Vergleichstest: Rangierantriebe, CAR, 06/2012 36 Bilder Zoom

Alko vs. Enduro vs. Reich vs. Truma: Rangierantriebe im modernen Vierkampf

Rangierantriebe sind ein gefragtes Zubehör. Mit dem Alko AMS Mammut, dem Enduro EM203 von EAL, Reichs Move Control Compact und dem Truma Mover SE R bat CARAVANING gleich vier Systeme zum harten Vergleichstest. Das Rennen ging denkbar knapp aus.

Wenn es sie nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden. Rangierantriebe für Caravans sind enorm praktisch. Mit ihnen kann man einen Anhänger per Fernbedienung ohne Muskelkraft auf Parzelle oder Stellplatz bugsieren. Wen wundert es da, dass sie unter Caravanern sehr beliebt sind: Im Rahmen einer Leserwahl gaben 76 Prozent der Befragten an, sich für Rangiersysteme zu interessieren. Davon zeigte die Hälfte sogar großes Interesse.

Der Markt in Deutschland ist mit Alko, EAL, Reich und Truma als wichtigsten Anbietern überschaubar. Interessierte kennen auch noch den Namen Powerwheel. Die britische Firma ist seit 2008 Teil der Truma-Gruppe, aber wegen geringer Marktdurchdringung seit 2011 hierzulande nicht mehr präsent; neue Produkte werden nicht mehr vertrieben. Bleiben also die erwähnten vier.

Mit dem Enduro EM203 schickte EAL das einzige Rangiersystem ins Rennen, bei dem die Antriebseinheiten per Kurbel an die Reifen gedrückt werden. Außerdem ist es auf dem Papier das  Schwächste und nur für ein Caravangewicht von 1800 Kilogramm ausgelegt. Die anderen nehmen es mit 2000 Kilogramm schweren Anhängern auf.

Um es vorwegzunehmen: Die Leistungsdichte ist hoch. Wenngleich der Test keine Aussage über die Langlebigkeit der Produkte zu treffen vermag, wurde den Rangiersystemen im Testbetrieb doch alles abverlangt. CARAVANING lotete ihre Grenzen aus, wie die Steigungs- und Geländepassagen zeigten. Oder ging mit einem Hindernis in Höhe von 70 Millimetern sogar über die Grenzen hinaus - an ihm scheiterten alle Antriebe. Aber der Reihe nach.

Test der Rangierantriebe: Montage und Inbetriebnahme

Zu Testbeginn standen statische Disziplinen im Vordergrund. Bei den Punkten Montage und Inbetriebnahme der einzelnen Antriebe liegt das Feld dicht beieinander. Alle vier Systeme wurden hinter dem Caravanrad montiert, mit vergleichbarem Aufwand. Dennoch sticht der Alko AMS Mammut heraus, aus zwei Gründen.

Zum einen kann er bei neueren Caravans mit Alko-Chassis (ab Baujahr 2010) auf verschiedene Weise eingebaut werden, unter anderem auch vor dem Rad. Und zwar so, dass die Bodenfreiheit nicht beeinträchtigt wird. Für die Alko-Rangierhilfe ist das mit Blick auf den Anpressdruck sogar die optimale Einbauposition. Wegen des tief liegenden Einstiegs der Testcaravans Marke Tabbert Puccini konnte sie diesen Vorteil allerdings nicht ausspielen.

Zum anderen sind die Steuergeräte bei Alko direkt in die Antriebe integriert. Der zusätzliche Einbau einer Steuergeräte-Box wie bei den anderen Systemen entfällt damit.

Der Mover SE R von Truma heimste bei der Montage ein kleines Plus ein, weil neu entwickelte Befestigungsklemmen die Einbauzeit verringern. Zudem muss man bei ihm nur einmal kurz zwei Knöpfe auf der Fernbedienung drücken, und die Motoren fahren an die Reifen. Der Alko hat ein ähnliches System, war aber nicht immer auf Anhieb betriebsbereit. Beim Move Control Compact von Reich muss man die Knöpfe gedrückt halten, bei EAL die Antriebe an die Räder kurbeln.

