Supertest: Sterckeman Alizé 475 CP 28 Bilder Zoom

Sterckeman Alizé 475 CP im Test: Spezielle Mischung

In Frankreich trinkt man gern einen Likör namens Alizé. Auf diesen Namen hat Sterckeman seine Mittelklasse-Baureihe getauft. Der Alizé 475 CP muss zeigen, ob er auch den deutschen Geschmack trifft.

Endlich passt auch der Name. Caravans nach einer Mischung aus Passionsfrucht und feinem Cognac zu nennen, erschien bisher etwas gewagt. Denn der Alizé trat bis dato als eher bieder gestalteter Caravan an, der seine Kundschaft mehr durch seinen günstigen Preis als durch Innovationen gewinnen wollte. Zur Saison 2014 überrascht die französische Marke Sterckeman mit einem geradezu extravaganten Outfit für den Alizé. Die stark überarbeitete Baureihe trägt jetzt ein GfK-Kleid und ist damit widerstandsfähiger gegen mechanische Beanspruchung als ein Aluminium-Sandwich. Unter der hinreichend glatten, durch Glasfasern verstärkten Kunststoff-Hülle entpuppt sich der Alizé dagegen als weniger spektakulär: Isoliert wird er mit 20 bis 30 Millimeter dickem Styropor – und damit etwas schlichter als die deutsche Konkurrenz.

Das freche Design setzt sich an Bug und Heck fort. Hier sorgen Anbauteile für eine harmonisch runde Linie mit überraschenden Akzenten. Der Deckel des Deichselkastens zieht sich bis zur unteren Karosseriekante. Vorteil: Der Zugriff wird vereinfacht, weil die Ladekante entfällt. Nachteil: Das ungeschützte Deichselkastenschloss liegt voll im Spritzwasser und die Montage von Deichsel-Fahrradträgern wird erschwert. Rund um die Front integrieren breite ABS-Verkleidungen die Kantenleisten und die vorderen Rangiergriffe. Der großflächige Heckleuchtenträger mit integrierten LED-Lichtschlitzen bildet nicht nur einen harmonischen Abschluss, sondern schützt auch den Aufbau. Die optionalen Alu-Räder setzen das i-Tüpfelchen bei der Gestaltung. Der neue Alizé ist ein echter Hingucker.

Acht Grundrisse umfasst die Baureihe, die weit über das gängige Angebot in der unteren Mittelklasse hinausgehen: Die Hälfte der Modelle ist mit einem Queensbett ausgestattet, eines bietet eine veritable Lounge-Landschaft, und in zwei Alizé finden Kinder ihr Urlaubsreich in Etagenbetten. Der Kandidat im Supertest, ein Alizé 475 CP, baut auf einen der momentan beliebtesten Grundrisse mit einer Rundsitzgruppe im Bug, Längsbad und -bett im Heck. Dazwischen liegen mittschiffs Küche und Kleiderschrank. Schon beim Einstieg fällt das frappierende Raumgefühl auf. Und das, obwohl der Aufbau des 475 CP lediglich die Standardbreite von 2,30 Meter erreicht. Dass man sich trotzdem fühlt wie in einem 2,50er Caravan, liegt am unverbauten Durchblick von vorne bis hinten. Und am Konzept, nicht jeden Quadratzentimeter der Wohnfläche mit Möbeln zuzupflastern. Bett und Kleiderschrank könnten durchaus größer ausfallen. Bei den Hängeschränken wird rundum auf den einen oder anderen in der Küche und der Sitzgruppe verzichtet. Dafür platziert Sterckeman an diesen Stellen offene Regale. Das lockert optisch auf und ist darüber hinaus teilweise sogar praktischer. Ansonsten hält der ebenfalls neu gestaltete Innenraum nicht mit dem extravaganten Exterieur mit. Die Möbel sind größtenteils gerade geschnitten und damit schnörkel-, aber auch schmucklos. Ebenso zurückhaltend sind die Möbeldekors und die Stoffe für Polster und Vorhänge. Vorteil der schlichten Gestaltung: Der einfache Möbelbau birgt weniger Gefahr, bei der Verarbeitung größere Schnitzer zu machen. Der Nachweis: Im Test-Alizé gibt es nichts zu meckern.

Das Schlafzimmer im 475 CP liegt links im Heck und wartet mit einem qualitativ hochwertigen Bett auf. Die straffe und voluminöse Kaltschaummatratze liegt auf einem einfachen, aber wirkungsvoll federnden Lattenrost mit Metallrahmen. Das Bett ist durchgängig knapp 1,40 Meter breit. Mit 1,90 Meter Länge ist es zwar in guter Gesellschaft mit anderen Caravan-Betten, aber in unseren Augen trotzdem zu kurz.
Wohnlichkeit kommt in der Umgebung des Bettes nicht auf. Es fehlen Ablagen, auf der die Lektüre abgelegt werden kann. Die nächsten Versteckmöglichkeiten bieten die offenen Fächer unterhalb der Hängeschränke. Um diese zu erreichen, muss man sich aber aufrichten oder sogar aufstehen. Komfortabel ist das nicht. Außerdem fehlen Steckdosen am Kopfende, um hier Radiowecker oder Handy einzustecken.

