Fendt Bianco Activ mit Zugwagen 26 Bilder Zoom

Fendt Bianco Activ im Test: Erhöhte Einzelbetten mit Durchlade im Heck

Die neue Baureihe Fendt Bianco Activ ist mit ihren großen Stauräumen auf aktive Reisecaravaner zugeschnitten. Das längste Modell 515 SGE trägt darum erhöhte Einzelbetten mit Durchlade im Heck.

Stauraum brauchen aktive Caravaner am nötigsten, sagt Fendt, und konzipiert um diese Maßgabe herum eine eigene Baureihe. In der Hauptsache schaffen ihn erhöhte Betten, bei den beiden Einzelbettwagen 465 und 515 SGE sogar mit Durchlademöglichkeit. Aber auch der flächendeckende Einsatz der Truma-Heizung Combi 4 mit integriertem Boiler, die weder eine separate Therme noch einen Heizkörper braucht, hilft dabei. Denn so kann Fendt im Modell 515 SGE auf einen wuchtigen Kleiderschrank verzichten, weil kein Einbauraum für den Heizkörper benötigt wird. Ihn ersetzen zwei halbhohe Bodenschränke, die durch herausnehmbare Einlegeböden als Wäsche- und Kleiderschrank fungieren.

Im Unterschied zum in den meisten anderen Baureihen erhältlichen Grundriss 515 SG hat der 515 SGE die Einzelbetten im Heck statt im Bug. Diese Konstellation soll die Stützlast verringern, damit ein etwaiger Deichselfahrradträger ohne Reue beladen werden kann. Mit einem auf den Activ maßgeschneiderten Ausstattungspaket kann Fendt so kurz nach dem Stapellauf der neuen Baureihe noch nicht aufwarten. Dafür trägt der Neuling schon die Insignien aller 2017er- Modelle: schwarzes Dekor, neue Alufelgen und eine ebenfalls neue, breitere Tür.

Wohnen

Vier Zentimeter breiter ist der Ausschnitt der Eingangstür geworden, doch zwei davon kassiert die erstmals bei Fendt erhältliche, aber optionale Mückenschutztür gleich wieder ein. Macht nichts, denn die Vorteile überwiegen. Schließmechanismus, Innengriff und Müllsammler sind solider als bisher.

Auf den ersten Blick fällt auf, wie geräumig der 515 SGE wirkt, was der Sitzgruppe ohne Querbank und dem Verzicht auf einen klassischen Kleiderschrank zuzuschreiben ist. Trotz unterschiedlich langer Bänke passen auf jeder Seite zwei Erwachsene an den langen, stabilen Einbein-Einhängetisch. Die rutschsicheren Polster sind sehr straff gepolstert, die Rückenlehnen allerdings steil und niedrig, was den Sitzkomfort verschlechtert, aber zu einer ebenen Umbauliegefläche führt. Für diesen Zweck liegt dem SGE eine Querlatte mit Klappbeinen bei, auf der sich der Tisch abstützt. Vorn greift die abgesenkte Tischplatte mit zwei Nippeln in Löcher, was ihr enorme Stabilität verleiht.

Auch die praktischen offenen Ablagen unter den Dachstauschränken wirken, als könne man Klimmzüge daran machen. Überhaupt lässt Fendt bei der Möbelkonstruktion wenig anbrennen. Das Interieur zeigt sich bedingungslos solide und astrein verarbeitet, nur in Sachen Beschläge gibt es Luft nach oben. Aufgeklebte Filz-Konfettis verhindern nicht, dass die Oberschrankklappen beim Fallenlassen knallen, die Zuhaltekraft ihrer Kunststoff-Steckverschlüsse ist kaum wahrnehmbar und der Apothekerauszug im Küchenblock schlackert im geöffneten Zustand. Auch stehen Flaschen in seinen beiden niedrigen Drahtkörben nicht sicher. Pushlocks, Scharniere, Küchenauszüge, Bettaufsteller und die neue Badtürklinke genügen dagegen auch hohen Ansprüchen.

