LMC aussen 12 Bilder Zoom

Wohnwagen in der Kältekammer: Adria, Kabe, LMC: Wer hält die Füße warm?

Drei Caravans zogen in die Klimakammer, wo sie bei klirrender Kälte den Meister der Wintertauglichkeit unter sich ausmachten.

Wir können immer. Der Caravan-Urlaub gehört zu den raren Freizeitaktivitäten, die sich über das ganze Jahr verteilt betreiben lassen. Damit wir immer können, müssen passend ausgestattete Wohnwagen und eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stehen. Campingplätze etwa, die zwölf Monate ihre Gäste nicht nur beherbergen, sondern ihre Angebote und Animationen auf die jeweilige Jahreszeit ausrichten.

Die Entwicklung der Caravans scheint in dieselbe Richtung zu gehen, glaubt man den winterfesten Prospekten der Hersteller. Glauben aber ist nicht wissen. CARAVANING wollte wissen, ob wir immer können, ob die propagierte Wintertauglichkeit auch tatsächlich der Realität entspricht.

Wintercaravans im Härtetest

Mit dem Adria Alpina 563 UL, dem Kabe Safir GLE und dem LMC Scandica 551 D traten drei offensiv als wintertauglich beworbene Caravans zum Vergleich an. Alle drei setzen bei der Heizung auf die bewährte, gasbetriebene Warmwasserheizung von Alde mit Wandkonvektoren und Fußbodenheizung. Dicke Wände mit hochwertigen Isolierschäumen und relativ kleine Fenster gehören ebenfalls zu den gemeinsamen Merkmalen.

Um die Wintertauglichkeit vergleichbar und fair zu testen, zog CARAVANING nach Stockdorf und buchte einen mehrtägigen künstlichen Tiefkühlaufenthalt in der riesigen Klimakammer von Webasto. Dort, wo sonst große Busse und gewaltige Baumaschinen nach Klein-Sibirien geschickt werden, fanden die drei Caravans von Adria, Kabe und LMC gleichzeitig Platz und identische Testvoraussetzungen vor. Kurz vor Testbeginn wurden die Heizungen von Alde-Spezialist Christian Reisch auf einwandfreie Funktion überprüft.

Mit Temperaturfühlern auf Wärmeverlust-Suche

Dann schlug die Stunde der Webasto-Techniker. Sie brachten an jeweils fünf Punkten in den Caravans Temperaturfühler an und verbanden sie mit der Computerzentrale der Klimakammer.  Ein Messpunkt lag zentral in der Mitte der Caravans, ein Meter über dem Fußboden. Zwei weitere nahmen rechts und links in der Bugsitzgruppe Position in Sitzhöhe. Die beiden letzten schwebten an einem Draht über den Einzelbetten und links wie rechts über dem Doppelbett.

Der Verlauf des Tests richtete sich größtenteils nach den Vorgaben der Prüfnorm DIN EN 1645-1 (siehe im GLOSSAR unten). Zunächst kühlten die Halle und mit ihr die Caravans über Nacht auf den Wert von minus 15 Grad ab.

"Gentlemen, please start your heatings"

Der große Moment war gekommen: Der sanfte, aber bestimmte Druck auf den Touchscreen des Alde-Bedienpanels startete einerseits die Heizungen für ihren Kampf gegen eine wahrhaftige Saukälte, andererseits markierte die Handlung den Beginn des Tests. Die Messleitungen lieferten Daten, die der Zentralcomputer im Sekundentakt registrierte und an entsprechender Stelle speicherte - bestens in Form einer Aufheizkurve auf dem Monitor im wohltemperierten Messraum zu sehen.

Der Aufheiztest brachte für alle Wohnwagen überzeugende Ergebnisse. Diesen Teil von der DIN EN 1645-1 meisterten alle drei Kandidaten mit Bravour. Vier Stunden Aufheizzeit billigt die Norm den Probanden zu, um den Temperaturunterschied von 35 Grad zu bewältigen. Die Aufgabe gilt als erfüllt, wenn der zentrale Fühler 20 Grad in den Caravans meldet. Bereits nach weniger als zwei Stunden kitzelten die ersten Fühler im Kabe an der 20-Grad-Marke, der die Norm schließlich nach 2:20 Stunden erfüllte. Nach 3:02 Stunden folgte der Adria, und rund 30 Minuten später ging der LMC locker über die Ziellinie. Was diese Aufheizzeiten wirklich wert sind, zeigte am nächsten Tag der parallel laufende Test der CARAVANING-Schwesterzeitschrift promobil. Dort benötigte der Beste, ein teilintegriertes Reisemobil namens Eura Contura  mit einem Doppelboden und Alde-Heizung, 4:23 Stunden.

