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Zusatzspiegel für Caravans im Test: Welcher Caravan-Spiegel ist am Besten?

Freie Sicht in alle Richtungen braucht jeder Auto-Fahrer. Deshalb sind Zusatzspiegel am Caravan-Gespann Pflicht. CARAVANING hat zehn Modelle mit unterschiedlichen Befestigungssystemen getestet. 

+++ Eine ausführliche Tabelle mit Testauswertungen aller zehn Spiegel finden Sie im kostenpflichtigen PDF-Download +++

Der Fahrzeugführer muss freie Sicht auf alle wesentlichen Verkehrsvorgänge nach seitwärts und rückwärts haben, heißt es in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Kompliziertes Beamtendeutsch für einen schlichten Sachverhalt: Der Fahrer muss alles sehen können, was sich rund um sein Gefährt tut. Das gilt auch für Gespanne. Da die Außenspiegel des Zugfahrzeugs oft nicht weit genug nach außen reichen, sind Aufsteckspiegel für fast alle Camper Pflicht. Außer der Wohnwagen ist schmaler als das Auto oder ein flacher Falt-Caravan.

Wie gut ein Aufsteckspiegel ist, hängt dabei von vielen Faktoren ab. Ein großes Sichtfeld ist besonders wichtig. Der nicht einsehbare Bereich – toter Winkel – an der Heckkante des Gespanns muss möglichst klein sein. Außerdem sollte die Montage leicht von der Hand gehen, schließlich müssen die Spiegel wieder abgebaut werden, sobald das Zugfahrzeug am Urlaubsort ohne Wohnwagen fährt. Zu berücksichtigen ist auch die Stabilität der Konstruktion von Halterung und Gelenkarm. Davon hängt ab, wie stark der Spiegel während der Fahrt vibriert. Niemand fährt sicher, wenn durch wilde Wackelei die Konturen im Spiegel verschwimmen.

Da es gleich mehrere Punkte zu berücksichtigen gibt, gilt beim Spiegelkauf: Besser in den Laden gehen als im Internet bestellen. Beim Fachhändler lassen sich Materialqualität und Stabilität wenigstens per Augenschein prüfen. Wichtiger ist aber, dass sofort klar wird, ob die Haken an der Halterung groß genug sind. Denn die Hersteller der Zusatzspiegel haben sich noch nicht immer darauf eingestellt, dass die Gehäuse an Außenspiegeln moderner Zugfahrzeuge bisweilen relativ dick sind. Nicht vergessen werden darf die benötigte Länge des Träger­arms. Er sollte lang genug sein, damit sich der Innenrand des Spiegels und die Wand des Caravans mindestens auf gleicher Höhe befinden. Nur dann lassen sich Flanke und Heckkante des Wohnwagens – wie empfohlen – innen im Spiegel anvisieren.

Universal oder Sonderanfertigung - das ist hier die Frage

Das Angebot an Zusatzspiegeln lässt sich in zwei Kategorien einteilen: Auf der einen Seite die Universalspiegel, die mit Gummizügen oder Klemmschrauben an nahezu jedem Fahrzeug montiert werden können. Ihnen stehen die Spiegel gegenüber, deren Haltebügel perfekt auf den Außenspiegel des Zugfahrzeugs angepasst sind. Emuk liefert seinen Spezialspiegel zum Beispiel für weit über 100 Fahrzege. Das Testmodell für den BMW X5 hat Emuk sogar mit einer Ausfräsung für den Spiegelblinker versehen.

Schnell klar wird, dass das Sichtfeld nicht unbedingt von der Grundfläche des Spiegels abhängt. Trotz kleiner Glasfläche sind auf dem Emuk Spezial schon 50 Zentimeter vom Heck entfernt die Vorgänge direkt hinter dem Caravan erkennbar. Dadurch sind auch dicht auffahrende Autos zu sehen. So gut ist kein anderer Spiegel.

Der Grund ist schnell gefunden. Mit 38 Zentimetern steht kein Spiegel so weit ab wie der Emuk Spezial. Deshalb reicht der Blickwinkel, um an der Heckkante vorbeizukommen. Milenco bietet vom getesteten Aero 2 deshalb eine größere Version Namens Aero 2 Extra Wide XXL an, die für 2,50 Meter breite Caravans empfohlen wird.

Es kommt eben manchmal doch aufs ausehen an

Abhängig ist der Umfang des Sichtfelds aber auch von der Form des Glases. Nach vorne gewölbte Weitwinkelgläser erfassen einen wesentlich größeren Bereich. So war die Gesamtbreite des Sichtfelds beim Reich Handy Mirror dank des konvexen Spiegelglases mit Abstand am breitesten. Der mit 28 Zentimetern geringe Ausstand hat aber zur Folge, dass kurz hinter dem Heck des Caravans ein 15 Zentimeter breiter toter Winkel entsteht.

Mit dem Vorteil des großen Sichtfelds ist bei Weitwinkelspiegeln auch ein Nachteil verbunden: Sie verzerren das Bild, das der Fahrer sieht. Die Distanz zu einem überholenden Auto wirkt dadurch etwas größer, was auf der Fahrt einkalkuliert werden muss. Genauso werden seitliche Abstände etwas weiter dargestellt, als sie in der Realität sind. Gerade beim Ausscheren vor dem Überholen ist ein korrekter Eindruck von der Distanz zu den nachfolgenden Autos aber wichtig, weshalb auf der Fahrerseite plane Spiegel empfehlenswert sind. Wer mit seinem Gespann dagegen einen Lastwagen passiert, kann anhand der Geschwindigkeitsunterschiede während des Überholvorgangs einschätzen, wann genug Platz ist, um wieder auf die rechte Spur zu wechseln und auf der Beifahrerseite mit Weitwinkelspiegel agieren.

