Wagenbreite von 2,30 Meter und Radkasten schränken den Sitzkomfort in der Dinette etwas ein 28 Bilder Zoom

Bürstner Premio im CARAVANING-Test: Neue Einsteiger-Baureihe

Die Einsteiger-Baureihe Bürstner Premio basiert erstmals auf derselben Plattform wie LMC Style und Dethleffs C’Go. Als großes Familien-Modell 530 TK zeigt sie, ob sich die gemeinsame Basis bewährt.

Erst ja, dann nein, schließlich doch: So lauteten die Antworten auf die erstmals vor zwei Jahren und dann in aller Regelmäßigkeit gestellte Frage, ob auch Bürstner einen Einsteiger-Caravan auf Basis der bei der Konzernschwester LMC entwickelten C15-Plattform anbieten wird. Hier steht es nun, das Ergebnis. Der Bürstner Premio ist bei eingängiger Betrachtung schon als Bruder von Dethleffs C’Go und LMC Style zu erkennen, mit denen gemeinsam er auch in Sassenberg gebaut wird. Doch hat es Bürstner geschafft, seinem jüngsten Spross eine eigenständige, recht edle Optik auf die Möbelkorpusse mit den charakteristischen, bei Bürstner und Dethleffs offenen Oberschrank-Ecken zu schneidern. Trotzdem ist klar: Was dieser Test ans Licht bringt, gilt so auch für Dethleffs C’Go und LMC Style. Trotzdem ist der Bürstner Premio besonders spannend: Schließlich muss er nun beweisen, ob die in den ersten beiden Jahren geäußerte Kritik zu Verbesserungen geführt hat.

Mit dem Premio 530 TK tritt der größte Premio an, der sich mit Etagenbetten an Familien mit Kindern wendet. Sein Grundriss ist auch bei den anderen beiden Marken zu finden. Mit 16.990 Euro stellt er ein verlockendes Angebot dar, das allerdings erst mit dem 890 Euro teuren Premio Paket 1 angenehm komfortabel wird.

Wohnen

Zunächst verbirgt der Bürstner Premio gekonnt, dass er ein Caravan der Einsteiger-Klasse ist. Wem das Design gefällt, fühlt sich schnell wohl. Auch beim Hinfassen ans sauber verarbeitete Mobiliar knarrt, knackst und knistert nichts. Die im Grunde einfache, geradlinige Konstruktion und die durch hohe Stückzahlen routinierte Arbeit zahlen sich aus. Wo also spart Bürstner Material und damit Geld ein?

Den ersten Hinweis liefern die Betten. Zehn Zentimeter dicke, weiche Schaumstoffmatratzen liegen sowohl im Eltern- als auch in den Kinderbetten auf einfachen Lattenrosten, die eher der Unterlüftung dienen als der Unterfederung. Der fabrikneue Testwagen gefällt trotzdem mit angenehmem Liegegefühl. Das mit 1,35 Meter recht schmale Bugbett klappt von Federaufstellern geführt nach oben und gibt den großen Bettstauraum frei, in dem auch das Frischwasser lagert. Doch am unteren Etagenbett fehlen sowohl eine Hebehilfe als auch ein Aufsteller, der Matratze und Lattenrost offen hält. Dass die Matratze wandseitig über ihren Unterbau ragt, hat zwei Nachteile: Erstens sackt sie bei Belastung am Rand weg, und zweitens verklemmt sie sich beim Schließen des Stauraums unter der Winterrückenlehne. Dass sie dabei auch noch die Lampe anknipst, ist eher lustig als lästig.

Ernst ist die Lage bei der eigentlich stabilen Leiter ins obere Bett. Ihr fehlt ein Handlauf rechts. Einzig die Matratze und die Bettumrandung geben der rechten Hand Halt. Vor allem beim Abstieg ist das gefährlich. Dafür hat Bürstner an Rausfallsicherungen an beiden Fenstern und hitzeisolierte Lampen gedacht. USB- oder 230-Volt-Steckdosen mit Kindersicherung sucht man indes vergeblich.

Der Waschbereich am Ende des Flures zwischen Etagenbetten und Toilettenraum besteht aus einem voluminösen Waschtisch mit Unterschrank und einem ebenfalls doppeltürigen, großen Spiegelschrank mit Steckdose innen. Letzterer überbaut das Waschbecken weit, weshalb er einen dunklen Schatten auf das Becken wirft. Doch funktional ist hier alles einwandfrei und sehr familientauglich. Der separate Toilettenraum mit Wandspiegel ist so groß, das man bequem drin duschen könnte – wenn es denn eine Brause gäbe. So gönnt er eben jedem Nutzer viel Bewegungsfreiheit und offeriert darüber hinaus viel Platz für Waschsachen.

Nicht weniger ernst nimmt die Küche ihre Aufgabe. Drei breite Schubladen mit zentralem Pushlock-Verschluss und zehn Kilogramm Belastungsgrenze sowie ein Regalschrank nehmen gemeinsam mit den zwei Oberschränken und offenen Ablagen viel Geschirr und Proviant auf. Dazu kommt noch ein Unterfach unter dem großen Kühlschrank. Durch die üppige Länge des Küchenblocks und den Einsatz einer etwas zierlichen Kocher-SpüleKombination mit geringem Flammenabstand und flachem Spülbecken bleibt viel Platz zum Werkeln. Zwei Halogenspots mit separaten Schaltern am Gehäuse werfen ein wenig Licht auf die Szene.

Die Dinette leidet unter der Wagenbreite von 2,30 Meter. Denn zur geringen Sitzbankbreite von 91 Zentimeter kommt noch der Radkasten, der wertvollen Fußraum kostet. Für vier Personen genügt der Platz gerade so, die Schaumstoffpolster sind weder unbequem noch besonders komfortabel. Damit sind sie wie alles im Bürstner Premio 530 TK: Alles erfüllt seinen Zweck, ohne dabei schlecht oder überragend zu sein.