Wer rangiert sich in der Disziplin Symstemsicherheit nach oben?

Nächste Disziplin: Systemsicherheit. Alle Rangierantriebe schalten bei Überlast oder Überhitzung ab und schützen sich so vor größeren Schäden. Darüber hinaus verlangt der Truma, den Stecker aus der Anhänger- in eine Sicherheitssteckdose zu stecken, die an der Deichsel montiert ist. Vorher kann man den Rangierantrieb nicht in Betrieb nehmen.Nächste Disziplin: Systemsicherheit. Alle Rangierantriebe schalten bei Überlast oder Überhitzung ab und schützen sich so vor größeren Schäden. Darüber hinaus verlangt der Truma, den Stecker aus der Anhänger- in eine Sicherheitssteckdose zu stecken, die an der Deichsel montiert ist. Vorher kann man den Rangierantrieb nicht in Betrieb nehmen.

Auch der Alko besteht auf eine Sicherheitsabfrage. Dazu muss die Fernbedienung an einen ebenfalls an der Deichsel installierten Freigabeschalter gehalten werden, bis die Kontroll-LED nicht mehr blinkt. Gute Idee, funktionierte aber nicht immer beim ersten Mal.

Bedienungsanleitung und Fernbedienung

Die Geräteunterlagen von EAL erinnern stark an einen Ikea-Bauplan. Dafür bieten sie die Möglichkeit, mit Smart- phone oder Tablet-Computer und per QR-Code online auf Videos zuzugreifen, die Einbau und Bedienung erklären.

Reich – teils mit farbigen Hochglanzseiten – und Truma gefallen mit Übersichtlichkeit. Und, anders als bei Alko, bleiben keine Fragen zur Bedienung offen. Bei der Fernbedienung zählt vor allem die Haptik. Stark die Fernsteuerung von Alko: Der Joystick ist geschmeidig per Daumen zu betätigen. EAL erhält vor allem in der B-Note Abzüge, denn die Tastenbeschriftung ist nachlässig aufgedruckt.

Die Reich-Tasten erfordern einen vergleichsweise kräftigen Druck. Außerdem sind die Pfeile auf den Tasten lediglich erhaben, aber nicht zusätzlich farblich abgesetzt. Nichts auszusetzen gibt es an der Tasten- Fernbedienung von Truma.

Fahrtests: Schnelligkeit und Fahrverhalten

Zunächst mussten die Testcaravans einen 30- Meter-Sprint auf Zeit absolvieren. Schnellster mit 3:16 Minuten war der Truma. Zum Vergleich: Der EAL-Rangierantrieb benötigte zwei Minuten länger. Neben der Uhr galt das Augenmerk dabei dem Geradeauslauf der Testcaravans.

Sowohl der von Alko angetriebene als auch der EAL-Caravan neigten dazu, kleineren Unebenheiten nachzulaufen. Spurtreuer verhielt sich der Test- Caravan mit dem Reich-System. Der Puccini mit Truma-Antrieb fuhr dagegen wie auf Schienen. Am Ende des Sprints galt es, verschieden hohe Hindernisse zu überfahren – auf trockenem und nassem Asphalt.

Wie erwähnt, scheiterten am 70-Millimeter-Balken alle vier. Anders das 35-Millimeter- Hindernis. Reich und Truma nahmen es spielend. Der Alko signalisierte kurz eine Überlastung, wuchtete den Caravan letztlich aber hinüber. EAL hatte am meisten zu kämpfen. Für ihn müssen die Bedingungen stimmen: Trocken sollte es sein und das Hindernis gerade angefahren werden, dann schaffte auch er es ohne Anschieben.