Das ist bei Modellen wie dem Milenco Aero 2 möglich, für den es Spiegelgläser in unterschiedlicher Ausführung gibt. Dass der tote Winkel an der Innenseite des Spiegels möglichst klein bleibt, ist deshalb wichtig, weil genau dieser Bereich nicht vom Außenspiegel des Zugfahrzeugs erfasst wird. Ganz unbedeutend ist die Ausdehnung des Blickfelds nach außen allerdings nicht. Es ist durchaus von Vorteil, wenn die gesamte Breite der Nebenspur am Heck überblickt werden kann. Dafür braucht es ein Sichtfeld von gut 3,5 Meter, was etwa der Breite von Fahrspuren auf Autobahnen entspricht. Der Großteil der Testmuster deckt diese Anforderung ab. Nur die Spiegel von MGI, Milenco und Repusel erreichen diesen Wert nicht. Das bedeutet auch, dass ein überholendes Fahrzeugs nicht mehr komplett erkennbar ist, sobald es die hintere Kante des Caravans passiert. Der Blick des Fahrers muss also öfter zwischen dem Fahrzeug- und dem Aufsteckspiegel wechseln.

Emuk Spezialspiegel im Vorteil

Einen kleinen Vorteil erarbeitet sich der auf den Testwagen angepasste Spiegel Emuk Spezial bei der Montage. Der Bügel ist im Handumdrehen aufgesteckt und mit der Klemmschraube festgedreht. Sogar an Ausfräsungen rund um den Spiegelblinker hat der Hersteller gedacht. Nicht viel aufwendiger ist die Befestigung der Spiegel mit Spanngummis. Die Haken an den Trägerarmen müssen groß genug sein, um das Gehäuse des Farhzeugspiegels zu umschließen. Andernfalls rutscht die Konstruktion leicht ab. Außer sie verfügt wie beim Hagus Huckepack 4 über einen zusätzlichen Stützarm. Dessen Saugnäpfe finden an Türen mit starker Wölbung allerdings wenig Halt. Das ist beim Kauf zu beachten. Bei Modellen mit Schraubklemmen braucht die Befestigung etwas mehr Zeit.

Wer die Klemmen an geraden Kanten montiert, vermindert die Verlustgefahr. An Rundungen finden die Befestigungen weniger Halt. Bei den drei Modellen mit Spannriemen fällt auf, dass der Zusammenbau der Halterung etwas Aufwand erfordert. Ist die Konstruktion einmal zusammengesteckt, sitzt sie aber schnell und vor allem fest.

Das ist der Grund, weshalb sich die Spiegel von Repusel und Reich beim Vibrationstest nach vorne schieben. Ihre Halterungen lassen sich gut auf den Fahrzeugspiegel anpassen und die Haken am Ende umschließen das Gehäuse sicher. Wenn die Kunststoffriemen mit den Zugschrauben oder Rastverschlüssen noch richtig angespannt werden, geben sie dem
Träger ihrer Spiegel sicheren Halt. Leichte Vibrationen sind bei allen zu spüren, die fallen aber kaum störend aus. Viel besser war der Emuk Spezial als bestes Modell auch nicht. In diesem Testfeld rächt sich das schlichte System der Modelle mit Gummizug ein wenig.

Letztere besitzen immer etwas Restelastitzität, egal wie fest der Fahrer sie anspannt. Damit geht einher, dass sich die Tragekonstruktion auf dem Gehäuse leicht bewegen kann und die Spiegel auf der Fahrt bei hoher Geschwindigkeit heftig vibrieren. Bei beiden Testmustern dieser Art verschwimmen die Konturen der nachfolgenden Fahrzeuge. Wenn sich die Abendsonne im Kühlergrill eines Busses spiegelt, entsteht der Eindruck, der Busfahrer habe den Blinker gesetzt. Langsamfahrer kommen mit den Aufsteckspiegeln mit Gummizügen vielleicht noch klar. Wer sein Gespann ständig am Limit hält, sollte eher zu anderen Modellen greifen. Brauchbar sind auch die Versionen mit Schraubklemmen. Je hochwertiger das Material der verstellbaren Klemmen, umso besser sitzen sie. Das System von Carbest mit Kunststoffschrauben schnitt ein wenig schlechter ab, als die Konkurrenz mit Metallschrauben.

Als Fazit muss gezogen werden, dass es sich lohnt, den Aufpreis für eine Spezialanfertigung auszugeben – wenn das Zugfahrzeug lange im Dienst bleiben soll. Wer häufig das Zufahrzeug wechselt, ist mit Universalspiegeln mit Riemen und Spannmechanismus nicht viel schlechter unterwegs. Wichtig ist, dass überhaupt Spiegel moniert werden.

So testet CARAVANING

Alle Spiegel wurden so eingestellt, dass der Blick entlang der Seitenwand des Caravans führte und Radkasten und Heckkanten noch zu erkennen waren. Danach wurde erst auf die Innenseite, später auf die Außenseite des Spiegels gepeilt und das Sichtfeld in elf Meter Entfernung (Gespannlänge 10,5 Meter) vermessen. Dabei stand der Caravan knapp 30 Zentimeter weiter außen als das Zugfahrzeug, ein BMW X5. Außerdem wurde die Vibration aller Spiegel während einer Testfahrt – ohne Anhänger – mit 50 km/h und mit 100 km/h beurteilt. Auf der Autobahn beschleunigte der Fahrer zudem auf 150 km/h, um die Haltekraft der Spiegel auf die Probe zu stellen, wobei kein Modell versagte.

Autor

Foto

Karl-Heinz Augudtin, Archiv

Datum

3. November 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft CARAVANING 10/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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