Caravan Knaus Sport Fun mit Zugwagen 26 Bilder Zoom

Knaus Sport & Fun: Das bunte Multitalent

Er ist wieder da – nach mehrjähriger Abstinenz hat Knaus den Sport & Fun wieder ins Programm genommen. Der Test zeigt, was vom kleinen farbenfrohen Multitalent heute zu erwarten ist.

Ziemlich genau 20 Jahre ist es her, seit Knaus den Sport & Fun präsentierte. Seinerzeit als "Wagnis in Form und Farbe" tituliert, aber mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten glänzend, polarisierte er die Campergemeinde. Zwischenzeitlich sind auf dem Caravanmarkt etliche bunte Vögel gezeigt worden. Die meisten davon sind längst wieder verschwunden. Und 2004 war dann auch der Sport & Fun weg vom Fenster – jetzt gibt es ihn wieder in alter Frische.

Obwohl es sich bei der aktuellen Ausgabe keinesfalls nur um einen müden Aufguss handelt, erkennen ihn all jene, die sich an die Version 1.0 erinnern, auf den ersten Blick: Sport & Fun – was sonst. Charakteristisch die Keilform ohne Deichselkasten. Markant die flotte Beklebung und vor allem die blauen Kunststoff-Applikationen, die heutzutage sogar noch kantig-aggressiver ausfallen als damals. Oben am Heck nehmen sie beispielsweise die ganze Fahrzeugbreite ein und werden mit Heckleiter und Dachreling aufgemotzt.
Dazu gibt es wieder die extrabreite Hecktür, durch die ein ausgewachsenes Motorrad passt, und wofür Knaus gegen Aufpreis wieder eine entsprechende Halteschiene samt Auffahrrampe und Verzurrösen im Programm hat.

Länger ist er geworden, der Sport & Fun, und auch in der Breite hat er deutlich zugelegt. Aber wer hat das nicht in den letzten 20 Jahren? Entsprechend schwerer kommt der 2016er daher. Knapp 1200 Kilogramm inklusive Grundausstattung wie Wasser und Gas bringt der Testkandidat auf die Waage. Da bleibt angesichts der vom Hersteller vorgesehenen zulässigen Gesamtmasse von 1300 Kilogramm wenig Spielraum für Persönliches. Also besser gleich die Auflastung mitbestellen; die kostet 471 Euro, egal ob das Limit auf 1500 oder gar 1700 Kilo hochgeschraubt wird.

Viel wohnlicher ist die Neuauflage geworden, ein ausgesprochen junges Caravan-Konzept. Das Möbelholzdekor „Salem Esche“ wird mit Schrankklappen und Schubladenfronten in mattem Dunkelblau kombiniert; hier und da lockern quer geriffelte Flächen im Alulook optisch auf.

Insbesondere im Wohnbereich überzeugt der Sport & Fun mit sehr ordentlicher Verarbeitung. Die Schranktüren sind sauber angeschlagen, die Spaltmaße stimmen, die Materialwahl passt. Die federbestückten Scharniere sind von der soliden Abteilung und halten die Dachschrankklappen zuverlässig offen. Punktabzug gibt es allenfalls wegen der Hakenschnäpper, die zwar ergonomisch in den Möbelgriffen untergebracht sind, leider jedoch nicht in allen Fällen zuverlässig verriegeln. So ließ sich beispielsweise das Fernsehfach auch ohne Entriegelungstaste einfach öffnen, und eine Türe im Küchenblock war nur gesichert, wenn sie mit Schwung zugeknallt wurde. Das muss besser gehen.

