Hobby Ontour mit Zugwagen 30 Bilder Zoom

Hobby Ontour 460 HL im Test: Leichter Reisecaravan

Mit seiner jüngsten Baureihe On Tour stößt Hobby nicht nur in die Klasse der leichten Reisecaravans vor, sondern stellt auch ein erstaunlich hochwertig gemachtes Gesamtpaket auf die Räder.

Wenn aus Fockbek, wie zuletzt im Sommer 2014, Hinweise auf eine neue Baureihe kommen, dann spitzt nicht nur die Fachwelt die Ohren. Die allgemeine Frage lautet: Wo im breit gefächerten Portfolio ist die Nische für ein neues Modell?

Hobby hat sie am unteren Ende seiner Palette bei den Reisecaravans ausgemacht. Passend zum Einsatzzweck wurde der Spross Ontour getauft, auf 2,10 und 2,20 Meter Breite gestutzt und recht leicht konstruiert, wodurch er auch für Camper interessant wird, die Verzicht beim Zugwagen, jedoch nicht bei Anmutung und Ausstattung ihres Caravans üben wollen. Denn auch im Ontour führt Hobby sein berühmtes All-inclusive-Prinzip konsequent fort. Bedeutet: Im Grundpreis sind die wichtigsten Technik- und Komfortausstattungen und – auch das ist typisch – schicke Optik schon enthalten. Bei der Außengestaltung folgt Hobby sogar einem Trend: Das Dekor wird nicht geklebt, sondern digital aufgedruckt. Das Ergebnis ist schön und wirft keine Blasen, jedoch Fragen auf. Was tun, wenn das Blech beschädigt wird? Die brennendste Frage aber ist: Wie steht es um die Gesamtqualität? Sie litt oft ein wenig unter den ambitionierten Preiszielen des Marktführers. Der Ontour könnte tatsächlich ein neues Zeitalter einläuten. Eine Analyse in vier Kapiteln.

Wohnen

Für einen nur 2,10 Meter breiten Caravan ist der Raumeindruck erstaunlich großzügig. Was neben den Hochglanz-Oberflächen der größtenteils blitzsauber montierten Möbelklappen und dem Spiegel an den Küchenoberschränken vor allem am langen Mittelgang liegt: Er reicht vom Nachtkästchen zwischen den Einzelbetten bis nach hinten zur Sitzgruppe, die sich aus Platzgründen eine Quersitzbank verkneift. Auch Bad und Küche schieben sich nicht über Gebühr ins Blickfeld.

Freilich macht sich die Innenbreite von 1,97 Meter beim Wohnen bemerkbar. So ist der Spalt zwischen den Bugbetten recht schmal, was nur dann stört, wenn man sich zu zweit im Bug aufhält – oder sich im Sitzen Strümpfe anziehen möchte. Doch das Wichtigste ist: Zum Gehen ist der Weg ins Schlafzimmer breit genug. Dort warten zwei spürbar schwingende Federkernmatratzen, beide 78 Zentimeter breit und rechts 1,87 Meter lang.

Links misst das Bett 1,99 Meter. Einen ausziehbaren Lattenrost mit Zusatzpolster, durch den eine durchgehende Liegefläche entsteht, gibt es optional. Über dem Nachtkasten sitzen in einem Rahmen die drei bei Dunkelheit trotz Haptik schwer zu erfühlende Lichttaster, die die Deckenlampe über der Sitzgruppe und die beiden dimmbaren LED-Bett-Spots steuern. Die gesamte Küche ist nur wenig breiter als die darin eingebaute Kombination aus eng bestücktem, zünder- und abflusslosem Dreiflammkocher und großer Spüle. Trotzdem passt in die Aussparung zwischen Kocher und Becken ein Schneidebrett.

Die Glasabdeckungen erweitern die Nutzfläche auf ein gut brauchbares Maß. Der Absorber-Kühlschrank von Dometic ist mit 99 Litern Nutzinhalt der Wagengröße angemessen. Nicht riesig ist das Volumen der drei Schubladen mit Selbsteinzug und Drucktastenschlössern. Die beiden Oberschränke, deren Türen als einzige Schlösser haben, sind breit, tief und mit einem Einlegeboden unterteilt. Trotzdem ist der Stauraum für Kochgeschirr knapp. Ein Formteil mit Rollo, LED-Lichtleiste und zwei 230-Volt-Steckdosen bildet einen pflegeleichten Multifunktions-Fensterrahmen.

1,35 Meter lang sind die beiden Bänke der Sitzgruppe. Die Härte des Schaumstoffs in den Polstern schafft ein angenehmes Sitzgefühl. Große Menschen wünschen sich etwas höhere, stärker konturierte Rückenpolster, kleinere beurteilen die vorhandenen als angenehm. Positiv ist der Nebeneffekt, dass so ohne Zusatzteile eine fast ebene Liegefläche für einen Erwachsenen oder zwei Kinder entsteht.

