Test: Mercedes Benz GL 8 Bilder Zoom

Mercedes Benz GL im Zugwagen-Test: Vielseitig mit 3,5 Tonnen Anhängelast

Der Mercedes GL 350 relativiert zumindest Größe und Gewicht durch seine verblüffende Vielseitigkeit. Man könnte Mercedes um die Ohren hauen, dass der GL 350 unzeitgemäß schwer, groß und zu teuer ist.

Doch das wäre ungefähr so, als bezeichnete man ein Schweizer Offiziersmesser als unhandlich. Beides stimmt zwar – aber nur, wenn man den GL mit einem Kompaktwagen vergleicht und das Messer mit einem Skalpell. Fakt ist nämlich auch: Die 2,6 Tonnen schwere GL-Klasse ist dank elektrisch betätigter Klappsessel in Reihe drei ein vollwertiger Siebensitzer, der mit über 700 Kilogramm Zuladung, 630 bis 2.300 Liter Kofferraumvolumen und 3,5 Tonnen Anhängelast den Lastesel ebenso überzeugend gibt wie die sanft gefederte, exzellente Reiselimousine.

Wobei das Ziel zweitrangig ist: Mit Allradantrieb und sechzig Zentimeter Wattiefe darf es ruhig etwas abgelegener sein. Dabei lassen sich sämtliche Talente mit Ausnahme der Sitzplatzzahl und der Anhängelast durch den Zukauf von Sonderausstattung weiter steigern – mit durchschlagender Wirkung auf den Preis: Alleine die Extras dieses Testwagens kosten 49.350 Euro. Das ganze Auto am Ende 123.011 Euro.

Gemessen daran ist der Verbrauch beinahe bescheiden. Durch seine überaus besänftigende Wirkung auf den Fahrer genügen dem GL im Alltag zwischen zehn und 11,5 Liter Diesel. Die Gelassenheit von 620 Newtonmeter Drehmoment ab 1.600 Umdrehungen kommen dem GL 350 Bluetec auch als Zugwagen zugute. Der nach Euro 6 saubere Dreiliter-V6 wuchtet den zwei Tonnen schweren Knaus-Testtrailer fast unbeeindruckt durch die Gegend. Auf der selektiven Gespann-Teststrecke flossen pro 100 Kilometer 14,6 Liter aus dem Tank. Das Automatikgetriebe findet immer den richtigen von sieben Gängen – allerdings lässt es sich manchmal einen Wimpernschlag länger Zeit, als man auf den Gangwechsel warten möchte. Und: Beim Wiederbeschleunigen aus sehr niedriger Geschwindigkeit bleibt oft der zweite Gang drin, wodurch der GL etwas träge vom Fleck kommt. Doch für Perfektionisten gibt es ja noch die Schaltpaddel hinter dem Lenkrad. Das Luftfeder-Fahrwerk hat erwartungsgemäß nicht die geringsten Probleme mit dem Anhänger. Der lange Radstand sorgt für stoischen Geradeauslauf, das hohe Fahrzeuggewicht für unerschütterlichen Komfort. Besser geht es wohl kaum.

Mit 1.084 Euro ist die Anhängevorrichtung eines der günstigeren Extras für den GL. Sie ist allerdings erst einsatzbereit, wenn die meist schmutzige Abdeckkappe vom Stoßfänger genommen wurde. Der in der Heckklappe perfekt erreichbare Entsicherungsknopf lässt den Aluhaken unter der Stoßstange hervorpendeln. In die Endpositionen rastet er erst mit ein wenig Fuß- oder Handhilfe ein – irre: im Mercedes GL 350 Bluetec fällt es tatsächlich auf, wenn man noch etwas selbst machen muss.

Daten & Messwerte

Motor/Antrieb: V6-Zylinder-Turbodiesel, 2.987 cm³; 190 kW/258 PS, max. Drehm. 620 Nm von 1.600–2.400/min. Siebengang-Automatikgetriebe, permanenter Allradantrieb. Abgasnorm: EU 6.

Fahrleistungen solo
Beschleunigung 0–100 km/h8,3 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h

Verbrauch (Diesel)L/100 km
im Test solo/Gespann11,0/14,6
Norm Stadt/Land/komb.8,1/6,9/7,4

Max. Caravan-Gewicht für 100 km/h: 2.455 kg

Maße/Gewichte: L/B/H: 5.120/1.934/1.850 mm. Leergew./zul. Gesamtgewicht: 2.601/3.350 kg; Zuladung abgezog. Stützlast (100 von 140 kg): 649 kg; Anhängelast 12 %: 3.500 kg. Zuggewicht max. 6.850 kg. Testgewicht Zugw./Caravan: 2.600/2.000 kg. Kofferraumvolumen: 630–2.300 L.

Grundpreis: 73.661 Euro, Anhängekupplung: 1.082,90 Euro, Lederausstattung: ab 2.500 Euro; Intelligent-Light-System: 1.846,40 Euro, 360-Grad-Kamera mit Navi und Spiegelpaket: 6.140,40 Euro.

Antrieb
+ Kräftiger Diesel. Gute Getriebeabstufung. Verhältnismäßig sparsam.
- Automatik im Gespann etwas behäbig.

Fahrverhalten
+ Höchste Fahrstabilität, hoher Gespannkomfort.

Gewichte
+ Hohe Zuladung, Anhänge- und Stützlast. Identische Zuladung im Hängerbetrieb.
- Enormes Leergewicht.

Innenraum
+ Sehr viel Platz auf allen Sitzplätzen, sehr großer Kofferraum, gutes, variables und komfortables Sitzkonzept.

Anhängekupplung

+ Entriegelung perfekt erreichbar, integrierte Steckdose. Dauerplus.
- Abdeckung muss manuell entfernt werden. Keine vollelektrische Version

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Ingo Wagner, Werk (2)

Datum

24. Juni 2014
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