Starker Zugwagen nötig für Tabbert Vivaldi 560 DM 27 Bilder Zoom

Tabbert Vivaldi 560 DM im Test: Familienprogramm im Edelcaravan

Tabbert weitet sein Familienprogramm auf den edlen Vivaldi aus. Wie passen Stockbetten und Luxus-Anspruch zusammen? Wir haben den Caravan im Supertest geprüft - Resultat: Familienfreundlich!

Nachdem Tabbert seine Baureihen vom Rossini bis zum Puccini in den vergangenen drei Jahren auf eine technisch weitgehend identische, modulare Plattform gestellt hat, rückte das Traditionsunternehmen aus der Knaus-Tabbert-Gruppe zur Saison 2016 das Portfolio zurecht: Diverse Grundrisse sind verschwunden, elf Modelle in allen Baureihen neu. Dazu gehört auch der Testwagen, ein Vivaldi 560 DM 2.5, der als einziger Caravan der Baureihe mit einem Stockbett ausgerüstet ist und damit das teuerste Familienmodell im Angebot von Tabbert darstellt.

Der Tabbert Vivaldi rangiert exakt in der Mitte der fünf Baureihen – und damit in der oberen Mittelklasse. Er ist serienmäßig adäquat bestückt mit Heki-Dachhauben, Riesenkühlschrank, Therme, AKS, elektronischem Fahrstabilitätsystem ATC, selbstnachstellenden Bremsen sowie dem noch immer einmaligen hinterlüfteten und doppelt gedämmten Komfortdach.

Apropos Ausstattung: Die Extras im Testwagen schlagen mit rund 5000 Euro und 115 Kilogramm Mehrgewicht zu Buche. Unter anderem gehören Fußbodenheizung, flache Rahmenfenster, Glattblech-Seitenwände, Alu-Felgen, eine beleuchtete Zierleiste, das erstklassige Komfort-Schlafsystem und das 2,0- statt dem serienmäßigen 1,8-Tonnen-Chassis dazu.

Wohnen im Tabbert Vivaldi 560 DM

Naheliegend, dass in einem Caravan mit 2,5 Meter Breite großzügiges Raumgefühl herrscht – Engstellen sucht man jedenfalls vergeblich im Vivaldi 560 DM. Die zumindest bei Tageslicht angenehm helle Komposition aus dem Holzdekor "Coimbra", grauen Polstern und Stoffen sowie den hochglänzenden Arbeitsflächen sorgt für gute Grundstimmung, die auch bei der Begutachtung der Verarbeitung nicht umschlägt. Kurz: Die Schreiner haben im Testcaravan sehr sorgfältig gearbeitet, die Konstrukteure weitgehend auf sichtbare Möbelverbinder und Schraubenabdeckungen verzichtet.

Die Stockbetten, die den DM als Familiencaravan definieren, nehmen das Heck in voller Breite ein und sind dadurch sehr lang. Allerdings sind sie nur mit einfachen Lattenrosten und Schaumstoffmatratzen bestückt und dürfen mit höchstens 60 Kilogramm belastet werden. Der Weg ins obere Nachtlager führt über eine fünfstufige Leiter, deren beite Sprossen die Füße schonen. Eine stabile Holzreling dient als Schutz vor dem Herausfallen. Auf ein Gitter am großen Fenster verzichtet Tabbert – der Spalt zwischen Matratzen- und Fensterrahmen-Oberkante ist immerhin 13 Zentimeter breit. Auch die Stockbett-Maximalbelastung von 60 Kilo passt nicht so recht zum Tabbert-Anspruch.

Durch einfaches Hochklappen von unterer Matratze samt Rost und das Entfernen der Schottwand entsteht eine Fahrradgarage ohne Befestigungsmöglichkeiten. Der Platz darin reicht nur für flache Kinderfahrräder. Ärgerlich: Die ziemlich kleine Garagentür kostet 281 Euro extra.

An der Dinette kommen maximal vier Personen unter, da der Radkasten den Fußraum einschränkt. Doch die Polster sind bequem, der Tisch ist stabil und groß genug für alle Gegebenheiten. Ein weiteres Beispiel für den hohen Anspruch der Schreiner: Die Truhendeckel sind rundum furniert, obwohl man sie unter den Polstern nicht sieht.

Die Küche gegenüber der Sitzgruppe besteht aus einem separaten 189-Liter-Kühlschrank und einem Küchenkorpus mit drei breiten, tragfähigen und leicht laufenden Auszügen. Der Apothekerschrank rechts neben den Auszügen nimmt Flaschen sicher auf. Die breite Edelstahlspüle und der Dreiflammkocher mit Taktfunkenzündung sind bündig in die große Arbeitsfläche eingelassen. Auf die größte Kochstelle in der Mitte passen ausgewachsene Töpfe mit 25 Zentimeter Durchmesser. Was fehlt, ist ein kleines Regal für Gewürze.

Das Längsbett im Bug ist über 1,5 Meter breit und mit dem 329 Euro teuren Komfort-Schlafsystem bestückt. Dabei handelt es sich um eine 15 Zentimeter dicke Tonnentaschen-Federkern-Matratze und einen Lattenrost mit flexiblen Federtellern. Der Schlafkomfort ist grandios.

Das möblierte, fensterlose Kopfende hat zwei Fächer mit gepolsterten Deckeln, Spiegel und offene Ablagen. Außerdem sind die seitlichen Winterrückenlehnen hochgezogen. So kann man angelehnt dösen oder lesen, ohne mit der kalten harten Außenwand in Berührung zu kommen.

