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Fähren in Nordeuropa

Mit dem Wohnwagen zu nördlichen Ländern

Tallink Silja Line Foto: Tallink Silja 11 Bilder

Auf dem schnellsten Weg nach Skandinavien oder auf die Britischen Inseln oder doch lieber rund um die Ostsee mit Abkürzungen. Mit einer Fährpassage beginnt der Urlaub schon am Heimathafen.

09.04.2017 Marc Roger Reichel

Haushoch türmt sich die Königin der Meere über dem Kai auf, ein endlos wirkender Strom von Fahrzeugen verschwindet im Bauch der Fähre. Versiert und zentimetergenau werden Wohnwagengespanne zwischen anderen Pkw und Lastwagen eingewiesen. Wer früh dran ist, kommt am Ziel am schnellsten vom Schiff und hat hinter dem Hafen keinen Stau zu befürchten. Vom Sonnendeck aus noch ein letzter Blick auf die Kaianlagen, schon legt der Dampfer ab und strebt ruhig seinem Bestimmungsort entgegen.

Mit dem Wohnwagen nach Nordeuropa

Für die Überfahrt ins Urlaubsland eine Fähre zu wählen hat seinen eigenen Reiz. Vorbei sind die Zeiten der alten Kähne, die unruhig durch die Wellen stampften. Gerade auf den Routen nach Skandinavien, ins Baltikum und zu den Britischen Inseln werden Komfort und Kurzweil großgeschrieben. Gepflegte Restauration und ansprechende Kabinen sorgen für Entspannung, große Pötte mit modernster Technik liegen so ruhig auf dem Meer, dass Reisekrankheit kaum zu befürchten ist. Vor allem die Skandinavien-Liner punkten mit Bereichen, in denen Kinder spielen können. In der Hauptsaison wird oft ein Kinderprogramm geboten, bei dem der Nachwuchs sein Piratendiplom machen oder auf Schatzsuche gehen kann. Auf Überfahrten zu den Britischen Inseln lassen Unterhaltungsshows die Zeit vergehen.

Norwegen

Das Land der Mitternachtssonne lockt nicht nur Reisende, die dem Nordkap entgegenstreben. Besonders beliebt bei Campern sind der Süden und der Westen Norwegens; der kürzeste Weg führt über den norddänischen Hafen Hirtshals. Fjordline betreibt von hier aus Fährverbindungen zu verschiedenen norwegischen Häfen, die Tour nach Bergen wird für ein mit zwei Personen besetztes Wohnwagengespann von zwölf Metern Länge mit 495 Euro veranschlagt. Mitglieder des DCC bekommen auf der Route Hirtshals–Langesund einen Rabatt von zehn Prozent, ADAC-Mitglieder erhalten die zehnprozentige Ermäßigung auf allen Strecken. Überschreitet das Fahrzeug die genannten Maximalmaße, werden Zuschläge erhoben.

Eine Alternative ist die von Stena Line betriebene Strecke von Frederikshavn nach Oslo, die ohne Kabine 198 Euro kostet. Wer sich die Anfahrt in den Norden Dänemarks sparen will, schippert mit Color Line für 743 Euro schon von Kiel aus nachts mit Kabine nach Oslo. Beim Nachweis der Überfahrt mit Color Line gewähren viele Campingplätze in Norwegen zehn Prozent Rabatt.

DFDS steuert ebenfalls täglich Oslo an, allerdings von Kopenhagen aus. Während das Gespann auf dem Autodeck steht, machen es sich die Passagiere für eine Nachtfahrt in einer Kabine gemütlich. Die regulären Kosten belaufen sich auf 507 Euro, DFDS bietet jedoch auch Sonderkonditionen für Camper an. Bei einer Abfahrt am Dienstag oder Mittwoch wird die Mitnahme eines Wohnwagens nicht in Rechnung gestellt, Gespannfahrer können mit Preisen ab 169 Euro rechnen. Im Aktionszeitraum zwischen 23. Juni und 16. August wird das Frühstück spendiert.

Schweden

Selbst wenn Ziele auch über Land zu erreichen sind, lohnt die Gegenrechnung, ob die Nutzung einer Fähre nicht sinnvoller ist. Reisende nach Schweden haben auf der Strecke von Hamburg nach Göteborg 775 Kilometer zu bewältigen. Die Brückenmaut für Storebaelt- und Öresundbrücke eingerechnet, werden dafür 263 Euro fällig. Die Fähre von Kiel nach Göteborg reduziert die Fahrstrecke auf knapp 100 Kilometer, kommt aber mit Stena Line auf 330 Euro. Dafür ist die Übernachtung in einer Kabine inklusive, so dass die Fahrt morgens weitergehen kann.

