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Traum-Campingplatz, tolle Aussicht, saftiges Grün ringsum – doch seit Tagen hat es geregnet, die Wiese ist aufgeweicht, der ganze Platz gleicht einer Lehmgrube. Mit dem Caravan da durch? Die Reifen unseres modernen SUV sind primär und zu Recht auf trockenen und nassen Asphalt ausgelegt – feuchtes Gras und schlammige Pisten mögen sie nicht.
Was tun? Die meisten werden sagen: „Augen zu und durch!“ Gut, wenn’s klappt. Wenn nicht, ist Improvisationstalent gefragt. Ein Spaten gehört grundsätzlich schon zur Standardausstattung. Fußabstreifer helfen nur bedingt weiter. Und dann? Im Zubehörhandel und bei renommierten Expeditionsausrüstern werden wir fündig. Hier gibt’s diverse Problemlöser – von einfachen Traktionshilfen bis hin zu Hebekissen.
Bevor wir aber in Schlamm und Sand aufbrechen, machen wir uns mit der Fahrzeugtechnik vertraut: Moderne Zugfahrzeuge verfügen heute, ganz gleich ob mit Front,- Heck,- oder Allradantrieb, meist über zusätzliche elektronische Traktionshilfen. Dazu zählt das Antriebs-Schlupf-Regelsystem ASR sowie die elektronische Differenzialsperre EDS.
Während Differenzialsperren in den meisten Fällen das Fortkommen verbessern, kann sich eine aktive Antriebsschlupf-Regelung durchaus auch mal negativ auswirken. Untergründe wie Sand, Schotter oder Kies, teils aber auch Schnee lassen sich mit leicht durchdrehenden Rädern besser bewältigen. Hier empfiehlt es sich, gegebenenfalls die Regelung auszuschalten.
Den Schlupfregler zu deaktivieren, kann auch bei sehr geringen Geschwindigkeiten sinnvoll sein. Speziell bei Turbomotoren kann bei niederen Touren schnell das Drehmoment wegbrechen. Wer dann durch ein wenig Schlupf in der Kupplung oder am Rad die Drehzahl gefühlvoll im Bereich des optimalen Drehmoments hält, profitiert letztlich von konstant hoher Zugkraft.
Am Vortrieb haben die Reifen entscheidenden Anteil. Für viele SUV sind grobstollige AT- oder MT-Pneus zu haben. Während etwa ein AT-(All Terrain-)Reifen auf 50 Prozent Gelände ausgelegt ist, sind MT-(Mud Terrain-)Reifen bereits auf 90 Prozent offroad optimiert. Der Preis für hervorragende Traktion in Sand, Fels und Schlamm sind lange Bremswege, indifferentes Kurvenverhalten und nicht zuletzt das laute Abrollgeräusch auf Asphalt. Wer öfter in traktionssensible Bereiche vorstößt und diesen Kompromiss nicht eingehen will, ist mit guten Allwetterreifen oft auch schon gut beraten.
Zum Testprozedere: Je nach Art des Untergrunds zeigen die hier vorgestellten Anfahrhilfen unterschiedliche Qualitäten. Ihre Effizienz beurteilen wir schwerpunktmäßig mit einem frontgetriebenen Fahrzeug (da in Mitteleuropa wohl am häufigsten anzutreffen) auf lehmigem Untergrund sowie auf nassem Gras.
Sollte ein Produkt speziell auf Sand besondere Qualitäten zeigen, ist dies bei den Testergebnissen vermerkt.
Jetzt ist es also passiert: Wir sitzen fest. Doch bevor sich das durchdrehende Rad unrettbar tief in die Erde eingräbt, sollte entweder der mitgeführte Spaten oder eine der hier vorgestellten Traktionshilfen zum Einsatz kommen.
Praktisch, weil platzsparend, die Canoll-Traktionsmatten: Einfach lassen sie sich unter die Räder schieben, die schlanken Zungen lassen die Reifen gut auffahren. Bei Schlamm und nasser Wiese noch o.k., bedeutet klebriger Lehm für sie aber das Aus. Schnell sind die quer verlaufenden Rillen zugesetzt, und der Vortrieb ist dahin.
Anders die Multifunktionsrampe Uniko: Hier wird der Lehm durch die offene Struktur der Elemente hindurchgedrückt. Auch unter schwierigen Bedingungen bietet Uniko den erwünschten Grip. Und das in einer überzeugend sicheren Art und Weise. Während die konventionellen, rund zwei Meter langen Sandbleche militärischer Herkunft beim Anfahren aus einer tief ausgefahrenen Spur zum plötzlichen Hochschnellen neigen, bleibt die viergliedrige Uniko brav am Boden und vermeidet wie auch die Canoll-Matte Beschädigungen am Fahrzeug.