Die Caravans heizen sich unterschiedlich auf

Die Aufheizcharakteristik gestaltete sich in den drei Caravans sehr unterschiedlich. Kabe und LMC heizten an manchen Stellen sehr schnell auf, an anderen Messpunkten hinkte die Temperatur um fast acht Grad nach. Die Wärmeverteilung im Adria kann man als ideal bezeichnen. Die Unterschiede an den Temperaturfühlern lagen bei zwei bis drei Grad.

Nach dem Aufheiztest kam der große Auftritt der Tester im Frosttheater. Wo vorher reine Messwerte ermittelt wurden, ging es jetzt um das subjektive Gefühl, um die Beurteilung der Behaglichkeit. Nach einem kurzen Aufenthalt in der klirrenden Kälte der Klimakammer betraten frierende Gäste die drei Caravans und wurden von gleichmäßig behaglichen Temperaturen überrascht.

Der Adria Alpina mit seiner idealen Temperaturverteilung wurde insgesamt als etwas zu hoch temperiert empfunden. Kein Problem, denn wenns zu heiß wird, besteht die Möglichkeit, mit dem Thermostat gegenzusteuern. Wobei dies bei kleinen Temperaturunterschieden einfacher ist als bei großen Differenzen. In diesem Zusammenhang ist das Extrathermostat im LMC Scandica erwähnenswert, mit dem sich die Heizung im Schlaf-zimmer separat regeln lässt. Handmessungen in den Caravans ergaben an den Wänden, an der Decke und am Einstieg leichten Temperaturabfall von zwei bis vier Grad zur Raumluft. Er wird aber nicht als zugig oder störend empfunden. Was die Behaglichkeit angeht, spielen zumindest anfangs auch die Polstermaterialien eine Rolle. Flauschige Stoffbezüge wie im LMC werden angenehmer und wärmer empfunden als das Leder im Adria. Ein Gefühl, das sich im Laufe der Sitzzeit nivelliert.

Warme Füße: die Fußbodenheizung im Caravan

Ein besonderes Augenmerk richteten die Tester auf den beheizten Boden. Alle drei Fußbodenheizungen in den Wohnwägen beziehen ihre Wärme aus einem Abzweig der Warmwasserheizung. Die Verlegung indes ist verschieden. Im LMC Scandica laufen zwei Rohre längs, im Kabe Saphir besteht der Heizstrang aus vier Rohren. Ebenfalls vier parallele Rohre umfasst die Fußbodenheizung des Adria Alpina. Allerdings verlaufen sie mal längs und mal quer. 

Von einer Fußbodenheizung darf man angenehme Wärme und eine gleichmäßige Wärmeverteilung erwarten. Der Kabe kann in diesem Punkt überzeugen: Sämtliche Bodenmessungen pendeln zwischen 20 und 24 Grad. Bei LMC und Adria ist der Spagat eindeutig breiter, was auf eine weniger gelungene Wärmeverteilung im Boden schließen lässt. Die Werte liegen beim LMC zwischen 17,2 und 32,7 Grad, beim Adria zwischen 18,8 und 34,1 Grad. Beim Auflegen der Hand war dies durchaus unangenehm heiß. In der Praxis lassen sich Temperaturunterschiede am Boden mit Hilfe eines Teppichs ausgleichen.

Wie reagiert die Wasseranlage in der klirrenden Kälte?

Beim Normtest der Wasseranlage kamen die Tester erneut zu ihrem Kälteschock. In den äußerlich durchgekühlten, innerlich im Regelbetrieb beheizten Caravan mussten 30 Liter Wasser gefüllt werden. Danach sollen Wasseranlage und Boiler in Betrieb gehen. Wenn dann zum Schluss auch noch der Abwasserablauf funktioniert, ist die Norm erfüllt.

Die beiden Caravans von Kabe und LMC hatten in allen drei Punkten kein Problem. Der Adria dagegen schwächelte bereits zu Beginn. Eine Versorgung mit Frischwasser war aufgrund von eingefrorenen Leitungen nicht möglich.

Wieviel Energie verbrauchen die Caravanheizungen?

Zur Heizperiode des Tests gehört die Messung des Energieverbrauchs. Die Gasflaschen wurden vor und nach der Heizphase gewogen. Als Testverbrauch wurde beim Adria 2,3 Kilogramm, beim Kabe 2,1 und beim LMC 2,6 Kilo ermittelt. Macht pro Stunde im Aufheizbetrieb 0,26 bis 0,33 Kilo Gas.

