meisten Caravans und Campingplätze. Schwedische Caravans sind geräumig, gut ausgestattet und winterfest. Entsprechend sind die Preise.

Schweden und Norwegen teilen sich die von Nord- und Ostsee umspülte skandinavische Halbinsel. Rund 9,5 Millionen Schweden und 5 Millionen Norweger leben auf einer Fläche von ungefähr 820.000 Quadratkilometern. Die friedlichen Nachfahren der Wikinger scheinen deren Reiselust geerbt zu haben. Verglichen mit der Einwohnerzahl gibt es nirgends in Europa so viele Caravans pro Kopf wie im hohen Norden.

Reiselustige Wikinger

Ein schwedisches oder norwegisches Gespann vor dem Colosseum oder der Akropolis ist keine Seltenheit. "They like to travel", kommentiert Tore Afdal vom norwegischen Branchenblatt "Bobil & Caravan" diese Tatsache. Obwohl man bei diesem Anblick bisweilen meint, seinen Augen nicht mehr trauen zu können. Unwillkürlich beginnt man nachzurechnen, welche Entfernung die Besatzung wohl mit ihrem Gefährt hinter sich gebracht haben muss. Im besten Fall sind es 3000 Kilometer.

Camping in Schweden und Norwegen

Jimmie Öbom, Chefredakteur von Husbil & Husvagn, dem schwedischen Fachmagazins, kennt die Vorliebe seiner Landsleute für Fernreisen, weshalb seine Zeitschrift diese regelmäßig thematisiert. Dennoch machen seiner Schätzung nach immer noch 80 Prozent Urlaub im eigenen Land.

Das Gleiche gilt auch für Caravaner aus Norwegen. Kein Wunder, die skandinavische Halbinsel ist an Naturschönheiten und Abwechslung kaum zu überbieten. Von Süden bis zum äußersten Norden wechseln sich riesige Waldgebiete mit Abertausenden Seen ab. Locken atemberaubende Fjorde und die märchenhaften Schärenlandschaften. Das Wandern und Kanufahren, Beeren- und Pilzesammeln, Angeln und Fahrradfahren gehören zu den bevorzugten Beschäftigungen.

Am liebsten allerdings übt sich der skandinavische Camper in der Geselligkeit. Der Kontakt mit dem Campingplatznachbarn, das gemeinsame Essen und Trinken oder Freizeitaktivitäten stehen ganz oben auf der Liste.

Den typischen Sommerurlaub verbringt der Schwede Richtung West- und Südküste an der Ostsee, die Norweger vergnügen sich am wilderen Atlantik und den Nordseestränden. Im Winter zieht es den Skandinavier in die Berge, wo er alle Arten von Wintersport ausüben kann.

Das Jedermannsrecht in Skandinavien

Eine Besonderheit im skandinavischen Camper-Alltag ist das sogenannte "Jedermannsrecht" das sowohl dem Einheimischen als auch den Besuchern in Schweden und Norwegen gesetzlich verbrieft, sich in der Natur frei bewegen zu dürfen. Das bezieht sich auch aufs Campen. Sehr wildes Campen ist damit jedoch nicht gemeint, da auch beim Jedermannsrecht gewisse Regeln und Einschränkungen gelten, vor allem ein respektvoller Umgang mit der Natur und Rücksicht auf seine Mitmenschen.

In Schweden gibt es auch Dauercamper, die ihre Caravans rund ein halbes Jahr an derselben Stelle nutzen. Allerdings wird man dort fest eingezäunte Areale oder Gartenzwergkolonien kaum finden. Zudem schließen viele schwedische Campingplätze vor dem Winter und müssen dann geräumt werden. Viele norwegische Dauercamper wechseln einmal im Jahr und ziehen vom Sommer- ins Winterlager.

Campingplätze in Schweden und Norwegen

Das Angebot der Campingplätze in Schweden und Norwegen ist groß und vielfältig. Es reicht vom einfachen Naturplatz bis zum teuren Glamping-Angebot, wobei die luxuriösen Plätze eher spärlich verbreitet sind. Der Nordländer liebt es eher rustikal und vor allem kinderfreundlich. Dazu Tore Afdal: "Naturbelassenes, nicht parzelliertes Gelände ist ihm wichtiger als piekfeine Sanitärräume und noble Restaurants. Die Nähe zu Naturdenkmälern zieht er einer verkehrsgünstigen Lage vor."

Im schwedischen Campingverband SCR sind rund 500 Plätze zusammengeschlossen. Um auf diesen Plätzen unterzukommen, benötigt der Caravaner eine Camping Card. Die Karte selbst ist kostenlos, aber man muss dazu noch eine Jahres-Gebührenmarke für rund 150 schwedische Kronen lösen. Als Gegenwert erhält man Rabatte und verbilligte Tickets bei den Fähren und in vielen Touristenattraktionen und Museen in ganz Schweden.

Die typischen skandinavischen Caravans

Der skandinavische Caravan-Markt kann auf lange Traditionen zurückschauen, allerdings nur in Schweden. In Norwegen gibt es momentan keinen Hersteller. 2013 feierten die Schwestermarken Polar und Solifer und auch Cabby ihren 50. Geburtstag. Die Premiummarke Kabe gibt es sogar noch fünf Jahre länger.

Gewisse Turbulenzen im Markt hätten vor Jahresfrist fast zum Ende von Cabby geführt. Inzwischen scheint ein neuer Investor die Geschäfte wieder anzukurbeln. Neues auch von Solifer. Der renommierte Hersteller wird ab 2015 seine Caravans von der deutschen Erwin-Hymer-Group bei Eriba und LMC fertigen lassen. Ob diese Fahrzeuge dann die Erwartungen an einen typisch schwedischen Caravan erfüllen, wird die Zukunft zeigen.
Typisch schwedische Caravans sind groß und nutzen das Raumangebot in den Weiten des Nordens. Die meisten sind 2,50  Meter breit und entsprechend lang. Kompakte Caravans sind eher selten.

Alle vier Marken bieten eine Vielzahl an Grundrissen an, die zudem individuell anpassbar sind. Den größten Trumpf spielen die Schweden mit ihrer Winterfestigkeit aus. Ob Kabe, Polar, Solifer oder Cabby, alle Wohnwagen sind dick isoliert, vermeiden Wärmebrücken durch kleine Fenster und werden von einer Alde-Warmwasserheizung beheizt. Diese relativ teuren Caravans sind in Skandinavien passend zu den klimatischen Verhältnissen durchaus beliebt.

Am meisten verkauft werden in Schweden und Norwegen allerdings die diversen Baureihen von Hobby. Womit sich der Kreis wieder schließt. Denn, wo man auch hinschaut: So campt Europa.

Supertest: LMC Maestro 510 E

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Datum

16. Dezember 2014
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