Mitteldinette beim Fendt Saphir 515 SKM 23 Bilder Zoom

Fendt Saphir im Supertest: Das Familienmodell 515 SKM

Mit einem ganzen Bündel von Änderungen startet der Fendt Saphir in die Saison 2016. Stellvertretend für die günstigste Fendt-Baureihe tritt das Familien-Modell 515 SKM im Supertest an.

Fendt hat einiges getan zum Modelljahr 2016 – besonders viele Neuerungen meldet der Saphir. Es wurden nicht nur neue Dekore, Stoffe und Beschläge eingeführt, sondern der gesamte Möbelbau modifiziert. Selbst die Geometrie der Hängeschrankklappen folgt jetzt der neuen Linie. All diese Änderungen sind jedoch so dezent, dass sich die Unterschiede zum Vorgängermodell erst im direkten Vergleich offenbaren. Gänzlich unsichtbar sind die Modifikationen an Aufbau und Chassis, die übrigens für alle Baureihen gelten. So wurden Deichsellängen und Achslasten überprüft und, wo nötig, angepasst, um ausgewogenere Stützlasten und höhere Zuladungen zu erzielen. Zudem bekommen alle Fendt serienmäßig die selbstnachstellende AAA-Bremse von Alko.

All diese Änderungen betreffen auch den Supertest-Kandidaten Saphir 515 SKM, dessen Grundriss fünf Schlafplätze für eine Familie mit Kindern offeriert. Und das bei einer Breite von 2,32 Meter und einer Aufbaulänge von knapp unter sechs Meter. Die Aufteilung ist klassisch: Zwei Kinder beziehen ein Stockbett im Heck, die Eltern logieren in einem Querdoppelbett im Bug. Die Mitteldinette erhöht bei Bedarf die Zahl der Schlafplätze auf fünf oder sechs. Küche und Bad sind im Gegenzug eher kompakt gehalten.

Wohnen 

Das aufgewertete Innenleben hat glücklicherweise keinen Einfluss auf die hochwertige Fertigungsweise. Der Möbelbau ist passgenau und solide wie eh und je. Auch der Blick hinter die Kulissen offenbart keine konstruktiven Sünden oder Schlampereien. Auch die im Mobiliar versteckten und verlegten Installationen lassen keine Wünsche offen. Trotz der Breite von nur 2,32 Meter kommt kein Gefühl der Enge. Große Fenster und Dachhauben sorgen für licht- und luftdurchflutete Atmosphäre und ein angenehmes Raumgefühl.

Das Elternbett steht quer im Bug und hat eine große, rechteckige Liegefläche. Die 18 Zentimeter dicke Federkernmatratze liegt auf einem einstellbaren Lattenrost. Gemeinsam sorgen sie für außergewöhnlichen Liegekomfort. Neu im Saphir ist der Liftomat, ein Konstrukt aus Gasdruckfeder und Scherenbeschlag, mit dessen Hilfe Rost und Maratze ohne Kraftaufwand aufgestellt werden können und das den störungsfreien Zugriff auf den Bettkasten ermöglicht. Das Ganze geschieht elegant und ohne dass die Matratze an den Wänden streift oder gar daran hängen bleibt.

Nicht so einfach gestaltet sich der Zugang ins Bett, denn der Durchgang zwischen Schrank und Sitzgruppe ist relativ schmal. Im Umfeld des Betts stehen fünf Hängeschränke, offene Fächer, zwei Eckregale und eine Ablage über die ganze Breite zur Verfügung.

Das Heck des 515 SKM beherbergt zwei Stockbetten, die mit einer Breite von 75 Zentimetern und einer Traglast von 75 Kilogramm nicht nur für kleine Kinder geeignet sind. Der Aufstieg über die schräg angestellte und nur oben angeschlagene Leiter ist auch barfuß komfortabel, weil die Stufen sehr breit sind. Steht die Leiter im Weg, lässt sie sich rasch und umkompliziert abnehmen. Das untere Bett kann mit wenigen Handgriffen zu einer Garage umgeklappt werden – Matratze und Bettunterbau passen exakt an den festen Einbauten vorbei. Hier wird deutlich, wie ausgefeilt Fendt konstruiert. Die von zwei Schlössern gesicherte Garagenklappe ist beim 515 SKM serienmäßig. Auch die robusten Profilschienen mit verschiebbaren Einschraubösen, die zur Ladungssicherung dienen, sind Standard.

