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Eriba Nova S 620 im Supertest: Innovativer Doppelachs-Caravan

Erster Eindruck: Wow. Zweiter Eindruck: auch Wow. Denn der Eriba Nova S 620 ist alles andere als ein Blender, versteckt seine Innovationen sogar. CARAVANING macht den Supertest des Vorserienmodells.

Wer mit einem Eriba Nova S auf den Campingplatz rollt und sich installiert, muss mit Zaungästen rechnen: Die elegante Erscheinung zieht die Blicke an. Die spiegelglatten Aluwände sind ohne sichtbare Kantenleisten aneinandergefügt und die Klappe des Gaskastens schwebt senkrecht nach oben. Das schicke Heck des S ist neu gestaltet und folgt dem Trend zum automotiven Design. Flach bauende LED-Rückleuchten setzen optische Akzente und benötigennebenher keinen Ausschnitt mehr imAufbau, was innen noch mehr Platz schafft. Publikum ist aber kein Nachteil: Am Heck wartet ein Rangierbügel auf tatkräftige Helfer, am Bug solide Griffe. Denn einen Caravan, der 2.300 Kilogramm wiegen darf, auf dem Stellplatz zu positionieren, ist kein Zuckerschlecken. Ein Mover wäre die optimale Lösung. Doch der ist als Option beim Doppelachser richtig teuer. Wer aber dann die Big-Foot-Stützen betätigen möchte, muss nicht erst andächtig niederknien und mit der Handkurbel im Trüben fischen, die Drehstäbe springen einen nämlich regelrecht an. Na ja, und dann ist da die Doppelachse, die zusammen mit der Aufbaulänge von 6,91 Metern ganz klar die Oberliga markiert. Wer möchte da nicht über die ausziehbare Eintrittsstufe einfach mal hereinspazieren?

Daten und Fakten: Eriba Nova S 620

  • Schlafplätze: 2+2
  • Zul. Gesamtgewicht: 2.300 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 8,23/2,40/2,62 m
  • Grundpreis ab 38.790 Euro

Wohnen

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Hubraum, hieß früher das Credo der Vollgasfraktion. Ähnlich könnte man mit Platz argumentieren, auch wenn der Eriba 620 eigentlich nur für zwei Personen gedacht ist. Natürlich reicht auch eine Innenlänge von 5,50 Metern wie beim Einsteigermodell der Baureihe, dem S 545, aber 6,34 Meter sind halt – sagen wir mal – besser. Das weiß jeder Urlauber, der am Stellplatz die ersten Taschen auspackt, die Klappen öffnet und beobachtet, wie im gleichen Augenblick das Chaos ausbricht. Selbstverständlich ist ein solches Fahrzeug kein Caravan für die lange Reise durch verwinkelte Gassen und enge Straßen, aber drei Wochen Adria können auch sehr erholsam sein. Und wenn die Fuhre einmal in Fahrt ist, sollte der Eriba dank langer Deichsel, ein ordentlicher Zugwagen vorausgesetzt, problemlos hinterherrollen. Testen konnten wir die Nachlaufeigenschaften jedoch nicht, da der für das Vorserienmodell handgefertigte Heckleuchtenträger Testfahrten vereitelte.

Innen bleibt der Blick zunächst an den hochwertigen Materialien hängen, etwa den Polstern mit ihrem optionalen Kunstleder, das auch die Sitztruhen verkleidet. Dazu passen im gleichen Ton die verspiegelten Fronten der Küche und der Tischplatte in der Dinette. Doch offenbart dann ein Blick in die meisten Stauräume, dass da nichts ist – außer Platz. Eriba nennt das Ganze Raum-Plus-System. Will heißen: Alle Installationen und auch die Konvektoren der Alde-Heizung (Option) verschwinden in robusten, umlaufenden Kanälen. Die lassen sich öffnen, so dass jederzeit Strippen für Nachrüsttechnik versteckt werden können. Diesen Aspekt berücksichtigen auch die Holzplatten in den Oberschränken, die Kabel verbergen und gleichzeitig die Hinterlüftung garantieren: Sie werden nur von praktischen Clips gehalten.

Gleich neben dem Eingang macht sich eine Garderobe mit Kleiderstange breit, die ihren Namen auch verdient. Sie hat das Format eines Schranks, ist aber nur zur Seite hin offen. Gegenüber wartet ein Schuhfach hinter einer Klappe in der Sitztruhe auf Belegung. Ein Abtropfboden wäre hier auch keine schlechte Idee. Dafür gibt’s darüber ein Dokumentenfach für Papiere und Bedienungsanleitungen.

