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Wohnwagen privat vermieten: Leicht verdientes Geld oder Risiko?

Immer mehr Internetportale locken mit Camper-Sharing: Denn die Vermietung des eigenen Wohnwagens verspricht gutes Geld. Lohnt sich das Geschäft? Und gibt es einen Haken an der Sache?

"Den eigenen Wohnwagen und die Ehefrau – diese beiden würde ich niemals vermieten", sagt Chris Möller, Gründer von Campanda, und muss lachen. "Das ist ein Argument vieler Kritiker." Er gründete 2013 erfolgreich eine Camper-Vermiet-Plattform im Internet, auf der gewerbliche und private Vermieter ihre Fahrzeuge anbieten können. Und damit ist er nicht alleine: Mittlerweile gibt es für Privatvermietungen zahlreiche Portale in Deutschland. Um die Marktführerschaft buhlen derzeit neben Campanda auch Paul Camper und Shareacamper. Da es hierzulande den potenziell größten Markt für Vermietungen gibt, tauchten 2016 in Deutschland auch Anbieter aus dem Ausland auf. Zur internationalen Konkurrenz gehört beispielsweise Yescapa aus Frankreich.

Allen Vermietportalen gemeinsam ist, dass sie Internet-basierte Start-ups sind und Geldgeber gefunden haben. Dass dahinter ein vielversprechendes Geschäft lauert, beweisen die hohen Summen, die ihre Investoren in die jungen Unternehmen stecken: Den größten Topf hat Campanda mit einem Gesamtinvestment von 17 Millionen Euro.

Die Frage des Gewinns stellt sich beim Sharing auf jeden Fall. Alle Portale nennen unterschiedliche Summen, die auf ihnen organisierte Vermieter durchschnittlich verdienen. Der Gewinn ist natürlich individuell davon abhängig, wie oft im Jahr man vermietet und wann man selbst mit dem Wohnwagen in den Urlaub fährt. Natürlich ist die Nachfrage in der Hauptsaison viel größer als in der Nebensaison. Außerdem können Vermieter bei allen Portalen den Preis für die Vermietung selbst festlegen. Dennoch sind die Preise für die privaten günstiger als bei den Profis. Vermieterin Wilma Hahn verlangt für ihren Bürstner Flipper für vier Personen 49 Euro pro Tag, bei der ADAC-Vermietung zahlt man für einen ähnlichen Wohnwagen in der Hauptsaison bis zu 73 Euro.

Vorteile für Mieter und Vermieter

Zunächst scheint die Rechnung klar: Die Mieter profitieren. Vor allem Einsteiger bekommen so die Chance, diese Urlaubsform Caravaning auf günstigem Wege zu entdecken, ohne sich gleich ein Fahrzeug kaufen zu müssen.

Für Vermieter springt allerdings auch immer etwas dabei heraus. Eine Beispielrechnung: Chris Möller von Campanda selbst vermietet ein 15 Jahre altes Alkovenmobil von Niesmann + Bischoff: "Im vergangenen Jahr habe ich innerhalb von 120 Vermiettagen 12.000 Euro umgesetzt. 3.800 Euro gingen für Versicherung, Service und Reparaturen drauf, also habe ich 8.200 Euro verdient." Geht das auch mit Wohnwagen? Zwar lassen sich Wohnmobile grundsätzlich teurer vermieten. Angenommen, Wilma Hahn würde ihren Wohnwagen 120 Tage im Jahr vermieten, würde sie so immerhin 5.880 Euro Umsatz generieren.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Vermiettätigkeit beim Finanzamt anzugeben. Allerdings muss nur der Gewinn versteuert werden. Einkommensteuer wird nur fällig, wenn die Vermieteinnahmen die laufenden Kosten wie Versicherung und Reparaturen übersteigen. Ab einem jährlichen Reingewinn über 256 Euro sollten Vermieter sich den Rat eines Steuerberaters einholen. Außerdem gilt: Wer eine Selbstfahrer-Vermietversicherung abschließt, sollte ein Gewerbe anmelden.

