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Wohnwagen-Herstellergruppen

Welche Marke gehört zu welchem Konzern?

Kartenspiel Foto: Fotolia 7 Bilder

Der europäische Markt für Freizeitfahrzeuge ist in Bewegung. Die großen Herstellergruppen spielen durch Zukäufe ihre Trümpfe aus. Wer gehört zu wem? CARAVANING zeigt die Hintergründe.

08.04.2017 Ulrich Kohstall

Die Partie schien entschieden. Jahrelang dominierte das einst von Erwin Hymer aufgebaute Markenimperium mit deutlichem Abstand den Freizeitfahrzeugmarkt in Europa. Seit wenigen Wochen ist jedoch klar: Es gibt noch einen anderen großen Gewinner. Nach dem Zukauf von Adria rückt der Trigano-Konzern immer näher an die Erwin-Hymer-Gruppe heran.

Wer sich jetzt überrascht die Augen reibt, hat den Trigano-Aufstieg der vergangenen Jahre übersehen. Das kann passieren, wenn man den Trigano-Schriftzug nur von Faltwohnwagen kennt. Tatsächlich steht der Name gleichermaßen für einen französischen Konzern, der sich über Jahrzehnte mal mehr, mal weniger große Freizeitfahrzeughersteller einverleibt hat. Zuletzt waren es vor allem italienische Wohnmobilmarken. Wenn die Gelegenheit günstig war, schluckte Trigano aber ebenso einmal eine Nischenmarke wie den Faltcaravanspezialisten Dingo-Tec. Und jetzt Adria: Die Übernahme der erfolgreichen Slowenen verschafft den Franzosen entscheidende Marktanteile in ganz Europa und weiter erhöhte Stückzahlen.

Die großen Herstellergruppen kaufen Freizeitfahrzeugmarken auf

Doch auch bei Hymer ist man in Kauflaune. Erst sicherte sich die Gruppe den kanadischen Campingbusspezialisten Roadtrek, nun die vor allem auf Wohnwagen ausgerichtete Explorer Group aus Großbritannien . Die Tabelle zeigt die Größenordnungen der Herstellergruppen, wobei die Zahlen vor allem der groben Einschätzung dienen, denn der Zwölf-Monats-Zeitraum fällt nicht immer identisch aus. Bei Hymer beziehen sich die Zahlen auf das Geschäftsjahr 2016/ 2017, bei Trigano auf das Ende August 2016 abgeschlossene Geschäftsjahr. Angesichts der wachsenden Märkte sind die Zahlen in Bewegung – mit klar steigender Tendenz. Unzweifelhaft ist jedoch, dass ab sofort zwei Branchengiganten gegeneinander antreten. Hymer und Trigano sind im Aufwind und doch verfolgt jeder eine eigene Strategie.

Seit François Feuillet vor 36 Jahren zum Campingartikelanbieter Trigano kam, kaufte er gezielt Fahrzeughersteller der Branche auf. Längst nicht immer handelte es sich um so strahlende Unternehmen wie Adria. Feuillet sanierte die Unternehmen, beließ ihnen die nötige Eigenständigkeit und setzte auf Markenvielfalt.

Fast unmerklich formte er die einzelnen Marken zu einem Konzern, der heute immer enger zusammenarbeitet. So baut Font Vendôme in Südwestfrankreich die Campingbusse für Karmann Mobil oder McLouis in Italien die Wohnmobile der neu gegründeten Marke Forster. Nicht jeder Name ist auf allen Märkten vertreten, aber in allen europäischen Ländern sorgt die richtige Mischung für beachtliche Marktanteile. In einer unscheinbaren Büroetage im Pariser Norden laufen die Fäden zusammen. Die größte Produktionsstätte der Gruppe liegt im südfranzösischen Tournon, wo auch die Wohnwagen von Sterckeman und Caravelair gebaut werden.

Der Gruppengedanke im Hymer-Konzern

Heimat der Hymer-Gruppe ist seit jeher das oberschwäbische Bad Waldsee. Dort trimmte Gründer Erwin Hymer die nach ihm benannte Marke konsequent in Richtung Marktführerschaft und nutzte gleichzeitig gute Gelegenheiten, um Konkurrenten unter seine Fittiche zu nehmen. Die erworbenen Hersteller agierten jedoch nicht nur wie selbständige Unternehmen, sie stellten sich sogar einer Art internem Wettbewerb.

Erst nach dem Tod von Erwin Hymer im Jahr 2013 verstärkte sich der Gruppengedanke im Hymer-Konzern, der inzwischen auch organisatorisch vollzogen ist. Man teilt Wissen und Kapazitäten. Längst werden Eriba-Wohnwagen bei LMC in Sassenberg gebaut und Hymer-Car-Campingbusse bei Laika in Italien. Jetzt folgt der nächste entscheidende Schritt: Nicht nur beim Einkauf und teilweise bei der Produktion arbeiten die Gruppenmarken eng zusammen, sondern auch bei der Konzeption neuer Modelle (siehe auch das Interview mit Martin Brandt).