Der innen 2,28 Meter breite Eriba S 620 bietet einen Grundriss mit Auslauf. Während sich der eine Partner in die gemütliche Sitzgruppe, die auch sechs Personen auf sehr bequem konturierten Polstern aufnehmen könnte, zum Fernsehgucken verkrümelt, zieht sich der andere hinter die sonst bündig mit der Möbelfront abschließenden Trennwand ins Schlafgemach zurück. Dort warten zwei Meter lange Kaltschaum-Matratzen und Tellerfederroste auf müde Urlauber. Die smarte Soundanlage (Option) beherrscht unterschiedlichste Spielarten: volles Rohr aus vier Boxen, TV vorne, Radio hinten oder umgekehrt. Damit es nicht hallt, sind die Wände und Decken mit Strukturfolie oder sogar hinterschäumter Mikrofaser bezogen.

Die Tür des praktischen Bads lässt sich 180 Grad öffnen und steht so nie im Weg. Im Nassraum wartet eine separate Luxusdusche (optional) mit klappbarer Trennwand und zwei diagonalen Abläufen, wie man sie sonst nur in Reisemobilen findet. Das Waschbecken in Stein-Optik spiegelt sich in eleganten Wänden mit Blumendekor, steht aber in seltsamem Kontrast zu einem banalen weißen Standard-Handtuchhalter oben rechts, der aber tapfer drei Handtücher aufnimmt. Hier wäre ein etwas edleres Design durchaus wünschenswert.

Die Küche wartet nur auf den ersten Blick ohne besondere Gimmicks auf. Sie ist breit, bietet jede Menge Stauraum, und der riesige Dometic-Kühlschrank mit massivem Griff sieht fast so aus, als hätte er noch irgendwo einen Spender für Würfeleis versteckt. Doch wer den Boden der Vitrine neben den Oberschränken entriegelt und ihn an dem Griff nach unten zieht, entdeckt das Fach für eine Kapsel-Kaffeemaschine.Ansonsten überrascht der Dreiflammenkocher mit einem massiven Gusseisen-Rost, der in mutigem Kontrast zur Leichtbauphilosophie steht. Er bietet Platz für zwei Extreme: sehr große und sehr kleine Töpfe, etwa kleine Espressokannen. Allerdings vermissen ambitionierte Köche Dinge wie mehrfach unterteilte Glasabdeckungen, einen Dunstabzug, eine Abtropffläche oder einen zweiten Ausguss in der Mini-Spüle.

Preise

Was ist den Preis wert? Nicht jeder möchte sich einen Caravan in der 50.000-Euro-Klasse leisten, der eigentlich nur für zwei Personen gedacht ist. Andererseits ist es ein schönes Gefühl, eine gewisse Exklusivität zu erleben und eine Verarbeitung zu genießen, die deutlich über dem üblichen Niveau liegt, sichere Funktion bietet und eine lange Lebensdauer. Unter den Top-Doppelachsern ist der Nova S 620 mit einer Breite von 2,30 Metern noch relativ schmal. Preislich orientiert er sich vergleichsweise eher nach unten. Wie bei der Konkurrenz findet sich aber notwendiges Zubehör wie Mover oder Markise erst in der Aufpreisliste.

Grundpreis: 38.950 Euro mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II (150 Euro)

Beladen und Fahren

Der Nova S 620 bietet Stauraum in Hülle und Fülle, erst recht für zwei Personen. Als weiterer Vorteil kommt hinzu, dass die meisten Stauräume durch das Raum-Plus-System tatsächlich frei sind. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Wer etwa das Elektro-Autark-Paket geordert hat, muss mit Lader und Batterie in der linken Sitztruhe leben. Apropos: Die Klappen der Sitzgruppe sind so geschnitten, dass nicht immer alle Polster abgeräumt werden müssen, um sie zu öffnen. In der Sitzgruppe befindet sich auch ein praktisches Fach für Fahrzeugdokumente, die nicht oft zur Hand sein müssen. Der Nova gefällt durch leicht laufende und vor allen Dingen belastbare Schubladen, ein Auszug über der Heizung hat sogar einen Gitterboden und eignet sich zum Trocknen von klammen Handschuhen. Die Garderobe im Eingangsbereich ist so großzügig geschnitten, dass sie als zweiter Kleiderschrank gelten darf. Immer mehr Hersteller sparen mit Ablagen im Sitzgruppenbereich, nicht aber der Nova. Dort finden sie sich umlaufend unter den Oberschränken im Bugbereich, außerdem hinter der Rückenlehne. Dort sind auch zwei Fächer für Getränkeflaschen untergebracht. Wer allerdings die zusätzlichen Kopfstützen bestellt, wird sie nur schwer erreichen. Grünes Licht für Lademeister geben auch die Nettozuladung von ordentlichen 181 Kilogramm und die hohen Überlastreserven der Reifen. Wie bei allen Tandemachsern sollte der Caravan angekuppelt jedoch möglichst in der Waage stehen, damit sich das Gewicht gleichmäßig auf beide Achsen und die vier Pneus verteilt.