Wer bei der Wahl der Abfahrtszeit flexibel ist, kann auf häufig befahrenen Routen bares Geld sparen. Anfang Juli macht der Preisunterschied auf der Route Kiel–Göteborg 130 Euro aus – je nachdem ob man sich am Donnerstag oder am Freitag einschifft. Auf der Strecke von Frederikshavn nach Göteborg werden 210 Euro fällig, wenn man um 11.50 Uhr ablegt. Nachtschwärmer, die die Fähre um 03.45 Uhr nehmen, zahlen nur 119 Euro. Auch die kluge Wahl des Abfahrthafens wirkt sich auf die Kosten aus: Während die ebenfalls von Stena Line betriebene Route von Rostock nach Trelleborg inklusive Wohnwagen 206 Euro kostet, geht es von Sassnitz aus für nur 145 Euro zum gleichen Ziel.

Wer seinen Urlaub so legen kann, dass er nicht in die Hauptsaison fällt, spart ebenfalls. Für die tagsüber zurückgelegte Strecke Travemünde–Trelleborg berechnet TT Line in der Nebensaison 99 Euro, in der Ferienzeit wird es 60 Euro teurer. Ein Längenzuschlag in Höhe von fünf Euro pro Meter wird erst ab einer Fahrzeuglänge über neun Metern erhoben. Zudem gibt es einen 25-prozentigen Rabatt bei der Kabinenbuchung. Wer online bucht, spart nochmals 14 Euro. Auf der Rostock–Trelleborg-Route bietet TT Line bei gleichzeitiger Buchung der Rückfahrt unter anderem eine Halbierung des Längenzuschlages.

Eine weitere Option für das Reiseziel Südschweden stellt Malmö dar, wo die Schiffe von Finnlines anlegen. Die Nachtfahrt ab Travemünde wird mit 352 Euro kalkuliert, mit Kabine. Soll es vom Festland aus weiter nach Gotland gehen, wird das Angebot der Reederei Destination Gotland interessant. Für 97 Euro bringt einen die Nachtfähre auf die Insel, die Tagfähre kostet hingegen 188 Euro. Dafür sind im Fährpreis die Kosten für einen Stellplatz auf einem Campingplatz nach Wahl enthalten.

Dänemark

Dass Dänemark ein Herz für Camper hat, zeigt sich auch in der Preisgestaltung der Reedereien. Bei Scandlines gelten die Pkw-Tarife auf allen Routen für Fahrzeuge bis zu sechs Meter Länge. Ansonsten werden Längenzuschläge in erschwinglicher Höhe fällig. Höhenzuschläge gibt es nicht, was sich bei Dachaufbauten positiv bemerkbar macht. Von Rostock nach Gedser kommt man zu zweit mit einem zwölf Meter langen Wohnwagengespann für 229 Euro.

Eine Vielzahl von Angeboten hat auch Faergen im Repertoire: Auf der Route von Sassnitz nach Rønne wird ein Wohnwagen zwischen Juli und Anfang September dienstags und mittwochs gratis befördert, der Normalpreis beträgt 210 Euro. Von Bøjden nach Fynshav werden Wohnwagen auf ausgewählten Abfahrten ebenfalls umsonst mitgenommen. Gleiches gilt in der Nebensaison auf der Strecke Esbjerg–Fanø.

Finnland und Baltikum

Zu den Caravaning-Traumreisen mit Erlebnischarakter gehört die Umrundung der Ostsee. Wer die mehr als 5.000 Kilometer lange Strecke nicht durchgängig auf der Straße absolvieren möchte oder kann, hat die Möglichkeit, diverse Abkürzungen zu nutzen. DFDS bringt Caravaner über Nacht ab 131 Euro von Kiel nach Klaipeda in Litauen. Zu zweit und mit Kabine summieren sich die Kosten auf 438 Euro. Die Fahrt von Travemünde nach Helsinki wird von Finnlines mit Kabine auf 1.369 Euro veranschlagt. Bucht man mehrere Strecken des Routennetzes, wird nur die erste voll berechnet, jede weitere wird mit 20 Prozent auf Personen-, Kabinen- und Fahrzeugpreise rabattiert.

