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Ratgeber: Sprit sparen - Weg vom Öl!

Alternative Kraftstoffe wie Erdgas und Ethanol machen Hoffnung, in Zukunft auf Sprit auf Ölbasis verzichten zu können.

Bei aller persönlichen Betroffenheit über das plötzliche Loch im Geldbeutel sollte man das eigentliche Thema nicht aus den Augen verlieren. Unser Mobilitätssystem baut auf dem Verbrauch fossiler Brennstoffe auf. Und die sind – abgesehen davon, dass der Preis umso höher steigt, je weniger davon verfügbar ist – irgendwann alle. Das lenkt den Blick auf die Alternativen zum Erdöl. Die Brennstoffzelle hat zwar bei einigen Pkw-Herstellern schon Serienreife erreicht. Doch Energiebilanz und Verfügbarkeit von Wasserstoff sind ebenso strittig wie bescheiden. Auf kurze Sicht wird die Brennstoffzelle als Antrieb für Zugfahrzeuge wohl keine wichtige Rolle spielen können.

Besser könnte es künftig mit Alkohol bzw. (Bio)Ethanol laufen, das sich weitgehend klima-neutral verhält, weil das ausgestoßene CO2 lediglich der Menge entspricht, die die Pflanzen in der Wachstumsphase aufgenommen haben. Umweltschützer monieren dennoch den hohen Einsatz von Kunstdünger und die Verödung großer Flächen beim Anbau von Zuckerrohr oder -rüben, die für die Treibstoffgewinnung benötigt werden. Ford und Saab, Vorreiter der Ethanol-Bewegung in Deutschland, weisen jedoch darauf hin, dass Ethanol auch aus Bioabfällen oder Getreide gewonnen werden kann und dass die Agrarindustrie in Deutschland ihre Überproduktion gerne mit der Ethanol-Gewinnung kompensieren würde.
Als erster Hersteller verkauft Ford Focus (ab 17 975 Euro) und Focus C-Max „FlexiFuel“ (ab 19 525 Euro) mit auf Bioethanol und Superbenzin ausgelegtem 1,8-Liter-Benziner in Deutschland. Die 125 PS starke Maschine passt ihre Verbrennung automatisch an das frei wählbare Benzin-Ethanol-Mischungsverhältnis an und darf 1300 (Focus Limousine) und 1400 Kilogramm (Focus C-Max) schleppen.
Saab will den neuen 9-5 2.0t BioPower auch in Deutschland vermarkten. Sein Turbomotor leistet mit hochoktanigem E-85-Sprit (85 % Ethanol, 15 % Benzin) befeuert 180 PS. Mit 1600 Kilogramm Anhängelast ist der 9-5 das zugstärkste Ethanol-Auto.

Größtes Problem: Noch gibt es in Deutschland keine einzige Ethanol-Tankstelle. Umso höher ist das Engagement von Ford und Saab zu bewerten. Isfried Hennen aus dem Umwelt-Ressort der Ford-Werke: „Mit dem Focus FlexiFuel beantworten wir die Henne-Ei-Frage: Wenn wir Methanol-Autos anbieten, wird es irgendwann auch die Tankstellen dazu geben.“ Wer häufig nach Schweden fährt, ist schon heute mit einem der „Flexible Fuel Vehicles“ gut bedient. Dort sollen bis 2006 600 Ethanol- bzw. E85-Zapfstellen eingerichtet sein. Ein Liter Ethanol/E 85 könnte in Deutschland zwischen 50 und 70 Cent kosten und ist sicher bis 2009, vermutlich aber auch darüber hinaus von der Mineralölsteuer ausgenommen. Hybridantriebe stellen eine schon jetzt verfügbare Alternative dar. Toyotas Luxusmarke Lexus hat mit dem 49 750 Euro teuren RX 400 h den ersten Zugwagen (Anhängelast: 2000 kg) mit kombiniertem Benzin-/ Elektroantrieb im Angebot. Trotz einer Gesamtleistung von 272 PS und 750 Newtonmeter Drehmoment soll der RX 400 h mit 8,1 Liter Super auskommen. Wie viel der RX 400 h im Gespannbetrieb verbraucht, wird CARAVANING schon in Heft 1/2006 veröffentlichen.

Anders als Lexus will Porsche beim Hybrid-Cayenne nicht die Leistung steigern, sondern den Verbrauch senken. Der drehmomentstarke Elektromotor unterstützt den V6-Benziner (250 PS) beim Anfahren und bei Geschwindigkeiten unter 50 km/h. Also in Bereichen, wo es Benzinmotoren im Gespanneinsatz an Schubkraft mangelt. Auch den Audi Q7 und den VW Touareg wird es mit ähnlichen Hybridlösungen geben. Dass Hybridantriebe auch für General Motors (z. B. Opel, Saab), BMW und Mercedes-Benz ein Thema sind, beweisen sie mit der Gründung eines Hybrid-Forschunsgbündnisses, das bis 2007 serienreife Ergebnisse präsentieren will. Mit Mild-Hybriden (System ähnlich wie der Porsche Cayenne) auf Basis der brandneuen S-Klasse hat Mercedes schon zur IAA vorgelegt. Schon jetzt erhältlich sind dagegen Zugfahrzeuge mit Erdgasantrieb (CNG: Compressed Natural Gas). Eine Umrüstung auf Erdgas oder das beispielsweise in Holland, Frankreich oder Italien weit verbreitete Liquid Petroleum Gas (LPG), auch Autogas genannt, kommt nur für Benzinmotoren in Frage. Die Kosten dafür liegen zwischen 2500 und 4000 Euro. Der Vorteil beider Gasantriebe, die nicht kombinierbar sind, liegt neben der umweltfreundlicheren Verbrennung in ihrem hohen Sparpotenzial – trotz des etwas höheren Verbrauchs. Ein Liter LPG kostet derzeit etwa 50 Cent, ein Kilo des energiereicheren Erdgases gut 70 Cent. Mehr Informationen rund um Erdgas, Erdgastankstellen, Hersteller und Technik finden sich im Internet unter der Verbandsseite www.erdgasfahrzeuge.de oder www.gibgas.de.

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Datum

8. November 2005
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