Test: Bürstner Averso Plus 2010 22 Bilder Zoom

Bürstner Averso Plus 410 TS im Test: Es grünt so grün

Was eine frische Farbe bewirken kann, beweist der Bürstner Averso Plus 410 TS. Der knuffige Caravan für Paare kann aber auch mit seinen inneren Werten überzeugen.

Er war der heimliche Star des vergangenen Caravan-Salons. Kompakt, knuffig, das Dekor mit der Lizenz zum Hingucken – ein Meer von Blättern auf einer mintgrünen Wiese. Die Farbe ist Programm. So prickelnd und ein wenig scharf wie die Pfefferminze sind die Ideen, die im Averso Plus verwirklicht wurden.

Der Grundriss: Das Vorderschiff teilen sich gleichmäßig die Küche und der Sanitärbereich, links schließt sich der Kleiderschrank an und rechts ein Turm aus Kühlschrank und Gläservitrine. Das Heck belegen schließlich eine L-Sitzgruppe und ein Sideboard. Und wo wird geschlafen?

Im neuen Hubbett, das sich auf die Sitzgruppe absenken lässt. Ein Druck auf den Knopf der Zentralverriegelung reicht, und das Nachtlager lässt sich mit wenig Kraftaufwand in die Schlafposition ziehen. Der Rückweg verläuft ähnlich geschmeidig. Ein kurzer Zug, schon lässt sich das opulente Möbel federunterstützt zur Hochstrecke bringen und in die oberen Sicherungen einrasten. Wem dies wirklich zu schwer geht, der legt noch ein paar hundert Euro drauf und ersteht die elektrische Variante. Um die Stehhöhe in der Sitzgruppe zu sichern, wuchs der Caravan rund 20 Zentimeter an. Das gemachte Hubbett erreicht der Schlafsuchende über eine Leiter, die bei Nichtgebrauch auf der Matratze liegt. Sie wird auseinandergeklappt und offenbart dann zwei breite Trittstufen, die ihren Namen auch verdienen. Wenn ein Barfüßler über diese sicher eingehängte Leiter nach oben klettert, schmerzen ihn anschließend nicht die Sohlen. Dort erwartet ihn eine behagliche Koje mit einer Einlage aus Lattenrost und Taschenfederkernmatratze, die hohe Qualität und Rückenschonung nicht nur verspricht, sondern beim Probeliegen auch hält. Die Liegefläche ist ausreichend dimensioniert, mit einer Länge von 1,92 Meter nur für große Zeitgenossen etwas knapp.

Ausgestattet ist das Hubbett mit einem Mini-Heki, diversen Ablagen und zwei LED-Leuchten, die vom Bett zu schalten sind. Die Sitzgruppe darunter ist mangels Höhe in ihrer Funktion nicht mehr nutzbar. Ein Kind kann sich jedoch in die weichen Polster kuscheln und sich dort eine Schlafhöhle bauen. Ruhige Schläfer im Oberstübchen vorausgesetzt. Schon beim Einstieg ins Hubbett bemerkt man, dass dieses die Körperbewegungen mitmacht und bisweilen mit einem leichten metallischen Ächzen quittiert.

Die lebhaft gestalteten Polster in der Sitzgruppe fallen aus dem Rahmen. Der Sitzkomfort indes ist prima. Hier konnte ergonomisch geformt und gepolstert werden, weil kein Bettenpuzzle vorgesehen ist. Abzug in der Komfortwertung: Die halbrunden Kopfstützen müssen vor dem Absenken abgenommen und verstaut werden. Sie stehen zu hoch und stören beim Absenken des Hubbetts. In ihrer Funktion tun sie gute Dienste und tragen zum guten Sitzkomfort bei. Drei bis vier Personen finden in der L-Form bequem Platz. Der großflächige Tisch steht stabil auf seiner Mittelsäule und kredenzt auch ein großes Menü. Zum komfortablen Einstieg in die Sitzgruppe kann die Tischplatte verschoben werden. Über der Szenerie leuchtet nachts der sogenannte „Sternenhimmel“, eine Ansammlung von zwölf LED-Leuchten. Acht davon sorgen für Stimmung, vier Power-LEDs für ordentliches Leselicht.

Am Tag kann viel Helligkeit durch drei großflächige Fenster in die Sitzgruppe strömen. Für die Verdunklung sind Faltplissees zuständig, die auch vor sehr breiten Fenstern ihren Dienst anständig und ohne zu knittern versehen. Die aufgedoppelten Wände in der Sitzgruppe sorgen zweifach für Behaglichkeit. Erstens schafft ihre Stoffbespannung schon heimelige Atmosphäre, so dass Bürstner Mut zur Lücke zeigen und auf Vorhänge verzichten kann. Zweitens fungiert das Ganze als Warmluftleitsystem, als hohe Winterrückenlehnen, die die heiße Luft der Gebläseheizung fast zugfrei im Raum verteilen. Durch die Strukturierung der Wände fand sich immer ein Plätzchen, wo ein Fach oder eine Ablage platziert werden konnte. Ein Nachteil: Es gibt viele kleine Abgründe und Höhlen in diesem Bereich, wo Kleinteile wie Schlüssel, Handy oder Geldbörse verschwinden können – Staub und Schmutz sich sammeln kann. Auf der rechten Seite endet die Sitzgruppe vor einem dreiteiligen Sideboard, das es in sich hat. Vor allem das mittlere Fach, in dem ein TV-Auszug steckt. Auf sanften Druck hin schiebt sich dieser nach oben und positioniert seinen Flachbildschirm direkt vor dem auffallenden Seitenfenster, das höher als breit ist. Mit viel Sinn, denn öffnet man erwähntes Fenster und dreht die Konsole um 180 Grad, kann man auch von draußen in die Röhre gucken. Im Fach links warten drei Steckdosen, um die Geräte der Unterhaltungselektronik mit Saft zu versorgen. Receiver und Co. finden hier ebenfalls einen Platz. Man hätte sich in diesem Schränkchen eine Unterteilung mit Fachböden gewünscht.

