Vergleichstest: Eriba-Touring/Hymer Feeling, CAR 05/2012 25 Bilder Zoom

Eriba Touring und Hymer Feeling im Vergleich: Gestern, heute, morgen

Der kultige Eriba-Touring ist zurück im Hymer-Stammhaus Bad Waldsee. Dort läuft auch der Hymer Feeling vom Band. Vergleich zweier ungleicher sympathischer Brüder.

Seit 55 Jahren fliegen die Funken, wann immer ein neuer Eriba-Touring gebaut wird: Ein tragender, aus Stahlprofilen geschweißter Käfig ist bis heute Markenzeichen der traditionsreichen Hubdach-Caravans - und wird es wohl noch lange bleiben. Der Eriba-Feeling, im Sommer 2005 geboren, interpretiert das Hubdach-Konzept des Touring modern. Er basiert außerdem auf einer Hülle aus Sandwich-Wänden in Pual-Bauweise.

Mit dem Eriba-Touring Familia 320 und dem Hymer Feeling 230 treffen sich deshalb Klassik und Moderne, einer der ältesten und der jüngste Vertreter der typischen Kompakt-Caravans aus dem Hause Hymer.

Der Feeling 230 komplettiert die Baureihe seit dem vergangenen Jahr. Mit zwei Meter Breite bildet er das Bindeglied zwischen gestern und heute. Die übrigen drei Feeling-Modelle sind 2,17 Meter breit und 6,07 sowie 6,47 Meter lang, sie schließen damit die Lücke zu den ausgewachsenen Caravans. Dagegen sind vier der sieben Touring ebenfalls zwei, die anderen 2,10 Meter breit. Die größten Touring-Modelle messen inklusive Deichsel 5,76 Meter Länge.

Der Aufbau

Es leuchtet ein, dass ein Caravan mit Stahlgerippe und kräftigen Metall-Rangiergriffen kein Fliegengewicht sein kann. 720 Kilogramm wiegt der Touring Familia 320 fahrfertig, da kann es mit 900 Kilo zulässiger Gesamtmasse knapp werden. Abhilfe schafft die Auflastung auf 1050 Kilo.

Obwohl der gleich große Feeling keinen Stahl im Aufbau trägt, ist er kaum leichter. Das hat drei Gründe: Sein Aufbau aus den Sandwich-Wänden des Topmodells Nova ruht auf einem klassischen Alko-Rahmenchassis, während beim Touring Achse und Rohrdeichsel direkt mit dem Stahlkäfig verschraubt sind. Außerdem stützen die Feeling-Möbel den Aufbau, müssen also solider, sprich schwerer, konstruiert sein. Der 230er rollt serienmäßig auf einer 1000-Kilo-Achse.

Und das macht er spürbar ruhiger, weil seine Spur breiter und der Schwerpunkt niedriger ist. Der Touring zeigt zwar auch keine Ansätze zum Pendeln, aber deutlichere Eigenbewegungen um die Längsachse.

Fans des Klassikers ficht das nicht an. Sie verweisen lieber auf die Blitzsicherheit ihres Vehikels. Denn auch unter dem GfK-Dach verlaufen Stahlspriegel, die zur Stabilisierung des Touring mit dem Käfig verschraubt sind.

Wintertauglichkeit - Feeling versus Touring

Freunde des Feeling halten dem die bessere Wintertauglichkeit entgegen. Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass die Touring-Stahlstreben Kälte nach innen transportieren, obwohl sie eine fünf Millimeter dünne Isolierschicht von der Sperrholz-Innenwand trennt. Im Schnee gesehen wurden aber schon beide.

Dann aber mit Kälteschutzhülle rund um den Zeltstoff der Aufstelldächer. Sie lassen sommers viel Licht und Luft hinein und vergrößern die Stehhöhe von 1,71 auf 1,92 (Touring) und von 1,78 auf 1,95 Meter (Feeling). Die Heizung ist Standard bei beiden, das Gebläse jedoch kostet extra.

Die Grundrisse

Die Grundrisse von Touring Familia 320 und Feeling 230 sprechen mit Vielreisenden eine identische Zielgruppe an. Beide Minis sind gertenschlank und inklusive Deichsel unter fünf Meter lang. Das raumgreifendste Möbel ist jeweils die Sitzgruppe. Sie verwandelt sich im Touring nachts in ein 1,85-mal-1,40-Meter-Bett. Im Feeling fällt die Liegefläche mit 1,96 mal 1,78 Meter üppiger aus. Wer nicht groß gewachsen ist, kann quer schlafen und sogar zu dritt verreisen.

Der Trick des 230ers: Er hat kein Bad. Wer auf den Sanitärraum, nicht aber auf den Lokus verzichten mag, bekommt ab Modelljahr 2013 eine portable Toilette unter der linken Sitzbank. Auch im Touring-Sortiment gibt es eine Alternative ohne Waschraum: Der Familia 310 trägt eine weitere Dinette im Bug. Die Küche rückt dann an die linke Seite.

Sitzen und Schlafen

Der Bettenbau läuft bei beiden Hubdach-Caravans ähnlich ab. Zuerst muss der Tisch weg; im Touring wird er flugs aus der Wandschiene ausgehängt und auf den Boden gelegt. Beim Feeling lagert der frei stehende Tisch während der Fahrt im Kleiderschrank – das Rein und Raus ist eine arge Fummelei. Nachts kann aber auch er einfach abgelegt werden.

Zwei Stangen aus Aluminium bilden den Unterbau für die mittig eingelegten Lehnenpolster. Trotz Holzverstärkung biegen sie sich beim Knien während des Bettenbaus arg durch. Beim Feeling sollten die Stoffbesätze auf den Rückenpolstern abgezogen werden, damit sie den Schlafkomfort nicht weiter einschränken. Eine rollbare Bettauflage sei für beide empfohlen, denn naturgemäß ist der Liegekomfort auf dem Polster- Puzzle bescheiden.

Stauraum, Verarbeitung und Versorgung

Geradezu üppig bemessen sind die Stauräume. Der Touring hat viel, der Feeling sehr viel Platz unter den Sitztruhen. Sie tragen keine separaten Deckel, sondern werden von den Polstern verschlossen.

Diese Machart ist lange bekannt. Um so mehr drängt  die Frage nach der Qualität. Dies betrifft vor allem den Touring nach seinem Wechsel zum Heimatstandort Bad Waldsee. Die Antwort ist eindeutig: Hymer hat das Verarbeitungsniveau deutlich gesteigert. Jetzt passen alle Möbelteile nahtlos aneinander, nirgends entsteht der Eindruck von Schluderei. Kabel sind meist sauber gebündelt, geschützt und mit praktischen Steckern versehen.

Bei der Wasserversorgung trotzt der Klassiker Eriba-Touring der Moderne. Drei 15-Liter- Kanister versorgen Wasserhähne und Toilette. Wasser bunkern klappt deshalb zwar ohne Schlauch und rangieren, aber nicht ohne Mühe. Auch beim Feeling ist der Festtank Option: er imitiert seinen Ahnen in der Aufpreis-Politik.

Der Klassiker von morgen

Würde die Eigenschaftswertung diesen Vergleich bestimmen, ginge der Pokal an den Feeling. Doch das verbietet der Respekt vor dem „Kultourgut“ Touring: Nie war er besser als jetzt. Auch bildet er neben einem Airstream die wohl einzige Möglichkeit, schon heute Geld in einen Klassiker von morgen zu investieren.

Fendt Bianco Selection 465 SFB: Ingo Werner

Autor

Foto

Uli Regenscheit

Datum

27. Februar 2013
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