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Kurbelstützen am Wohnwagen bedienen

Tipps und Technik für den Camperalltag

Ausdrehkurbel Foto: Dieter S. Heinz 19 Bilder

Leichtgängig statt lästig – mit den richtigen Mitteln und Methoden wird das Hantieren an den Kurbelstützen zum Kinderspiel. CARAVANING zeigt Tipps und Technik für den Camperalltag.

10.04.2017 Dieter S. Heinz

Erst die Kurbelstützen verleihen dem Wohnwagen sicheren Stand und richten ihn nach allen Seiten hin waagerecht aus, bringen ihn also "ins Wasser". Nur so brutzeln die Frühstückseier auch souverän in der Pfannenmitte und das Wasser läuft restlos aus Spüle und Duschwanne ab. Aber – Hand aufs Herz – diese Kurbelei nach jedem Ortswechsel ist ganz schön lästig.

Abstützen und Ausrichten sind übrigens die einzigen Aufgaben, für die Kurbelstützen gemacht sind. Weder dürfen sie als Ersatz für einen Wagenheber noch zur allgemeinen Entlastung der Reifen zweckentfremdet werden. Denn dadurch könnten – sofern überhaupt die nötige Kraft zur kompletten Entlastung aufgebracht wird – Schäden an den Chassisholmen und an der Bodenplatte entstehen; vor allem bei einseitiger Belastung. Das Ausrichten des Wohnwagens in Querrichtung muss daher immer über die Achse erfolgen. Ein Rad mit Auffahrkeilen unterlegen oder eine passende Vertiefung für das andere schaffen sind probate Maßnahmen. Erst dann wird der Wohnwagen über das Bugrad längs ausgerichtet, anschließend an allen vier Ecken abgestützt. Genau das kann mitunter ungemütlich werden. Die Ärgernisse lassen sich hierbei an einer Camper-Hand abzählen. Doch keine Sorge: Für alles gibt es eine Lösung.

Neue Handkurbeln schonen die Hände

Sie ärgern sich jedes Mal über die primitive Handkurbel, die Ihnen der Hersteller seinerzeit ins Fahrzeug gelegt hat? Die liegt schlecht in der Hand, ist womöglich schon etwas korrodiert und malträtiert darum beim Kurbeln die Handflächen? Dann gönnen Sie sich doch einfach eine neue. Alko beispielsweise hat Kurbeln in drei unterschiedlichen Längen und mit zwei Hebelgrößen (10 und 14 cm) im Programm. Mit Preisen um zehn Euro strapazieren sie den Geldbeutel kaum und verfügen über handschonende Schlauchmittelteile sowie drehbar gelagerte Kunststoffknöpfe am Kurbelende.

Die coolste Kurbel nutzt wenig, wenn die Stützen unter Belastung, Stichwort Flächenpressung, im weichen Erdboden oder im Schnee einsinken. Dann schlägt die Stunde von Stütztellern wie den knallgelben Jack Pads (bei Frankana für knapp 13 Euro). Oder aber der Camper montiert schwingend gelagerte Plattfüße direkt an die Stützen. Sie verhindern das Einsinken der Stützen ohne die Notwendigkeit, dafür auf die Knie gehen zu müssen, um Platten oder Brettchen unterzuschieben. Die bekanntesten Vertreter dieser Gattung sind die Bigfoots von Alko, die bisweilen bereits ab Werk montiert sind. Das Viererset kostet im Fachhandel rund 95 Euro – recht wenig gemessen am ordentlichen Komfortgewinn.

Wartung und Pflege der Stützen

Bei älteren Stützen kann der Kraftaufwand beim Kurbeln erheblich ansteigen. Entscheidend hierfür ist der Zustand von Gewindespindel und Gelenken. Die führen zwar unter dem Wohnwagen-Boden ein regelrechtes Schattendasein, ab und an etwas Wartung und Pflege schadet deshalb ganz gewiss nicht. Teflonspray aufzutragen wäre eine Möglichkeit. Doch das Gleitmittel wird nach Auskunft von Fachleuten bei Regenfahrten schnell abgewaschen und muss darum häufig frisch aufgesprüht werden. Haftstärker ist dünnflüssiges Spezialspray, etwa das USTA-Werkstattöl von Ballistol (200 ml rund 4,50 Euro). Es unterwandert Feuchtigkeit, verharzt und verklebt nicht und – ganz wichtig – bindet im Gegensatz zu Schmierfett keinen Schmutz. Sind Gewinde oder Stütze bereits zu an- oder ausgeschlagen, kommt nur der Austausch in Frage. Je nach Ausführung kostet eine neue Stütze um 100 Euro.

Recht flott geht das Abspindeln mit dem Akkuschrauber, ideal ist kräftiges 18-Volt-Gerät. Die Mühe, eine ausgemusterte Handkurbel per Flex zu kürzen und einen Sechskant gegen Durchrutschen anzuschleifen, lohnt sich nicht. Denn Reich liefert über den Zubehörhandel passende Adapter wahlweise in 30 und 45 Zentimeter Länge, die nur wenig mehr als zehn Euro kosten und perfekt ins Bohrfutter des Schraubers passen.

Hilfe durch den Stützenbutler

Systembedingt liegt der Sechskant der Kurbelspindel oft weit hinter Bug- und Heckschürzen verborgen und ist deswegen nur mit Mühe zu erreichen. Dann heißt es tief gebückt oder im Knien danach zu stochern. Schmerzhaft, wenn das Kreuz nicht mitmacht, lästig, wenn der Boden matschig oder das Gras nass ist. Abhilfe versprechen in dieser Situation beispielsweise der Stützenbutler light der Firma Ebner (50 Euro, www.stuetzenbutler.de) oder das Komfort-Kit von Alko (65 Euro).