Seitlich ans Längsbett schließt sich der zweigeteilte Sanitärbereich an: Hinter der stabilen Tür verbirgt sich der Toilettenraum, mit seiner großen Duschtasse und zwei Wandschränkchen. Die Banktoilette mit eigenem Spülwassertank steht im hinteren Bereich. Die Duscheinrichtung muss allerdings extra geordert werden. Auch ohne Brause ist der Raum bestens verfugt. Dies gilt auch für die Klappenseite des Kassettenschachts. Auf der inneren Seite ist jedoch keine Abdichtung zu erkennen. Bei Bedienfehlern oder Undichtigkeiten kann sich Kassetteninhalt ins Wageninnere ergießen. Der offene Waschbereich mit tiefem Becken, schicker Mischbatterie sowie vielen Ablagen überzeugt uneingeschränkt.

Preise

Sowohl sein Preis als auch seine Position als dritte unter den fünf Tabbert-Baureihen stufen den Vivaldi in die obere Mittelklasse ein. Die umfangreiche, teilweise exklusive Serienausstattung des Vivaldi rechtfertigt diese Einordnung auch. Trotzdem existiert eine erstaunlich lange Liste an Extras (z.B. Warmwasserheizung, Rahmenfenster, Mover etc.) die so gut wie keine Wünsche offenlässt. Allerdings kann es schnell passieren, dass der Vivaldi die Grenze zur Oberklasse einreißt. Insgesamt sechs Pakete fassen Extras recht günstig zusammen, wenn auch nicht immer besonders sinnvoll.

Beladen + Fahren 

Der Vivaldi offeriert mehr als genügend Stauraum. Die Hängeschränke, diverse Kleinmöbel, die Bettkästen und eine der bedien Sitztruhen fassen viel und sperriges Gepäck. Der Wassertank belegt die zweite Sitztruhe.

Zum Beladen des Längsbetts lässt sich die Matratze inklusive Lattenrost durch einen neu konstruierten, von einem Gasheber unterstützten Scherenbeschlag leicht öffnen. Das Bett wurde zur neuen Saison um fünf Zentimeter erhöht, wodurch auch die Außenklappe an Höhe gewinnt. Zum Öffnen der weit hinten angeschlagenen Sitztruhen müssen die Polster entfernt werden. Für den Bau der Betten und Sitze in der Dinette liegen serienmäßige Polster bei, die bei Nichtgebrauch im Caravan verstaut werden müssen.

Zum großen und beleuchtetem Kleiderschrank gibt es als Pendant noch einen raumhohen, allerdings unbeleuchteten Wäscheschrank.

Die Heizungsrohre im 560 DM verlaufen teilweise ohne Schutz. Die Truma-Therme und die Wasserventile sind ausreichend gegen Beschädigung abgesichert. Der künftige Besitzer eines 560 DM kommt nicht umhin, die maximale Auflastung (2000 kg) und einen kräftigen Zugwagen zu wählen, wenn er mit ihm glücklich werden möchte. Doch für sein Gewicht fährt sich der Vivaldi durchaus gutmütig und ohne heftige Pendelneigung, wofür die relativ hohe Stützlast sorgt. Zu knapp bemessen ist die Überlastreserve von 30 kg pro Rad. Zudem fehlt ein gut sichtbares Schild mit dem Reifendruck.

Technik im Tabbert Vivaldi 560 DM

Der Aufbau des Vivaldi ist wie der komplette Caravan samt der Bordtechnik sorgfältig verarbeitet und bietet einige herausragende bis exklusive Qualitäten: Vom geräumigen, gut ausgestatteten Deichselkasten über das belüftete Komfortdach bis zur breiten Rangierstange am Heck. Der Eingang ist mit der integrierten Trittstufe und der zweigeteilten, stabilen Tür gut ausgestattet. Allerdings trägt die aufpreispflichtige Fliegenschutztür am Rand so stark auf, dass der Durchgang verengt wird. Außerdem behindert sie die Entnahme des Teppichs aus der Trittstufe.

Ebenfalls zu den Extras gehören die breiten Rahmenfenster, die allerdings nicht mit den üblichen Plissees kombiniert werden. Stattdessen verdunkeln einfache Rollos aus Alufolie, die bei der Fensterbreite von über einem Meter beim Öffnen und Schließen knittern und haken.

Die Elektro-Zentrale mit dem starken Netzteil, Umformer und FI-Schalter ist im Fach auf dem Boden im Kleiderschrank ideal zugänglich. Ein Sicherungswechsel wird hier zur einfachen Übung. Mit den sechs 230-Volt-Steckdosen sind ausreichend viele vorhanden und so platziert, dass möglichst kurze Kabelwege anfallen. Außerdem gibt es drei USB-Steckdosen um Smartphones zu laden. Je eine an der Sitzgruppe und an beiden Stockbetten.

Die Lampen erreichten im Lichttest durchaus normgerechte Lux-Werte. Trotzdem wirkt die Beleuchtung nachts etwas düster, was an der dunklen Einrichtung liegt, die viel Licht schluckt. Außerdem fallen die unterschiedlichen Lichtfarben unangenehm auf. Der Grund: Tabbert mischt hellweiße LED mit warmweißen Halogenlampen. Die stromfressenden und heißen Halogenbirnen haben in einem aktuellen, teuren Caravan eigentlich nichts mehr verloren.

Vor Winterurlauben und tiefen Temperaturen muss es Vivaldi-Eignern nicht bange sein. Die große Truma S 5004 und die elektrische Fußbodenerwärmung liefern genügend Heizenergie, das dicke, aber konventionelle Sandwich sorgt dafür, dass sie nicht zu schnell verloren geht.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Foto

Ingolf Pompe

Datum

1. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 11/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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