Weniger Kosten – effizienter Nutzen von Ressourcen

Die Idee des Sharings gründet dabei überhaupt nicht nur auf Kapitalgewinn: Durch das Teilen sollen Ressourcen effizienter genutzt werden und Menschen sich Dinge leisten können, die jenseits ihres Budgets liegen. In der sogenannten Share Economy tritt der Besitz in den Hintergrund, wichtiger ist der bezahlbare Zugang zu Waren und Dienstleistungen.

Ein Vorteil, den Internetportale bieten, sind die Bewertungen, die Mieter und Vermieter sich gegenseitig geben und die öffentlich sichtbar sind. So entsteht eine Art soziale Kontrolle im Netzwerk. Außerdem müssen Vermieter nicht jede Mietanfrage annehmen. Hat der Vermieter nach der ersten Kontaktaufnahme keinen guten Eindruck vom potenziellen Mieter, steht ihm natürlich die Möglichkeit offen, die Vermietung abzusagen. Wer noch mehr Sicherheit benötigt, kann bei Paul Camper eine Rechtsschutzversicherung für Vermieter abschließen. Die meisten Schadensfälle sind allerdings durch die bestehenden Versicherungen geklärt.

Die wichtigste Frage für potenzielle Vermieter ist: Welches Portal passt am besten zu meinen Bedürfnissen?

Verschiedene Internetportale bieten Wohnwagen zur Miete

Campanda hat laut eigenen Angaben die größte Privatvermietflotte in Deutschland. Insgesamt 45 Personen arbeiten an den Standorten Berlin, Bordeaux und Boston. Es gibt 17 Servicestationen in Deutschland, die technische Checks der Fahrzeuge und auch Übergaben für die Vermieter übernehmen können. Gründer Chris Möller: "Das ist perfekt für alle, die keine unangenehmen Gespräche führen wollen, wenn es darum geht, eine Kaution einzubehalten." Wer mag, kann den Wohnwagen das ganze Jahr über bei den Stationen für zwei Euro pro Tag unterstellen und das Fahrzeug nur für den eigenen Urlaub abholen.

Auch bei Shareacamper soll es ab dem Frühjahr 2017 ein Netzwerk mit Servicepartnern geben. Händler und professionelle Vermieter übernehmen Service-Checks und wickeln die Vermietung ab. Bislang setzte das Portal bei der Fahrzeugübergabe auf Absprachen zwischen Mieter und Vermieter mit vorgedruckten Übergabeprotokollen. Laut Gründer Jan Bartel legt sein Portal viel Wert auf guten Service: "Wir sind für Mieter und Vermieter Sorgentelefon und Reisebüro in einem." Letzteres nehmen häufig deutsche Mieter in Anspruch, die via Shareacamper in Neuseeland buchen, das Land in dem Shareacamper bislang den größten Kundenstamm an Vermietern aufweist.

Bei Paul Camper übergeben und erklären die Besitzer ihre Fahrzeuge normalerweise persönlich. Das Portal ist ganz auf Privatleute spezialisiert und legt vor allem Wert auf den Gemeinschaftsgedanken und die Community. Aus ursprünglich "drei Leuten im Wohnzimmer" wurde ein Büro in Berlin mit über 20 Personen. "Unser Support kann sich in viele Situationen hineinversetzen, denn wir sind alle selbst Camper", sagt Gründer Dirk Fehse. Außerdem bieten sie regelmäßig Vermietertreffen an. Ihr Credo: "Die Vermietung soll dich nicht stressen. Daher geht es bei uns auch nicht um die letzten 50 Cent Gewinn." Hier sind Vermieter gut aufgehoben, die gerne ihre Leidenschaft teilen.

Und was ist der Vorteil von internationalen Portalen wie Yescapa? Hier können Vermieter den Mieterkreis um Kunden aus den Niederlanden, Frankreich und Spanien erweitern. Möglich ist das auch bei deutschen Portalen, die in mehreren Sprachen online verfügbar sind, aber eventuell noch nicht so bekannt in diesen Ländern.

Aber lohnt sich das Geschäft? Die private Vermietung eignet sich, um die Haltungskosten zu decken und die eigene Reisekasse etwas aufzubessern. Somit bieten die Portale tatsächlich eine gute Chance, um sich Hobby und Wohnwagen zu finanzieren, denn die Nachfrage nach Mietfahrzeugen ist hoch.

