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Überwintern im Süden

Mit dem Caravan in Südeuropa überwintern

Überwintern im Süden Foto: Thomas Cernak, Steffen Zink, Udo Bernhart, promobil-User, Archiv 14 Bilder

Vor dem Schnee über die Alpen, mit dem Tauwetter wieder zurück. Mancher denkt daran, mit dem Caravan oder Reisemobil in mediterranen Regionen zu überwintern. Erfahrungen und Tipps dazu.

17.11.2016 Marc Roger Reichel

Sie möchten den Traum vom unendlichen Sommer verwirklichen? Statt im deutschen Winter das Schmuddelwetter zu erdulden, endlich einmal die sommers nur flüchtig kennengelernten Regionen rund ums Mittelmeer gründlich erkunden? Da sind Sie nicht allein: 21 Prozent der Teilnehmer an einer aktuellen Leserumfrage der CARAVANING-Schwesterzeitschrift promobil spielen mit dem Gedanken, in Südeuropa zu überwintern.

Also los nach der Devise: „Je südlicher, desto wärmer“? Nein, so geht es nicht. Zum Beispiel in der Türkei und in Griechenland muss im Dezember und Januar mit anhaltendem Regen gerechnet werden, die Temperaturen sinken mitunter auf knapp über den Gefrierpunkt. Und in sommers quirligen Ferienorten darf man hier im Winter kaum offene Campingplätze und sonstige touristische Infrastruktur erwarten.

Wo findet man ganzjährig geöffnete Campingplätze?

Die Zahl winteroffener Campingplätze entlang der griechischen Küsten liegt im einstelligen Bereich, nicht viel besser sieht es in der Türkei aus. Auch in Kroatien schließen mehr als 90 Prozent der Plätze. Ganzjährig öffnet neuerdings Camping Cikat in Mali Losinj, der mit besonderen Angeboten für Menschen mit Atembeschwerden aufwartet. Ansonsten sind Service, Gas- und Wasserversorgung am ehesten ab der Insel Pag südlich zu erwarten.

Als Geheimtipp der mobilen Überwinterer gilt die Stiefelspitze Italiens. Bei www.promobil.de zeigt sich User „Carbonunit“ begeistert: „Die meisten Campingplätze und Stellplätze waren geschlossen, aber es sind immer ein paar offen.“ Vor allem Sizilien kann mit winteroffenen Plätzen aufwarten, die teils auch günstige Langzeittarife offerieren. Südlich von Rom sind insgesamt über 200 Campingplätze auch winters geöffnet.

Der Favorit der Überwinterer jedoch ist die endlose Küstenlinie der Iberischen Halbinsel. Spanien lockt nicht nur mit verträglichem Klima, sondern auch mit Regionen, die sich auf Langzeiturlauber eingestellt haben. Mehr als 200 Campingplätze richten sich auch in den Wintermonaten auf Caravaner und Reisemobilisten ein. Auf der Beliebtheitsskala stehen Costa Blanca und Costa del Sol ganz weit oben.

Wem Spanien auch im Winter bereits zu überlaufen ist, bedient sich gern der Alternativen in Portugal. Gut 60 Campingplätze bieten hier auch in den kühleren Monaten ihre Dienste an.

Per Fähre prinzipiell einfach und relativ preisgünstig zu erreichen sind die Balearischen Inseln. Eine auf Caravaner oder Reisemobilisten eingestellte Infrastruktur ist dort jedoch fast gar nicht vorhanden. Die wenigen Campingplätze, die es gibt, werden bevorzugt von Zeltcampern genutzt.

Mit allen Anlagen, die Urlauber und Langzeitgäste auch im Winter schätzen, punkten die Kanarischen Inseln. Selbst ein halbes Dutzend Campingplätze steht zur Verfügung. Größtes Manko ist indes die langwierige und kostenträchtige Anreise per Fähre; ab Cádiz kostet das Return-Ticket für ein Sieben-Meter-Mobil mindestens 1.600 Euro, und ein Zwölf-Meter-Caravangespann schlägt mit mindestens 2.350 Euro zu Buche. Überdies liegen die Lebenshaltungskosten auf den begehrten Ferieninseln auf vergleichsweise hohem Niveau.

Eine ganz andere Sonderstellung nimmt Marokko als beliebtes Überwintererziel ein. Die Zahl der in Frage kommenden Campingplätze ist hier dreistellig, wobei die Qualitätsunterschiede gravierend sind und die Verhältnisse sich rasch ändern. Dürftige Sanitärausstattung ist insgesamt häufiger vertreten als Top-Niveau mit Pool & Co. Freies Campen ist landesweit verboten.

