Knapp 40 000 KILOMETER hat der Mitsubishi Pajero jetzt auf der Uhr 10 Bilder Zoom

Mitsubishi Pajero im Zugwagen-Test: Dauertest-Zwischenfazit nach 40.000 km

Der Mitsubishi Pajero ist das, was man gemeinhin einen echten Kumpel nennt. Klar ist er derb, etwas laut und ungehobelt – und trinkt oft einen über den Durst. Aber: Man kann sich auf ihn verlassen.

Der Mitsubishi Pajero: Wann immer du ihn brauchst, bringt er dich durch dick und dünn. Dabei ist ihm wurscht, ob es solo über die Bahn gehen muss, langsam über kroatische Schotterpisten oder ob man ihm Lasten aufs Dach packt, an die Anhängekupplung schnallt oder in den Kofferraum stopft. Nur so richtig eilig sollte man es nicht haben. Doch dazu später mehr.

Der Mitsubishi Pajero ist, obwohl er bereits seit 16 Jahren auf einen Leiterrahmen und die hintere Starrachse verzichtet, auf durchaus sympathische Weise aus der Zeit gefallen. Der 3,2-Liter-Vierzylinder, im Prinzip seit dem Jahr 2000 erhältlich, will von Downsizing ebenso wenig wissen wie die alternativlose Fünfgang-Automatik von Wandlerüberbrückung und Segelfunktion, der Bordcomputer von einem hochauflösenden Display oder der Serien-DAB-Naviceiver von übersichtlicher Menüführung und fehlerfreier Kooperation mit einem iPhone/iPod. Und den Fahrkomfort beeinflussen Reifendruck und Beladung stärker als die Fahrbahnbeschaffenheit. Immerhin lassen sich die zwölf Rockford-Lautsprecher mit 860 Watt (Serie bei der Ausstattungsvariante Top) nicht lumpen – sie legen einen dicken, fetten Klangteppich über die Geräuschkulisse aus dem Maschinenraum.

Rund 6.000 von 29.550 Dienst-Kilometern (Teststart bei Kilometerstand 10.407) hat der Pajero mit Anhänger absolviert. Die Bandbreite reicht vom leichten Kartsport-Trailer über den Dauertest-Hobby mit 1,7 Tonnen zulässiger Gesamtmasse, Transportanhänger für E-Auto-Tests und Oldtimerbis hin zum 2,1-Tonnen-Tandemachs-Caravan.
Freilich schlägt sich das Anhängergewicht in der Fahrdynamik nieder, doch beim Verbrauch spielt es eine kleinere Rolle, als man vermuten würde. Außer mit dem leichten, kleinen Motorsport-Trailer spült sich der Direkteinspritzer mindestens 14 Liter pro 100 Kilometer in die Brennräume, 16 sind die eher die Regel, knapp 20 auf bergigem Geläuf durchaus drin. Mitverantwortlich ist dafür neben der Leistungscharakteristik – maximal 441 Newtonmeter Drehmoment, ein Wert, den heute sogar Zweiliter-Diesel toppen, liegen erst bei 2.000 Touren an – das Automatikgetriebe. Als wäre es stufenlos, hält es 3,2-Liter im Bereich zwischen 2.500 und 3.200 Umdrehungen pro Minute. So zieht der Pajero zwar gleichmäßig und kraftvoll, doch effizient ist diese Art der Kraftübertragung mit viel Wandlerschlupf nicht. Dafür, zumindest liegt diese Vermutung nahe, ist es enorm belastbar. Gut zu wissen bei einem Auto, das maximal 3,5 Tonnen ziehen darf und im Gelände mehr kann als viele SUVs. Übrigens lässt sich der Verbrauch auch solo schwer unter zwölf Liter bringen. Hurtige Autobahnreisen, wenn es sein muss mit bis zu 180 km/h, lassen ihn geradezu explodieren. Wohl fühlt sich der Japan-Klassiker bis 140 km/h, darüber beginnt es irgendwo am hinteren Dachbereich zu pfeifen, dazu vibrieren Außenspiegel und Scheibenwischer.