Strom fehlt auch an der Sitzgruppe im Bug. Diverse Ablagen für die schnelle Ordnung sind hier dagegen vorhanden. Und auch der Sitzkomfort ist prima. Die Beinauflage und die Sitzhöhe passen für den durchschnittlich gewachsenen Camper. Die bequemen, aber leicht verrutschenden Polster sind straff und leicht strukturiert. Der große Tisch erlaubt auch ein umfassendes Menü im Caravan, stört aber beim Einstieg in die Sitzgruppe, vor allem an der Küchenseite. Zudem engen die breiten Füße des antiquierten Sitzgestells den Fußraum an der Sitzgruppe ein.

An die Sitzgruppe grenzt links die lange Längsküche, bei der die Spüle auf der Seite der Polster montiert ist. Da keine Schutzkante existiert, kann Wasser auf die Sitzfläche tropfen. Ansonsten erntet die Küche viel Lob. Arbeitsfläche und Stauraum sind genügend vorhanden. Die Spüle und der Dreiflammkocher sitzen in einer leicht zu reinigenden und durch Glasplatten abdeckbare Edelstahlmulde. Hier fehlt lediglich der elektrische Zünder für die Herdflammen. Im Unterschrank findet sich, neben zwei breiten Auszügen mit Selbsteinzug, die Trigano-exklusive Kompressor-Kühlschublade namens "XL Freeze". Das Fassungsvermögen des Kühlfachs, das es so nur bei Sterckeman und der Schwestermarke Caravelair gibt, beträgt 150 Liter plus 19 Liter Gefrierfach. Bestückt wird es von oben, wobei Schubladen, Regale und Körbe helfen, Ordnung darin zu halten. Der 12-Volt- Kompressor wird über den Umformer, einen optionalen Bordakku oder die Zugwagenbatterie mit Energie versorgt.

Moderne Bordtechnik findet sich auch bei der Beleuchtung. Die Lichtleisten, Lampen und Spots sind ausschließlich in LED-Technik ausgeführt. Was nichts daran ändert, dass man sich hier und da ein paar mehr davon wünscht – nachts gibt es ein paar schummrige Ecken im Alizé. Geheizt wird mit der bewährten und für die Aufbaulänge angemessenen Truma S 3004. Ihre Warmluft wird über Ausströmer und Hinterlüftungen an Bett und Sitzgruppe sehr gleichmäßig verteilt. In Schwung gebracht wird die Heizungsluft von dem 12-Volt-Automatikgebläse, das dank der Bordbatterie immer funktioniert und eine echte Besonderheit in dieser Preisklasse ist.

Im komplett vom Wohnraum abgetrennten Sanitärbereich sorgt eine moderne Banktoilette für wohlgeordnete und reinigungsfreundliche Verhältnisse. Die optionale Dusche lässt sich durch zwei Falttüren dicht von der Badeinrichtung abteilen und schützt diese vor Spritzwasser. Die Brause ist in der Höhe verstellbar. Der Waschbereich davor ist mit ausreichend Stauraum, Ablagen und einem Edelstahl-Waschbecken bestückt. Positiv fällt die adrette Mischbatterie mit ihrem offenen Wasserablauf auf. Minuspunkte erntet der Waschtischschrank wegen unaufgeräumter Bordtechnik und fehlender Rüttelkante am einzigen Zwischenboden.

Mit 1,3 Tonnen fahrbereitem Gewicht ist der Alizé 475 CP kein Leichtgewicht. Vor allem die Stützlast ist im Testwagen viel zu hoch. Kein Wunder, ein optionales Ersatzrad, die vollen Gasflaschen und der aufpreispflichtige Wassertank (40 Liter) liegen ganz vorne und belasten die Kupplung mächtig. Hier muss entweder auf Extras verzichtet oder durch Beladung im Heck ausgeglichen werden. Doch das ist Gift für das an sich gutmütige Fahrverhalten. Am Ende muss mit Blick auf das reisefertige Leergewicht noch festgestellt werden: Um eine Auflastung kommen Käufer des 475 CP kaum herum. Dieser Wunsch hat natürlich Einfluss auf die Kalkulation. Ohnehin offenbart der Blick in die Preisliste, dass der Alizé die Klasse der Billig-Caravans verlassen hat. Mit Tuchfühlung zur Mittelklasse reiht er sich als immer noch günstiges Angebot im Markt ein. Qualität, Konzept und Außenoptik stimmen – und damit auch die Mischung des Alizé.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Ingolf Pompe

Datum

25. April 2014
5 4 3 2 1 5 5 3
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