Beim Stützenbutler light fungieren spezielle Alustangen mit 19-mm-Innensechskant als Verlängerung, die mittels zweier Inbusschrauben fest an den Sechskant-Spindelansatz angeklemmt und von einem Splint in der Durchgangsbohrung gesichert werden. Beim Alko-Komfort-Kit sind es Kunststoffführungen, die am Unterboden fest installiert werden und die beiden ebenfalls im Kit enthaltenen Kreuzgelenk-Stangen zielsicher zum Kurbelsechskant leiten. Eine kurze Drehbewegung genügt, damit die Nuss den Sechskant der Stütze greift. Auf diese Weise kann der Nutzer die Standstützen sogar im Stehen abkurbeln.

Sollte es der Akkuschrauber nicht schaffen, die Stützenspindel locker zu drehen, kann der Stützenbutler 2 weiterhelfen. Den hat Frankana für knapp 125 Euro im Programm. Sein Untersetzungsgetriebe reduziert den Kraftaufwand fürs Kurbeln ganz erheblich. Auch dann, wenn manuell abgestützt wird. Für Akkuschrauber und Handkurbel liegen dem Butler entsprechende Adapterteile bei, und selbstverständlich sind auch die Verlängerungen des light-Satzes im Paket enthalten.

Höchster Komfort

Der Gipfel des Komforts sind zweifellos motorisch oder hydraulisch betätigte Stützen: gewissermaßen Knopfdruck statt Kniebeugen und Armschmalz. Bislang sind drei Stützensysteme am Markt; Chassis- und Achsenhersteller Alko hat sein ECS, das Elektronische Stützensystem Premium, schon vor einiger Zeit aus dem Programm genommen, plant aber, in diesem Segment künftig wieder mitzumischen.

Die Anbieter Enduro und Kronings verwenden Elektromotoren als Antrieb für die Stützen. Enduro adaptiert diese innenliegend an der Spindel und bietet das AS201 vormontiert wahlweise als Alko- oder BPW-Stütze (komplett mit Stütztellern) an. Die reinen Antriebe mit Spindel, Anschlussbox und Kabelsatz hat Reimo im Programm. Kronings montiert die Antriebseinheiten separat an der Bodenplatte und greift per Gelenkwelle auf das Spindelende der Serienstütze zu.

Das derzeit unbestritten komfortabelste, aber auch aufwendigste Stützensystem kommt von E&P Hydraulics. Das Levelsystem agiert – der Firmenname sagt es – hydraulisch und erweitert das Stützenquartett mit zwei zusätzlichen Druckstempeln an der Wohnwagenachse. Damit ist es möglich, den Wohnwagen auf Knopfdruck ohne Zutun auszurichten ebenso wie einzelne Stützen manuell anzusteuern. Alle elektrischen Komfortsysteme setzen im Übrigen eine Bordbatterie zur Stromversorgung voraus.

Eine Wasserwaage im Smartphone ist beim Wohnwagenausrichten eine praktische Hilfe. Noch besser ist die Lösung, die Alko jetzt mit der 2Link-Box auf den Markt bringt und die CARAVANING exklusiv installiert und einer Praxisprüfung unterzogen hat. Die Box selbst kostet 149 Euro und ist freilich mehr als nur eine Wasserwaage, denn sie holt auch Daten vom Anhänger-Stabilisierungssystem ATC und liefert alle Informationen über eine Bluetooth-Funkstrecke ans Handy des Fahrers – oder eben auch des Abstützers. Der Einbau stellt keine hohen Anforderungen, die Box ist rasch am Wohnwagen installiert. Einmal eingerichtet, braucht's noch die Waagen-In-App für 9,90 Euro, und schon zeigt beim Einsatz rund um den Wohnwagen die virtuelle Luftblase auf dem Display, an welcher Stütze noch etwas nachgekurbelt werden muss. Vorgesehen ist, dass die 2Link-Box bald noch weitere Funktionen verarbeitet. So wird die Zukunft noch komfortabler.

Motorische oder Hydraulische Stützen

Enduro
Modell: AS201
Gewicht: 34 kg (abz. vorh. Stützen)
Technik: Elektrischer, in die Stütze integrierter Spindelantrieb mit Steuergerät und Fernbedienung, bei Reimo als Nachrüstset für 829 Euro oder bei Enduro als Komplettpaket zu haben, das vorhandene Alko- oder BPW-Versionen ersetzt.
Preis (zzgl. Einbau): 999 Euro

Kronings
Modell: Elektrische Komfortstütze
Gewicht: 12 kg
Technik: Elektrischer Antrieb, Motoreinheiten werden an der Bodenplatte installiert und leiten über eine Gelenkwelle die Drehbewegung auf die Spindelenden der Serienstützen. Fernbedienung optional.
Preis (zzgl. Einbau): 995 Euro plus Fernbedienung 149 Euro

E&P
Modell: Levelsystem
Gewicht: 20 kg
Technik: Hydrauliksystem mit vier Wohnwagen- und zwei Achsstützen, kann sogar automatisch ausgleichen und danach abstützen. Vergleichsweise aufwendiger Einbau mit Pumpeneinheit und Hydraulikleitungen.
Preis (zzgl. Einbau): 2.800 Euro, Fernbedienung optional 250 Euro

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