Das funktioniert sogar über Kontinente hinweg. Beim frisch hinzugekommenen Hersteller Roadtrek in Kanada startet demnächst die Fertigung eines Wohnwagens für Nordamerika, der auf dem europäischen Klassiker Eriba Touring basiert.

Verwandtschaft hat viele Vorteile

Ohne Zweifel erleichtern hohe Stückzahlen ähnlicher Wohnwagen einiges. Es liegt auf der Hand, dass man so Zulieferteile vom Chassis bis zum Kühlschrank günstiger einkaufen und gleichzeitig den Entwicklungsaufwand reduzieren kann. Wenig verwunderlich, dass andere Marktteilnehmer den beiden Großen nacheifern.

Allen voran Knaus-Tabbert. Seit über 20 Jahren ist das in Bayern und Hessen beheimatete Unternehmen als Gruppe verbunden. Nach einem Rückschlag in der Branchenkrise 2008/2009 übernahm der niederländische Investor HTP den Hersteller, verabschiedete sich von Wilk, stellte die übrigen Marken neu auf und bewegt sich seitdem unaufhaltsam nach oben – ohne den Zukauf weiterer Hersteller. 2017 soll der Umsatz um 100 Millionen auf über 500 Millionen steigen. Knaus-Tabbert will über 20.000 Wohnmobile und Wohnwagen produzieren. Dafür hat man das Zweigwerk in Ungarn bereits erweitert, und auch am Stammsitz in Jandelsbrunn wird kräftig investiert. 20.000 Freizeitfahrzeuge – diese Größenordnung hat Hobby mit Fendt längst überschritten und liegt beim Umsatz auf Augenhöhe mit Knaus-Tabbert.

Dass Hobby hier nicht noch stärker auftrumpfen kann, liegt am Schwerpunkt auf Wohnwagen, die im Vergleich zu Wohnmobilen weniger stark zu Buche schlagen. Auch sonst nimmt Hobby eine Sonderrolle ein. Seit jeher verzichtet man beim Wachstum auf Fremdkapital; außerdem steht mit Harald Striewski der letzte verbliebene Gründervater der Branche weiterhin mit am Ruder.

Wettbewerb bei den Wohnmobilen

Ausschließlich auf Wohnmobile setzen dagegen drei Konzerne, die mit Umsätzen von über 200 Millionen Euro ebenfalls zu den wichtigen Mitspielern zählen. Zwei davon sind in Frankreich zu Hause und haben vor über 50 Jahren mit Wohnwagen begonnen: Pilote und Rapido. Vergleichsweise jung ist der stark gewachsene Wohnmobilhersteller Carthago.

Für Wettbewerb und Vielfalt bei den Wohnmobilen ist also gesorgt, zumal von über 100 Marken nur etwa ein Drittel Teil einer Gruppe ist. Überschaubarer sieht es bei den Wohnwagen aus. Hier ist aus dem Markenpoker ein Monopoly-Spiel geworden. Außerhalb der Konzerne sind mit Ausnahme weniger britischer und skandinavischer Marken kaum Anbieter verblieben. Da bleibt es für Käufer nur zu hoffen, dass das Zusammenspiel der Marken tatsächlich zu Innovationen, geringeren Kosten und höherer Qualität verhilft – und nicht zu langweiligem Einheitsbrei.

Globale Zulieferer

Große Konzerne geben nicht nur beim Fahrzeugbau den Ton an, auch die Zulieferer formieren sich verstärkt in mächtigen Gruppen. Nach dem Zusammenschluss der Fahrgestellsparte von Alko mit dem ebenso auf Wohnwagenchassis spezialisierten Dexter-Konzern aus den USA ist hier mit Dexko ein Unternehmen entstanden, das jährlich über einer Milliarde Euro umsetzt. Dessen jüngste Übernahme des Fahrgestellbaus von BPW zeigt auch hier zunehmende Konzentration. Noch etwas höher fällt der Umsatz von Dometic aus. Hier erwirtschaftet man mit 6.500 Mitarbeitern rund 1,3 Milliarden Euro. Die Gruppe ist mit ihrem breiten Angebot vom Kühlschrank bis zur Markise ebenfalls auf allen wichtigen Wohnwagenmärkten vertreten. Hinter der Marke Thetford, die fast jeder Caravaner als Erfinder der Kassettentoilette kennt, steht der große US-Investor Dyson-Kissner-Moran. Dieser veröffentlicht zwar keine Zahlen, kann aber getrost zu den Global Playern gerechnet werden.

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