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Ratgeber Wohnwagen-Kauf: Urlaub nach Maß

Für den gelungenen Urlaub muss der Caravan sowohl Paaren als auch Familien mit Kindern so perfekt sitzen wie ein Maßanzug.

Was an Kleiderpuppen im Schaufenster oder im Prospekt an Models prächtig aussieht, das zwickt und zwackt plötzlich beim Anprobieren trotz richtiger Kleidergröße - jeder kennt das Phänomen. Wird trotzdem gekauft, ist das Malheur bei Hose oder Jackett  überschaubar, beim Caravan hat es fatale Folgen: Änderungen sind unmöglich, ein Umtausch klappt nur mit großem Wertverlust. Entscheidend für den Tragekomfort des Caravans ist der Grundriss, er will mit Bedacht gewählt sein.

Caravans erwirbt man zwar von der Stange, doch die Vielfalt der Varianten und Grundrisse erinnert an Maßarbeit. Die großen Anbieter halten jeweils zwischen 30 und 60 Modelle bereit. Sie entstehen nach Schnittmustern, bestimmte Ele-mente tauchen bei jedem Hersteller an unterschiedlichen Stellen auf. Virtuos gemixt, entstehen daraus immer wieder neue Kombinationen.

Die Sitzgruppe

Eine Rundsitzgruppe ist der eindeutige Favorit. Meist ist die Sitzgelegenheit in Bug oder Heck angesiedelt, hier kuschelt sich die beliebte Rundsitzgruppe richtig hinein, und es gibt Aussicht durch Fenster an drei Seiten. In einzelnen Fällen ist die Rundsitzgruppe seitlich gegenüber der Tür montiert. Oder ein Schenkel ist weit herumgezogen - macht eine 270-Grad-Sitzgruppe für die Skatrunde.

Eine Dinette mit zwei gegenüberliegenden Sitzbänken findet sich dagegen nur bei sehr kompakten Caravans. Oder bei einem Kinderzimmer-Grundriss mit Liegeplätzen vorn und hinten. Sie zwingen die Sitzgruppe zusammen mit der Küche ins Zentrum. Dort kann ebenso eine seitlich montierte Rundsitzgruppe mit kurzen Schenkeln auftauchen.

Nur bei üppigen Modellen anzutreffen sind zwei Sitzgruppen - in diesem Fall gönnen sich Reisende ein Esszimmer nahe der Küche, und die Sitzecke gilt als Wohnzimmer. Ob Rundsitzgruppe oder Dinette: Beide dienen bei Bedarf als Bett. In sehr kompakten Caravans steht keine andere Liegefläche zur Verfügung, bei den meisten anderen Modellen bedeutet sie ein willkommenes Gästebett.

Die Betten

Sie sind so individuell wie die Caravan-Reisenden. Die Stammmannschaft des Caravans schätzt das gemachte Bett. Abends die Sitzgruppe in eine Liegefläche zu verwandeln war gestern, von superkompakten Modellen abgesehen. Nun wird’s spannend: Soll ein großes Doppelbett her, wird getrennt geschlafen? Reisende mit Gardemaß legen Wert auf Betten mit zwei Meter Länge und viel Bewegungsfläche für die Arme. Zart gebaute Urlauber interessieren sich dafür weniger.

Klarer Favorit ist zurzeit das längs eingebaute Bett mit Wasch- und Toilettenraum nebenan. Es wird gern auch als französisches Bett bezeichnet. Die schlanke Anordnung von Bett und Bad spart jede Menge Platz. Doch Vorsicht, das Bett ist im Vergleich zur Liegefläche daheim recht schmal, sein Fußteil wegen des Zugangs zum Bad zusätzlich eingeschnürt. Erst bei einer Außenbreite von 2,5 Metern kann sich das französische Bett im Caravan ausdehnen. Wer den Sanitärbereich anderswo unterbringt, kann seitlich einen Gang vorsehen. Diese großzügige Aufteilung erleichtert den Zustieg.

Manchmal ändert das französische Bett seine typische Ausrichtung. Nicht längs, sondern quer im Bug eingebaut, ist es die besser zugängliche Alternative zum Querbett kompakter Caravans. Vorteil: Die Nutzer gelangen sowohl von der Seite als auch über das Fußteil ins Bett, lästiges Klettern über Partnerin oder Partner entfällt. Auch dies funktioniert nur in 2,50 Meter breiten Wagen. In Einzelfällen streckt sich das französische Bett auch vor einem großen, quer angeordneten Bad als Heck-Abschluss. Zunehmende Konkurrenz bekommt das französische Bett durch Einzelbetten. Die Grundrisse wirken etwas uniform: Einzelbetten auf der einen Seite, Rundsitzgruppe gegenüber – so ist es üblich.

