Dethleffs Exclusiv alle 2,50 Meter breit und mit neuen waagrechten Heckleuchten 27 Bilder Zoom

Dethleffs Exclusiv im CARAVANING-Test: Caravan Top-Modell mit vielen Extras

Garniert mit den teuersten Extras aus der Preisliste, stößt die neue Baureihe in Regionen vor, in denen die Luft langsam dünn wird. Wird das Dethleffs-Top-Modell dem hohen Anspruch gerecht?

Exclusiv – der Name lässt wenig Interpretationsspielraum, wo innerhalb der Dethleffs-Palette die neue Baureihe angesiedelt ist. Doch ganz ehrlich ist er nicht. Denn wer aus dem eindeutigen Namen schlussfolgert, Dethleffs’ Spitzenmodell trüge eigene Gene in sich, muss wissen, dass er technisch auf dem neuen Beduin basiert. Heißt: Mit ihm teilt er sich Aufbau- und Möbelkonstruktion sowie elf Grundrisse. Doch das erleichtert Vergleich und Einordnung der Baureihen: Der Exclusiv 600 DR ist 4.300 Euro teurer als der identisch aufgeteilte Beduin 600 DR. Den Mehrpreis rechtfertigen sollen das edlere Dekor, indirekte Beleuchtung samt illuminierter Klappen, Teppichboden, eine Kopfstütze in der Sitzgruppe sowie zwei am Bett und eine zusätzliche Gel-Auflage auf den 7-Zonen-Matratzen. Zum Vergleich: Ein mit Paket und Einzeloptionen auf Exclusiv-Niveau getrimmter Beduin 600 DR kostet 28.607 Euro, muss dafür aber auf das spezielle Möbeldekor verzichten – im Testwagen übrigens das alternative mit breiterem Leuchtstreifen für 690 Euro Aufpreis. Darüber hinaus hat er das Styling-, das Mover- und das Alde-Snow-Paket an Bord, was Preis und Gewicht, aber auch die Wintertauglichkeit steigert. Serie sind selbstnachstellende Bremsen und das Fahrstabilitätssystem ATC – so sollte das überall sein.

Allgemeine Infos zum Dethleffs Exclusiv
  • Schlafplätze: 2+2
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.800 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 8,18/2,50/2,65 m
  • Grundpreis: 31.599 Euro

Wohnen

Breite bringt Komfort. Bei Dethleffs hat man das erkannt, weshalb der Exclusiv nicht nur bei der Aufbaubreite das Maximum ausreizt, sondern auch bei der Eingangstür: 63 Zentimeter Durchgangsbreite und 179 Zentimeter -höhe misst das Portal mit integrierter Trittstufe. Schnell lernt man das berührungslose Ein- und Aussteigen zu schätzen. Schwieriger wird allerdings, die große einteilige Tür von innen zu schließen, wenn sie an der Außenwand eingerastet ist. Türschloss und -griff sollten leichtgängiger sein.

Einen Müllsammler gibt es weder an der Tür noch in der Küche, obwohl sie mit ihrem luxuriösen Vierflammkocher, der großen Spüle und der ausgeklügelten Arbeitsflächenverbreiterung, die sich sicher unter dem Rand der Arbeitsplatte einhakt, großen Appetit aufs Kochen macht. Licht fällt reichlich auf die Küchenplatte, und durch LED-Leisten unter der Arbeitsfläche sind sogar die drei breiten Auszüge mit ihren stabilen Beschlägen hell. Die beiden unteren taugen dank Drehstangenschlösser mit zwei Haken auch für schwere Ladung, die Besteckschublade muss mit einem Riegel auskommen.

Noch besser würde die Kombüse mit einer zweiten Steckdose, einer geteilten Glasplatte über dem Herd (um für einen schnellen Kaffee nicht die gesamte Küche abräumen zu müssen) und einer Fensterverkleidung – denn hier präsentiert der Exclusiv seine nackte Tapete. Übrigens: Den Küchenblock haben, teils allerdings gespiegelt, die meisten Exclusiv- und Beduin-Modelle an Bord. Guter Standard sind der ausgelagerte Thetford-Kühlschrank mit 135 Liter Nutzinhalt und die Chrom-Mischbatterie.

Mit der Opulenz des Wohnraums kann das knapp geschnittene Bad mit sehr niedriger Toilettenschüssel nicht mithalten. Immerhin offeriert es viel Stauraum, hat Handtuchhaken, helles Licht, einen schicken großen Spiegel und einen starken Heizkörper, der das Bad zum Trockenraum machen könnte – wenn es denn eine Kleiderstange gäbe. Trotz tiefer Duschtasse macht das Pritscheln mit dem ausziehbaren Wasserhahn (Duschpaket, 299 Euro) wenig Freude, denn der Duschvorhang reicht nur knapp um einen deutschen Durchschnitts-Männerkörper herum. Unabgedichtete Spalten zwischen den Kunststoffteilen mahnen ohnehin zur Zurückhaltung.