Im anschließenden Parcours wurde das Fahrverhalten getestet. Als größte Schwierigkeit sah er eine eng abgesteckte Kurvenkombination vor. Sie gab vor allem Aufschluss darüber, wie feinfühlig die Antriebe auf Steuerbefehle reagieren. Große Unterschiede ergaben sich allerdings nicht. Alle vier bewältigten die Aufgabe gut. Einzig der Alko verdiente einen Extrapunkt: Er lässt sich einen Tick geschmeidiger bewegen als die anderen – seiner stufenlosen Steuerung sei Dank.  Sie verhalf ihm beim Lenktest sogar zu einem noch größeren Vorsprung, weil sie aus der Vorwärtsbewegung heraus eine Kurvenfahrt ermöglicht. Das bietet sonst nur noch der Truma. Auch er kann, durch zeitgleiches Drücken beider Tasten, gleichzeitig vorwärts und eine Kurve fahren. Bei EAL und Reich wirkt das abgehackt: Geradeausfahrt, stopp. Lenken, stopp. Geradeausfahrt, stopp. Das Drehen auf der Stelle ist dagegen für alle Mitglieder des Quartetts eine Kleinigkeit.

Fahrtest der Rangierantriebe: Präzisionstest

Zu den leichteren Übungen zählte auch der Präzisionstest. Dabei ging es um die typische Situation des Ankuppelns eines Caravans an den Zugwagen. Gefragt ist sensibles Ansprechen der Rangiersysteme, damit die Deichsel nicht an den Stoßfänger anschlägt.

Reich zieht sich am be sten aus der Affäre. Seine Antriebe laufen extrem sanft an, und der Caravan lässt sich fast millimetergenau rangieren. Mithalten kann da am ehesten der Alko und – mit wenigen Abstrichen – auch der Truma. Bei ihm gerät die Masse des Caravans beim kurzen Anfahren schon deutlicher in Bewegung. Im Vergleich am ruppigsten geht aber der EAL zu Werke. Mit einer saftigen Asphaltsteigung und einer Fahrt über unebenes, feuchtes Gelände warteten zum Schluss zwei Königsdisziplinen auf die Antriebe.

Zu viel für den EAL. Er strich auf der Steigungspassage nach knapp zwei Metern die Segel, schaltete wegen Überhitzung ab. Fairerweise muss man sagen, dass er mit einem 1800 Kilo schweren Caravan am Limit agiert und laut Bedienungsanleitung bei 20 Prozent Steigung nur für ein Caravangewicht von 1450 Kilo ausgelegt ist. Bei der Geländefahrt über feuchte Wiese stoppte ihn ein anderes Problem: Die Antriebswalze verlor die Traktion und rutschte auf dem Reifen durch. Deutlich besser schlug sich zunächst der Alko. Langsam, leise und kontinuierlich nahm er die Steigung in Angriff, bis er knapp einen Meter vor dem Ende in den Überhitzungsmodus schaltete. Etwa eine Viertelstunde lang ging danach nichts mehr. Erst dann ließ er sich bis ins Ziel manövrieren. Mühen musste sich Alko auch im Gelände. Zwar schaffte er diese Aufgabe ohne Zwangsstopp, deutete gegen Ende der Fahrt jedoch erneut mehrfach eine drohende Überhitzung an.

Mover: Wer macht das Rangier-Rennen?

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich Reich und Truma. Sowohl die Asphaltsteigung als auch die Geländefahrt absolvierten sie tadellos, obwohl beide für Bruchteile von Sekunden kleine Aussetzer zeigten. Der Truma wirkte etwas kraftvoller. Es schien, als habe er noch Reserven. Auch deshalb hatte er am Ende knapp die Nase vorn. Nicht unerwähnt bleibt, dass er in beiden Disziplinen am meisten Strom zieht. Schaut man sich jedoch den Verbrauch insgesamt an, lagen Reich, Alko, Truma mit 18 Amperestunden gleichauf. Das Ergebnis der Abschlussdisziplinen spiegelt letztlich das  Endergebnis wider. Unter dem Strich offenbaren alle vier Systeme individuelle Stärken und Schwächen. Einen Rangierantrieb, der alle Disziplinen dominiert, gibt es nicht. Den müsste man wohl wirklich noch erfinden.

Auf der nächsten Seite finden Sie eine Beschreibung, wie CARAVANING testet.

Ratgeber: Experten-Tipps

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

17. April 2013
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