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Adria Adiva 502 UP im Test: Adria Adiva 502 UP

Adria Adiva – klingt nach Diva und tut auch so: Glamour überwiegt, aber Zickigkeit ist auch dabei.

Aus der Top-Baureihe des slowenischen Herstellers Adria konnte CARAVANING das Modell 502 UP des Jahrgangs 2006 bereits ausführlich unter die Lupe nehmen. Tritt die A-Diva auf, sind ihr bewundernde Blicke gewiss. Sie hat eine schlanke Figur mit betonten Rundungen, ihre Haut hat keine Falten. In technische Worte übersetzt, zeigt Adria mit hagelresistentem Kunststoffdach, formschönem Bugteil und sportlichem Heck an glatt verblechten Alu-Wänden Karosseriebau auf Höhe der Zeit. Die Dachreling dient der Optik und kaschiert Kamine und Lüfter. Sieben zu öffnende Fenster, eins davon in der neuen Seitz-Tür, ein großes Heki-Dachfenster plus konventioneller Dachhaube über dem Bett schaffen einen hellen, großzügig wirkenden Innenraum.
Dort setzt die Diva auf Mainstream, hinter dem Kürzel 502 UP verbirgt sich der bei fast allen Herstellern erfolgreiche Grundriss mit französischem Bett (mit Federkernmatratze) nebst Bad längs im Heck und Rundsitzgruppe im Bug. Diese taugt umgebaut als weiteres französisches Bett. Richtig bequem allerdings ist der Wagen für zwei. Die Möbel und Dekostoffe halten die Waage zwischen eher konservativ-wertvoller Anmutung und jugendlichem Charme. Der warme Cognac-Ton der Möbel harmoniert mit dem tiefen Blau der Polster und der Vorhänge.
Routinierte Verarbeitung unterstreicht die über 40-jährige Erfahrung Adrias im Caravanbau: sauber fluchtende Möbelzeilen, solide Klappenschnäpper, Pushlocks in der Küche und an der geräumigen Kleider-Wäscheschrank-Kombination, gute Zugänglichkeit zu allen Stauräumen – sei es in der U-Sitzgruppe oder unter dem Doppelbett.

Weitgehend geschützte Verlegung von Leitungen und Bordtechnik (so z. B. ein Metallkäfig um die Truma Therme im Bettstaukasten) und eine ergonomisch korrekte Platzierung aller Schalter und Geräte machen Freude. Ein Sonderlob verdient die Ausleuchtung des Caravans. Die zahlreichen und an den richtigen Stellen angebrachten, individuell einstellbaren Halogenspots spenden bestes Arbeits- und Leselicht, lassen aber auch gemütliche Schummerbeleuchtung zu. Freude macht es auch, den Adria-Caravan zu ziehen. Er läuft dank ausgewogener Radlasten und serienmäßiger Antischlingerkupplung willig und spurtreu hinter dem Zugwagen her. Bei 2,28 Meter Breite ein sehr angenehmer Reisebegleiter, der dank 1500-Kilo-Achse propere Zuladereserven (329 kg) hat. Der Bugstauraum mit serienmäßigem Reserverad sowie der im Vorderwagen platzierte 40-Liter-Wassertank erlauben stets die vernünftige Trimmung des Caravans. Der Testwagen rollt auf Leichtmetall-Rädern. Sie sind Teil des 299 Euro teuren Style-Pakets, das außerdem einen lose einlegbaren Teppichboden umfasst und den einzigen verfügbaren Aufpreisposten darstellt. Sonst ist, bis hin zur Dunstabzugshaube und zur Deichselabdeckung, alles im Preis von 15 390 Euro enthalten, was sich Caravaner wünschen. Damit ist der Adria Adiva nicht billig, bietet aber sehr viel Gegenwert fürs Geld.

Der wäre noch praxisgerechter, trübten da nicht ein paar Ärgerpunkte den Spaß, die sich ein erfahrener Hersteller wie Adria nicht leisten sollte. Dass in einem Caravan dieser Ausstattungsklasse ein Klorollenhalter fehlt, mag als Vorserien-Petitesse durchgehen. Ein integrierter Mülleimer, der durch die Arbeitsplatte beschickt werden kann, ist praktisch – doch wenn er sich weit unterhalb der Arbeitsplatten-Öffnung im Schrank verliert, besteht die Chance, dass Müll vorbeifällt und dass der ganze Schrank unnötig müffelt. Besser wäre es, den Eimer mit einem Haltering direkt unter der Öffnung zu platzieren und mit dem Deckel dicht zu verschließen. Dabei würde außerdem dringend benötigter Stauraum im Topfschrank gewonnen. Schlimmer ist jedoch, dass man den Wagen kaum auf seine Kurbelfüße stellen kann. Steckt man die Kurbel nämlich auf die tief unter dem Wagen verborgenen Zapfen der vorderen Kurbelstützen, kann man die Kurbel nicht an der Karosserieschürze vorbeibewegen. Um die vorderen Stützen auf den Boden zu bekommen, heißt es für jede halbe Umdrehung neu aufstecken. Des Rätsels Lösung: Alko liefert seine Chassis nicht mehr mit festen Auslegerrohren für die Stützen. Diese werden neuerdings direkt an den Wagenboden geschraubt. Dabei kommt es auf die genaue Justierung an. Beim Testwagen lag der Kurbel-Ansatzpunkt einfach zu weit innen. Für einen konzeptionellen Fehler hält die Redaktion die Ausstattung mit einem Kühlschrank, der selbsttätig nach verfügbaren Energiequellen sucht. Diese für Reisemobile erfundene Komforttechnik hat im Caravan einen bedeutenden Haken: Die Elektronik kann nur so lange denken, wie das Zugfahrzeug über den Dauerplusanschluss der Kupplungssteckdose Zwölf-Volt-Spannung liefert oder der Caravan am Netz hängt. Trennt man den Wohnwagen von jeglicher Stromversorgung, kann der Kühlschrank nicht auf Gas arbeiten. Diese Aggregatsteuerung wäre nur sinnvoll, wenn der Caravan mit eigener Bordbatterie ausgestattet wäre, die den Steuerstrom dauerhaft sicherstellt. Des Weiteren: Die Elektronik hat eine unsinnige Präferenz für zwölf Volt. Wenn der Motor läuft und die Lichtmaschine Strom produziert, kühlt der Thetford-Kühlschrank zwangsweise mit dieser Energie. Erfahrene Camper wissen jedoch, dass allein schon aufgrund der langen Leitungswege die Zwölf-Volt-Kühlung die ineffizienteste darstellt. Hingegen sind die 97 Liter Volumen des Kühlschranks sehr willkommen. Adria könnte doch das Luxusaggregat zugunsten eines manuell schaltbaren Gerätes aus der Serie nehmen und das gesparte Geld in Alufelgen stecken. Denn was ist schon eine Diva ohne schicke Schuhe?

Technische Daten
Hersteller: Adria
Modell: Adria Adiva 502 UP
Preis: ab 15390 EUR
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 1500 kg
Länge: 7070 mm
Breite: 2280 mm

Autor

Datum

4. Januar 2006
5 4 3 2 1 0 5 0
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