Eriba Touring 30 Bilder Zoom

Eriba Touring Troll 542 im Test: Hubdach-Caravan mit einzigartigem Grundriss

Der Touring gehört auch nach 56 Jahren Bauzeit noch nicht zum alten Eisen: Zur Saison 2016 überrascht Eriba mit einem einzigartigen Grundriss, der die Vorzüge von Einzel- und Doppelbetten kombinieren soll.

Kult ist ein überstrapaziertes Wort in unserer Zeit, das überdies oft mit Mode oder einem Sachwert gleichgesetzt wird. Kultstatus per Definition erlangen aber nur Güter, denen besondere Werte wie Design, Zeitlosigkeit oder Charme attestiert werden können. Paradebeispiele technischer Natur sind der Porsche 911, Motorräder von Harley-Davidson und – natürlich – der Eriba Touring. Alle drei Beispiele eint neben ihrer gestalterischen Zeitlosigkeit ihre markentypische Technik, die sich freilich mehr oder weniger weiterentwickelt hat, und eine Portion Unvernunft. Man könnte es auch so sagen: Alle drei Kultobjekte lösen Haben-wollen-Reflexe aus, obwohl es nicht leicht fällt, rationale Gründe dafür zu formulieren.

Schon 1960 rollten die ersten Touring vom Band. Sie glichen den heutigen Nachfahren nicht nur optisch, sondern waren bereits nach demselben Prinzip gebaut: Über einen stabilen, verwindungssteifen und selbsttragenden Stahlkäfig wird in einem kniffligen, technisch anspruchsvollen Verfahren strukturiertes oder wahlweise glattes Aluminium gespannt. Als Fahrgestell dient ein Rohrrahmenchassis mit Einrohrdeichsel und Längslenkerachse. Ein anderes typisches Touring-Attribut ist das Hubdach , das dafür sorgt, dass die Innenhöhe von 1,72 auf 1,99 Meter wächst.

Wohnen

Prägend für den neuen Touring Troll 542 ist das Doppelbett im Heck. Die Besonderheit der 1,95 mal 1,95 Meter großen Liegefläche ist, dass sie aus zwei Lattenrosten und zwei Matratzen besteht, es sich also technisch um Einzelbetten handelt. Doch erst am Fußende trennen sich die Matratzen, wodurch eine dreieckige Lücke entsteht, die dem Bett seine V-Form und dicke Pluspunkte verleiht: Ja, man kann es tatsächlich leicht, und ohne den Mitschläfer zu wecken, verlassen. Darüber hinaus sorgt die Qualität der dicken Schaummatratzen und der Lattenroste für hervorragenden Liegekomfort.

Aber wie viel Platz gibt es denn im knuffigen Touring? Wer es wissen will, muss erst einmal die Tür passieren. Doch Obacht: Mit 1,43 Meter ist die so niedrig, dass man sich schnell den Kopf am Rahmen stößt – Gewöhnungssache. Bei geschlossenem Hubdach bleibt eine Innenhöhe von 1,72 Meter. Zu wenig auf Dauer, aber genug für einen Zwischenstopp oder den Aufenthalt bei extrem miesem Wetter. Wird die Dachschale nach oben ausgestellt, wozu man vier Verschlüsse öffnen muss und was rund zwei Minuten dauert, können Zeitgenossen mit fast zwei Meter aufrecht stehen. Helles Mobiliar, fünf große Fenster und das geöffnete Dach mit seinem hellbeigen Faltenbalg erzeugen eine sehr freundliche und vor allem tatsächlich luftige Atmosphäre.