Wer Spaß am Teilen hat und den eigenen Wohnwagen ganz nüchtern als Gebrauchsgegenstand betrachtet, kann dank der Zusatzversicherungen das Vermieterdasein einfach ausprobieren. Allen, denen ihr Fahrzeug heilig ist und die Schweißausbrüche bekommen, wenn andere Menschen es benutzen, raten wir allerdings vom Vermieten ab.

Vermiet-Versicherungen

Eine Möglichkeit für die Fahrzeuge privater Vermieter ist die Selbstfahrer-Vermietversicherung. Ihr Nachteil: Die Versicherung kann mehr als doppelt so viel wie die reguläre kosten und eine oftmals höhere Selbstbeteiligungssumme bei der Vollkasko. Außerdem muss der Wohnwagen alle zwei statt drei Jahre zur Hauptuntersuchung. Daher lohnt sie sich erst bei mehr als 100 Vermiettagen pro Jahr. 

Seit Frühjahr 2016 bieten einige der großen Vermietportale eine taggenaue Zusatzversicherung an, ähnlich wie bei den geläufigen Portalen für privates Car-Sharing. Den Versicherungsbeitrag dafür zahlt der Mieter direkt bei der Mietbuchung beim Portal. Der Besitzer behält seine normale Versicherung, die im Schadensfall während der Vermietung nicht steigt. Je nach Portal beinhalten die Versicherungspakete mit Vollkaskoversicherung weitere Sicherheiten wie Schutzbrief, Veruntreuungs-, Reise- und Gepäckversicherungen. Nachteil: Wird der Mietzeitraum überschritten, ist der Wohnwagen nicht versichert. 

Wilma Hahn vermietet ihren Bürstner Flipper

www.paulcamper.de
Preis: ab 49 Euro pro Nacht

Vor einem Jahr kaufte sich Wilma Hahn aus Filderstadt einen Gebrauchtwohnwagen, um in ihrer zweiten Elternzeit nach Sardinien zu reisen. Was mögliche Schäden bei einer Vermietung angeht, ist sie tiefenentspannt: "Was wir selbst mit zwei kleinen Kindern nicht kaputt bekommen, schafft ein anderer auch nicht." Dennoch ging bei den vergangenen Vermietungen auch mal etwas kaputt: Ein paar Teller, ein Gemüseschäler und ein Campingstuhl. Letzterer war vom Sperrmüll, daher hat der Verlust ihr nicht sonderlich wehgetan. "Das Einzige, was mich einmal geärgert hat, war, dass der Wassertank verschmutzt zurück kam. Das war hinterher viel Arbeit." Dennoch wird sie weiterhin vermieten: "Dass der Wagen die ganze Zeit herumsteht, wenn wir nicht im Urlaub sind, ist doch wirklich Quatsch."

Andreas Völkner vermietet seinen Fendt Topas 510 TFB

www.paulcamper.de
Preis: ab 39 Euro pro Nacht 

"Ich bin gerne Gastgeber", sagt Andreas Völkner aus Bielefeld von sich. Als er zum ersten Mal vom Campersharing hörte, inserierte er sofort seinen Fendt. "Ich fand dieses 'Couchsurfing für Camper' eine tolle Idee. Es dauerte nur vier Tage, da hatte ich den Wohnwagen schon für zwei Wochen vermietet." Dass er dabei ein paar Euro verdienen kann, sei ein schöner Nebeneffekt. An jeden vermietet er aber nicht: "Die Anfrage einer Familie mit Hund beispielsweise habe ich abgelehnt." Wichtig ist für ihn das erste persönliche Telefonat: "Schließlich teile ich ein Stück Privatsphäre." Wenn alles stimmt, ist er mitunter sehr entgegenkommend: "Neulich habe ich mich für die Fahrzeugübergabe mit einem älteren Ehepaar auf halber Strecke getroffen, da sie unsicher waren, ob sie den ganzen Weg schaffen."

Foto

Dieter S. Heinz

Datum

12. März 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 03/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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