Im Winterquartier schützen ABDECKPLANEN den Wohnanhänger. 17 Bilder Zoom

Caravan-Schutzhüllen im Test: Abdeckplanen fürs Winterquartier

Im Winterquartier schützen Abdeckplanen den Wohnanhänger. Wir haben zwei Modelle ausprobiert und sagen, worauf es bei Material und Handling der Schutzhüllen für den Wohnwagen ankommt.

Was lange herumsteht, setzt nach und nach Staub an. Das gilt für Urlaubsmitbringsel auf der Vitrine genauso wie für den geparkten Caravan. Verbringt der Wohnwagen die Winterpause im Freien, sind die Auswirkungen noch schlimmer. Denn mit der Zeit greifen Wasser, Licht und Umweltgifte Lack und Aufbau an. Diese negativen Einwirkungen lassen sich mit einer Schutzhülle verringern.

Wer seinen Caravan mit einer großen Allzweckplane aus dem Baumarkt umhüllt, tut zwar seinem Geldbeutel einen Gefallen, nicht aber dem Wohnwagen. Gewebeplanen aus Polyethylen sind nämlich wasserdicht, aber nicht atmungsaktiv. Bedingt durch die Luftfeuchtigkeit sammelt sich Wasser unter der Plane, welches den ganzen Winter über nicht verdunsten und abfließen kann und zudem zu Eis wird. Das beschleunigt die Rost- und Alufraßbildung und behindert außerdem die notwendige Luftzirkulation im Wageninneren. Mit Glück beginnt nur die Plane zu schimmeln. Doch wenn es dick kommt, vermehrt sich der Schimmelpilz auch im Caravan. Im Endeffekt kann der günstigste Wetterschutz die teuersten Folgen haben.

Deshalb gibt es speziell für Campingfahrzeuge entwickelte Schutzhüllen

Diese Schutzhüllen bestehen aus textilem Gewebe, auch als Vliesstoff oder mit dem englischen Begriff "Nonwoven" bezeichnet. Mit Preisen ab rund 300 Euro sind diese Hüllen zwar nicht billig, dafür ist ihr Material wasserabweisend und atmungsaktiv. Das bedeutet: Regen und Schnee werden zumindest einige Zeit lang daran gehindert, in und durch das Gewebe zu dringen. Theoretisch könnten die Hüllen auch vollständig wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv sein. Doch das ließe sich nur mit einer teuren Klimamembrane ähnlich Gore-Tex oder Sympatex erreichen. Einen Mehrwert würde eine dichte Plane nicht bieten, da Feuchtigkeit dem Caravan nicht schadet, solange sie wieder entweichen kann.

In zahlreichen Größen werden die Schutzplanen im Handel angeboten. Um für die Bestellung die Caravanmaße zu ermitteln, genügen die Längen-, Breiten- und Höhenangaben aus den Fahrzeugpapieren. Besitzt der Wohnanhänger eine Satellitenantenne oder Dachklimaanlage, müssen diese Aufbauten für die Ermittlung der Planengröße berücksichtigt und addiert werden.

Brunner und Hindermann Schutzhüllen für Caravans im Test

Je eine Schutzhülle der Anbieter Brunner und Hindermann haben wir für den Supertest-Wagen LMC Maestro 560 E bestellt und ausprobiert. Auf den ersten Blick ähneln sich die Planen sehr. Die hellgraue Farbe und die Maserung des Textilgewebes sind nahezu identisch. Auch werden beide Hüllen in einem Aufbewahrungssack geliefert. Erst beim Überziehen zeigen sich die Unterschiede: Während die Abspanngurte von Hindermann mit Karabinern befestigt werden, ist die Schutzhülle von Brunner mit fest angenähten Riemen versehen. Diese werden in Leiterschnallen eingefädelt und straff gezogen. Der Montageaufwand ist bei beiden Hüllen gleich hoch. Unverzichtbar sind eine Leiter und mindestens eine Hilfsperson. Schon deshalb empfehlen sich Komplettschutzhüllen auch nur für längere Standzeiten.

Wie zieht man die Schutzhüllen am besten über?