Das erwartet Camper außerhalb der Saison

Wo außerhalb der Saison der Gemüseladen verrammelt ist und längere Wege schon allein zum Einkaufen einkalkuliert werden müssen, wird das Zugfahrzeug zum Mobilitätsfaktor. In ebenen Küstenregionen kann statt seiner ohne Zweifel auch auf Fahrrad oder Pedelec zurückgegriffen werden. In puncto Mobilität vor Ort sind Caravaner in jedem Fall besser gestellt als Reisemobilfahrer, die ein motorisiertes Zweirad huckepack nehmen oder gar einen Kleinwagen hinterherziehen müssen, wenn sie ähnlich komfortabel Besorgungen machen oder größere Ausflüge unternehmen wollen.

Das sollten Sie bei der Planung beachten

Wer als Tierfreund glücklich reisen will, muss planen. Für Hundebesitzer steht in der Regel außer Frage, dass der vierbeinige Hausgenosse mit auf Tour geht. Wie aber ist mit Katze, Guppy und Wellensittich zu verfahren? Den Tieren zuliebe sollte hier rechtzeitig überlegt werden, sie für die Zeit der Abwesenheit in Pflege zu geben.

Auch Haus und Hof wollen versorgt sein, die Post muss regelmäßig durchgesehen werden, terminierte Kostenfaktoren müssen bedacht werden. Daueraufträge und Einzugsermächtigungen erweisen sich da als nützlich. Per Onlinebanking lassen sich – einen sicheren Internetzugang vorausgesetzt – auch aus den entlegensten Winkeln der Welt anfallende Bankgeschäfte tätigen.

Den einen zieht es in die Welt, der andere genießt die Winterabende vor dem Kamin. Entsprechend geteilt sind die Reaktionen, wenn die Sprache auf Überwinterungen kommt – nicht selten prallen schon innerhalb der Familie die Fronten aufeinander. Ratsam ist deshalb, sein Umfeld schon frühzeitig in die eigenen Reisepläne einzubeziehen. Nicht jeder im Freundes- und Verwandtenkreis zeigt spontan Verständnis dafür, dass Weihnachten ohne Eltern oder Großeltern stattfinden soll, aber dafür die Blumen gegossen werden dürfen.

Die Kostenfrage

In allen Ländern gilt auch in den Wintermonaten, dass die direkte Nähe des Campingplatz zur Küste teurer zu Buche schlägt. Schon ein paar Kilometer weiter landeinwärts sinken die Kosten, allerdings sinkt auch die Anzahl der Angebote. Zudem muss auf den außerhalb der Sommersaison weniger frequentierten Campingplätzen mit einem eingeschränkten Serviceangebot gerechnet werden. So sind nicht nur die Rezeptionszeiten in aller Regel limitiert, sondern auch saisonal im Sommer geöffnete Einkaufsmöglichkeiten und Restaurationen bieten nur selten ihre Dienste an. Die Masse der aktiven Überwinterer benötigt diese Angebote allerdings nur sporadisch – etwa wenn Gas oder Wasser gebunkert werden müssen oder die Entsorgung von Toilette und Grauwasser ansteht.

Apropos Geld – wer bei der Planung allzu sehr knausert, straft sich selbst durch Verzicht zum Beispiel auf Restaurantbesuche oder interessante Exkursionen und Aktivitäten. Im Zweifel sollte die Tour also besser etwas kürzer und dafür intensiver ausfallen.

Auf Campingplätzen fallen die Übernachtungspreise gegenüber der sommerlichen Hauptsaison um etwa 60 Prozent günstiger aus. Noch günstigere Konditionen werden Campern geboten, die außerhalb der Saison über mehrere Wochen auf dem Platz bleiben. Der Berechnungsmodus ist von Platz zu Platz unterschiedlich. Zum Teil werden bereits auf Aufenthalte von ein bis zwei Wochen Nachlässe gewährt. Üblicher ist jedoch, dass Langzeitaufenthalte in Monaten kalkuliert werden. Wer länger als 30 Tage auf einem Platz bleibt, hat die reelle Chance, zwischen 30 und 50 Prozent weniger zu zahlen als der Tagesgast. Auch mit Camping Cheque (www.campingcheque.de) sind sehr günstige Langzeitaufenthalte möglich.

So wird aus dem Überwinterungs-Trip eine Traumreise

Eine Frage sollten Sie und Ihre Mitreisenden auf jeden Fall vorab klären: Wer verbindet welche Vorstellungen mit einer mehrmonatigen Reise, welche Wünsche sollten am Ende der Tour erfüllt sein? Über Wochen nur auf dem Campingstuhl vor dem Caravan oder Reisemobil in der Sonne zu sitzen kann kaum der einzige Antrieb sein, sich auf die Reise zu begeben. Überlegenswert ist deshalb, gerade eine längerfristige Tour unter ein Motto zu stellen, das allen Mitfahrern gerecht wird.