Höher als üblich, nämlich 77 Zentimeter, sind die Einzelbetten – da baumeln selbst lange Beine. Unangenehm sind die Liegeflächen aber nicht, Ein- und Ausstieg gelingen ohne Weiteres, auch die Kopffreiheit ist großzügig. Lattenroste mit einstellbarer Federhärte und hochwertige Kaltschaummatratzen sorgen für exzellenten Komfort. Die Liegeflächenlängen sind mit 196 Zentimeter links und 202 Zentimeter rechts etwas besser als Durchschnitt, die Breite von jeweils 80 Zentimeter allenfalls Standard. Der Testwagen ist mit dem optionalen Rollrost ausgestattet, doch das beigelegte Zwischenpolster drei Zentimeter zu flach. Die Lücke zwischen dem linken Bett und der Nasszelle nutzt Fendt für die einzige, jedoch an dieser Stelle untaugliche Garderobe. Stofftaschen hier und eine Kleider-/Trockenstange im Bad wären sinnvoller.

Seine Mittelwaschräume hat Fendt für die Saison 2017 überarbeitet. Das Ziel, mehr Beinfreiheit auf der Toilette zu schaffen und die Unterbringung von Kulturbeuteln zu vereinfachen, wurde mit der sichelförmigen offenen Ablage unterhalb des bestens nutzbaren Waschbeckens voll erreicht. Doch die nackte, nur mit einer Handtuchstange und Möbelverbindern bestückte Wand sowie der freie Blick auf den Siphon schaffen ein nüchternes Ambiente, das auch die voluminösen Oberschränke im Wohnraumdesign nicht vollständig auffangen. Eine Duscheinrichtung hat der Activ trotz 10-Liter-Boiler nicht, was wiederum den 25-Liter-Frischwassertank relativiert.

Die Küche profitiert vom höheren und breiteren der beiden Kleider-/Wäscheschränke, da er einen von zwei Steckdosen versorgten Abstellplatz für Kaffeemaschine & Co. schafft. Bis auf den Gussrost unverändert geht die hochwertige Einheit aus Dreiflammkocher und Spüle ins neue Modelljahr, bei der überkochendes Wasser direkt ins Becken abläuft. Die ausreichend große Arbeitsfläche wird hell und fast lückenlos ausgeleuchtet, die drei samtig laufenden Auszüge tragen jeweils zehn Kilogramm Ballast, sind aber für große Töpfe zu flach. Darum hat Fendt beim mittleren der drei tiefen Oberschränke auf einen Einlegeboden verzichtet.

Ein Nachteil der kompakten Kleiderschränke wird beim Beladen offenbar. Denn dabei verlangen sie eine tiefe Verbeugung, um mit den Bügelhaken die Kleiderstange zu treffen.

Preise

Mit 22.790 Euro Grundpreis liegt der Bianco Activ 515 SGE auf dem Niveau von Wettbewerbern wie dem LMC Musica 520 E (22.990 Euro), dem Tabbert Da Vinci 540 E (22.720 Euro) und dem Eriba Nova GL 530 (23.490 Euro), wartet jedoch schon im Serientrimm mit elektronisch geregelter Combi-Heizung, Alufelgen und 1700-kg-Achse auf. Dinge, die bei den Wettbewerbern Aufpreis kosten oder nicht erhältlich sind. Dafür hält Fendt am Hammerschlag-Alu-Styropor-Sandwich fest, kombiniert es aber mit hochwertigen

Anbauteilen. Der solide Bug wird im LFIVerfahren gefertigt. LMC baut in GfK-, Eriba in Pual-Bauweise. Die Preisliste listet Einzeloptionen, jedoch steht (noch) kein Paket bereit.

Beladen und Fahren

Der Bianco Activ hat ab Werk eine 1700-Kilo-Achse, doch erst die Auflastung auf 1,8 Tonnen führt zu einem angesichts der großen Stauräume sinnvollen und hohen Maximalwert von 300 Kilogramm. Wer Batterie und Mover mitbestellt, sollte unbedingt auflasten – 1,9 Tonnen sind das Maximum.

Dass die Bett- und Sitzgruppenstauräume in großer Entfernung zur Achse liegen, ist fahrdynamisch kritisch zu sehen, weshalb wir zum elektronischen Stabilisierungssystem
ATC raten. Im fahrbereiten Trimm ist der Fendt Bianco Activ 515 SGE ein stabiler Nachläufer mit hoher Stützlast, der dank selbstnachstellender Bremsen weich und vehement verzögert.

Zwei 100 x 50 Zentimeter große Serviceklappen und solide, federunterstützte Scherenaufsteller schaffen Zugang zu den soliden Heckstauräumen. Zwei aus dem Bettkasten schwenkende Schotts bilden zudem eine Durchlade. Während Fendt die Heckgaragen seiner Stockbettwagen mit verschiebbaren Schraubösen ausstattet, muss ausgerechnet der Bianco Activ darauf verzichten. Schade.