Seitens der Inneneinrichtung sowie der Grundrissaufteilung wird klar: Der neue Sport & Fun hat sich deutlich gewandelt. Was früher ein Transportanhänger mit Wohnmöglichkeit war, ist heute ein Wohnanhänger mit Transportmöglichkeit. Jedoch ist der Sitzkomfort auf dem "Loungesofa" nicht besonders hoch. Dafür stehen die Lehnen zu steil und sind zu straff. Positiv hingegen fällt der schlanke Einsäulen-Hubtisch auf, der nicht nur eine interessante Oberflächenstruktur und ein tadelloses Kantenfinish hat. Er ist leicht bedienbar und steht trotz seiner Länge stabil. Gleichzeitig dient er als Unterbau für die im Prospekt vollmundig als "Doppelbett" bezeichnete Umbauliege. Wir hingegen deklarieren diese angesichts der bescheidenen Abmessungen eher als temporäres Zusatzbett für eine dritte Person.

Die Querbett-Konzeption selbst kennen wir schon von der ersten Sport & Fun-Ausgabe. Es hat zwar ordentliche Abmessungen, eine feine Fünfzonen-Kaltschaummatratze, es kann mit Gasfeder-Unterstützung leicht aufgestellt und so für den Transport von Sperrigem fixiert werden – doch es drückt das Testurteil im Bereich Wohnen. Zu begrenzt ist nämlich die Kopffreiheit vor allem im vorderen Bereich. Mit jeder Körperdrehung besteht Gefahr, sich im Vorhang zu verheddern. Auch der Ausstieg muss über den Partner erfolgen, und es geht tief hinunter Richtung Boden. Auf der zum Wohnbereich orientierten Bettenhälfte drückt die Stoffablage im Hängemattenstil gleichermaßen aufs Raumgefühl wie aufs Gemüt, sodass selbst amouröser Sport mit reduziertem Fun einhergehen dürfte.

Erfreulicher geht es in der Küche zu. Der Dreiflammherd mit seinem Gussrost macht richtig was her. Die Freifläche lässt genügend Platz zum Arbeiten, wird von zwei LED-Leisten recht gut ausgeleuchtet, und die Anschlüsse zur Wand sind sauber gegen Nässe geschützt. Stauraum ist reichlich vorhanden, und rechts oben im offenen Ablagefach gibt es eine 230-V-Steckdose für Küchengeräte.

Ansonsten hält sich Knaus mit der Installation von Steckdosen eher bedeckt. Eine weitere findet sich zusammen mit einem USB-Ladeanschluss in der Vorderfront der Sitztruhe, zwei weitere ganz hinten im hochgelegenen Fernsehfach. Am Bett ein Radio einstecken, hier die nächste Radtour mit dem Tablet planen und dieses dabei aufladen – Fehlanzeige. Wer mehr Flexibilität wünscht, kann weitere Steckdosen zu 59 Euro das Stück ordern.
Auch die Beleuchtungssituation im Sport & Fun ist eher dürftig. Eine müde Deckenleuchte wird von zwei Lesespots überm Sofa flankiert. Am Doppelbett gibt’s nur einen davon. Im Caravanheck bleibt es so vergleichsweise duster. Gut, dass der Kleiderschrank eine recht helle LED-Innenbeleuchtung hat.

Der Nassbereich rechts hinten verfügt über eine raumsparende Drehtoilette, ein kleines Eckwaschbecken, ein Spiegel- und ein Unterschränkchen sowie zwei Ablagefächlein – das war’s. Leider fällt das Raumangebot extrem knapp aus, angesichts 60 cm Raumtiefe kein Wunder. Bei geschlossener Tür kann die Toilette gerade noch benutzt werden, Körperpflege am Waschbecken jedoch ist kaum möglich. Vor diesem Hintergrund dürften Sportler die optionale Dusche schätzen lernen – eine pfiffige Konstruktion, bei der nur bei Bedarf die Duschtasse ausgefahren wird.Insgesamt betrachtet hat sich das Multitalent von einst gar nicht so stark gewandelt. Vieles vom alten Konzept wurde beibehalten und mit neuen, modernen Ansätzen kombiniert. Die Schwerpunkte freilich hat Knaus anders gesetzt. So gesehen ist es gut, dass er wieder da ist, der Sport & Fun.