Ähnlich elastisch auch die beiden Anfahrhilfen namhafter australischer Outdoor-Ausrüster: Stabile Querstege aus profiliertem Gummi oder Aluminium sind hier leiterartig entweder mit Stahlseil respektive solidem Nylonband verbunden.
Ihre Stärken spielen die beiden Konzepte speziell auf Sand aus. Wird’s hingegen feucht, ist erst die glattflächige Alu- und dann die schwere Gummi-Variante am Ende. Bei Schrägfahrt am Hang ist es gar unmöglich, die Alu-Leiter effektiv einzusetzen. Zu schnell rutschen die Reifen zur Seite weg. Auch das Auffahren gestaltet sich wegen der recht hohen Stege schwierig.
Schneeketten: Können auch die helfen? Na, klar! Speziell auf nassem Gras oder Laub und auf erdigen Untergründen funktionieren Ketten prächtig. Auf Sand und losen Untergründen taugen sie nichts. Schwierig und schmierig fällt die Montage aus. Speziell wenn das Auto bereits festgefahren ist, funktioniert dies nur noch nach Anheben der Räder.
Dies versuchen wir mit dem AirJack, einem Luftwagenheber, der ähnlich den bei Rettungsdiensten eingesetzten Hebekissen Gegenstände durch Luftdruck anheben kann. Im Gegensatz zu professionellen Geräten, die meist durch Pressluft befüllt werden, wird der AirJack am Auspuffrohr des Zugwagens angeschlossen. Dessen nicht unerheblicher Druck reicht aus, um rund vier Tonnen Last 75 Zentimeter hochzuheben. Die große Aufstandsfläche verhindert dabei das Einsinken des Lufthebers bei weichem Untergrund, am Unterboden des Fahrzeugs werden durch die großflächige Krafteinleitung Beschädigungen vermieden. Allerdings sollte der Fahrzeugboden dazu möglichst flächig und entsprechend tragfähig sein.
Wenn auch der Einsatz radgebundener Traktionshilfen nicht weiterführt, muss geschleppt oder gezogen werden: Abkuppeln ist angesagt. Das Zugfahrzeug auf festen Untergrund gefahren, ein entsprechend langes und geeignetes Schleppseil zum Caravan verlegt – auch so lässt sich der Hänger zur Not aus dem Dreck ziehen.
Besser und weitaus sicherer funktioniert dies mit manuell oder elektrisch betriebenen Seilwinden. Während sich leichte Wohnwagen deutlich unter 1000 Kilogramm noch mit einer an der Caravandeichsel montierten Kurbelwinde versetzen lassen, sind für größere Kavenzmänner schon elektrische Seilwinden notwendig.
Empfehlenswert sind Modelle zum vorübergehenden Aufsetzen auf die Kupplungskugel. Die notwendige Zugkraft der Winde ist abhängig vom Caravangewicht und der zu überwindenden Steigung und/oder des Reibwiderstands. Um einen 1500-Kilogramm-Hänger am Hang zu ziehen, sind nach einer mathematischen Formel idealisiert und ohne Reibung bei 50 Prozent Steigung mindestens rund 670 Kilo Zugkraft an der Winde nötig. Kräfte, die bereits von kleineren Profi-Elektrowinden wie beispielsweise der Warn RT 25 aufgebracht werden können. Praktisch, weil sehr flexibel in der Handhabung, ist die neue Warn-Pullzall-Akkuwinde. Ihre Höchst-Zugkraft von rund 450 Kilo reicht für die meisten Anwendungen, auch wenn die Zugseillänge von sechs Metern etwas kurz ausfällt.
Alternativ, wenngleich bei langen Zugstrecken auch etwas beschwerlich, lassen sich ebenso zwei kräftige Zurrgurte als Windenersatz einsetzen. Sie erreichen fast das gleiche Zugniveau, sind konkurrenzlos günstig in der Anschaffung und oft ohnehin bereits an Bord.
Noch preiswerter könnte es sein, freundliche Mitcamper um Schiebe- oder Schlepphilfe zu bitten – am Ende nicht die eleganteste, aber sicherlich die kommunikativste Art, festen Boden zu erreichen.
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20.11.2008 © CARAVANING Ausgabe 08/2008
Autor: Thiemo Fleck
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