Die Sitztruhen vorn sind wegen der straff sitzenden Polster trotz nicht ganz hinten angeschlagener Deckel weniger leicht erreichbar, hinter der Schuhklappe in der Stirnseite der rechten Bank würde man sich eine Tropfschale wünschen. 

Bereits zur Sprache gekommen sind die beiden Kleiderschränke, die den SGE-Grundriss erst ermöglichen, jedoch bei Schrankhöhen und -erreichbarkeit Kompromisse erfordern: Unter dem TV hängen XL-Hemden bis zum Boden.

Technik

Beim Aufbau setzt Fendt im Bianco Active auf gute Verarbeitung statt teure Materialien. Hammerschlag-Alu, Styropordämmung und Holz in Boden und Wänden sind gesetzt. Luxus erlaubt man sich nur bei der piekfeinen LFI-Bugmaske und dem schicken, aber großteiligen Heckleuchtenträger. Penibel entgratete Kederschienen, in die Aluschürzen eingelassene Seitenmarkierungsleuchten, der stabile Deckel vor dem blitzsauberen Gaskasten und der aufgeräumte Unterboden – das alles kann sich mehr als sehen lassen.

Dass Fendt bei der Heiztechnik nun großflächig auf die elektronisch geregelte und optional via App steuerbare, mit integriertem Boiler und Elektro-Heizstäben ausgestattete Truma Combi 4 setzt, ist aus technologischer Sicht ein Fortschritt. Doch dass die Anlage nur auf dem Platz, ans Zugfahrzeug angeschlossen oder mit schwerer Bordbatterie arbeitet, gefällt nicht jedem. Ein besser hinterlüfteter Bug mit jetzt wasserabweisender Oberschrankrückwand soll in Verbindung mit sechs sinnvoll platzierten Ausströmern für mehr Behaglichkeit sorgen. Der Wandkamin der Truma Combi tritt unter dem linken Sitzgruppenfenster aus, das deswegen mit einem Kontaktschalter ausgestattet ist. Sobald es geöffnet wird, schaltet das Aggregat ab

Das LED-Beleuchtungskonzept im Fendt Bianco Active überzeugt mit guter Ausleuchtung und logischen Schalteranordnungen. Insgesamt neun 230-Volt-Steckdosen an idealen Einbauorten machen auch eine USB-Steckdose entbehrlich. Die Verlegung von Warmluft-, Strom- und Wasserleitungen ist tadellos. Nur der serienmäßige 25-Liter-Tank ist, gemessen an der restlichen Bordtechnik, ein Ausfall – speist er den Boiler, ist er schon halb leer. 

Die Schwerlaststützen mit Big-Foot-Tellern (Option) sind vorn perfekt, hinten mit etwas Stocherei erreichbar und verleihen dem Bianco hohe Standfestigkeit. Dank stabiler Griffe kann er sicher rangiert werden. Fensterriegel mit Sicherung und das stabil wirkende Metalltürschloss erhöhen im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Einbruchschutz.

Bewertung des Fendt Bianco Activ

Wohnen
(+) Sehr bequeme Matratzen auf hochwertigen Lattenrosten.
(+) Viel Platz um stabilen Einhängetisch an der Sitzgruppe.
(+) Passables Umbaubett.
(+) Sehr sauber verarbeitetes Mobiliar mit vielen Ablagen und Schränken.
(+) Gut nutzbare Küche mit viel Stauraum und sehr gutem/r Kocher/Spüle.
(-) Falsches (zu flaches) Einzelbett-Zwischenpolster beigelegt.
(-) Sitzgruppen-Rückenlehnen steil und niedrig, reduziert den Komfort.
(-) Wirkungslose Anschlagpuffer und schwache Stiftverschlüsse an den Oberschränken.
(-) Ziemlich nacktes Bad – trotz Holz-Oberschränken.

Preis & Service
(+) Wettbewerbsfähiger und attraktiver Grundpreis.
(+) Serienausstattung praxisgerecht komplett.
(+) Leistungsfähige Heizung, aber zu kleiner Frischwassertank.
(-) Elektronisches Fahrstabilitätssystem Alko ATC nur optional.

Beladen
(+) Sehr große und leicht zugängliche Bettstauräume mit Durchlade.
(+) Insgesamt sehr viel Stauraum in Oberschränken, viele praktische Ablagen.
(+) Hohe Zuladungsreserven, hohe Stützlast (fahrbereit) macht Heckbeladung möglich.
(+) Ausgewogene Radlasten.
(+) Schuhklappe in rechter Sitzbank.
(-) Kleiderschränke nicht bequem erreichbar und relativ klein bzw. niedrig.
(-) Sitztruhen relativ schwer erreichbar.