Die Qualität des Aufbaus und der Isolierung zeigt sich am besten in der Abkühlkurve bei ausgeschalteter Heizung. Wie lange kann der Caravan die Wärme halten? Wie die zweite Kurve auf Seite 14 zeigt, liegen die Kandidaten hier fast gleichauf. Der Scandica erringt in dieser Disziplin einen kleinen Punktsieg gegenüber dem Kabe Safir aufgrund der besseren Isolierung.

Mit diesen Caravans können wir immer

Die wenigen Schwachstellen bedeuten Leiden auf hohem Nivean.  Kabe und LMC trotzen dem Winter, der günstigere Adria mit leichten Abstrichen. Und was gibt es Schöneres, als den Winterurlaub im wohltemperierten Caravan zu genießen, wenn draußen klirrende Kälte herrscht?

So testet CARAVANING

Eine der größten Klimakammern Deutschlands und damit das Ziel des CARAVANING-Tests auf Wintertauglichkeit steht auf dem Gelände von Autozulieferer Webasto in Stockdorf bei München. In der rund 120 Quadratmeter großen und sechs Meter hohen Halle werden häufig Busse, Lkw und Baumaschinen in den Härtetest geschickt. Der Platz reicht für drei Caravans gleichzeitig aus.

In der Kammer können Temperaturen im Bereich von minus 40 Grad bis plus 60 Grad erzeugt werden. Darüber hinaus sind Simulationen von Sonneneinstrahlung, Regen und Fahrtwind möglich.

Temperatursensoren erfassen die Messdaten, sie werden in den Fahrzeugen manuell platziert und sind per Kabel mit Messcomputern im Vorraum der Klimakammer verbunden. GLOSSAR zum großen Kältekammer-Test

Wärmebrücken auf der Spur: Die Thermografie ist ein gutes Mittel die Wärme- und Kältebereiche farbig zu visualisieren. Da man den Farben der Aufnahmen Temperaturwerte zuordnen kann, lassen sich Problemstellen rasch aufdecken. So findet man bei einer Außenaufnahme eines Caravans schnell die Fenster, Türen und Deichselkästen als die Verantwortlichen für Wärmeverluste. Exakte und direkte Vergleiche sind schwierig, da die Wertezuordnung aufgrund zu vieler Störfaktoren ungenau ist. In der Enge der Kältekammer haben sich beispielsweise die Caravans gegenseitig beeinflusst. Sehr viel bringt die Thermografie allerdings bei relativ geschützten Aufnahmen, etwa der Fußböden. Hier wird das Verborgene sofort sichtbar, in diesem Fall die Verlegung der Heizungsrohre im Untergrund.

So funktioniert die Thermografie: Wärme sichtbar machen, das ist die Kunst der Thermografietechnik. Dafür wurden Kameras mit speziellen Mikrochips entwickelt. Sie sind für Infrarot - wie der Bereich der Wärmestrahlung auch genannt wird - empfindlich. Das sichtbare Licht wird dabei durch kräftige Filter abgeblockt. Jeder der mehrere hunderttausend Bildpunkte des Aufnahmechips führt praktisch eine Temperaturmessung durch. Um das Ganze dann sichtbar und anschaulich zu machen, weist der Computer bei der Nachbearbeitung jeder Temperatur eine bestimmte Farbe zu. So entsteht ein Bild, das ganz intuitiv erkennbar macht, wo es warm (rot) und wo es kalt (blau) ist. Mit dieser Methode lassen sich insbesondere Wärmelecks aufspüren, die in der Praxis zu Schwitzwasserproblemen führen können.

Wintertauglich nach Norm DIN EN 1645-1: Wintertauglich oder nicht? Die Norm DIN EN 1645-1 gibt ein Prüfverfahren mit vier Phasen vor. Den Anfang macht die Abkühlzeit (T1), in der die Testcaravans über mindestens zehn Stunden auf null Grad Celsius heruntergekühlt werden. In der zweiten Phase (T2) erfolgt der Heizungsstart, es gilt, mit maximalem Tempo den Innenraum aufzuheizen. An der zentral platzierten Messstelle muss nach zwei Stunden die 20-Grad-Marke erreicht sein, alle fünf Messstellen dürfen nicht mehr als sieben Grad auseinanderliegen. Solche Caravans nennt man winterfest. Wintertauglich dürfen sich nur die Modelle nennen, die innerhalb von vier Stunden von minus 15 auf plus 20 Grad kommen und auch Phase drei und vier überstehen. Nach einer einstündigen Stabilisierungszeit (T3), in der die Innentemperatur auf 20 Grad geregelt wird, befüllt man in der letzten Phase (T4) die Wasseranlage und testet, ob sie ohne Einschränkungen funktioniert.

Supertest: LMC Maestro 510 E

Datum

19. März 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
  • Alle Bereiche
  • News
  • Test
  • Campingplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
  • Markt