Das Tischgestell ist dieser Belastung gewachsen. Dank Rollen in den vier Füßen lässt sich der große Tisch tagsüber zum Einsteigen und Verlassen der Sitzgruppe mit wenig Kraftaufwand drehen. Zwei Gummiteller legen bei Bedarf zwei davon still, wodurch der Tisch fixiert wird – fürs Essen stark genug, für die Sicherung während der Fahrt zu wenig. Gurte oder einen Einschraubhaken hat Hobby in seinem Reisecaravan nicht vorgesehen.

Dafür aber offene Ablagen unter allen Oberschränken. Deren Klappen werden von großen Scharnieren mit hoher Zuhaltekraft geführt – Schlösser hat keines der Fächer. Einzige echte Kritikpunkte an den Möbeln: Die Profile vor den Ablagen, die sogenannten Kranzblenden, sind alle zu kurz. Und die Schraubenabdeckungen rund um die Betten stehen zu weit ab. Die restlichen sind der Preisklasse angemessen und fallen weder ab noch ins Gewicht.

Der Weg ins Bad führt durch eine recht solide Tür mit Klinke und über eine hohe Schwelle. Dann stehen die Füße in einer Bodenwanne mit hohem Rand und Ablauf – eine Dusche ist aber nicht an Bord. Umgeben von Spiegeln wirkt die Nasszelle größer als sie ist. Oberhalb der Toilette verstecken sich hinter den Spiegelklappen drei Regale. Auch unterhalb des optimal zugänglichen Waschbeckens nutzt Hobby jeden Winkel für Stauraum. Zwei Handtuchhaken sind da, doch eine Steckdose oder eine Trockenstange fehlen. Alle Klappen und Türen im Bad werden von kräftigen Magnetverschlüssen gesichert. Hochgezogene Kanten machen das Reinigen mit viel Wasser leicht. Die Dachluke sorgt für die Belüftung.

Gemessen an der Grundausstattung, zu der die Truma-Therme genauso gehört wie die Stützlastwaage, der Schlingerdämpfer, der rollbare Abwassertank, die Vorzeltsteckdose mit TV-Anschluss, die Deichselabdeckung, das Fliegengitter am der Tür, das elektronische Lichtsystem samt Tank-Füllstandsanzeige und vieles mehr, ist der Einstiegspreis fair. Auch Preiskosmetik über Ausstattungspakete hat der Ontour nicht nötig. Zudem ist die Auflastung von 1200 auf 1350 Kilogramm zulässige Gesamtmasse kostenfrei – allerdings hat Hobby mit Ausnahme eines Autarkpakets mit Batterie und Ladegerät keine Ausstattungen in petto, die auf die spezifischen Bedürfnisse eines Reisecaravaners abgestimmt sind.

Leer hat der Ontour 460 HL kaum Last auf der Deichsel. Der volle 25-Liter-Frischwassertank im Heck verschärft das Stützlast-Manko. Da die größten Stauräume jedoch unter den Bugbetten sind und der Küchenblock nur knapp hinter der Achse steht, erreicht der Ontour 460 HL trotzdem eine hohe, der Fahrtstabilität zuträgliche Stützlast.
Die Brutto-Zuladung des kaum mit Extras bestückten Testwagens von 73 Kilogramm genügt nicht. Schon mit Normgepäck reißt der 460 HL die 1200-Kilo-Marke. Die Gratis-Auflastung ab Werk auf 1350 Kilogramm ist also zwingend. Die erfreulich jungen Reifen aus Fernost haben mit 710 Kilo Traglast ordentliche Reserven für Überlasten.

Die Metall-Federaufsteller an den Betten sind stabil und stark. Die Truhen sind stabil, die Installationen darin gut geschützt. Etwas breiter und höher dürfte die Serviceklappe sein – freilich müssten dafür auch die Betten höher sein. Kaum für Gepäck nutzbar sind die Sitztruhen: Rechts sitzt der Tank, links die gesamte Elektrik – denn der Kleiderschrank ist zu klein dafür. Er hängt über dem Fußende des linken Betts. Mit 57 Zentimeter Hängehöhe liegen Kleidungsstücke wie Hemden der Größe XL schon auf dem Schrankboden auf. An der Garderobe erschweren dicke Jacken den Durchgang.

Positiv: Die offenen Ablagen über Betten und Sitzgruppe und die geräumigen Oberschränke mit straff zuhaltenden Beschlägen.