Technik

Die wahren Werte des Nova S finden sich im Verborgenen. Er nimmt schon durch seine Pual-Bauweise der fast holzfreien Sandwichwände eine Sonderstellung ein. Dabei wird ein PU-Schaum zwischen die Außen- und Innenwand gespritzt, der auch die Holzklötze und Metallgitter umschließt, die später für die solide Montage der Möbel so wichtig sind. Eriba zieht, abgesehen vom GFK-Boden, übrigens auch das eine Sonderstellung in der Branche, Alu als Außenhaut vor. Denn beim Leichtmetall besteht nicht das Risiko der Haarrissbildung, wenn etwa brutaler Hagel den Caravan malträtiert. Bei GfK könnte Wasser das so vorgeschädigte Laminat durchtränken und langsam aufweichen. Weil aber GfK zur Verminderung der Hagelempfindlichkeit einen guten Ruf genießt, bietet Eriba eine entsprechende GfK-Klebeschicht auf dem Aludach an. Allerdings schließt diese dann die Montage einer Markise aus.

In den Schubladen, deren Selbsteinzug wie geschmiert funktioniert, klärt ein Hinweisschild darüber auf, dass sie nur mit 15 Kilo belastet werden dürfen. Zu wenig? Nein, fast doppelt so viel wie die Konkurrenz. Dafür zeichnen stabile Metall-Chassis in Wohngebäude-Küchenqualität verantwortlich. Apropos: Immer wenn es darauf ankommt, setzt Eriba Aluprofile ein, teilweise getarnt mit Möbeldekor. So sind die Ecken an den Sitz- und Betttruhen aus Metall, die Leisten, welche die Möbelbänder der Oberschränke aufnehmen, der Rahmen der Fliegenschutztür, die Türzarge im Bad oder die seitliche Kante des Bettkastens. Und wenn Eriba Lichtschläuche verwendet, sind sie ummantelt. In dieses solide Bild passen die Möbelschlösser, die auf Metall vertrauen, seien es Pushlocks, Hakenschnapp- oder Drehverschlüsse. Einzige Ausnahme ist ausgerechnet der einsame Plastikriegel an der Eingangstür.

Für Winterurlauber ist die Alde-Zentralheizung (Option) für Fußboden und Konvektoren die erste Wahl, weil der Komfort nur mit dem in einem gemauerten Gebäude zu vergleichen ist. Außerdem herrscht Ruhe an Bord, da kein Gebläse Luft durch Schläuche pustet.

Testwertung des Eriba Nova S 620

Wohnen 3,9
(+) Sehr großzügiger Grundriss für zwei Personen.
(+) Sehr bequeme Sitzgruppe für bis zu sechs Personen.
(+) Gut nutzbares Bad mit separater Dusche (Option).
(+) Weitgehend technikfreie Staukästen.
(+) Insgesamt hohes Verarbeitungsniveau.
(+) Sehr gute Lichtverhältnisse bei Tag und Nacht.
(-) Etwas stiefmütterlich behandelte Küche ohne Abtropffläche mit Minispüle.
(-) Einfachverriegelung der Eingangstür.

Preis & Service 3,5
(+) Mehr Luxus und Exklusivität geht wohl kaum.
(+) Hochwertige, komplette Ausstattung für Wintercamping als Option.
(+) Viele Servicestellen in Deutschland und Europa.
(-) Notwendiges Zubehör wie Mover oder Markise nur gegen happige Aufpreise.

Beladen 3,6
(+) Üppiger Stauraum, erst recht für zwei Personen.
(+) Mit 15 Kilogramm belastbare Schubladen.
(+) Schublade über der Heizung mit Trocknerfunktion.
(+) Gut zugängliche, freie Stauräume.
(+) Konsequente Hinterlüftung der Schränke, die Ansammlung von Feuchtigkeit wirkungsvoll verhindert.
(-) Schuhfach, aber ohne Schublade und Abtropfboden.

Fahren -,-
Durch die notdürftige Befestigung des noch handgefertigten Heckleuchtenträgers und die fehlende Beleuchtungsverkabelung sind keine Fahrtests möglich gewesen. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Technik 4,1
(+) Die fast holzfreie Pual-Bauweise der Wände sorgt für lange Lebensdauer.
(+) Aluprofile und -leisten verstärken an allen beanspruchten Stellen den Möbelbau.
(+) Kederleisten rundum, auch am Bug über dem Gaskasten.
(+) Parallelogramm-Öffnung des Gaskastens.
(+) Reparaturfreundlich wegen mehrteiligen Stoßfängers.
(-) Nur Einfachverriegelung der Eingangstür.

Autor

Foto

Daniel Bitsch, Volker Hammermeister (6)

Datum

4. Juli 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 6/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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