Die Planen werden von vorn über den Caravan gezogen. Dabei ist darauf zu achten, dass sich die Hüllen nirgends verhaken. Insbesondere an Heizungskaminen oder anderen Dachaufbauten bleiben sie häufig hängen und müssen von der Leiter aus vorsichtig angehoben werden.

Capa, ein weiterer Anbieter von Schutzplanen, der jedoch kein Testmuster zur Verfügung stellen konnte, erleichtert das Überziehen mit einer simplen Lösung: Bei dem laut eigenen Angaben "patentierten Capa-Prinzip" sind die Ränder der Hülle mit Laschen versehen. In diese wird ein Besenstiel eingeführt, mit dessen Hilfe die Plane über die Ecken des Wohnanhängers gezogen wird.

Die exakte Anpassung der Schutzhüllen an den Caravan erfolgt nach dem Überziehen. Hochwertige Ausführungen sind mit mehreren Abspanngurten versehen. Diese werden unter dem Caravan hindurchgeworfen. Anschließend angelt man die Riemen mit Hilfe der Markisenkurbel oder eines Stocks unter dem Wohnanhänger heraus und fixiert sie an den entsprechenden Vorrichtungen auf der anderen Seite.

Zusätzliche Spanngurte an Vorder- und Rückseite der Hindermann-Plane sorgen dafür, dass sich die Schutzhülle eng an die Konturen des Wohnwagens anpassen lässt. Die günstigere Schutzhülle von Brunner lässt sich sogar ohne Spanngurte ordentlich straffen.

Leider nicht perfekt...

Ein Detail fiel uns an den Planen beider Hersteller negativ auf: Sobald die Gurte angezogen sind, hängt jeweils ein langes Ende über. Bläst der Wind stark, peitschen die Riemen an den Caravan. Eine Schlaufe, wie sie beispielsweise die Gurte von Rucksäcken zusammenhält, würde Abhilfe schaffen. Liegt die Hülle straff an, bietet sie dem Wind weniger Angriffsfläche. Außerdem sammelt sich kein Wasser auf der Plane und durchweicht sie.

Bei einigen Dachformen kann es vorkommen, dass sich die Schutzhülle nicht sauber spannen lässt. Giebelprofile können in diesem Fall helfen, die Hülle leicht abfallend zu spannen, sodass Regenwasser abläuft. Die Dachprofile von Anbieter Hindermann bestehen aus witterungsbeständigem PE-Schaum und haben eine Giebelhöhe von 21 Zentimetern. Dadurch bleibt unter dem Profil ausreichend Platz für Dachfenster und eventuell vorhandene Aufbauten.

Der Caravan ist trotz Schutzhülle betretbar

Auch wenn die Planen den Wohnanhänger hermetisch vor Umwelteinflüssen abriegeln, sind sie kein undurchdringliches Hindernis für den Caravanbesitzer. Reparatur- und Wartungsarbeiten, wie sie in der Winterpause anfallen, lassen sich auch am verhüllten Wohnwagen problemlos durchführen. Die Planen von Brunner und Hindermann sind dafür mit Reißverschlüssen versehen, die jederzeit den Zugang zu Tür und Stauraum gewähren. Die Seitenwand der Plane wird aufgerollt und mit Klettbändern fixiert, bei der Schutzhülle von Brunner verknotet.

Personen mit einer Körpergröße über 1,80 Meter schaffen das ohne Leiter, kleinere Menschen müssen sich je nach Höhe des Caravans zumindest auf einen Hocker stellen. Ist die Seitenwand der Brunner-Plane geöffnet, hängen die Stirnseiten der Hülle lose herab und bieten dem Wind eine große Angriffsfläche. Die Hülle bläht sich dadurch auf und rutscht im schlimmsten Fall über das Dach hinweg.

Ist der Caravan vollständig verpackt, schützt ihn die Abdeckplane vor Lackschäden – egal ob er im Freien überwintert oder in einer Scheune untergestellt wird. Somit kommt zu Beginn der neuen Campingsaison doppelte Freude auf, wenn der Wohnanhänger sauber ausgepackt wird und der Urlaub sofort beginnt.

Autor

Foto

Andreas Becker

Datum

3. November 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 11/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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