Supertest: Fendt Bianco 31 Bilder Zoom

Neuer Fendt Bianco 515 SG im Test: Was will man mehr?

Der Fendt Bianco 515 SG könnte durch konsequente Weiterentwicklung Maßstäbe in der Mittelklasse setzen. Der baureihenübergreifende Einzelbetten-Grundriss ist neu für die Saison 2014. Ein weiteres Highlight ist das Performance-Paket mit viel Technik für vernünftiges Geld.

Geduld zahlt sich oft aus. Modellpolitik ist dann geduldig, wenn sie auf behutsamer, aber stetiger Modellpflege statt auf hektischen Modellwechseln basiert. Fendt setzt seit Jahren auf dieses Prinzip und ist damit sehr erfolgreich: schlicht deshalb, weil sich Kunden ausgereifter Caravans erfreuen dürfen und und nicht schon nach einer Saison ein offensichtlich älteres Fahrzeug besitzen.

Diese Philosophie gilt auch für die Bianco-Modelle, die zur neuen Saison vor allem im Innenraum Verbesserungen an etlichen Details aufweisen. Grundsätzlich ändert sich nichts am Image der sportlichen Baureihe, die zusammen mit dem eng verwandten Tendenza ein Stück aus der Reihe der klassischen, auf Gediegenheit ausgerichteten Fendt-Caravane tanzt. Der Bianco hat sich mit eher kompakten Längen den Ruf des Reisewagens im Fendt-Sortiment erworben. Bisher war bei einer Aufbaulänge von 5,50 Meter Schluss.

Rund einen halben Meter länger ist der neue Fendt Bianco 515 SG. Er richtet sich mit seinen Einzelbetten im Bug an Paare. Im Heck wartet er mit einer Rundsitzgruppe auf, der Raum dazwischen steht Küche, Bad und Kleiderschrank zu.

Highlight des Fendt Bianco 515 SG: Der Grundriss

Der Grundriss, den es auch in allen anderen Baureihen mit Ausnahme des Brillant gibt, beherbergt ein Schlafzimmer mit zwei komfortablen Einzelbetten mit dicker Federkernmatratze und einstellbarem Lattenrost. Mittels optionalem Rollrost lassen sich die Einzelbetten zu einer großen Liegefläche verbinden. Mit den verstellbaren Kopfstützen treibt Fendt die Bettenflexibilität auf die Spitze und erlaubt relaxte Lesepositionen. Neu ist auch das Regal zwischen den Betten, das mehrere Ablagen, Lichtschalter und die verborgenen, aber dennoch bestens platzierten Steckdosen unterbringt. Detail am Rande: Fendt führt Warmluft hinter die seitlichen Wandverkleidungen, was unangenehme Kühle durch Kondenswasser unterbinden soll.

Im linken Bettkasten ist die Truma-Therme mit neuen Kunststoffbegrenzern vor vagabundierendem Gepäck geschützt, gleich daneben, an den langen Heizungsrohren, fehlt eine wirksame Schutzvorrichtung. Wirklich ankreiden kann man dem neuen 515er-Schlafzimmer aber nur, dass die Liegeflächen keine zwei Meter lang sind.

Die Sitzgruppe als dritte Schlafgelegenheit

Auch das schnell gebaute Sitzgruppen-Bett ist wegen der eher kompakten Maße nur unterdurchschnittlich breit. Unberührt davon die Qualitäten als Wohneinrichtung: Die Sitzqualität ist aufgrund der straffen Polster prima, die Beinfreiheit dank der Einbeinstütze am Tisch sogar optimal. Als willkommene Ablage dienen sich zwei Eckregale mit jeweils zwei Fächern an.

Sanitärraum und Küche im neuen Fendt Bianco: Raumwunder

Ein kleines Raumwunder ist die Küche, die trotz sparsamer Abmessungen einen geräumigen Slim-Tower-Kühlschrank und einen großflammigen Kocher unterbringt. Nur: Ein elektrischer Zünder an den Brennern sollte in der Klasse eigentlich selbstverständlich sein. Stauraum für Küchenutensilien und den Proviant ist in den Hängeschränken, den breiten Schubladen mit Selbsteinzug und dem praktischen, halbhohen Apothekerschrank viel vorhanden. Offene Ablagen oder kleine Regale für den schnellen Zugriff fehlen allerdings. Auch die Arbeitsfläche ist begrenzt und so geschnitten, dass sie direkt und ohne Tropfschutz über der Sitzgruppe endet.