Das fiel uns auf

(+) Der elegante und schlanke Thetford-Kühlschrank nutzt das begrenzte Platzangebot bestens.
(+) Die Bordelektrik mit Schaudt-Elektroblock ist leicht zugänglich und sauber verbaut.
(-) Die Handbrause für die optionale Duscheinrichtung findet keinen rechten Platz.
(-) Gesichtwaschen ist praktisch unmöglich, das Eckschränkchen stört dabei ganz erheblich.
(-) Vorsicht beim Stauen: scharfkantiger Ausschnitt der Kocherabdeckung im Unterschrank.
(-) Manche Haken verriegeln nicht zuverlässig, Türen können während der Fahrt aufspringen.

Der Knaus Sport & Fun im Überblick

Schlafplätze: 2+1
Zul. Gesamtgewicht: 1500 kg
Länge/Breite/Höhe: 6,25/2,32/2,57 m
Grundpreis ab: 15 990 Euro
Fahrwerk: Alko-Chassis mit Schräglenkerachse, Stoßdämpfer, AKS.
Reifen:185 R 15 C 104N, Tragfähigkeit 900 kg, hergestellt 8. Woche 2015.
Gewichte: Radlasten links/rechts 540/570 kg, Stützlast 80 kg, Masse in fahrber. Zustand 1190 kg, zulässige Gesamtmasse aufgelastet 1500 kg.
Aufbau: Dach in GfK, Wand in Alu- Hammerschlag, Bug/Heck Glattblech. Sandwichbauweise mit XPS-Isolierung, Dicken: Dach/Wand 31/31, Boden 38 mm. Anbauteile: Mehrteilige ABS/PMMA-Anbauteile, Alu-Heckleiter, Dachreling mit 75 kg Traglast. 4 Ausstellfenster mit Verdunkelungs- und Fliegenrollo, 1 Dachhaube Heki II 850 x 500. 2 Stauraumklappen vorn links 940 x 1140 und rechts 590 x 740. Zweiteilige Eingangstür, breite Hecktüre 860 x 1670.
Material: Sperrholz in 8, 12, 15 und 22 mm Stärke. Beschläge: Metallscharniere mit integrierten Federaufstellern,Kunststoff- Hakenschnäpper an Küchenunter- und -oberschränken. Badtür mit Türklinke und Magnetfalle. Badschränke mit Druck- und Hakenschnäpper.
Heizung: Gasheizung Truma S 3004, 12-Volt-Gebläse mit Drehzahlautomatik, 4 Ausströmer (2 Sitzgruppe, 1 Eingang, 1 Bad). Wasseranlage: 45-Liter-Frischwassertank, Tauchpumpe, Truma Therme. Elektrik: Umformer Schaudt CSV 402, 380 W. 230-V-Sicherungsautomat mit FI-Schutzschalter, 4 x 230-V-Steckdosen (2 TV-Schrank, 1 Sitztruhe, 1 Küche), 1 USB-Anschluss in Sitztruhe. Beleuchtung: 1 Deckenleuchte, 3 Halogen-Lesespots, 2 LED-Leuchtstäbe als Küchenarbeitslicht, 2 Halogen-Deckenspots im Bad. 1 Vorzeltleuchte. Küchenausstattung: Dreiflammkocher Dometic EK2000 ohne Zündhilfe, Rundspüle mit Einhebelmischer. Kühlschrank Thetford N3142 mit 142 Liter Nutzinhalt und 15 Liter Gefrierfach. Badausstattung:Dometic-Drehtoilette mit Keramikeinsatz. Rundwaschbecken mit Einhebel-Mischarmatur. 1 Eck-Spiegelschrank, 1 Eck-Unterschrank, 2 kleine Eckablagen. Handtuchring. Optional: ausziehbare Duschwanne mit Vorhang, separate Brause und Mischarmatur.

Autor

Foto

Dieter S. Heinz

Datum

12. Januar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 1/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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