Von Tallinn in Estland geht es täglich mit Tallink Silja nach Helsinki. Die Tagfähre kostet 249 Euro. Stena Lines bietet Überfahrten vom lettischen Ventspils ins schwedische Nynäshamn an. Die Tagestour kommt hier auf 179 Euro.

Britische Inseln

Entlang der gesamten Nordseeküste finden sich Fährhäfen, von denen aus Ziele in Großbritannien und Irland angesteuert werden. Ob Calais oder Cherbourg in Frankreich, Zeebrugge in Belgien oder Hoek van Holland, Rotterdam oder Amsterdam als Ausgangspunkt über den Ärmelkanal gewählt wird, hängt sowohl vom Standort der Reisenden als auch vom Ziel ab. Hull und Newcastle upon Tyne bieten sich für die weitere Strecke nach Nordengland oder Schottland an, von Cherbourg und Roscoff aus starten Direktfähren nach Irland.

Der kürzeste Sprung über den Kanal gelingt von Calais aus, wo mehrere Reedereien mit dem Eurotunnel konkurrieren. Dabei erweist sich der Seeweg als kostengünstiger. Schlägt der Eurotunnel für ein mit zwei Personen besetztes Wohnwagengespann mit mindestens 218 Euro zu Buche, berechnet P&O Ferries 155 Euro für die Passage. DFDS wirbt auf den Strecken Dünkirchen und Calais–Dover mit einem Sondertarif für Wohnwagengespanne bis 14 Meter Länge ab 75 Euro. Umbuchungsmöglichkeiten gibt es da nicht, und es ist ein frühes Aufstehen erforderlich, legt doch die günstigste Fähre morgens um vier Uhr ab.

Von Rotterdam und von Zeebrugge aus bringt P&O Ferries Caravaner nach Hull. Der reguläre Preis für eine Nacht-Überfahrt wird mit 513 Euro, bei einer Abfahrt an einem Samstag oder Sonntag lassen sich bis zu 240 Euro sparen. Der Wohnwagen muss dafür höher als 1,80 Meter und länger als 6,50 Meter sein. Das Angebot ist allerdings abhängig vom Platzangebot und den verfügbaren Abfahrtszeiten. Zudem muss die Buchung mindestens 36 Stunden vor der geplanten Abfahrtszeit erledigt sein. Die Route von Hoek van Holland nach Harwich wird von Stena Line bedient, auch hier gibt es Vergünstigungen für Camper. 193 Euro kostet die Überfahrt am Tag ohne Kabine.

Irland

Ein direktes Übersetzen nach Irland ist von verschiedenen französischen Häfen aus möglich. Brittany Ferries, Stena Line und Irish Ferries bedienen die Direktroute. Die irische Reederei legt unter anderem dreimal pro Woche von Cherbourg aus nach Rosslare oder Dublin ab. Die Kosten für die Nachtfahrt nach Rosslare betragen für zwei Personen mit Kabine und Wohnwagengespann 534 Euro. Obwohl Stena Line auch Direktverbindungen ab Frankreich im Programm hat, bietet die Reederei auch Kombitickets, die neben der Kanalüberquerung nach England eine Überfahrt von der britischen Westküste zur grünen Insel ermöglichen.

Wem auf dem Weg von England nach Irland nach einem Abstecher auf die Isle of Man zumute ist, der kann von Liverpool aus für umgerechnet 459 nach Douglas übersetzen und später eine weitere Fähre nach Belfast (428 Euro) oder Dublin nehmen – vorausgesetzt, der Wohnwagen ist nicht länger als 6,50 Meter.

Deckpassagen werden auf Nachtfahrten durch nördliche Gewässer nicht angeboten, es herrscht Kabinenpflicht. Tagsüber ist die Buchung einer Kabine optional und vielfach zu günstigen Tarifen möglich. Nicht nur für mitreisende jüngere Kinder eröffnet sich so die Möglichkeit, zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Auch ältere Semester kommen so für kleines Geld zu ihrem Mittagsschläfchen.