Der Sanitärraum ist so kompakt, dass man die komplette Einrichtung von einem Standpunkt aus bequem erreicht. Als da wären: das modernste Klo von Thetford, die Banktoilette C500; ein Waschtisch mit ovalem Becken und geräumigem Unterschrank sowie ein Hängeschrank mit Schiebetür aus Spiegelglas. Die trotz Reisewagen-Anspruchs nur als Option erhältliche Dusche kann man sich mangels Bewegungsfreiheit eigentlich sparen. Stabil ist die massive Tür mit Fallenschloss. Allerdings ragen Teile der wuchtigen Scharniere unglücklich in den Waschraum.

Einrichtung und Ausstattung

Zwei große Klarglasdachhauben und viele Fenster erhellen die gemütliche und geschmackvolle Einrichtung, bei der Stoffe, Möbeloberflächen und Beschläge stilsicher kombiniert wurden. Verarbeitung und Stabilität des Mobiliars sind tadellos. Wohl auch, weil Fendt nicht an Möbelverbindern und Schrauben spart, wie beim Blick in geöffnete Schränken und Klappen nicht gerade hübsch offenbar wird.

Annähernd perfekt ist die komplett in LED-Technik ausgeführte Beleuchtung im Fendt Bianco 515 SG. Hier kann man nach Herzenslust helle Deckenleuchten, bewegliche Lesespots, Lichtleisten und Ambiente-Lampen kombinieren. Für jede Stimmung und für jeden Bedarf ist etwas dabei. Lediglich im großen Kleiderschrank würde eine kleine Lampe für mehr Übersicht sorgen.

Im Außenbereich sind die Veränderungen zur neuen Saison marginal: etwas Chrom an den Zierleisten, ein wenig Tönung für die Fenster, ein paar zusätzliche Streifen und ein verstärkter Türrahmen, fertig ist der neue Look.

Nach wie vor folgt der Bianco der Fendt-Linie und ist auf den ersten Blick als vollwertiges Familienmitglied erkennbar. Leider steckt die Firmenphilosophie auch im Aufbau des Bianco. Hammerschlag- Alu, Styropordämmung und Holzlattengerüst gehören nicht zu den modernsten Errungenschaften. Ein Lob verdient die massive Eingangstür, die neben dem Mülleimer und der Ablage ein großes Fenster hat, das sich öffnen lässt. Der Deichselkasten ist geräumig und robust.

Sonderausstattung: Performance-Paket

Der Testwagen ist satt mit einer Menge Sonderausstattungen bestückt. Vor allem das Performance-Paket enthält sinnvolle Dinge für den aktiven Reisecaravaner zu einem attraktiven Preis. Zum Beispiel den neuen Truma Mover XT samt Stromversorgung, die Kassettenmarkise von Omnistor und die umfangreiche Multimedia-Ausstattung. Gut auch, dass das Paket die für das angesammelte Mehrgewicht notwendige Auflastung von 1500 auf 1700 Kilo gleich mitliefert. Dadurch bleibt die Gewichtsbilanz des 515 SG im grünen Bereich.

Mit einem Testwagengewicht von über eineinhalb Tonnen gehört der Fendt Bianco zu den schwereren Caravans seiner Klasse. Und auch die Gewichtsverteilung ist nicht ideal. Dennoch lässt sich der übersichtliche, gutmütige Anhänger im Normalbetrieb problemlos bewegen. Sollte er sich in einer Grenzsituation dennoch störrisch verhalten, bringen ihn der serienmäßige Schlingerdämpfer und das ATC aus dem Performance-Paket schnell wieder zur Vernunft.

Auf der nächsten Seite gibt es einen Baureihen-Überblick, die ausführliche CARAVANING Testwertung und ein Interview mit einem Vertreter des Herstellers Fendt.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Ingolf Pompe

Datum

18. Oktober 2013
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