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Wie bekomme ich die Tempo-Freigabe?: Tempo-100-Freigabe für Gespanne

Bis Dezember 2006 läuft die Tempo-100-Freigabe für Gespanne. Wie gelangt man problemlos in den Besitz der begehrten Plakette? CARAVANING hat es probiert.

"Nachdem ich Ihren Bericht in caravan EXPERT Nummer 8 über Tempo 100 für Gespanne gelesen hatte, fuhr ich meinen Passat Variant mit Eriba Nova 490 sogleich zu meiner TÜV-Prüfstelle“, mailte Leser Günther G. der Redaktion. „Beim Wiegen erwies sich der Zugwagen als etwas zu leicht, doch mein Einwand, dass der Zugwagen stets kräftig beladen ist, überzeugte den Prüfer und er gab grünes Licht“, freute sich der Eriba-Eigner. „Vielen Dank für den Tipp!“

Nicht für alle Caravaner, die in den letzten Wochen ebenfalls die Tempo-100-Freigabe anstrebten, lief das Verfahren jedoch so problemlos ab wie in diesem Beispielfall. In der Tat scheinen manche Prüfer den recht simplen Weg der Tempo-100-Freigabe unnötig mit bürokratischen Hürden zu verstellen: überpenible Inspektion des Gespanns mit kleinlicher Zurückweisung bei nur wenigen Kilogramm Minusdifferenz – vor allem damit müssen Gespannfahrer rechnen.

„Der Vorgang birgt halt viel Ermessensspielraum“, bekannte ein Prüfer, von CARAVANING befragt, ganz freimütig. „Manche Halter bringen ihr Gespann allerdings auch mit totaler Unkenntnis der Sachlage, untauglichen Reifen oder total ungeeigneter Gewichtsrelation von Zugwagen zu Caravan zur Prüfstelle und dürfen sich über die Ablehnung nicht wundern.“ Zuständig für die Tempo-100-Freigabe sind TÜV, DEKRA und GTÜ. Dort wird der vorgeführten Kombination aus Pkw und Caravan auf einem Vordruck (oben) die um 20 km/h höhere Endgeschwindigkeit für deutsche Autobahnen und Kraftfahrstraßen bescheinigt. Kosten: bis 30 Euro. Die große Tempo-100-Plakette für das Caravanheck und die kleinere für die Frontscheibe des Zugwagens gibt die Straßenverkehrsbehörde nach Vorlage der Bescheinigung aus. Kosten: 15 Euro. Für die bis Ende 2006 laufende Tempo-100-Freigabe bedarf es bestimmter technischer Voraussetzungen: Pkw maximal 3,5 Tonnen schwer und mit ABS ausgestattet, Wohnwagen mit Bremse, Achsstoßdämpfern und jünger als sechs Jahre alten Reifen, geschwindigkeitstauglich bis mindestens 120 km/h (ab Speed-Index L, siehe auch caravanEXPERT 8/2003). Das zulässige Gesamtgewicht des Caravans wird – ausgehend vom Leergewicht des Zugautos – nach dem Faktor 0,8 reduziert.

Der Prüfer bemisst das Leergewicht nach Ziffer 14 im Fahrzeugschein. Bei der Probe aufs Exempel meldete CARAVANING einen Mitsubishi Pajero samt Hobby 495 bei der DEKRA-Prüfstelle in Sindelfingen an. „Kommen Sie nächsten Montag“, sagte die freundliche Dame bei der Anmeldung. Wartezeit am besprochenen Termin: 20 Minuten. Dauer der Inspektion samt Ausfüllen des Vordrucks: 15 Minuten. Bei 2130 Kilo Leergewicht des Offroaders wurde eine zulässige Caravangesamtmasse von 1704 Kilo errechnet, 200 Kilo mehr, als der bis 1500 Kilo schwere Hobby 495 auf die Waage bringen darf. Jede Menge Spielraum also. Mancher Zugwagen ist nach der Faktor-8-Berechnung allerdings zu leicht für den Caravan – beziehungsweise ist der Caravan zu schwer für den Zugwagen. Geht es um einen kleineren Kilo-Fehlbetrag, bleiben dem Halter drei Chancen, doch noch zur 100er-Plakette zu gelangen. Erste Chance: Viele Autos sind – per mitgekaufter Sonderausstattung – schon als Neuwagen schwerer, als unter Ziffer 14 erwähnt; der Fahrzeugschein benennt dafür unter Ziffer 33 eine zusätzliche Leergewichtsspanne. Diesen Bonus wird nicht jeder Prüfer ohne weiteres anrechnen; er kann den amtlichen Wiegeschein einer öffentlichen Waage verlangen oder – soweit möglich – selbst nachwiegen wollen. Zweite Chance: Der Halter kann versuchen, vom Pkw-Hersteller eine Bescheinigung über das höhere Leergewicht zu bekommen. Dritte Chance: Er kann seinen Caravan um die überschüssigen Pfunde amtlich ablasten lassen, müsste dann aber auf wichtige Zuladungsreserven verzichten – eine kaum akzeptable Variante. Wer die Fahrt zu einer Prüfstelle scheut, kommt auch auf andere Weise zur Tempo-100-Freigabe: bei der eigenen Autowerkstatt. Die freiberuflichen Vertragspartner der GTÜ nehmen dort nicht nur die Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO vor, sondern ebenso den Tempo-100-Check.

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Datum

22. Oktober 2003
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