Seltener sind die Betten vor einem großen Bad angeordnet. Zwischen den Liegeflächen ist nur ein schlanker Mittelgang erforderlich, daher fallen beide Matratzen vergleichsweise breit aus. Jeder hat seinen eigenen bequemen Zugang und stört den anderen nicht durch Bewegungen im Schlaf. Wer gelegentlich Zweisamkeit sucht, kann bei einigen Modellen die Betten durch Einlegepolster zu einer üppigen Liegewiese verbinden. Aufgrund anderer Einbauten ist die Länge der Einzelbetten jedoch häufig unterschiedlich. Bitte ausprobieren!

In Caravans noch selten anzutreffen ist das sogenannte Queensbett: Hier ist die Liegefläche wie beim Doppelbett daheim von drei Seiten zugänglich. Die Bettenmaße fallen indes in Länge und Breite häufig weniger üppig aus als erwartet: Zwei seitliche Zugänge kosten Platz. Erst bei breiten Caravans wird’s geräumig. Großes Plus: Der Schlafraum wirkt luftig.
Wer mit Kindern verreist, entdeckt beim Aussuchen unweigerlich das Stockbett. Aufgrund der notwendigen Höhe ist es meist im Heck untergebracht. Hier hat der Nachwuchs sein eigenes kleines Reich. Die Abtrennung – Vorhang, Schiebetür –  ist ein Kriterium.

Die Länge der Betten beschränkt sich auf weniger als 1,90 Meter. Auch begrenzen die Hersteller die Tragfähigkeit mitunter recht knapp. Wer nur ein Kind an Bord hat, profitiert ebenfalls vom Stockbett: In vielen Fällen ist die untere Liegefläche klappbar, dahinter entsteht ein weitläufiger Stauraum. Auch bei zwei Kindern ist der Dreh von Vorteil: Während der Fahrt gibt es Platz für Räder oder Mobiliar. All das wechselt auf dem Campingplatz ins Vorzelt.

Besonders großzügig ist eine Kinderzimmervariante mit Stockbett plus zweiter Sitzgruppe – nicht überall zu finden. Ebenso wie die Kombination von Stock- und Elterndoppelbett im gleichen Trakt. Noch neu sind Hubbetten in Caravans, sie nutzen den Platz über der Sitzgruppe. Wächst der Caravan in diesem Fall nach innen, so vergrößern optionale Aufstelldächer den Raum nach oben. Eine luftige Angelegenheit für den wettersicheren Urlaub, weder billig noch leicht, aber kompakt. Und nun heißt es puzzeln: Bett längs oder quer, schlankes Bett oder breiter Caravan, Sitzgruppe kompakt oder größer? Da bleibt für den Caravan-Kauf vor allem ein Tipp, der auch bei Kleidung unerlässlich ist: anprobieren. Denn der Caravan muss sitzen – wie ein guter Anzug eben auch.

Die Küche

Üblicherweise aus Gewichtsgründen im Zentrum über der Achse angesiedelt, ist die Küche im Caravan in Form einer kompakten Zeile gestaltet, seltener als Winkel. Dreiflammkocher sind üblich, indes für große Töpfe und Pfannen mal mehr, mal weniger geschickt gestaltet. Das Maß der Arbeitsfläche und der Spüle gilt es zu beachten, auch Details wie offene Abstellflächen, Vitrinen oder Gewürzregale. Schubladen mit Selbsteinzug statt Stauschränken, Apothekerauszüge und Zentralverriegelung sind weitere Feinheiten und Komfortmerkmale. Den Unterschied macht der Kühlschrank. Rund 100 Liter Volumen sind Standard. Gern darf es auch ein respektabler Turm mit rund 160 Liter Volumen und separatem Gefrierfach sein. Als Extras stehen Backofen und Mikrowelle hoch im Kurs.

Badespaß im Caravan?

Erlaubt ist, was gefällt - beim Caravan betrifft dies vor allem den Sanitärbereich. Wasch- und Toilettenraum, Warmwasserversorgung über eine Therme, das muss sein. Auch Tanks für Frisch- und Abwasser (meist rollbar) setzen sich durch. Drehbare Toiletten wirken schick und modern, die Umgebung von Banktoiletten ist aber einfacher zu reinigen. Weitere Kriterien im Bad sind Bewegungsfreiheit sowie Größe und Höhe des Waschbeckens. Über eine Dusche im Caravan lässt sich diskutieren - man steht schließlich auf einem Campingplatz mit Infrastruktur. Entsprechend sind Grundrisse mit großem Bad und separater Duschkabine in Caravans eine Rarität - untergebracht ist derlei dann quer im Heck und gleichzeitig ein praktischer Trockenraum für nasse Kleidung.

Autor

Foto

Uli Regenscheit, Archiv

Datum

29. September 2011
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