Das fünfte Bett entsteht aus der rasch umgebauten Mitteldinette, wobei die Liegequalität mit den anderen Nachtlagern naturgemäß nicht mithalten kann. Und auch als Sitzgruppe kommen die beiden knapp einen Meter breiten Bänke schnell an ihre Grenzen. Vier Personen können zwar Platz nehmen, doch im Fußbereich stört der Radkasten. Für eine fünfte Person müsste ein Hocker an der Stirnseite bereitgestellt werden.

An die Dinette schließt sich der kompakte, aber dennoch funktionale Sanitärraum an. Hinter seiner stabilen Tür mit Fallenschloss findet sich ein Waschtisch mit ovalem, gerade ausreichend tiefem Becken, das für die kleine Wäsche vollkommen ausreicht. Die Badeutensilien lassen sich in zahreichen Schränkchen und Ablagen aufräumen. Kritikwürdig ist nur die fummelige Verriegelung der Spiegelschrank-Schiebetür. Die Banktoilette sorgt schon durch ihre breite Bauform für bequemen Sitz. Im 515 SKM hat sie einen eigenen Spülwassertank und ist somit vom 25-Liter-Frischwasservorrat unabhängig. Wenig vertrauenerweckend ist der nach innen nicht abgedichtete Schacht der Toilettenkassette. Im schlimmsten Fall gelangen kleine Mengen Schwarzwasser in den Innenraum.

Auch die Küche ist kompakt, sieht man vom raumhohen Slim-Tower-Kühlschrank ab, der es auf rund 140 Liter Kühl- und 15 Liter Gefrierraumkapazität bringt. Die abdeckbare Kocher-Spülen-Kombi, jetzt endlich mit elektrischem Zünder, kommt auf der 1,20 Meter breiten und 63 Zentimeter tiefen Arbeitsplatte unter. Ein Maß, das auch für die Oberschränke und den Unterschrank gilt. Letzterer gliedert sich in drei Schubladen mit Soft-Einzug und zwei vertikal verlaufende Auszüge. Dadurch, dass die Schubladen nicht über die ganze Breite laufen, verringert sich die Gefahr, diese zu überladen. Das ist durchaus nötig, denn auf allen drei Schubladenböden findet sich ein Aufkleber, der die Zuladung werkseitig auf lediglich 10 Kilo begrenzt. In der Küche eindeutig zu wenig, denkt man an schwere Konserven, Töpfe und Ähnliches. 

(+) Sorgfältig und passgenau verarbeitete Möbel aus hochwertigen Materialien. Robuste und moderne Beschläge.
(+) Kompakte Küche mit viel Stauraum in Hängeschänken, diversen Auszügen und offenen Ablagen. Praktische Kocher-Spülen-Kombi jetzt mit Elektrozünder.
(+) Vier feste Betten und eines zum Umbauen. Teilweise hochwertige Liegeflächen.
(+) Kompaktes und funktionales Bad. Banktoilette mit eigenem Spülwassertank.
(+) Eingangsbereich mit abgesenkter Trittstufe. Tür mit großem Klappfenster.
(-) Sitzgruppe mit lediglich vier Plätzen. Links mit eingeschränktem Fußraum.
(-) Absturzsicherung am Fenster des unteren Stockbetts fehlt.
(-) Bettenzugang teilweise unbequem.

Preise

Der Saphir ist die günstigste Baureihe im Portfolio von Fendt, aber sicher kein Einsteiger-Caravan. Mit einem Grundpreis von knapp 21 000 belegt der 515 SKM im Caravan-Markt eher einen Rang in der Mittelklasse. Dafür spricht auch die gut bestückte Serienausstattung: Truma Therme, Schlingerdämpfer, das große Fenster an der Tür, LED-Lampen und einiges mehr sind im Grundpreis drin. Auch der Auf- und Möbelbau bieten einige Qualitäten, die die Kosten rechtfertigen. Ein Blick auf die Testwagenausstattung beweist, dass die Liste an Extras immer noch eine ansehnliche Länge einnimmt. Im Sound-, Autark-, Rallye- und Lichtpaket gibt es Zubehör in günstigen Zusammenstellungen.