Fahren
(+) Sehr sicheres Nachlaufverhalten.
(+) Kein Bremsruck spürbar und starke Bremswirkungdurch selbstnachstellende Bremsen.
(+) Stützlastwaage im Stützrad serienmäßig.
(+) Ausführliche Reifen-/Luftdrucktabelle mit Geschwindigkeits-Hinweis im Deichselkasten.
(+) Tragfähige und junge Markenbereifung.
(-) Elektronisches Fahrstabilitätssystem Alko ATC nur optional.
(-) Hauptstauräume weit entfernt von der Achse – vernünftiges Austarieren wichtig.

Technik
(+) Sehr sorgfältig gebauter Aufbau, sehr passgenaue Anbauteile.
(+) Dicker Boden und gut gedämmtes Dach, starke Heizung.
(+) Tadellose Verarbeitung innen und außen.
(-) Konventioneller Wand-, Dach- und Bodenaufbau, Alu-Fiberdach optional.
(-) Nur kleine Teile des Leuchtenträgers separat austauschbar.
(-) Zu kleiner Frischwassertank (25 Liter).

Lichtcheck

angelehnt an DIN EN 12464-1; Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

  1. Das Licht auf der Sitzgruppe ist gleichmäßig und erreicht im Schnitt 139 Lux – die Deckenlampe hängt nicht zentral.
  2. Auch in der Küche entstehen keine dunklen Flecken, doch auch hier fehlen 48 Lux für eine "grüne" Bewertung.
  3. Das Bad mit senkrechten LED-Lichtbändern ist schlicht eins: richtig hell. Prima.
  4. Die Lichtausbeute der indirekten Leuchten und der beiden Lesespots genügt, um sich zu orientieren.
Nachgefragt beim Hersteller

Thomas Kamm, Marketingleiter bei Fendt, nimmt Stellung ...

... zur fehlenden Gepäcksicherung (Fendt-Stockbettgrundrisse haben eine):
Die abgeschlossenen Heckstauräume sind in der Höhe überschaubar und durch den Bettkasten vom Wohnraum abgegrenzt. Bei den Familiengrundrissen handelt es sich um einen offenen und wesentlich höheren Raum in Fahrtrichtung, der ein Sicherungssystem nötig macht.

... zum optisch kargen Waschraum: 
Bei der Konzeption lag der Fokus auf Helligkeit, Raumgewinn und Beinfreiheit. Die offenen Ablagen haben größtmöglichen Staunutzen, daher wurde auf eine Verkleidung des Siphons verzichtet. Nutzen schlägt Optik.

... zur Garderobe und dem Fehlen einer Kleiderstange im Bad: 
Das Modell hat Garderobenhaken innen an der Waschraumtür, eine Handtuchstange an der Toilettenwand, eine Garderobe am Bett sowie zwei Wäsche- bzw. Kleiderschränke. Somit kann der Nutzer frei wählen, wohin er seine Jacken hängen möchte. Eine weitere Garderobenmöglichkeit sehen wir deshalb nicht als dringlich an.

Die Baureihe Fendt Bianco Active im Überblick

Preise: 18.190–22.790 Euro
Aufbaulängen: 4,67–6,16 m
Gesamtgewichte: 1500–1700 kg
Max. Auflastungen: 1800 kg
Grundrisse: 4
Schlafplätze: 2+2 

Vier exklusive Grundrisse vereint Fendt unter der Baureihe Bianco Activ, zwei davon sind bekannt: Der 390 FHE (18.190 Euro) ist der ehemalige Bianco Sportivo, der 495 SFE (21.990 Euro) mit der raumtrennenden Querküche debütierte 2015 als Bianco Celebration. Zu ihnen und dem getesteten 515 SGE gesellt sich 465 SGE (21.490 Euro). Er trägt die erhöhten Einzelbetten im Bug und eine Winkelsitzgruppe samt Kleiderschrank im Heck. Möbel- und Stoffdekore sind identisch zum Bianco Selection (10 Modelle), der drei Kinderzimmer-Grundrisse (515 SKE, 515 SKM und 550 SKM) vom unveränderten Saphir übernimmt. Der Standard-Bianco entfällt.

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Dieter S. Heinz

Datum

20. August 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 8/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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