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Mit dem Caravan nach Süditalien

Gargano - der Sporn des Stiefels

Reise-Tipp Gargano/Italien Foto: Jürgen Bartosch 12 Bilder

Der Sporn des italienischen Stiefels trägt den Namen Gargano. Wer via Bari oder Brindisi nach Griechenland reist, sollte nicht auf einen Abstecher auf diese gebirgige Landzunge verzichten.

29.06.2017 Jürgen Bartosch

Gargano ragt mit einer spektakulären Küstenlinie kess in die Adria hinein und erweist sich als so vielfältig und eigenständig, dass sie fast wie eine eigene Welt erscheint. Es gibt viele gute Gründe für Camping-Tour in der Region.

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Die Strände zwischen Steilklippen

Wer mit der italienischen Adriaküste nur langweilige, endlos lange Sandstrände mit Sonnenschirmen in Reih und Glied verbindet, wird auf dem Gargano eines Besseren belehrt. Der Gebirgsriegel ragt mit teils schroffen, teils sanfteren Klippen weit ins Meer hinaus. Wind und Wellen haben zahlreiche Grotten und Felsbogen geformt, die sich am besten vom Boot aus besichtigen lassen. Zwischen den mitunter spektakulären Steilklippen sind Buchten unterschiedlicher Größe eingebettet, mit traumhaften Sand- oder Kiesstränden, die teilweise nur auf Trampelpfaden oder per Boot erreichbar sind. Manche Buchten wie die Baia delle Zágare werden von Hotels dominiert, andere wie die Cala Felice und Vignanotica sind eher Hausstrände der ansässigen Campingplätze, wo aber auch Tagesgäste stets ans Wasser kommen. Wer sucht, findet dazwischen außerdem immer wieder kleine wildromantische Strände, an denen man, zumindest in der Nebensaison, oft alleine ist.

Die malerischen Städtchen auf der Gargano-Halbinsel

Die Städtchen auf der Gargano-Halbinsel locken mit pittoresk-verwinkelten Ortskernen. Das gilt auch für die beiden touristischen Zentren an der Gargano-Spitze, Vieste und Peschici. Die Altstadt von Vieste liegt auf einem flacheren Felsplateau mit Naturhafen, eingerahmt von langen Sandstränden, deren südlicher mit einer Besonderheit lockt: einer markanten Felsnadel aus weißem Kalkstein.

Noch spektakulärer ist die Lage des alten Peschici, das gleich einem Adlerhorst auf einem wuchtigen Felskopf nistet. Steigt man über Treppen und durch enge Gassen hinauf in die Altstadt, eröffnen sich immer wieder tolle Ausblicke auf das Meer und die Küstenlinie. Besonders stimmungsvoll ist der Besuch am Abend, wenn der alte Kern nur noch den Fußgängern gehört und sich auf den kleinen Piazzi Einheimische und Touristen zu einem bunten Treiben mischen. Mit Campingplätzen sind beide Orte auch gute Ausgangsbasen, um mit geführten Schiffstouren oder Mietbooten die spektakuläre Küste zu erkunden.

Der heilige Monte Sant’Angelo

Hier dankten einst die Kreuzfahrer dem Erzengel Michael, wenn sie von der gefährlichen Reise ins Heilige Land wohlbehalten auf dem Seeweg nach Europa zurückkehrten. Bereits 492 soll hier der Erzengel in einer Grotte erschienen sein, und seitdem pilgern mehr und mehr Gläubige zu dem Wallfahrtsort in aussichtsreicher Lage an der Südflanke des Gargano. Die wachsende Pilgerzahl und der entsprechende Bedarf an Unterkünften führte dabei zu einem Kuriosum im Stadtbild von Monte Sant’Angelo – der wohl ältesten Reihenhaussiedlung der Welt.

Der Erzengelkult hier diente übrigens als Vorbild für den später in der Normandie errichteten Mont-Saint-Michel. Wer nach der Besichtigung der zum Unesco-Welterbe zählenden Grottenkirche von heiligen Stätten noch nicht genug hat, findet wenige Kilometer entfernt in San Giovanni Rotondo einen weiteren, heute sogar noch zahlreicher besuchten Wallfahrtsort, aus dem auch der viel verehrte Padre Pio stammt.

Die grüne Oase Foresta Umbra

Viele Flächen in Süditalien wurden im Laufe der Jahrhunderte abgeholzt. Darum sind Restgebiete des Primärwaldes, wie im Zentrum der Halbinsel Gargano, etwas Besonderes und Schützenswertes. 1995 wurde dafür der Nationalpark Foresta Umbra eingerichtet, was wörtlich übersetzt "dunkler" oder "schattiger Wald" bedeutet. Der Name lässt sich vor allem dann leicht nachvollziehen, wenn man an einem heißen Sommertag von der Küste hinauffährt in die Berge und eintaucht unter das grüne, kühle Blätterdach. Höhenrücken mit alten Pinienwäldern finden sich hier ebenso wie schattige Talgründe mit mächtigen Rotbuchen. Wer von den Hauptrouten durch den Park nur wenige Meter abzweigt auf kleinere Wanderwege, ist selbst in der Hauptsaison meist schnell allein mit sich und der heimischen Flora und Fauna.

Nicht nur für Orchideen-Freunde gibt es hier viel zu entdecken. Auch in der Tierwelt können teils endemische, also nur hier vorkommende Arten oder Unterarten beobachtet werden, wie das Garganische Reh. Ein Besucherzentrum informiert Interessierte und bietet zudem geführte Wanderungen an. Zum Schutzgebiet gehört außer dem Foresta Umbra auch ein Abschnitt an der Nordküste des Gargano mit zwei fischreichen Salzwasserseen, wo Eisvögel und Flamingos heimisch sind.

Die architektonischen Kleinode

Größere Städte gibt es auf dem gebirgigen Gargano nicht. Die stattlichsten architektonischen Sehenswürdigkeiten finden sich daher in der westlich vorgelagerten Ebene um Foggia. In der alten Bischofsstadt Troia stellt die Kathedrale Santa Maria Assunta mit ihrer reich mit Figuren und Ornamenten geschmückten Hauptfassade und den alten Bronzetoren eine echte Augenweide dar. In Lucera beeindrucken dagegen die mächtigen Mauern und Türme, die vom ehemaligen Stauferkastell übrig geblieben sind. Klein und schlicht, aber mit ihren gut erhaltenen Fresken und ihrer Aussichtslage am Nordwesthang des Gargano nicht weniger faszinierend ist die dreischiffige Basilika Santa Maria di Monte d’Elio bei San Nicandro Garganico.

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