Grundpreis: 20.590 Euro
mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II (170 Euro)
Testwagenpreis29  951 Euro
✘ Auflastung auf 1700 kg (5kg) ✔170 Euro
✘ Alko ATC (4,5 kg)1006 Euro
✘ Alko Big Foot (2kg)92 Euro
✘ Reserverad im Gaskasten (22 kg) ✔ 203 Euro
✘ Truma Mover XT inkl. Power Set light
(38 Ah Batterie plus Ladegerät) (42 kg)3360 Euro
✘ TV-Gelenkhalter mit Kabeln (3,5 kg) ✔185 Euro
✘ Flachbildschirm 22“ (4,2 kg) ✔545 Euro
✘ SAT-Antenne Ten Haaft Cytrac (18 kg) 1990 Euro
✘ Teppichboden lose (9 kg) 258 Euro
✘ Soundsystem (1,5 kg)499 Euro
✘ Fiamma Caravanstore 440 (13 kg) 464 Euro
✘ Deko-Paket Castello (1 kg)87 Euro
✘ Schlafwelt Fendt (2 kg)299 Euro
Kosten und Service
Steuer (1700 kg zGG)67 Euro
Dichtigkeitsgarantie/Kontrolle5 Jahre/24 Monate
Servicestellen in Deutschland/Europa66/221

✘ im Testwagen enthalten; ✔ empfehlenswert 

(+) Serienausstattung für die Mittelklasse gut bestückt. Angemessener Grundpreis.
(+) Liste der Extras sehr ausführlich.
(+) Europa- und deutschlandweit breites und gut verteiltes Händlernetz.
(-) Die Dichtheitsgarantie liegt mit fünf Jahren unter dem Klassendurchschnitt.

Beladen und Fahren

Das Stauraumangebot im Saphir 515 SKM ist nicht nur großzügig, sondern auch sehr variabel. So lässt sich aus dem unteren Stockbett eine Fahrradgarage für zwei mittelgroße Räder bauen. Eine weitere riesige Fläche offenbart sich unter dem klappbaren Querbett im Bug. Auch die beiden Sitztruhen der Dinette schlucken eine Menge Gepäck. Kleinteiliges und Spezielles kommt in den zahlreichen Hängeschränken und im voluminösen Kleiderschrank unter.

 Nicht das fehlende Volumen bringt den 515 SKM an seine Grenzen als Packesel. Es sind die Gewichtsreserven, die fehlen. Trotz der Auflastung des Testwagens auf 1700 kg liegt die Zuladung nach im Minusbereich. Dies liegt auch an der verschwenderischen Ausstattung des Caravans. Knapp 130 Kilo an Extras wurden hier eingebaut. Hier helfen nur Einsparungen an Zubehör und/oder eine weitere Auflastung um 100 oder, besser, 200 kg. Durch die letzte Maßnahme, die bis zu einer Grenze von 2000 Kilogramm möglich ist, steigen allerdings auch die Ansprüche an den Zugwagen. Die fahrdynamisch positive, aber hohe Stützlast von 89 kg stellt kein Problem dar und lässt sich gegebenenfalls leicht ausgleichen.

 Der Anhänger stellt sogar kompakte Zugwagen vor keinerlei Probleme. Er läuft exzellent nach und offenbart kaum Schlingerneigung. Außerdem gehört der Schlingerdämpfer zum Serienumfang. Der 515 SKM rollt auf guten Markenreifen von Semperit, die zum Testzeitpunkt ein halbes Jahr alt waren und eine knappe Überlastreserve haben.

 (+) Hohe Gepäckkapazität vor allem in Sitztruhen, im Bettkasten, in Hängeschränken.

(+) Viele offene Ablagen unter den Hängeschränken und in den Eckregalen im Schlafzimmer.
(+) Sehr viele Staumöglichkeiten im Bade¬zimmer und in der Küche.
(-) Testwagen trotz Auflastung keine Zuladung mehr übrig.
(-) Kleiderschrank ohne Beleuchtung.

Fahren

(+) Ausgewogene Gewichtsverteilung. Stützlast hoch, aber im zulässigen Bereich.

(+) Relativ kompakter und insgesamt übersichtlicher Caravan.
(+) Serienmäßiger Schlingerdämpfer und Stützlastwaage.
(-) Bei entsprechender Auflastung ist ein zugstarker Zugwagen notwendig.
(-) Überlastreserve der Reifen fällt knapp aus.
(-) ATC nur gegen Aufpreis.

Technik 

Die Installationen von Heizung, Wasser und Elektrik im 515 SKM sind größtenteils vorbildlich. So werden Wasserleitungen an frostgefährdeten Stellen stets von Heizungsrohren begleitet. Grundsätzlich sind Rohre, Leitungen und Kabel auch in den Staukästen so sauber verlegt und geschützt, dass vagabundierendes Gepäck keinen Schaden anrichten kann. Die in ausreichender Menge verteilten Steckdosen sind sinnvoll platziert.

