Alles über Caravan Salon 2016
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Knaus Travelino (2017) auf dem Caravan Salon: Das Geheimnis des Leichtbau-Caravans

Der kompakte Knaus Travelino läutet ein neues Zeitalter in der Caravan-Konstruktion ein. CARAVANING verrät alles über die Konstruktionsweise, die den Leichtbau-Wohnwagen so leicht macht.

Vergessen Sie alles, was Sie bisher über den Knaus Travelino gelesen haben. Denn bis auf das niedrige Gewicht hat das Serienprodukt nichts mehr mit den ersten Prototypen gemeinsam. 650 Kilo soll der 5,19 Meter lange, 2,10 breite und 2,58 hohe Travelino 400 QL wiegen. Da ist sogar die 750-Kilo-Achse kein Problem,wenngleich Knaus gesteht, sie hauptsächlich aufgrund der plakativen Zahl gewählt zu haben. In der Realität wird der Travelino wohl auf einer Ein-Tonnen-Achse rollen. Der Grundpreis soll rund 18 500 Euro betragen, doch dazu später mehr.

Knaus Travelino: Konstruktionsweise mit Power-Frame

Viel spannender als das zulässige Gesamtgewicht sind die Maßnahmen, die Knaus ergreift, um künftig Caravans zu bauen, die bis zu 500 Kilogramm leichter sind als ihre konventionellen Pendants. Und die beginnen ganz unten.

Das mit BPW entwickelte "Power-Axle"-Chassis ist A-förmig, großflächig ausgestanzt, mikroverzinkt, was alleine 2,5 Kilo sparen soll, und endet kurz hinter der mit Drehstabfedern bestückten Längslenkerachse. Insgesamt soll es 35 Prozent leichter sein als ein herkömmliches Fahrwerk. Auf das Chassis wird ein mit PU-Schaum gedämmtes GfK-Sandwich geschraubt – eine der letzten Stellen, an denen Schrauben zum Einsatz kommen. 

Oberhalb der Bodenplatte bleibt fast nichts, wie es war: Der "Fibre-Frame" bildet das selbsttragende Gerüst des Wagens. Er besteht aus geschäumten und mit Gelcoat versiegelten Formteilen, die mit einem Ultraschallkleben (U-Sonic-Bondet) genannten und von Knaus patentierten Verfahren von Robotern zusammengefügt werden. Die Vorteile sind mannigfaltig: Die Verbindung der künftig im Hause gefertigten Schaumteile ist binnen Bruchteilen einer Sekunde fest und tragfähig.

Die Teile selbst kann Knaus, die entsprechenden Metallformen vorausgesetzt, in beliebiger, nicht an Konventionen gebundener Form herstellen. Die Dachlängsprofile beispielsweise tragen Kanäle, in die die umlaufenden LED-Lichtbänder gelegt und mit Acrylglas abgedeckt werden. Im unteren Bereich könnte der Rahmen auch Warmluft- und Stromleitungen führen – womit nichts mehr davon im Wagen sichtbar wäre.

Mit 500 Kilogramm statischer Dachlast soll der Powerframe das Fünffache eines konventionellen Caravans aushalten und den 2,5-fachen Dämmwert einer drei Zentimeter dicken Sandwichwand erreichen. Auch die Radkästen bestehen aus dem bereits nach zehn Minuten ausgehärteten Schaum. Bei der Form, so Knaus-Geschäftsführer Gerd Adamietzki, sei man trotz unbegrenzter Möglichkeiten zurückhaltend geblieben, um keinen Bruch zwischen bestehendem Programm und dem Travelino zu riskieren. "Die Kunden mitnehmen", nennt Adamietzki das. 

Möbel und Seitenwände: Die Aufbaukomponenten

Die Seitenwände, beim Travelino noch konventionell aus Aluminium, Styropor und Sperrholz geschichtet, haben exakt auf das Innenprofil des Fibre-Frames angepasste Außenkanten, mit denen sie bündig in den Rahmen geklebt werden. Künftig können Wände eingesetzt werden, in deren Schaumdämmung Heizungs-, Wasser- und Stromleitung oder sogar fertige Möbelmodule integriert sind, so Adamietzki. Zurück zum Hier und Jetzt und zum Innenausbau des Hoffnungsträgers, der natürlich mit zur Gewichtsbilanz beitragen muss. Und das tut er mit: extrudiertem Polystyrol (EPP).

Alle Oberschränke bestehen aus dem Schaum. Allerdings bleibt vom quietschigen Styropor-Look nichts übrig. In Form gepresst und mit einer carbonartigen Oberfläche versehen, wirken die leichten, aus vier Teilen zusammengesetzten Korpusse (Revolution-Cube) überaus robust. Holzeinleger dienen als Schraubgrund für die einfachen Aufsteller und Scharniere, die wiederum Klappen aus Leichtbau-Holzsandwich halten. In eingefrästen Nuten verlaufen LED-Lichtbänder. Die Bodenmöbel bestehen aus vorgeformten Leichtbauplatten. Die faltbare und damit raumerweiternde Badtür verzichtet auf ein Klavierband zwischen den Türhälften. Stattdessen sorgt ein Streifen Elefantenhaut für Bewegungsfreiheit, Bürsten lassen das Konstrukt über dem Boden schweben, damit keine schweren Beschläge benötigt werden. Überhaupt braucht der Travelino keinerlei Steher und Stützelemente im Inneren, was bei den Grundrissplanern freie Hand lässt. Sogar Beschläge und Möbelbefestigungen werden per Ultraschallklebung in und an den Wänden fixiert.

Warum der Leichtbau den Travelino günstig macht

Günstiger ist die neue Bauweise obendrein, verrät Adamietzki. Dass der Travelino trotzdem mit einem Preis von 18 500 Euro startet, ist einerseits der anfänglich geringen Stückzahl geschuldet, andererseits hält Knaus damit Abstand zum Rest des Portfolios. Dass für das Fliegengewicht ein kleines Zugfahrzeug genügt, relativiert den hohen Preis. 

Zunächst wird der Travelino mit zwei Sitzgruppen oder mit festem Bett im Bug ausgeliefert. Das feste Bett ist die komfortablere Lösung, da die Bugschräge das Sitzen auf der Querbank erschwert. Auf einen Deichselkasten verzichtet der Travelino, Platz für eine Elf-Kilo-Gasflasche gibt es in einer Seitenklappe. Sie speist den Zweiflammkocher und die Truma Combi 4 mit Boiler. Die Induktionsladeschale für das kabellose Laden von Smartphones passt gut zur "Fingerübung", wie Adamietzki den Travelino nennt.

Der nächste Wagen nach Travelino-Prinzip wird der Nachfolger des Knaus Deseo. Ende 2017 debütiert dann der Südwind. Hier stellt Knaus Grundrisse in Aussicht, die statt zwei Tonnen nur noch 1500 Kilogramm wiegen.

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Sophia Pfisterer

Datum

29. August 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 8/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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