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LMC Ambassador 565 RDB: Test: Für Quer-Schläfer

Queensbetten bietet inzwischen fast jeder Hersteller an, aber nicht mit dem Grundriss des LMC Ambassador 565 RDB.

Querdenker bringen das Leben voran. Ohne sie wäre die Welt noch eine Scheibe, und die Sonne würde den Globus umrunden. Ob LMC mit dem Grundriss des Ambassador 565 RDB einen ähnlich kategorischen Schritt gegangen ist? Wer weiß. Zumindest steht es entgegen der üblichen Anordnung quer im Heck – das Queensbett.

Das bringt auf Anhieb ein paar Vorteile: Queensbetten lassen sich von drei Seiten erreichen. Das lieben rücksichtsvolle Paare, die den Partner nachts nicht stören wollen. Die Anordnung quer erlaubt am Kopfende eine außen liegende Serviceklappe, welche die Nachteile der im Caravaninneren etwas umständlichen Beladung des Bettkastens ausgleicht. Denn dort, wo sich der Lattenrost anheben lässt, ist der Fußraum nicht üppig bemessen. Und auf der Bettseite, die vom Gang her gut zu erreichen wäre, sind das Bad und Verstrebungen zur Versteifung des Unterbaus im Wege.

Der Ambassador spielt in der Caravanoberklasse. Die Aufbaugröße mit einer Länge von knapp 6,40 Metern signalisiert den Rang und erst recht die Breite, welche die Zweieinhalb-Meter-Marke schrammt. Schwungvoll geschnittene Fenster und schnittige Radkästen gliedern die Seitenwände, die außer Serviceklappen fürs Gepäck und die Toilette keine Durchbrüche aufweisen, da beispielsweise der Kühlschrank ohne außen liegende Belüftungsgitter auskommt. Auch ist der Stromanschluss unterflur in einem drehbaren Stutzen untergebracht, der allerdings bei Schmuddelwetter wegen der schmutzigen Hände nicht nur Begeisterung auslöst. Trotzdem: Die Seitenwände wirken edel, auch weil sie ein Mini-Rautenmuster ziert. Eine massive Aluminium-Schürze schließt unten ab.

Ähnlich solide geht es am GfK-Bug und -Heck weiter, hinten mit modern gestalteten Leuchten und vorne mit begehbarer Deichsel und einem Gaskasten, dessen Klappe mit Zentralschloss, Metallscharnieren und zwei Gasfedern schon fast zu schwungvoll nach oben schießt. Gleichzeitig öffnet dank trickreicher Mechanik in der Klappe ein Kläppchen: ein schneller Zugriff auf die Gasventile. Zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen ste­hen auf einem massiven Riffelblechboden. Bleibt vielleicht zu meckern, dass die Ecken des Gaskastens, der über die gan­-ze Breite geht, wegen des kleinen Klappenausschnitts nicht leicht zu erreichen sind.

Eine zweiteilige Tür mit verdunkelbarem Fenster, praktischen Ablagen und einem Abfalleimer führt ins Innere, allerdings ohne integrierte Trittstufe. Der erste Eindruck: Platz. Ein breiter Gang verbindet die Wohnbereiche. Die Sichtachsen bleiben frei, auch dank des Verzichts auf TV-Konsolen. Stattdessen sind entsprechende Anschlüsse an Bug und Heck vorinstalliert. Fehlen nur noch die passenden Wandhalterungen.

Der Blick fällt auf helles Möbel-Dekor „Birnbaum“ mit „Wurzelholz“-Zierstreifen, einen gekettelten Teppich auf Stäbchenparkett, eine Tagesdecke und dezent gemusterte Bezüge „Missouri“ im Grundton Beige. An vielen Stellen kommt ein Alcantara-ähnlicher Stoff zum Einsatz, etwa an den Seiten der Polster oder am Bettkopfteil. Auch die Eckelemente, welche die Oberschränke verbinden, wirken mit dieser Bespannung edel, obwohl die Basis Kunststoff ist.

Licht fällt gleich durch vier Thermohauben in den Caravan, aber erst nachts steigt die Show. Dann erstrahlen 24 Halogenleuchten und vier Leuchtbänder: Lichtquellen, die sich nicht nur konventionell schalten lassen, sondern über der Dinette auch per Fernbedienung stufenlos gedimmt werden können. Eine Schrankbeleuchtung, zwei Fußbodenstrahler und die dank Schiene verschiebbaren Spots über dem Bett setzen noch ein paar i-Tüpfelchen obendrauf.

Die Technik stimmt auch hinter den Kulissen

Die Kabel sind sauber verlegt, entweder gebündelt oder in Kanälen. Wo es sinnvoll ist, etwa an der ­Serviceklappe, sind auch die Warmluftrohre der Heizung geschützt. Apropos: Der Ambassador setzt auf konsequente Möbel-Hinterlüftung. Warmluftrohre heizen auf allen drei Außenseiten im Schlafzimmer und in der Dinette. Gute Argumente gegen kalte Nächte.