Ein kräftiger Umformer (350 Watt) und ein Fi-Schutzschalter sind an der Innenwand des Kleiderschranks sicher platziert. Ebenfalls sicher, aber ein wenig unglücklich, hängt der Flachbildschirm an der vorgesehenen Halterung an der Außenwand des Sanitärraums. Zwar gut sichtbar, aber genau oberhalb der Sitzbank und damit im Kopfbereich. Die Beleuchtung wird durchweg von LED-Lampen besorgt. Wie der Lichtcheck zeigt, sind es allerdings zu wenige, um ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Für Wärme im Caravan ist die zuverlässige Truma S 3004 zuständig, die ihre Leistung über acht gut platzierte Ausströmer und perforierte Heizungsrohre verteilt. Über die in den Heizkreislauf eingeschleifte Truma Therme unterstützt die Heizung auch noch die Warmwasserbereitung.

Der Aufbau des Saphir gleicht dem der höherklassigen Baureihen. Fendt setzt hier wie dort auf das bewährte Sandwich aus Hammerschlag-Alu, Styropor und Holz. Sehr modern ist dagegen die stabile, kratzfeste und doppelschalige Bugmaske, die im aufwendigen LFI-Verfahren gefertigt wird, und der geräumige Deichselkasten mit Blechboden. Handlich und stabil sind die Rangiergriffe. Die Seitenmarkierungsleuchten sitzen nun in den Schürzen statt in den Wänden – gut für Dämmung und Dichtigkeit.

(+) Sehr sauber und stabil gefertigter Aufbau.
(+) Technische Installationen einwandfrei und in den Staukästen geschützt verlegt.
(+) Der Caravangröße angepasste Heizung. Genügend Ausströmer, Wasserleitungen entlang der Warmluftrohre verlegt.
(+) Beleuchtung komplett in LED-Technik.
(-) Wände nicht holzfrei
(-) Eingeschränkte Helligkeit aufgrund recht weniger LED-Lampen

Der Fendt Saphir im Überblick

Schlafplätze: 4+1 

Zul. Gesamtgewicht: 1700 kg 

Länge/Breite/Höhe: 6,16/2,32/2,63 m 

Preise: 18 990–27 490 Euro
Aufbaulängen: 5,42–7,68 m
Gesamtgewichte: 1500–2000 kg
Max. Auflastungen: 1700–2500 kg
Grundrisse: 15

Charakter: Die günstigste Möglichkeit, einen Fendt-Caravan zu fahren, heißt seit Jahren schon Saphir. Mit momentan 15 Modellen ist es auch die umfangreichste Baureihe des Mertinger Unternehmens. Zehn Grundrisse haben eine Breite von 2,30 Meter, fünf bringen es auf das Gardemaß von 2,50 Meter. Die drei langen Saphire 650 SKM, 700 SGD und SFD basieren auf einem Tandemachser. Fünf Modelle richten sich mit ihren Stockbetten an Familien mit Kindern. Die anderen Modelle mit einer Einrichtung fürs reisende Paar unterscheiden sich mit dem Längsbett (6), Einzelbetten (3) und Querbett(1).

Im Interview Thomas Kamm, Leitung Marketing Fendt-Caravan

Thomas Kamm nimmt Stellung zu...

... dem eingeschränkten Fußraum in der Dinette:
Hier liegt der Radkasten unterhalb des Tisches und hat somit einen etwas eingeschränkten Fußraum zur Folge. Für den 515 SKM bieten wir eine Tischverlängerung als Sonderausstattung an, um diese Thematik optimieren zu können.

… dem konventionellen Aufbau mit innen liegendem Holzgerüst:
Die Holzleistenkonstruktion in Verbindung mit druckfestem Polystyrol ist eine langjährig erprobte Aufbaukonstruktion hinsichtlich Stabilität, Leichtbau und Wärmeisolierung.

... den fehlenden Lesespots in der Sitzgruppe: Bei diesem Modell haben wir uns für eine Deckenleuchte oberhalb der Mittelsitzgruppe und für Lesespots über dem französischen Bett entschieden, da wir in diesem Einsteiger-Caravan die Mittelsitzgruppe richtig ausleuchten möchten.

... der trotz Verlängerung schwer erreichbaren hinteren Standstützen:
Die Standstützverlängerung befindet sich ca. 25 cm hinter dem Heckleuchtenträger und ist somit mit der Kurbel noch gut zu bedienen.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Christian Hass

Datum

11. Oktober 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 09/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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