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10 Stützlastwaagen für den Caravan im Test: Wer wiegt, gewinnt

Besser Gespannfahren: Die richtige Stützlast ist extrem wichtig für die Fahrstabilität. CARAVANING testet Stützlastwaagen und zeigt, wie Sie mit dem Caravan immer sicher unterwegs sind.

Klicken Sie sich in der Blidergalerie durch eine Kurzbewertung aller Stützlastwagen. Die ausführliche Tabelle mit allen Testergebnissen finden Sie im kostenpflichtigen PDF zu diesem Artikel.

Von einem Caravan-Gespann mit hoher Fahrstabilität profitieren Fahrsicherheit und Fahrkomfort gleichermaßen: Der Wohnanhänger läuft brav hinter dem Zugwagen her und neigt nicht schon bei jeder Kleinigkeit zum Pendeln. Das schont die Nerven des Fahrers und die Mägen der Passagiere.

Wie fährt das Wohnwagen-Gespann stabil?

Hohe Fahrstabilität im Gespann lässt sich einerseits durch konstruktive Maßnahmen erreichen, etwa durch eine lange Deichsel und die gleichzeitige Montage einer Stabilisierungseinrichtung. Andererseits hat die eingestellte Stützlast immense Auswirkungen auf die Fahrstabilität und damit auf die Fahrsicherheit eines jeden Anhängers.

Die Stützlast, mit der die Deichselkupplung auf den Kugelkopf der Anhängevorrichtung drückt, lässt sich am besten mit einer Stützlastwaage ermitteln. Alternativ gibt es Bugräder mit integrierter Waage. Doch die vom oder unter dem Bugrad gemessene Kraft fällt wegen des Hebelgesetzes immer etwas höher aus als die tatsächliche Stützlast an der Kupplung. Dieser Fehler kann per Dreisatzrechnung leicht korrigiert werden oder wird an der Anzeigeskala der Bugradwaage bereits berücksichtigt.

Zehn Stützlast-Waagen im Test

Zehn Waagen zur Stützlastmessung sind auf dem deutschen Markt verfügbar – wir haben sie alle einem Praxistest unterzogen.

Der Fachhandel hält diverse Versionen mit Druckfeder parat, die einfach unter den Kupplungskopf des Hängers gestellt werden. Die Stützlast drückt dann bei abgehobenem Bugrad die Feder zusammen. Und zwar umso mehr, je höher die Last ist. Abgelesen wird an einer Skala auf dem Federgehäuse. Einfache Versionen verfügen über ein Gehäuse aus Kunststoff, die etwas teureren über eines aus Aluminium. Zusätzliche Standplatten und Auflagen machen die Handhabung sicherer. Mit Preisen von unter 20 Euro sind dies die günstigsten Waagen auf dem Markt, lediglich die neue, ausschließlich bei oder über Movera erhältliche Milenco-Waage liegt mit 43 Euro deutlich darüber.

Die batteriebetriebenen Stützlastwaagen arbeiten mit Drucksensoren oder Dehnungsmessstreifen, die eine auf sie wirkende Kraft in elektrische Signale umsetzen. Eine Elektronik bereitet diese auf und zeigt das Messergebnis direkt auf einem LC-Display an. Zwei dieser elektronischen Stützlastwaagen werden ins Kupplungsmaul des Caravans eingerastet, die dritte, die CWC von Reich, misst hingegen unterm Bugrad und kann zusätzlich sogar die Radlasten und damit das Gesamtgewicht des Caravans ermitteln. Dieser Mehrfachnutzen hat freilich seinen Preis. Mit rund 150 Euro ist der Allrounder mehr als doppelt so teuer wie die reinen Stützlastwaagen mit Digitalanzeige.

Chassishersteller Alko und Winterhoff schließlich haben Bugräder im Programm, die über eine integrierte Stützlastwaage verfügen. Beide sind absolut interessante Alternativen, insbesondere wenn ohnehin der Austausch des Bugrades ansteht.