Auf einen Blick: Reedereien, Routen, Info

Skandinavien
ColorLine: Deutschland/Dänemark–Norwegen
Destination Gotland 1), 2): Schweden–Gotland
DFDS 1), 2): Dänemark–Norwegen
Faergen 1), 2): Deutschland–Dänemark, Dänemark–Dänische Inseln
Finnlines 1): Deutschland–Schweden/Finnland
Fjord Line 1): Dänemark–Norwegen
Scandlines 1): Deutschland–Dänemark
Smyril Line 1): Dänemark–Island
Stena Line 1): Dänemark–Norwegen, Deutschland/Dänemark/Polen–Schweden
St. Peter Line: Schweden–Finnland
Tallink Silja: Schweden–Finnland
TT-Line 1), 2): Deutschland–Schweden
Viking Line: Schweden–Finnland

Baltikum
DFDS: Deutschland/Schweden–Litauen, Schweden–Estland
Stena Line 1): Schweden–Litauen
St. Peter Line: Finnland–Estland
Tallink Silja: Finnland–Estland, Schweden–Lettland/Estland

Britische Inseln
Brittany Ferries: Frankreich/Spanien–Großbritannien, Frankreich–Irland
DFDS 1), 2): Frankreich/Niederlande–Großbritannien
Irish Ferries: Frankreich/Großbritannien–Irland
P&O Ferries 1), 2): Belgien/Frankreich/Niederlande–Großbritannien, Großbritannien–Irland/Nordirland
Steam Packet Company: England/Irland/Nordirland–Isle of Man
Stena Line: Niederlande–Großbritannien, Frankreich/Großbritannien–Irland/Nordirland

1) besondere Angebote für Wohnmobile auf einigen Linien.
2) besondere Angebote für Wohnwagengespanne auf einigen Linien.
Stand: Februar 2017; Reisetermin: 3.–4. Juli vormittags, je nach Verfügbarkeit; alle Angaben ohne Gewähr.

Preisberechnung

Für die Berechnung der Preisbeispiele wurde ein mit zwei Personen besetztes Wohnwagengespann von insgesamt zwölf Meter Länge gewählt. Die kalkulierten Kosten beziehen sich auf den Hinweg Anfang Juli. Bei Tagfähren wurde auf eine Unterbringung verzichtet, auf Nachtfahrten gelten die angegebenen Preise inklusive der günstigsten Kabinenart.

Angebote für Wohnwagenfahrer

Sowohl für Überfahrten auf Nord- und Ostsee als auch zu den Britischen Inseln bieten die meisten Reedereien spezielle Pakete für Camper an. Der Preisvorteil wird allerdings zum Teil nur auf ausgewählten Routen und zu wenig frequentierten Abfahrtszeiten offeriert. Zudem sind günstige Angebote oft zeitlich begrenzt, Plätze stehen nur in limitierter Zahl zur Verfügung.

Buchungen

Die Buchungsseiten der Reedereien geben einen tagesaktuellen Überblick, wie hoch die Kosten für einzelne Strecken ausfallen. Bis auf wenige Ausnahmen wird dieser Service auch in deutscher Sprache angeboten. Vergleiche von Fährverbindungen auf ähnlichen Routen lassen sich über Reiseportale wie www.aferry.de oder www.ocean24.de anstellen. Darüber hinaus gibt es weiterhin die Möglichkeit, sich ganz klassisch in einem Reisebüro beraten zu lassen.

Zeit fürs Boarding

Nicht erst in letzter Minute sollte man zum Boarding erscheinen. Nachdem einige Länder wieder Grenzkontrollen eingeführt haben, werden vor dem Zutritt auf Fähren nach Skandinavien regelmäßig die Personalpapiere der Reisenden überprüft.

Der Preis ist heiß

Reguläre Frühbucherrabatte werden im Frühjahr kaum noch gewährt. Dennoch sind Fährtickets umso günstiger, je mehr Zeit noch zwischen Buchung und Abfahrt liegt. Die gleichzeitige Buchung der Rückfahrt bringt je nach Fährgesellschaft einen Preisnachlass von 20 bis 30 Prozent. Kombitickets, bei denen Hin- und Rückfahrt nicht auf der gleichen Strecke verlaufen müssen, werden ebenfalls zu Sonderkonditionen offeriert. Finnlines, Tallink Silja und Stena bieten diese Möglichkeit für den Ostseeraum an, Stena auch für die Weiterfahrt von England nach Irland. Sinnvoll ist immer der Vergleich der Angebote verschiedener Fährgesellschaften, die auf der gleichen Route ihre Dienste anbieten. Auch mit dem Vergleich der Tarife unterschiedlicher Abfahrts- und Zielhäfen lässt sich mancher Euro sparen. Einen deutlichen Preisvorteil kann in Anspruch nehmen, wer eine bestimmte Fähre fest bucht und auf die Möglichkeit einer nachträglichen Umbuchung verzichtet.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
CAR 04/17
Heft 04 / 2017 14. März 2017 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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