Über Taster lassen sich mit Ausnahme der indirekten Beleuchtung über der Sitzgruppe sowie Bad- und Küchenlicht alle Lampen dimmen. Unpraktisch ist, dass sich die beiden Lesespots der Sitzgruppe nur am Zentraldisplay schalten lassen. Dass das letzte Beleuchtungsszenario gespeichert bleibt und so wieder entflammt, ist ein Vorteil des digitalen Hobby-Beleuchtungssystems. Die weiteren Vorteile: Bei langem Druck auf den Hauptschalter gehen alle 12- und 230-Volt-Verbraucher (Heizungsgebläse, Kühlschrank, Truma-Therme und – falls eingebaut – elektrische Fußbodenerwärmung) aus.

Hobby setzt außer an der Deckenlampe mit ihren sechs Halogenbirnen auf LED. Modern ist auch der 340-Watt-Umformer, der mit dem Sicherungskasten und der Lichttechnik in einer Sitztruhe unterkommt. Dort liegt auch das Sat-Kabel, das bis zum TV-Schwenkarm reicht. Der ist über der Kommode an der dünnen Badwand befestigt. Schön versteckt sind die beiden 230-Volt-Steckdosen an der TV-Kommode. Je zwei weitere gibt es in der Küche und unter dem linken Bett. Das Bad ist stromlos.

Die Therme steht gut geschützt im rechten Einzelbett, allerdings weit weg vom 25-Liter-Tank und der Heizung. An der Führung von Kabeln und Wasserleitungen ist nichts auszusetzen. Die Kabel laufen in Kanälen, die Wasserleitungen an den allerdings unperforierten Warmluftsträngen entlang. Somit werden die Winterrückenlehnen nicht hinterheizt. Auch hinter die Küche gelangt keine Wärme.

Mit Ausnahme des Digitaldrucks und der schönen Kederleisten ist die Karosserie konservativ. Probleme macht der Deichselkasten: Die Stangenverriegelung greift hinter angeklebte Metallplättchen, die aber abfallen. Zusätzlich ist die gesamte Mechanik schwergängig. Außerdem verschmutzt das Schloss stark. Das Innenleben des Gaskastens samt Flaschenbefestigung ist gut. Kritisch: Die Kabel für die vorderen Positionsleuchten sowie das Massekabel sind zu nahe an den Kurbelstützen verlegt. Beim Kurbeln werden sie malträtiert

Die Baureihe Hobby Ontour

Preise: 14.750–17.650 Euro
Aufbaulängen: 4,57–5,71 m
Gesamtgewichte: 1100–1350 kg
Max. Auflastungen: 1350-1500 kg
Grundrisse: 5
Charakter: Drei von fünf Ontour-Modellen – inklusive des 460 HL – begnügen sich mit einer Außenbreite von 2,10 Meter. Nur 470 KMFe und 490 SFf sind 2,20 Meter breit. Zwei Wagen haben Etagenbetten, darunter der kleine 360 KB. Seltsam: Auf Reisecaravaner zugeschnittene Ausstattungspakete oder Einzeloptionen gibt es nicht. Dafür ist die Technik- und Komfortausstattung nach Art des Hauses: Komplett und modern. Hochglanzoberflächen, wuchtige Profile und Stoff rund um die Fenster lassen trotz der kompakten Abmessungen Gemütlichkeit aufkommen. Preislich liegt der Ontour nur knapp unter vergleichbaren Fahrzeugen der 2,30 Meter breiten Hobby-Baureihe De Luxe.

  • Schlafplätze: 2+1
  • Zul. Gesamtgewicht: 1200 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 6,75/2,10/2,59 m
  • Grundpreis: ab 15.550 Euro

Kosten und Service

  • Steuer (1200 kg zGG): 44 Euro
  • Dichtigkeitsgarantie/Kontrolle: 5 Jahre/12 Monate
  • Servicestellen in Deutschland/Europa: 105/287

Preise des Test-Caravans Hobby Ontour 460 HL

  • Grundpreis: 15.688 Euro - mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II (98 Euro)
  • Testwagenpreis: 15.904 Euro
  • Auflastung auf 1350 kg: ohne Mehrpreis
  • TV-Gelenkhalter mit Kabeln (2 kg): 216 Euro
  • Autarkpaket mit Batterie, Laderegler und Bordpanel mit Display (29 kg): 571 Euro
  • W-Lan-Modul für Bordpanel: 662 Euro
  • USB-Ladesteckdose doppelt: 45 Euro
  • 50-Liter-Frischwassertank (28 kg): 132 Euro
  • Ausziehbarer Lattenrost zwischen Einzelbetten (5 kg): 305 Euro
  • Fußbodenerwärmung elektrisch (4 kg): 703 Euro
  • Teppichboden lose (7 kg): 243 Euro
  • Schwerlaststützen (1,6 kg): 155 Euro
  • Reserverad im Gaskasten (20 kg): 240 Euro
  • Soundsystem Blaupunkt (12,5 kg): 745 Euro
  • Markise Thule Omnistor 3,5 m (30 kg): 994 Euro

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Christian Hass, Ingo Wagner (5)

Datum

14. April 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 03/15.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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