Sechs Grundrisse zeichnen den Ambassador aus, jeweils drei mit Einzelbetten oder Doppelliege. Der 565 RDB sammelt mit Bad, Wassertank, großem Kühlschrank mit Tiefkühlfach und Truma Therme viel Gewicht auf der linken Seite, weshalb die Radlast dort 120 Kilogramm mehr beträgt als gegen­über. Das gilt es beim Beladen mit entsprechendem Gepäck auf der anderen Seite auszugleichen. Nur so verhält sich der LMC im Schlingertest gutmütig und beruhigt sich nach wenigen Pendelausschlägen. Gut zu wissen, dass ein Tempo-100-Fahrwerk zur Se­rien­ausstattung zählt. Immerhin verkraftet der Ambassador 166 Kilo Normgewicht plus 134 Kilo persönliche Zuladung.

Zum Gewichtsausgleich bie­tet sich die kompakte Küche auf der rechten Seite mit dem großzügigen Apotheker-Unter­schrank und den Drahtkörben daneben geradezu an. Auch die Gashähne sitzen an der richtigen Stelle. Allerdings ist die Arbeitsfläche klein, und die Spüle muss auf eine Abtropffläche verzichten. Dafür thronen über allem eine formschöne Abzugshaube und zwei Oberschränke, die mit Doppelrollenschnäppern schließen. Letz­tere sind Standard an Bord – abgesehen von den Pushlocks am Küchenblock und den Magnetverschlüssen im Bad. Der Krach, den die Schnäpper beim Schließen verursachen, passt nicht recht ins Ambiente der Oberklasse.

Das Bad gefällt mit seiner Größe, der Cassettentoilette mit Rolltank, der soliden Tür mit kräftigem Schloss, den Klappen im Holzdekor und der Waschschüssel mit Leucht-Designer-Wasserhahn zunächst gut. Doch muten einige Materialien, etwa die instabilen Klappen, nicht edel an.

Trotzdem: Der Ambassador bietet viel fürs Geld. Und Kompromisse sind legitim. Denn wer ein Queensbett in dieser Klasse zu einem Preis unter 23.000 Euro sucht, wird höchstens weiter im Norden fündig.

Seine Gäste lädt der Ambassador auf eine großzügige Sitzgruppe ein, die auf allen Plätzen guten Komfort bietet. Die Stoffe sind mit Teflon aus gerüstet und können leicht gereinigt werden. Dank der straffen Polster sitzt es sich auch in den Ecken bequem, wenn auch diagonal. Da stört es kaum, dass die Rückenlehnen nicht massiv ausgebildet sind, sondern nur mit lose auf den Winterwänden liegenden Brettchen gestützt werden.

Der ovale Tisch zeigt sich dank Schienensystem variabel und erleichtert den Zugang zur Sitzgruppe. Mittels einer originellen Mechanik klappt er in wenigen Augenblicken eine Etage tiefer und dient als Auflage für ein Gästebett, das mit zwei der fünf Rückenlehnen entsteht. Jetzt zeigen sich ­­die Kehrseiten der zum Sitzen ideal straffen und konturierten Polster: Sie sind zum Schlafen zu hart und uneben.

Da ist das Queensbett mit der wirklich bequemen und hochwertigen Kaltschaummatratze die eindeutig bessere Wahl. Entgegen der Herstellerangabe ist die königliche Liege mit 197 genau zehn Zentimeter länger als im Prospekt. Ein anderes Maß wäre auch kaum akzeptabel, selbst wenn es mehr Bewegungsfreiheit rundherum brächte. Hier lässt es sich aushalten. Bodentiefe Gardinen mit kupferfarbenen Vorhängen sorgen für Gemütlichkeit. Viele Ablagen bringen Ordnung in das Gemach. Und wer es ganz intim haben möchte, macht die Schotten dicht und zieht, ob Querdenker oder nicht, die Holztrennwand vor, die mit ihrer soliden dreizügigen Konstruktion ihren Namen verdient.

Aufbaulänge: 3 bis 4 Meter
Schlafplätze: 4
Preis: Grundpreis 20.000 bis 25.000 €

Der LMC Ambassador 565 RDB ist mit guter Ausstattung ein würdiger Vertreter der Oberklasse. Der Quereinbau des Queensbetts ermöglicht ein kompaktes Aufbaumaß, hat aber auch Nachteile. Unterschiedliche Radlasten zwingen zum sorgfältigen Beladen.

Autor

Foto

Foto: Tschovikov, Regenscheit

Datum

11. Dezember 2007
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