Preise

Ohne das Premio Paket 1 fehlen dem Premio so wichtige Dinge, dass man bezweifeln darf, dass je ein Caravan ohne es gebaut wird. Die 890 Euro muss man also genauso zum Grundpreis addieren wie die 130 Euro für TÜV, Zulassungspapiere und Gasprüfung. Für 1.050 Euro ergänzt Bürstner das Paket um eine Tür mit Fenster – reine Geschmacksache. Ebenso im Budget drin sein sollten 461 Euro für die Auflastung, die satte Reserven bringt. Mit Ausnahme des elektronischen Anti-Schleudersystems ATC offeriert Bürstner hauptsächlich einige wenige Komfort-Optionen. Groß ist die Zahl von Bürstner-Händlern und -Servicestützpunkten, die Garantielänge allerdings nur Durchschnitt.

  • Grundpreis: 17.120 Euro mit TÜV, Gasprüfung und Zulassungsbescheinigung II (130 Euro)
  • Testwagenpreis: 18.584 Euro

Beladen + Fahren

Schränke, Fächer und Ablagen gibt es im Premio 530 TK in Hülle und Fülle. Darum ist es sinnvoll, ihn gleich mit der Auflastung von 1.600 auf 1.700 oder besser 1.800 Kilogramm zu bestellen. Das Zuladungsschema macht es deutlich. Die Reifen sind zum Testzeitpunkt ein dreiviertel Jahr alt und haben keine üppigen Überlastreserven.

Die beiden größten Stauräume stehen unter den Betten zur Verfügung. Unter das Bugbett führt eine 96 mal 40 Zentimeter große Serviceklappe – das schutzverblendete Warmluftrohr begrenzt hier die Durchladehöhe – oder der aufgestellte Lattenrost, der wegen zu kurzer Teleskopaufsteller aber nur einen 50 Zentimeter hohen Spalt freigibt. Die Warmluftrohre verlaufen am Boden des Bugstaukastens und sind kaum vor Ladung geschützt. Der Frischwassertank kostet ein wenig Stauraum, kann aber gut zum Einstellen der Stützlast verwendet werden.
Im Gegensatz zum Premio Plus mit Hubbett gibt es für den Premio keine Außenklappe, um das Etagenbett als Fahrradgarage zu nutzen. Ein raumhoher Wäscheschränk zwischen Kinderbetten und Sitzgruppe ergänzt den großen Kleiderschrank. Hinter dem schmalen Wäschespeicher stehen den Kindern praktische Fächer für ihre Sachen zur Verfügung.

Der Premio 530 TK erreicht fahrfertig 70 Kilogramm Stützlast, was angesichts vieler Schränke über und hinter der Achse kein Problem darstellt. Überhaupt ist er ein unauffälliger Nachläufer, für den das Fahrstabilitätssystem ATC 771 Euro kostet – viel für ein gutes Sicherheitssystem.

Technik

Günstiger Caravan, einfachere Bordtechnik: Diese Gleichung gilt auch für den Premio, dessen relativ dünnwandiger, aber wirklich blitzsauber gefertigter Aufbau mit Ausnahme des GfK-Dachs nach klassischem Muster (Styropor-Dämmung und Holzverstärkungen) konstruiert ist. Auch hatte der Vorgänger aus Eigenproduktion noch einen GfK-Leichtbauboden. Hier macht der Premio einen Rückschritt. Der teurere LMC Style schert hier aus dem Geschwisterbund aus: Nur er setzt auf holzfreie Wände mit PU-Schaum-Dämmung.

Wenig fortschrittlich ist auch die Beleuchtung des Bürstner. Bis auf die Vorzeltleuchte kommen nur Halogen-Lampen zum Einsatz – sogar am Baldachin knapp über dem Kinderbett. Die Zahl der Spots ist zwar groß, doch die Lichtausbeute dürftig. Knapp dimensioniert für einen 530er-Caravan ist auch die 3-kW-Gebläseheizung, die die größte Wirkung im Toilettenraum und im Kinderbereich entfaltet. Ein stärkeres Aggregat führt die Preisliste nicht auf, dafür eine elektrische Fußbodenerwärmung. Doch ein Winterspezialist wird der Premio trotz an den Warmluftkanälen entlang verlegter Wasserleitungen auch damit nicht.

Sind Spül- und Waschbecken gut abgedichtet, so steht die Kassette der Dometic-Toilette frei auf ihrem Schacht. Tropf- oder Überlaufflüssigkeit gelangt zwangsläufig in den Wagen. Zudem ist zwar die Toilettenbrille drehbar, doch ausgerechnet in Sitzposition, die übrigens überaus komfortabel ist, befindet sich das Loch außermittig. Spuren in der Keramik-Schüssel sind programmiert. Einfacher Machart ist auch der Gaskastendeckel mit nur einem Schließpunkt und einem simplen Aufsteller. Das Interieur ist dagegen geräumig, sicher und mit einem Ersatzrad-Halter ausgerüstet. Für festen Stand sorgen normale Stützen, deren Sechskante mit der Kurbel nicht gerade leicht erreichbar sind.

Die Sicherheitsausstattung umfasst Stoßdämpfer und einen Schlingerdämpfer – also schlicht den Mindeststandard. Die Luftdrucktabelle klebt im mit Blechboden ausstaffierten Gaskasten.

Allgemeinse Infos zum Bürstner Premio

  • Schlafplätze: 4+1
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.600 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 7,65/2,30/2,64 m
  • Grundpreis: ab 16.990 Euro

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Christian Hass

Datum

8. März 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 2/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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