Umso schöner ist die Rückkehr ins Bett, das zwar nur bei 600 DR und 760 DR zentral angeordnet ist, doch die leichte Sieben-Zonen-Evopore-Matratze mit Gel-Auflage kommt in allen Exclusiv (ohne Auflage auch im Beduin) zum Einsatz. Sie stützt den Körper hervorragend, soll durch Körperwärme nicht weicher werden und außerdem antiallergisch sein. Durch die Innenbreite von 2,28 Meter ist der Durchgang zur linken Bettseite komfortabel, rechts ragt eine Leiste in den Gang, die nur als Anschlag für den textilen Raumtrenner dient und deshalb weit häufiger stört als nützt.

Das Betthaupt ist mit wegklappbaren Nackenrollen, perfekt einstellbaren Schwanenhals-Leselampen, zwei Steckdosen und Wandregal praktisch und hübsch gestaltet. Und das Regal lässt verschmerzen, dass bei Dethleffs die Zeit der offenen Ablagen unterhalb der Deckenschränke endgültig vorbei zu sein scheint.

Auch in der straff gepolsterten Sitzgruppe übernehmen Eckregale die Funktion der offenen Ablagen. Kritik ernten die relativ niedrigen und steilen Rückenlehnen und die kurze Sitzfläche der Querbank. Der große Tisch steht bei allen Exclusiv auf einem wuchtigen und trotzdem leicht verschiebbaren Einbeingestell, das sich per Bowdenzug-Taster bequem absenken lässt. So entsteht mit Hilfe eines beiliegenden Polsterkeils eine brauchbare Zusatzliegefläche.

Durch das Skyroof mit zwei Heki-Dachhauben fällt viel Tageslicht herein. Und durch die hochwertigen Plissee-Verdunkelungen von Remis lässt es sich aber auch effektiv aussperren. Auch an Kunstlicht hat Dethleffs nicht gespart. Der Exclusiv erstrahlt in warmweißem LED-Licht – allerdings auch dann, wenn man es gerne etwas gemütlicher hätte. Schon ein Dimmer würde vollauf hier genügen.

Preise

Der Grundpreis ist trotz kompletter Funktions- und beispielhafter Sicherheitsausstattung hoch. Denn alles, was das Leben im und mit dem Exclusiv noch schöner und angenehmer macht, kostet happige, teils schwer nachvollziehbare Aufpreise. So verlangt Dethleffs für das Ersatzrad auf Alu-Felge nur 299 Euro, für jede zusätzliche Sitzgruppen-Kopfstütze aber 109 Euro. Dass weder im Al-de-Paket "Snow" noch in anderen Winterpaketen eine Gasflaschen-Umschaltung enthalten ist, sollte Dethleffs ebenso überdenken, wie für Glattblech beim Top-Modell über 1500 Euro zu kassieren. Einzigartig ist das Sky-Roof mit einem zusätzlichen Heki, auch wenn es deutlich teurer als ein einzelnes Heki ist.

Beladen + Fahren

Rund 240 Kilogramm bringen die Extras auf die Waage – kein Wunder, dass der 600 DR selbst mit der 929 Euro teuren Auflastung auf zwei Tonnen kaum mehr Zuladung hat. Der Kauf von Paketausstattung sowie An- und Einbauten wie Markise, Deichselfahrradträger und Dachklimaanlage will beim großen Monoachser also reiflich überlegt sein.

Wegen des großen Bettstauraums baut Dethleffs sowohl den Frischwassertank als auch die Batterie (Option) hinten links ein. Dieser Umstand wirkt sich beim ansonsten unbeladenen Testwagen durch eine spürbare Tendenz zum Schlingern aus. Kein Wunder bei nur 30 Kilogramm Stützlast trotz Stahl-Gasflaschen und Alu-Reserverad. Beruhigend und vorbildlich zugleich: Für fahrdynamische Notfälle hat der Exclusiv die elektronische Schlingerbremse ATC an Bord.

Stauraum offeriert der 600 DR reichlich. Erwähnenswert sind die voluminösen Wäscheschränke neben dem Bugbett, der Schuh-Auszug in der Sitztruhe neben dem Eingang, die breiten, sicher verriegelnden Küchenschubladen und, natürlich, der recht stabil konstruierte Stauraum unter dem Bett, in dessen vorderem Teil durch die angedeuteten Kommoden links und rechts des Bugbetts eine wagenbreite Vorzelt- und Ski-Durchlade entsteht. Die Sitztruhen sind ebenso wie der Bettkasten stabil. Um Erstere zu beladen, müssen die straff sitzenden Rückenpolster weggenommen werden. An den Wohnraum-Oberschränken spart sich Dethleffs Verschlüsse und offene Ablagen. Beides führt zu geringen Punktabzügen.