Voraussetzungen für genaue Messergebnisse

Entscheidend für eine effektive Stützlastmessung sind Handhabung, Messgenauigkeit und Ablesesicherheit. Und natürlich müssen die Voraussetzungen für eine vernünftige Messung stimmen. Das heißt, der Caravan muss möglichst eben auf möglichst glattem, festem Untergrund stehen. Für die Messung dann Handbremse anziehen und den Hänger am besten sogar mit Unterlegkeilen sichern. Die Stützen so weit anheben, dass sie einige Zentimeter überm Boden schweben. Nun noch die Wohnwagenkupplung in etwa auf die Höhe der Kupplungskugel des Zugwagens bringen, und die Messung kann beginnen.

Die klassischen Stabfederwaagen werden dazu einfach unter das Kupplungsmaul gestellt und anschließend das Bugrad so weit hochgekurbelt, bis es vollständig vom Boden abgehoben hat. Ablesen, fertig. Je standfester die Waage, desto besser. Versionen mit Stützfuß sind hier klar im Vorteil, weil er die Handhabung erleichtert und damit sicherer macht. Die preisgünstigen Versionen verfügen nur über eine vergleichsweise grobe Skalierung, was das Ablesen erschwert. Bei den HABA-Waagen liegen die Skalenstriche beispielsweise nur jeweils einen Zentimeter auseinander, was einer Laständerung um 12,5 Kilogramm entspricht. Zwischenwerte müssen ergo geschätzt werden. Etwas feiner fällt die Unterteilung der Milenco aus, die mit Fünf-Kilo-Skalierung aufwartet.

Eine hochaufgelöste Skalenunterteilung beziehungsweise eine Digitalanzeige mit Sprüngen von 0,5 kg suggeriert eine hohe Messgenauigkeit. Doch stimmt dies? Oder ist die Grobeinteilung mit Zehn-Kilo-Sprüngen nicht sogar ehrlicher? Unser Test liefert die Antworten darauf.

Die Kupplungshöhe ist entscheidend

Ideal ist es, wenn die Stützlast dann ermittelt wird, wenn das Kupplungsmaul auf Höhe des Kugelkopfes der Anhängekupplung steht. Wie viel das ausmacht, haben wir im Vorfeld mit einer geeichten Elektronikwaage untersucht. Wird die Kupplungshöhe ausgehend von der Normhöhe von 43 Zentimeter um nur sieben Zentimeter zu tief eingestellt, fällt der angezeigte Wert um fünf Prozent zu hoch aus und umgekehrt.

Doch mit der Milenco lässt sich die ideale Messhöhe kaum einhalten, denn im unbelasteten Zustand ist die Waage stattliche 52 Zentimeter hoch. Alle anderen haben eine Länge von rund 43 Zentimeter. Pfiffig das Prinzip der AT SensoTec: Sie klemmt oben im Kupplungsmaul des Hängers fest, und der herausschraubbare Standfuß lässt sich problemlos auf die nötige Idealhöhe zwischen 33 und 46 Zentimeter einstellen. Dieses Prinzip der oberen Fixierung erlaubt es sogar, den Caravan während des Wiegevorgangs zu betreten und dabei Ladung für eine optimale Stützlast umzuverteilen. Sollte der Hänger dabei auf die hinteren Stützen abkippen, kann die Waage vorn dennoch nicht aus der Kupplung fallen.

Die Reich TLC ist automatisch auf Messhöhe, denn sie fungiert als Zwischenstück zwischen Kupplungsmaul und Kupplungskugel. Im Zweifelsfall kann sie jedoch, sollte der Hänger nach hinten kippen, vom Kupplungskopf rutschen.

Messgenauigkeit: Stabwaagen enttäuschen, elektronische Waagen überzeugen

Im Praxisvergleich mit exakt eingestellten Stützlasten von 50, 75 und 100 Kilogramm konnte mit Ausnahme der Milenco keine der fünf Stabwaagen überzeugen. Zu ungenau waren die Anzeigen und hatten überdies meist erhebliche Abweichungen. Bei hohen Stützlasten verschwindet die Skala teils sogar im Standrohr und ist nicht mehr abzulesen. Und auch um die Materialqualität ist es nicht immer gut bestellt.