Egal ob mit Caravan durch Europa oder mit dem Rennsport-Nachwuchs auf die Piste: Der Pajero ist ein zuverlässiges Arbeitstier, das zur Belohnung mit rauen Mengen Diesel gefüttert werden will.

Das Allradsystem definiert Mitsubishi als "permanent", der Vorderachsantrieb lässt sich jedoch abschalten. Bei eingelegtem Allradantrieb ist der Pajero weder lauter, noch rollt er widerspenstiger um enge Kurven. Selbst mit Hinterradantrieb, in dem der Dauertestwagen meistens gefahren wurde, hat der Pajero keinerlei Traktionsprobleme auf festen Böden. Beim recht späten Wechsel von Winter- auf Sommerreifen (wegen eines Lieferengpasses erst Ende Mai) zeigten die Hinterräder allerdings hohen Verschleiß in der Laufflächenmitte. Der wahrscheinliche Grund dafür: Bei Anhängerbetrieb empfiehlt Mitsubishi die deutliche Erhöhung des Luftdrucks hinten von 2,4/2,8 bar (leer/beladen) auf 3,5 bar. Da aber kein Caravan die maximale Stützlast von 140 Kilogramm erreicht und im Testbetrieb selten das zulässige Gesamtgewicht von 3.030 Kilogramm ausgereizt wird, presst es die stark aufgepumpten Hinterreifen nicht mit ihrer vollen Breite auf die Fahrbahn.

Luft abgelassen wurde jedoch immer schnell, da der Federungskomfort ungebührlich stark unter dem Maximaldruck leidet. Wir Caravaner haben es meist bei 3,0 bar belassen, ohne dafür spürbare Einbußen bei der Fahrsicherheit hinnehmen zu müssen. Dass der Pajero bei einem länger zurückliegenden Vergleich mit dem Audi Q7 messbar weniger resistent gegen den zum Pendeln angeregten Testanhänger war, wirkt sich in der Praxis nicht aus. Das über 2,4 Tonnen schwere Auto hält einen Caravan auch bei heftiger Bora sauber auf Kurs. Trotzdem: Eine Gespannstabilisierung via ESP darf man auch bei einem älteren Fahrzeugkonzept erwarten – vor allem, wenn mit den Zugqualitäten offensiv geworben wird.

Ansonsten vermerkt das Fahrtenbuch bislang nur konzeptbedingte Schwächen: Zu ihnen gehört die seitlich aufschwingende Hecktür, die keinen Wetterschutz bietet und bei angekuppeltem Hänger nur bis zum Stützrad öffnet. Außerdem begann der Türanschlag aufgrund der dort unvermeidlichen Schmutzansammlung zu knacken, funktioniert allerdings noch einwandfrei. Dass die Xenon-Scheinwerfer zu tief stehen und dadurch nicht weit genug leuchten, wird beim zweiten Service in rund 10.000 Kilometern – der erste war bei Kilometerstand 21.000 fällig – überprüft werden. Darüber hinaus verbrauchte der Dauerläufer bislang 0,5 Liter Öl, mechanisch ist alles absolut unauffällig. Auch das Interieur zeigt sich robust, nur das Hartplastik seitlich im Laderaum ist anfällig für Kratzer, und die Sitzfläche des Fahrersitzes ist bereits stärker gedehnt als die der seltener besetzten restlichen Sitze.

Im Fond sitzen Erwachsene angenehm hoch und trotz Panorama-Glasdach mit üppiger Kopffreiheit. Nur Seitenhalt darf man von den glatten Sitzen nicht erwarten. Der Laderaum, in dessen Boden beim Fünftürer generell eine Notsitzbank verborgen ist, schluckt aufgrund seiner Höhe enorme Gepäckmengen. Bei der Zuladung indes bleibt der Pajero hinter den Erwartungen an ein so großes Auto zurück: Mit 100 Kilogramm Stützlast bleiben nur 515 Kilogramm übrig. Insgesamt muss der Mitsubishi 100.000 Kilometer abspulen.

Die Ausstattungslinie Top bringt mit Holz, Leder und Soundsystem ein wenig Luxus ins Spiel – doch der Pajero ist und bleibt ein Raubein.