Technik

Wer sich einen Dethleffs Exclusiv in Grundausstattung kauft, bekommt einen Caravan mit sehr konventioneller Bord- und Aufbautechnik: Hinter Hammerschlag-Alu verbergen sich Holz und Styropor sowie eine Gebläseheizung vom Typ Truma S 5004 samt Warmwasserbereiter Truma-Therme. Erst mit den drei Winterpaketen (2.349, 3.549 und 3.849 Euro) ersetzt Dethleffs das Styropor durch besser dämmenden XPS-Schaum, bei den beiden Alde-Paketen auch die Warmluft- durch eine Warmwasserheizung vom Typ Alde Compact 3010. Das leise Aggregat (Gasbrenner und Elektro-Heizpatrone) mit integriertem 13-Liter-Boiler harmoniert prächtig mit den hinterlüfteten Möbeln. Wärme steigt hinter den Rückenlehnen auf, durchströmt den Boden und wabert rechts, links und am Kopfende des Bugbettes empor. Besser und angenehmer kann man kaum heizen.

Die Wasseranlage ist simpler, aber nicht schlecht gestrickt. Der relativ kleine, aber gut zu reinigende Frischwassertank mit im Testwagen undichtem Tauchpumpen-Servicedeckel, ist über gesteckte, gut erreichbare Leitungen mit allen Zapfstellen und der Heizung verbunden. Die Tauchpumpe liefert brauchbaren Druck.

Kräftig ist auch die 95-Ah-AGM-Batterie, die von einem ausreichend dimensionierten Ladegerät gespeist wird und auch ohne Landstrom Truma-Mover-XT und Innenlicht zuverlässig versorgt. Sinnvoll positioniert und in ausreichender Zahl vorhanden sind 230-Volt-Steckdosen.

Die Kunststoff-Anbauteile außen sind überwiegend gut an die sauber verarbeitete Karosserie angepasst. Der dreiteilige Stoßfänger spart im Falle eines Schadens Reparaturaufwand und Geld. Solide, gut verriegelt, aber ziemlich schwergängig ist der Deckel des robusten Gaskastens. Mit Alu-Boden, robusten Haltern für Gasflaschen, Abwassertank und Ersatzrad gibt er keinen Anlass zu Kritik. Sie trifft die Schwerlaststützen, deren Spindelaufnahmen sich weit hinter kleinen Aussparungen in den Bug- und Heckschürzen verstecken. Selbstjustierende Bremsen und ATC geben dicke Pluspunkte.

Wertungen:

Wohnen: 3,7

(+) Großzügiges Raumangebot.
(+) Sehr breite und hohe Eingangstür mit integrierter Trittstufe.
(+) Gut ausgestattete Küche mit praktischem Klappbrett und viel Stauraum.
(+) Sehr komfortable und großzügige Matratze im Festbett.
(+) Solider, überwiegend präzise ausgeführter Möbelbau mit stabilen Beschlägen.
(-) Ziemlich enges Bad mit tief montierter Toilette.
(-) Anschlag für Raumteiler stört beim Durchgehen rechts zum Bett.
(-) Keine geteilte Abdeckung über Herd, dadurch insgesamt wenig Abstellfläche.
(-) Relativ niedrige und steile Rücken- lehnen sowie kurze Querbank in der Sitzgruppe.

Preis & Service: 3,4

(+) Sehr großes Händler- und Servicenetz.
(+) Vollständige Funktionsausstattung.
(+)(-) Durchschnittliche Garantiezeiten.
(-) Vollständige, aber gemessen am Preis einfache Serien-Bordtechnik.
(-) Hoher Aufpreis zum technisch eng verwandten Dethleffs Beduin.

Beladen: 2,2

(+) Große Wäscheschränke und praktischer Schuh-Auszug.
(+) Wagenbreite Durchlade trotz Queensbett.
(+) Sicher verriegelte Küchenschubladen.
(+) Stabile Sitztruhen mit zweigeteilten Deckeln.
(-) Testwagen mit zu geringer Zuladung. Monoachse mit zwei Tonnen komplett ausgereizt bei Fahrzeuggröße.
(-) Keine Riegel an den Wohnraum- Deckenschränken.
(-) Unbeleuchteter schmaler Kleiderschrank.

Fahren: 3,2

(+) Elektronische Schlingerbremse Alko ATC serienmäßig.
(+) Selbstnachstellende Bremse Alko AAA serienmäßig, dadurch geschmeidiges Auflaufen und kräftiges Bremsen.
(+) Junge (7 Monate) und tragfähige Markenreifen.
(-) Im fahrfertigen, aber unbeladenen Zustand deutlich spürbare Schlingerneigung.
(-) Keine sichtbar angebrachte Reifendruck- angabe.
(-) Keine serienmäßige Stützlastwaage.

Technik: 4,1

(+) Sauber verarbeiteter Aufbau, GfK-Dach.
(+) Komplette LED-Beleuchtung mit effektiven Lesespots am Bett, starke Batterie (Option).
(+) Effektive Warmwasserheizung (Option), sehr gute Wärmeverteilung.
(+) Sehr gute Sicherheitsausstattung.
(-) Beleuchtung grell, kein Stimmungslicht.
(-) Herkömmlicher Wand- und Bodenaufbau mit Holz.XPS-Dämmung nur gegen Aufpreis.
(-) Schwergängiger Gaskastendeckel.

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Daniel Bitsch

Datum

16. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 1/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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