Ein Wunsch, der bei den Möbeln des Averso Plus immer wieder auftaucht. An sich ist hier alles einfach, aber solide aufgebaut, mit Beschlägen, die robust sind und funktionieren. Aber an manchen Stellen fehlt im Detail die sinnvolle Ausgestaltung: Hier fehlt ein Zwischenboden, dort eine Rüttelkante, und manche Schubladenauszüge im Testwagen bewegten sich relativ schwergängig. Da freut man sich über den kleinen, hübschen Barschrank vor dem Fach mit der TV-Konsole, der den Sitzenden einen guten Tropfen in Reichweite anbietet.

Wir nähern uns einem weiteren Prunkstück, der Küche. Sie beginnt mit dem Möbelturm, der sich ans Sideboard anschließt. Darin steckt der hochgesetzte 104-Liter-Kühlschrank (Aufpreis), der durch diese Position zweifachen Gewinn verbucht. Die Position bringt Vorteile beim Be- und Entladen. Stünde er auf dem Boden, müsste hier ein Kühlschrank mit Radkastenausschnitt mit wesentlich weniger Volumen verwendet werden.

Der Averso ist kein Krösus was den Stauraum angeht, deshalb mutet die Gläservitrine auf dem Kühlschrank wie verschwenderischer Luxus an. Vor allem mit Blick auf die Unterbringung der Garderobe. Gegenüber vom Möbelturm liegt ein schmaler Kleiderschrank, der bereits vor normalen Kleiderbügeln kapituliert. Etwas Abhilfe würde es bringen, wenn man die Kleiderstange um 90 Grad dreht, da der Schrank fünf Zentimeter breiter als tief ist. Lediglich vier Hängeschränke mit einem Querschnitt von rund 20 mal 20 Zentimeter stehen unter dem Hubbett für die restliche Garderobe bereit. Tribut an die Kompaktheit.

Doch zurück in die Küche, die zwei Drittel der Bugbreite einnimmt. Die ergonomische Arbeitshöhe beträgt mehr als 90 Zentimeter, und im Unterschrank finden sich Auszüge, Regalfächer, ein großer Mülleimer und eine Besteckschublade – für Stauraum ist hier also satt gesorgt. Auf der Küchenzeile ist mittig eine Mulde platziert, die die Spüle, den Dreiflammkocher und die Abdeckungen integriert. Hätte man sie nicht in die Mitte, sondern an den Rand gesetzt, wäre aus zwei schmalen Abstellflächen rechts und links eine echte Arbeitsfläche entstanden. Praktisch sind die auf Schienen verschiebbaren Halogenspots. Waschen, duschen und auf die Toilette gehen, diese drei Funktionen sind im Sanitärraum des Averso Plus hintereinander untergebracht. Wer hier etwas zum Meckern sucht, tut sich schwer und findet allenfalls die fehlende Verfugung an der Banktoilette. Da sie nicht im Nassbereich liegt, ist dies keine gravierende Sache. Beim Putzen sollte man mit Wasser sparsam umgehen. Ohne Tadel geht die Duschkabine durch, die sich in der Mitte aus zwei faltbaren Acrylglastüren schnell und einfach aufbauen lässt. Damit wird der Rest des Bades zum Trockenraum erklärt, in dem man ob der Größe nicht ständig aneckt. An der Decke sorgt ein Mini-Heki für Licht und den Abzug der feuchten Luft. Ganz vorne im Sanitärbereich liegt das Waschbecken, das von Spiegeln und einem Unterschrank umrahmt wird.

Am Heck führt eine Außenklappe direkt zu den Sitztruhen. Hier ist der einzige vernünftige Platz, um Campingmöbel zu verstauen, womit dieser auch fast schon ausgebucht ist. Die zweite Sitztruhe ist komplett vom Wassertank belegt. Eine Ungereimtheit im Gaskasten wirft zunächst Fragen auf. Die Flaschen stehen nicht zentral, sondern rechts und links außen. In der Mitte fand die Ersatzradhalterung ihren Platz. Geht das Gas zur Neige, reicht der Schlauch nicht bis zur Reserveflasche. Die leere muss daher gegen die volle Flasche getauscht werden.

Während der Fahrt verhält sich der 410 TS wie ein kompakter Caravan mit gleichmäßig verteiltem Gewicht – sehr gutmütig. Der Höhenzuwachs ist fahrdynamisch nicht zu spüren, möglicherweise aber beim Verbrauch. Der Einstandspreis des Averso Plus 410 TS liegt bei rund 14000 Euro. Das auffallende Dekor ist extra zu bezahlen. Wer hier spart fährt günstiger, aber schlichter. Ändert jedoch nichts am Ideenreichtum, hier prickelt es halt heimlich.

CARAVANING-TIPP

Der Mangel an Stauraum lässt sich durch die richtige Wahl des Zugwagens kompensieren. Ein Kombi sollte es mindestens sein. Ebenfalls viel Platz bieten eine Großraumlimousine, ein schmucker SUV oder ein Geländewagen davor.

Preis: 13990 Euro
Aufbau: 4,47 m
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 1360 kg

Ein Caravan zum Verlieben. Wenn man sich gerade an das frohsinnige Outfit des Averso Plus gewöhnt hat, überrascht er mit seiner Ideenvielfalt und Konsequenz im Inneren. Obwohl fast perfekt, stößt hier das Streben nach Kompaktheit an die eine oder andere Grenze.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Datum

27. Juli 2010
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