Testwertung des Mitsubishi Pajero als Zugwagen

Motor, Getriebe und Verbrauch
(+) Kraftvoller Dieselmotor. Niedriger Ölverbrauch. Sehr belastbares Wandler-Automatikgetriebe mit Untersetzungsgetriebe. Manuelle Schaltgasse. Keine Störungen auf 40.000 Kilometern.
(-) Sehr hoher Solo- und Gespannverbrauch. Getriebe schaltet bergab nicht automatisch zurück.

Fahrverhalten und -komfort
(+) Bei bisherigen Anhängereinsätzen hohe Fahrstabilität, mit reduziertem Luftdruck (3,0 bar) ordentlicher Federungskomfort. Auch mit Allradantrieb (Kraftverteilung: 33 Prozent vorn, 76 Prozent hinten) kein Brummen, Vibrieren und Verspannen. Beste Traktion in jeder Situation – bei Trockenheit sogar im Hinterradantriebs-Modus.
(-) Bei empfohlenem Gespann-Luftdruck (3,5 bar hinten) hartes Abrollen und Federn

Kofferraum und Sitze
(+) Großer und leicht erweiterbarer Laderaum. Viel Platz auf allen Sitzplätzen.
(-) Kofferraumverkleidung kratzempfindlich, Abdeckung der Sitzbankmulde und Teppiche etwas dünn. Wenig Seitenhalt auf rutschigen Ledersitzen.

Anhängevorrichtung und -Elektrik
(+) Dauerplusschaltung vorhanden, leicht erreichbare Steckdose, problemlose Steckmechanik der abnehmbaren Anhängevorrichtung.
(-) Spürbares, aber folgenloses Spiel des im Anhängebock eingeklinkten Kugelhalses.

Gewichte und Zuladung
(+) Enorme Anhängelast, hohe maximale Stützlast. Durch hohes Eigengewicht Tempo-100-Zulassung selbst mit schweren Tandemachsern möglich.
(-) Sehr hohes Leergewicht, für Siebensitzer nicht gerade üppige Zuladung. Keine Gewichtserhöhungen im Anhängerbetrieb.

Elektronik und Assistenzsysteme
(+) Tempomat, Rückfahrkamera und Xenon-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent serienmäßig.
(-) Reserverad verdeckt Kamera-Blick auf Kugelkopf. Kein Abstandstempomat. Keine Gespannstabilisierung. Insgesamt wenige moderne Assistenzsysteme. Kein Rangierassistent.


Egal ob mit Caravan durch Europa oder mit dem Rennsport-Nachwuchs auf die Piste: Der Pajero ist ein zuverlässiges Arbeitstier, das zur Belohnung mit rauen Mengen Diesel gefüttert werden will.
Daten und Fakten zum Mitsubishi Pajero
  • Motor: 3,2 DI-D, 140 kW (190 PS)
  • Antrieb: Zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzung, 5-Gang-Wandlerautomatik.
  • Testwagengrund-/-endpreis: 35.990/48.790 Euro
  • Anhängelast Baureihe: 3.300 bis 3.500 kg

Technische Daten

Motor/Antrieb: Vierzylinder-Turbodiesel, 3200 cm3, max. Drehmoment 441 Nm ab 2000/min. Abgasnorm: Euro 6.

Fahrleistungen solo

  • Beschleunigung 0–100 km/h: 12,6 s    
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 180 km/h
  • Verbrauch (Diesel): Liter/100 km
  • im Test solo/Gespann: 12,1/14,1
  • Norm Stadt/Land/komb.: 10,5/8,6/9,3

Maße/Gewichte:

  • Länge/Breite/Höhe: 4.900/1.875/1.890 mm
  • Leergewicht/zul. Gesamtgewicht: 2.416/3.030 kg
  • Zuladung abgezogen Stützlast (100 von 140 kg): 514 kg
  • Anhängelast 12 %: 3500 kg
  • Testgewicht Zugwagen/Caravan: wechselnd
  • Kofferraumvolumen: 215/663/1.739 Liter. 

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Albig, Hass, Seufert, Wagner

Datum

15. November 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 11/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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