In der charakteristisch spitzen Bugpartie mit den beiden Einzelfenstern bringt der Troll eine Sitzgruppe für zwei Reisende unter. Den Platz links in der Dinette erreicht man jedoch nur durch einen schmalen Durchgang zwischen Sanitärraumwand und Tisch. Wenn das nicht ausreicht, lässt sich der Tisch in seiner Profilleiste etwas verschieben oder nach oben klappen – natürlich nur, sofern er nicht gedeckt ist. Dem gleichen Prinzip folgt der Bettenbau, wobei sich das Tischbein zum Kürzen einfach knicken lässt. Als willkommene Zugabe kann der Tisch übrigens auch im Außenbereich am Radkasten eingehängt werden.
Viele Möbel und das Bad enden knapp unter dem Hubdachausschnitt in rund 1,65 Meter über dem Fußboden. Das Bad ist nach oben offen, die Hängeschränke reihum geschlossen, und am Kleiderschrank ragt ein Extradeckel mit Umrandung nach oben, der als Ablage für Smartphones und andere elektrische Geräte dient, deren Akkus an der hier befindlichen Steckdose geladen werden können.

Am kompakten Sanitärraum, in den man mit offenem Dach Einblick von oben hat, stellt ein eingeknöpfter Sichtschutz aus Stoff zumindest optisch die Intimität wieder her. Das Bad verfügt über eine Bodenwanne mit Ablauf. Eine Dusche ist zwar erhältlich, allerdings gegen Aufpreis. Sehr schön sind die Ablagen und Schränke aus dunklem Holz. Doch manche Fächer sind winzig, und auch das rechteckige Waschbecken dürfte etwas größer sein. Serienmäßig an Bord ist eine Thetford-Banktoilette mit eigenem Spülwassertank. Sie schont die Brauchwasserreserven – Küche und Bad haben jeweils eine eigene Wasserversorgung über 13-Liter-Kanister – und nutzt den Platz im kompakten Bad perfekt. Unschön ist die fehlende Verfugung am Kassettenfach der Toilette.

Die sachlich gestaltete, kompakte Längsküche ist mit einem Zweiflammkocher samt großem Brenner und Elektro-zünder sowie einer großen runden Spüle ausgestattet. Das Becken lässt sich durch ein Schneidebrett abdecken, was die knappe Arbeitsfläche vergrößert. Ein weitere kleine Extrafläche bildet das klappbare Brett, das den Küchenblock in Richtung Eingang verlängert. Wird es von oben belastet, funktioniert das auch ohne Probleme. Doch schon eine leichte Berührung von unten entriegelt das Konstrukt und bringt es zum Abklappen. Dass der Absorberkühlschrank von Dometic nur 60 Liter Inhalt hat und zudem unten im Küchenblock steht, ist bei einem Kompaktcaravan wohl unvermeidlich. Im gleichen Unterschrank findet sich eine Schublade mit Besteckeinsatz und zwei durchgängige Regalböden, wobei ein Fach zum Großteil vom Frischwasserkanister belegt ist.

Preise

Mehr als 20 000 Euro Grundpreis für einen kleinen, serienmäßig eher mager ausgestatteten und wenig wintertauglichen Caravan? Klingt befremdlich – oder zumindest unvernünftig. Aber: Der Touring glänzt neben Solidität, Einzigartigkeit und Charme auch mit enormer Wertstabilität. Ein Blick in www.caraworld.de bestätigt das.

Folgende Ausstattungsdetails aus der Extra-Liste sind besonders empfehlenswert. So hilft eine Außenstauraumklappe auf der linken Seite des Bettkastens, ihn zu beladen. Ein Ersatzrad gehört bei einem Kilometerfresser dazu. Die Steinschlagbleche sehen nicht nur gut aus, sondern schützen die Front auch vor Dellen. Der Testwagen verzichtet darauf.

Beladen + Fahren

Erstaunlich große Stauraumreserven hält der kompakte Touring bereit. Vor allem natürlich im Bettkasten. Dessen nutzbare Fläche ist entsprechend der Bettgröße enorm und, mit Ausnahme von wenigen ungeschützten Heizungsrohren (Option), nicht von Technik belegt. Die beiden seitlich angeschlagenen Lattenroste lassen sich samt der jeweiligen Matratze leicht öffnen. Die Stauraumfläche und die hohen Wände des Bettkastens optimieren zwar das Volumen und ermöglichen gleichzeitig die hohe Außenklappe rechts, erschweren allerdings die Erreichbarkeit des Gepäcks vom Wohnraum aus. Die zweite Außenklappe auf der linken Seite bietet sich zur Erleichterung dessen gegen Aufpreis ebenfalls an. Viel Platz für Gepäck findet sich auch in den Sitztruhen der Dinette, die von Holzdeckeln abgedeckt werden.