Ob Museen oder Töpfern, ob Sprachkurse oder das aktive Ausleben von Hobbys – die Bandbreite kennt kaum Grenzen. „Wir fahren nie alleine, sondern immer mit guten Freunden“, schreibt „Womoyo“ im promobil-Forum und berichtet von gemeinsamen Wanderungen, Ausflügen und Unternehmungen. Sein Fazit: „Die Winterferien im Süden sind spannender als ein Zurückbleiben im deutschen Winter bei Matsch und Kälte.“

In dieselbe Richtung geht der Gedanke, mehrfach den Standort zu wechseln, um neue Eindrücke auf sich einwirken zu lassen. Das Vorhaben, Land und Leute über einen längeren Zeitraum kennenzulernen, ist umso einfacher zu verwirklichen, wenn Grundkenntnisse der jeweiligen Landessprache vorhanden sind – die meisten der Deutsch sprechenden Servicekräfte in den Touristenregionen sind nämlich nur in der Urlaubssaison vor Ort.

Sonne allein ist nicht genug – auch dann nicht, wenn man zu zweit überwintert. Lange Zeit auf engem Raum zu leben kann verbinden, aber auch zur Belastung werden. Auf gute Erfahrungen verweist promobil-Userin „crosli“ im Forum: „Reisen und arbeiten miteinander verbinden können, den Winter nicht im grauen Deutschland verbringen müssen – wir finden das einfach schön.“

So angenehm der Ausstieg auf Zeit sein mag, irgendwann kommt man zurück. Auch im Blick darauf wird man während der Abwesenheit seine Kontakte pflegen. Ob Familie, Turngruppe oder Skatrunde – wer zum Beispiel mittels moderner elektronischer Medien seine Lieben zu Haus an der Reise ein wenig teilhaben lässt, sorgt dafür, dass das Leben daheim im nächsten Frühjahr bruchlos weitergeht.

Praxis-Tipps fürs Überwintern im Süden

1. Vorsorge treffen
Lohnenswert ist der Check, ob bei einem unverschuldeten Unfall im Reiseland der eigene Schaden in voller Höhe von der gegnerischen Haftpflicht gedeckt wäre. In anderen Ländern liegen die Mindestdeckungssummen der Versicherungen oft unter denen in Deutschland. Die eigene Haftpflicht sollte deshalb einen entsprechenden Auslandsschutz beinhalten.
Die grüne Versicherungskarte ist zwar innerhalb Europas kaum noch vorgeschrieben, vereinfacht aber nach einem Unfall die Schadensbearbeitung. Auslandsschutzbriefe werden je nach Autoclub gesondert in Rechnung gestellt. Die Investition lohnt sich – ob zur Ersatzteilbeschaffung oder für einen eventuell erforderlichen Rücktransport von Fahrzeug und Passagieren.
Auf der Rückseite der Krankenkassenkarte befindet sich die europaweit gültige EHIC-Karte (European Health Insurance Card), die zum Besuch eines Arztes im Ausland berechtigt. Dennoch werden nicht immer die kompletten Kosten übernommen. Die Differenz kann durch eine Auslandsreise-Krankenversicherung ausgeglichen werden. Doch Vorsicht: Policen mit einem ganzen Jahr Gültigkeit punkten zwar mit günstigen Preisen, sind oftmals aber auf Einzelreisen von bis zu 30 Tagen limitiert.

2. Nicht vergessen: Heim sichern
Offensichtlich unbewohnte Häuser und Wohnungen erregen Aufmerksamkeit – gerade auch bei Langfingern. Sorgen Sie dafür, dass der Briefkasten regelmäßig geleert wird und ein bewohnter Eindruck erhalten bleibt. Auf Wunsch führt die örtliche Kriminalpolizei einen Sicherheitscheck durch. Überlegenswert ist zudem, eine Person des Vertrauens für die Zeit der Abwesenheit dort wohnen zu lassen.

3. Gasversorgung

  • Italien: Deutsche Gasflaschen können mittels Adapter nachgefüllt werden. Fest eingebaute Gasbehälter in Campingfahrzeugen dürfen aus steuerlichen Gründen nicht befüllt werden.
  • Kroatien: Befüllung mittels Adapter unproblematisch, wenn die Flasche nicht älter als fünf Jahre ist.
  • Marokko: Das Befüllen deutscher Gasflaschen ist bei Gasfabriken in einigen größeren Orten möglich.
  • Portugal: Befüllung deutscher Flaschen nicht möglich. An Repsol- und Cepsa-Tankstellen werden Leihflaschen angeboten.
  • Spanien: Das Befüllen deutscher Gasflaschen ist verboten. Es gibt die Möglichkeit, an Repsol-Tankstellen spanische Pfandflaschen zu leihen. Zum Anschluss ist ein Euro-Adapter Nr. 4 erforderlich. Fest eingebaute Gastanks können an Gastankstellen befüllt werden. In den letzten Jahren wurde das Befüllen von Gastankflaschen oft abgelehnt. Laut Hersteller Wynen stellt sich das Problem derzeit nicht.
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