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Sechs Außenspiegel im Vergleich: Wer hat den besten Spiegel?

Ein guter Spiegel steigert die Sicherheit bei der Fahrt mit dem Gespann - sechs Spiegel im Praxistest.

Der Sachverhalt ist eindeutig: Der Paragraph 56 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) gibt klar genug zu verstehen: „Kraftfahrzeuge müssen Spiegel haben, die so beschaffen und angebracht sind, dass der Fahrzeugführer nach rückwärts und seitwärts – auch beim Mitführen von Anhängern – alle für ihn wesentlichen Verkehrsvorgänge beobachten kann.“

Damit erfordern alle Gespanne Caravanspiegel. Es sei denn, die Wohnanhänger sind schmaler als das Zugfahrzeug oder so niedrig wie ein Klappcaravan, der sogar die Sicht durch den Innenspiegel nach hinten nicht verstellt.

Preise und Bauarten der Caravan-Spiegel

So weit herrscht schönste Einigkeit. Doch dann fangen die Differenzen bei der Wahl des richtigen Zusatzspiegels erst so richtig an. Da spielen nicht nur die Preise eine Rolle, die bei unseren sechs Test­kandidaten nach einer Internetrecherche immerhin von 40 bis muntere 106 Euro reichen, sondern auch die verschiedenen Bauarten.

Es gibt Spiegel, die auf den Kotflügel aufgesteckt werden, aber auch solche, die am Spiegelgehäuse des Fahrzeugs befestigt werden. Da müssen wiederum solche Kandidaten unterschieden werden, die universell bei fast allen Autos eingesetzt werden können, und die Speziallösun­gen für nur ein Modell.

Klarer Heimvorteil für die Genera­listen: Sie können bei einem Fahrzeugwechsel wei­ter­benutzt werden. Bei den Spezialisten lassen sich dagegen nur Teile weiterverwenden, etwa die Spiegel.

Die Verarbeitung und der Preis können bereits im Laden studiert werden. Auch die benötigte Länge des Trägerarms: Sie sollte so gewählt werden, dass sich im Idealfall der Innenrand des Spiegels mindestens auf Höhe der Caravanflanke befindet. Dieses Kriterium erfüllten alle Kandidaten im Test.

Planglas oder Weitwinkel?

Andere Entscheidungen sind nicht so einfach, etwa die Wahl von Planglas oder Spiegeln mit Weitwinkeleffekt. Flache Gläser geben den Abstand und die Größenverhältnisse des nachfolgenden Verkehrs realistisch wieder. Die weitwinkligen Kollegen verzerren hingegen. Fahrzeuge erscheinen weiter entfernt, als sie es in Wirklichkeit sind. Dafür ist das Sichtfeld nach hinten deutlich größer. Und dieser Sicherheitsaspekt gibt letztlich den Ausschlag. Die meisten Autohersteller verwenden auch maßvoll gewölbte Rückspiegel, zumindest auf der Fahrerseite, und teilweise sogar mit echten Weitwinkelzonen. Flache Gläser machen eventuell auf der Beifahrerseite Sinn, da so der Abstand beim Wiedereinscheren besser eingeschätzt werden kann.

Die Größe ist nicht entscheidend

Die Größe des Spiegels ist für den Umfang des Sichtfelds nicht so entscheidend, wie man vermuten kön­nte, wichtiger scheint der Grad der Weitwinkligkeit zu sein. So bietet das vom Maß her riesige Glas des Hagus Sekundo 3 nicht unbedingt einen Vorteil gegenüber den zierlichsten im Test von Repusel, die den besten Überblick über die angrenzende Fahrspur bieten. Doch zeigt sich erst auf der Straße, was Caravanspiegel wirklich taugen.

So testet CARAVANING Spiegel

Dazu haben wir auf einem freien Gelände Gassen gebaut, die den gängigen Fahrbahnbreiten auf deutschen Autobahnen entsprechen: rechts 3,75, links 3,50 Meter. Ein Helfer verschiebt Pylonen so weit, bis sie ins Sichtfeld kommen, beziehungsweise wieder daraus verschwinden. Die Unterschie­de sind gewaltig, wobei Oppi und Repusel am besten abschneiden.

Problem: Vibrationsfreier Sitz

Allerdings ist das Sichtfeld nicht das einzige Kriterium für einen guten Spiegel. Mindes­tens genauso wichtig ist der möglichst vibrationsfreie Sitz, da nur dann der rückwärtige Verkehr gut erkannt und diese Informationsquelle auch häufig und gerne genutzt wird. Und da gibt es eine eindeutige Daumenregel: Je mehr Gummi in der Halterung, desto schlech­ter. Klare Favoriten auf einer miesen, welligen Asphaltdecke sind die fahrzeugspezifischen Caravanspiegel von Emuk und Oppi (in dieser Reihenfolge). Sie schwingen nur auf und ab, werden aber noch getoppt von dem einzigen Träger für den Kotflü­gel. Der Hagus Sekundo 3 ist zwar ein Monster, aber auch relativ preiswert und universell verwendbar.

Der filigranste Caravanspiegel im Test, der Emuk Universa III, besticht durch gute Verarbeitung und geringen konstruktiven Aufwand. Er lässt sich universell verwenden, hält allerdings nur auf Spiegelgehäusen mit nicht lackierten Rahmen wirklich gut. Auch er vibriert nur auf und ab, allerdings deutlich stärker als die fahrzeugspezifischen Halterun­gen. Es ist kein Zufall, dass die Universalisten für das Spiegel­gehäuse bei den Vibrationen vergleichsweise schlecht abschneiden: Die Konstruktionen sind durch die Verwendung von reichlich Gummi und Kunststoff einfach zu elastisch. Die Spiegel schwingen nicht nur auf und ab, sondern auch vor und zurück.

Das gilt ins­besondere für den Huckepack 3, der andererseits jedoch durch geringes Gewicht und den niedrigsten Preis im Test gefällt. Repusel hat das Problem wohl erkannt. Einerseits wirkt der Caravanspiegel supersolide. So sind etwa alle Berührungspunkte mit dem Originallack sorgfältig durch Gummimanschetten geschützt. Ein kleiner Saugnapf hält den Kunststoff-Spannriemen auf Position. Und der Spiegelarm der immerhin 106 Euro teu­ren Konstruktion kann zur Diebstahl-Prävention mit einer Rän­delschraube einfach ge­löst wer­den, ohne die Basishalterung zu demontieren.

Andererseits hebt aber selbst ein zusätzlich mit Saugnapf auf der Fahrertür befes­tigter Stützarm den Repusel im Vibrationsverhalten nicht auf das Niveau der fahrzeugspezifischen Lösungen beziehungsweise des Kotflügelhalters von Hagus.

Grundsätzlich aber gilt: Wer häufig den Zugwagen wechselt, wählt vielleicht eher einen Universalisten und nimmt dafür Kompromisse in Kauf. Und selbst der billigste Caravanspiegel im Test, der Huckepack 3, ist auf Dauer immer noch preiswer­ter als ein Knöllchen, das mit 15 Euro zu Buche schlägt; vorausgesetzt, es ist eine reine Ordnungswidrigkeit und das Fehlen des Caravanspiegels nicht die Ursache für einen Unfall. Dann könnte beispielsweise auch die Versicherung ein Eigenverschulden erkennen und den Gespannfahrer nachträglich zur Kasse bitten, da er nachweislich nicht „für ihn wesentliche Verkehrsvorgänge“ beobachtet hat.

Autor

Foto

Foto: Konstantin Tschovikov / Volker Hammermeister

Datum

1. Juni 2008
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