Rund um das Hubdach wartet ein ganzer Kreis flacher Hängeschränke auf eher kleine und leichte Gepäckstücke wie Unterwäsche, T-Shirts und Socken. Für die opulentere Garderobe ist ein geräumiger Kleiderschrank samt Wäschefach zuständig. Bad und Küche sind bestens mit Stauräumen bestückt. Vor allem der Küchenunterschrank eignet sich auch für schwerere Gepäckstücke, die an dieser Stelle unten und in Achsnähe transportiert werden.

Der Umgang mit dem in alle Richtungen übersichtlichen und unter einer Tonne schweren Touring fällt leicht. Mit der Stützlast von 70 kg ist er ein formidabler Nachläufer, der auf Markenreifen jüngeren Datums daherkommt.

Technik

Der Touring hat zwar eine Heizung an Bord, aber einen Großteil der Wärme verliert der Hubdachcaravan bei Kälte durch den Zeltstoff respektive das insgesamt schlecht isolierte Dach. Deshalb ganz auf eine Truma zu verzichten ist freilich keine Alternative, schließlich sind auch Frühjahr und Herbst perfekte Jahreszeiten zum Campen. Und in diesen Tagen genügt es, ein wenig zuzuheizen, um angenehmes Klima zu schaffen. Und dafür reicht die installierte Truma S 3004 samt optionalem mehrstufigen Gebläse und drei Ausströmern vollkommen aus. Für dieses Einsatzprofil genügt auch der knappe Gasvorrat von zwei Gasflaschen mit je fünf Kilogramm Inhalt.

Der aufwendig und piekfein gefertigte Aufbau besteht aus einem stabilen Boden in Holzgerippebauweise, einem serienmäßig mit feinem Hammerschlagblech beplanktem Stahlkäfig und einem Hubdach mit GfK-Schale. Die steife Aufbautür fällt aufgrund der geringen Außenhöhe niedrig aus. Sehr robust und mit den Füßen bedienbar ist die leichtgängige Trittstufe. Einziger Nachteil: Anders als ein mobiler Schemel verschmutzt sie während der Fahrt. Der recht leichte Caravan lässt sich mit Hilfe der stabilen Rangiergriffe am Bug und einer durchgehenden Rangierstange im Heck einfach auf den Stellplatz bugsieren. Für den sicheren Stand sorgen verzinkte Kurbelstützen. Zwei davon sind im Heck direkt an der Karosseriekante angebracht. Die Bugstützen sind nur leicht zurückversetzt. Die Zentrale der Bordelektrik, ein kräftiger Umformer, die Landstromeinspeisung und der FI-Schutzschalter sind sauber und sicher an der Rückwand des Kleiderschranks unterbracht. Die sehr helle LED-Außenleuchte lässt sich zwischen permanenter Funktion und durch Bewegungsmelder gesteuert umschalten.

Es ist übrigens anzunehmen, dass der Eriba Touring der einzige Caravan ist, der dank seines Stahlgerippes einen Faradayschen Käfig bildet. Deshalb ist er allerdings auch der einzige, der bei Undichtigkeiten rosten kann. Dafür bleibt er sogar am Stück, wenn er umkippt – haben wir vor Jahren einmal herausgefunden.

Eriba Touring Troll 542: Auf einen Blick

Schlafplätze: 2+1
Zul. Gesamtgewicht: 1300 kg
Länge/Breite/Höhe: 4,71/2,10/2,26 m
Grundpreis ab 20 490 Euro

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Ingolf Pompe

Datum

5. Januar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 12/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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