Tipps und Tricks - Entscheidung treffen: Wohnmobil oder Wohnwagen?

Der Stein der Weisen ist schwer zu finden, denn sowohl Caravan als auch Reisemobil haben ihre Fangemeinde. Doch auf welche Kriterien sollte man achten, wenn es darauf ankommt sich zu entscheiden?

Dieter Müller (Name von der Redaktion geändert) hat eine typische Karriere hinter sich: Mit seinen Eltern machte der heute 55-Jährige einst Campingurlaub: Geld war wenig vorhanden, deswegen wurde gezeltet. Später selbst Ernährer einer Familie, fuhr der Hochbauingenieur aus Mannheim mit Kind und Kegel im Caravan in die Ferien. „Für Familien ist der Caravan einfach die bessere und günstigere Alternative zum Reisemobil“, so Müllers Motivation. Damals galt das noch: Vor fünf Jahren – die Kinder gingen mittlerweile eigene Wege – stieg er vom Caravan zum Reisemobil um, einem großen Integrierten für sich und seine Frau.

Dieter Müllers „Karriere“ ist typisch, viele Caravaner wechseln irgendwann zum Reisemobil. „Hochgedient“ habe er sich, sagt Müller dazu spitzbübisch. Das Reisemobil also als Ende der Evolutionskette? Das sehen hartgesottene Wohnwagenfans ganz anders. Für sie ist das Haus auf zwei Rädern deutlich attraktiver als das auf vier Gummis rollende. Das liegt nicht nur an der höheren Wirtschaftlichkeit des Caravans; genauso häufig wird in Diskussionen pro Wohnwagen und contra Wohnmobil das Thema Praxistauglichkeit aufs Schild gehoben. Und auch die Sicherheit, sagen Caravaner, sei beim Wohnwagen höher als beim Reisemobil.

Hier die wichtigsten Prüfkriterien im Vergleich:

1. Wirtschaftlichkeit: Bereits der Preis spricht für den Caravan. Für 15 000 Euro erhalten Wohnwagenkäufer einen guten Gegenwert, und das auf Jahre hinaus, denn der Wertverlust bei Caravans ist deutlich geringer als bei Reisemobilen, die sich fast schon am durchschnittlichen Preisverlust von Automobilen orientieren müssen. Beispiel: Für eine Comtesse 490 TN von Tabbert, Baujahr 1992, steht in der Schwacke-Liste ein aktueller Preis von 3450 Euro – das ist ein Drittel des damaligen Neuwerts dieses Caravans. Bedenkt man, dass die „echten“ Verkaufspreise in der Regel über den Schwacke-Angaben liegen, so schlägt das Pendel noch stärker Richtung Wohnwagen aus. Wer die Wirtschaftlichkeit von Reisemobilen und Caravans vergleicht, kommt auch um einen Blick auf die Kosten für den Unterhalt nicht herum. Die Wartungskosten sind beim Caravan deutlich geringer, Steuer und Versicherung ebenfalls. Das Argument, zum Wohnwagen müsse noch der Zugwagen gerechnet werden, zählt nicht, denn nur ein geringer Prozentsatz der Reisemobilfahrer setzt sein Mobil als Ersatz für einen Pkw ein. Klarer Punktsieger in Sachen Wirtschaftlichkeit: der Wohnwagen. Das gilt übrigens auch fürs Mieten!

2. Flexibilität: Befragt man Reisemobilfahrer nach dem größten Plus gegenüber dem Wohnwagen, so hört man: Flexibilität. Auf den ersten Blick stimmt das. Reisemobile können bereits in Deutschland ein stetig wachsendes Netz günstiger oder gar kostenloser Stellplätze benutzen. Caravaner könnten das auch, dürfen aber nicht, da der Gesetzgeber keine Wohnwagen auf Reisemobilstellplätzen zulässt. Selbst autarke Gespanne, die sich vom Reisemobil technisch nicht unterscheiden, müssen auf den Campingplatz – oder auf die Vernunft des Stellplatzbetreibers hoffen. Anders aber sieht die Sache aus, wenn Flexibilität auch Mobilität am Urlaubsort bedeutet. Vor allem in südlichen Ländern geraten Reisemobile wegen ihrer Ausmaße oft an räumliche Grenzen. Viele romantische Strecken bleiben ihnen versagt, dazu kommt (nicht nur im Süden) die Parkproblematik. Die ist dem Zugwagenfahrer fremd. Er parkt den Wohnwagen auf dem Campingplatz und kann seinen Pkw vor Ort ausgiebig einsetzen. In diesem Sinne ist der Caravan das flexiblere Fahrzeug. Und auch das sparsamere, denn der Pkw verbraucht weniger Sprit als das Reisemobil, zudem werden für ihn üblicherweise geringere Parkgebühren fällig.

3. Familientauglichkeit: Wer an Familien denkt, denkt an den Preis (siehe Wirtschaftlichkeit), an den Platz im Fahrzeug und an Sicherheit. In allen drei Punkten hat der Wohnwagen die Nase vorn. Wer mit Kindern in Urlaub geht, wird sich kaum auf einem Stellplatz einnisten wollen – der Preisvorteil des Reisemobilisten gegenüber dem an den Campingplatz gebundenen Wohnwagenfahrer ist dahin. Vergleicht man den benutzbaren Raum zweier gleich großer Vertreter der Reisemobil- und Caravan-Zunft, so zeigt sich das deutlich größere Raumangebot des Wohnwagens. Grund ist, dass beim Caravan kein Fahrerhaus integriert werden muss. Die Platzausbeute: maximal! Ein weiteres Thema für Familien ist die Sicherheit beim Fahren. Passagiere reisen im Pkw nach wie vor sicherer als in den meisten Reisemobilen – sieht man von Campingbussen wie dem VW California oder dem Mercedes Marco Polo einmal ab. Außerdem verfügen die aktuellen Wohnwagen fahrwerkstechnisch über deutlich mehr Reserven als früher – und mit Schlingerdämpfern über ein gutes Sicherheitsmerkmal. Vorteil bei der Familientauglichkeit: der Caravan.

4. Wintertauglichkeit: Ein Caravan sollte per se in Sachen Wintertauglichkeit besser geeignet sein als ein vergleichbares Reisemobil. Das hat einzig und allein mit der Konstruktion zu tun. Der Schwachpunkt fast aller Reisemobile ist nämlich das Fahrerhaus mit seinen großen Fensterflächen und den schlecht isolierten Türen, die als Kältebrücke fungieren. Wer ohne allzu hohen Heizungseinsatz überwintern möchte, muss als Reisemobilfahrer in Dämmmatten fürs Fahrerhaus investieren. Sieger im Wintertest: der Caravan. Ist der Caravan das bessere Reisefahrzeug? Ja, meinen Caravan-Gurus. Nein, sagen Liebhaber des Reisemobils, die sich zudem über das bessere Image ihres Urlaubsmobils freuen können. Caravan oder Reisemobil? Ein Hoch auf beide!

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Datum

27. Oktober 2005
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