Ganz anders die elektronischen Versionen. Die legen allesamt eine sehr gute Messgenauigkeit an den Tag, einzig die CWC hält nicht ganz mit. Auch fiel es bei hohen Stützlasten nicht leicht, die Bodenwaage auf Anhieb immer exakt unter dem nach hinten gerichteten Bug¬rad zu platzieren. Und das angezeigte Ergebnis muss dann auch noch per Dreisatzrechnung unter Einbeziehung der ermittelten Deichsellänge und der Position der Bugradmitte korrigiert werden. Doch die Möglichkeit, mit der CWC zusätzlich die Radlasten und damit das tatsächliche Gesamtgewicht des Caravans zu ermitteln, macht dieses Manko wieder wett und rechtfertigt überdies den hohen Preis.

Mit den beiden Bugradversionen von Alko und Winterhoff ist die Stützlastwaage praktisch immer einsatzbereit, denn beide bleiben ständig am Caravan installiert und brauchen keinen Strom. Ablesen ist jederzeit und auf jedem Untergrund möglich. Zwar muss der angezeigte Stützlastwert der Alko ebenfalls noch umgerechnet werden, denn je weiter hinten gemessen wird, desto höher fallen die Werte eben aus. Die Anleitung erklärt aber, wie dabei vorzugehen ist.

Bei der Winterhoff-Stützradwaage ist der Korrekturfaktor in der Skalenanzeige bereits berücksichtigt; hier muss nicht extra gerechnet werden. Leider jedoch ist die wenig gespreizte Skala nur schwer zu interpretieren, Zwischenwerte sind nicht leicht abzuschätzen. Zudem rollt das Bugrad schlechter als das Alko-Pendant.

Der Testsieger: Die AT SensoTec

Wer die Stützlast am Caravan regelmäßig überprüfen und auf den optimalen Wert einstellen möchte, dem sei unser Testsieger, die AT SensoTec, empfohlen. Sie punktet in den wichtigen Disziplinen Messgenauigkeit, Ablesung sowie Handhabung, die wir bei der Beurteilung am höchsten gewichtet haben. Knapp dahinter landen die Reich TLC und das Alko Stützrad Premium, die auch dann noch besonders problemlos messen, wenn der Untergrund nicht ganz so optimal ist. Das Prädikat empfehlenswert heften wir ferner dem Winterhoff Bugrad, der Reich CWC und nur einer Stabfederwaage an, nämlich der bei Movera erhältlichen Milenco. Mit den ganz billigen Vertretern können wir uns aufgrund der Messungenauigkeit nicht recht anfreunden. Qualität hat – so zeigt sich hier einmal mehr – eben doch ihren Preis.

Grenzwertig – wieviel Stützlast darf es sein?

Wie wichtig eine korrekt eingestellte Stützlast ist, das unterstreicht auch der Gesetzgeber, der Stützlastmuffel inzwischen mit einem Bußgeld von bis zu 60 Euro und einem Punkt belegt, wenn sie die zulässigen Grenzen um 50 Prozent über- oder unterschreiten. In Paragraf 44 der StVZO heißt es dazu: "Bei Starrdeichselanhängern (einschließlich Zentralachsanhängern) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von nicht mehr als 3,5 t darf die vom ziehenden Fahrzeug aufzunehmende Mindeststützlast nicht weniger als 4 vom Hundert des tatsächlichen Gesamtgewichts des Anhängers betragen; sie braucht jedoch nicht mehr als 25 kg zu betragen", wobei die technisch zulässige Stützlast des Zugfahrzeugs vom Hersteller festzulegen ist. Leider verführt der Gesetzestext zu glauben, 25 Kilo Stützlast seien womöglich völlig ausreichend. Doch dem ist nicht so. Vielmehr gilt: Je höher die Stützlast, desto besser die Fahrstabilität und damit die Fahrsicherheit.

Doch Obacht – vorgegebene Obergrenzen bitte unbedingt einhalten, denn eine statisch noch überschaubare Mehrbelastung kann sich im Fahrbetrieb leicht verzehnfachen. Die meisten Pkw verkraften 75 Kilogramm Stützlast; bei größeren Kombis oder SUV liegt das Limit höher, teils bei über 100 Kilogramm. Doch auch der Hersteller des Caravans nennt eine Stützlastobergrenze, die es einzuhalten gilt – meist liegt diese bei 100 Kilogramm. Maßgebend für die Gespannkombination ist dann der jeweils geringere Höchstwert für die Stützlast. Und diese Obergrenze sollte auch ausgeschöpft werden.

Autor

Foto

Dieter S. Heinz, Ingolf Pompe

Datum

15. Mai 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 04/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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