Steckdosen nachrüsten im Gebrauchtcaravan

Kampf dem Kabelsalat

Steckdosen nachrüsten Foto: Philipp Heise 22 Bilder

Irgendwo im Caravan herrscht immer Steckdosenmangel. Wir zeugen, wie die Nachrüstung funktioniert und haben unserem alten Fendt Platin 510 TF zwei neue Steckdosen über dem Bett spendiert.

  1. 230-V-Steckdosen im Caravan einbauen
  2. USB-Steckdosen im Wohnwagen nachrüsten
Steckdosen nachrüsten Foto: Ismene Brandenburg
Die Mission: Im Redaktionscaravan zwei Smartphones gleichzeitig laden.

Als unser Ferdinand Fendt im Jahr 2000 vom Band rollte, feierte man gerade die ersten Handys mit Farbdisplay. Die Handykamera wurde sogar erst 2002 marktreif. Richtig los ging es dann, als das erste iPhone im Jahr 2007 den Markt aufmischte. Größtes Problem weitere zwölf Jahre später: Woher bekommt der moderne Taschencomputer seine tägliche Ladung Strom? Klare Antwort: Es gibt kaum einen besseren Ort als das offene Ablagefach über dem Kopfende des Bettes. Hier kann das Smartphone die Nacht über laden und liegt griffbereit für einen spontanen nächtlichen Blick auf die Uhr.

Dass Fendt diesen Steckdosen-Einbauort im Jahr 2000 noch nicht auf dem Schirm hatte, wird wohl an den langen Akkulaufzeiten und extrem hohen Roaming-Gebühren liegen, die einem damals noch das Telefonieren im Urlaub vermiesten.

Wer also heute keine Lust auf Kabelsalat und Verteilerdosen-Tetris hat, kann 230-V-Steckdosen verhältnismäßig einfach nachrüsten. Bevor es losgeht, ist allerdings eine deutliche Warnung angebracht: Fehler beim Arbeiten am 230-V-Netz können lebensgefährlich sein. Laien sollten die Nachrüstung daher ausschließlich von qualifizierten Fachleuten durchführen lassen oder die nachgerüsteten Kabel und Steckdosen vor der Inbetriebnahme von einem Elektriker prüfen lassen.

Einkaufsliste für den Baumarkt

Steckdosen nachrüsten Foto: Ismene Brandenburg
Reimo und Hornbach machen’s möglich. Allerdings sollte man sich vor dem Einbau versichern, dass alle Teile untereinander kompatibel sind.

Die eigentliche Nachrüstung lässt sich je nach Grundriss und Entfernung gut im Laufe eines Tages realisieren. Voraussetzung ist aber das richtige Werkzeug. Und das ist meist die erste Hürde, denn wer hat schon verschiedene Abisolierwerkzeuge, eine Crimpzange (zum Quetschen der Aderendhülsen) oder einen Lochbohraufsatz zu Hause? Sei’s drum, ohne den obligatorischen Einkauf im Baumarkt (Material ca. 20 Euro) geht es meist eh nicht. Dort stehen neben den Werkzeugen auch Kabel, Kabelführungen, passende Aderendhülsen und Verbinder wie etwa Wago-Klemmen auf der Einkaufsliste.

Neben einem passenden Querschnitt (1,5–2,5 mm²) ist bei der Wahl des Stromkabels wichtig, dass es flexibel sein muss. Erkennbar ist dies am Aufbau der drei Leitungen (Phasen) im Kabelinneren. Hier muss der Leiter aus vielen dünnen Kupferadern anstelle eines unflexibleren Kupferkerns bestehen.

Passende Steckdosen, -rahmen und Griffschutzabdeckungen für die frei liegende Steckdosenrückseite haben wir im Campingfachhandel, genauer bei Reimo, bestellt. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und Farben. Um den Einbau in unserem Fendt möglichst einfach zu halten, werden die beiden neuen Steckdosen von einer bestehenden Steckdose im Fernsehschrank abgezweigt. Diese ist mit zehn Ampere abgesichert und würde daher weit mehr verkraften als zwei zusätzliche Handyladegeräte. Das Prinzip des Abzweigens ist dabei denkbar einfach und entspricht vereinfacht der Verwendung einer Verteilerdose.

Aber genug der Theorie. In der Praxis ergeben sich ganz andere Herausforderungen.

Steckdosen nachrüsten Foto: Ismene Brandenburg
Die originale Steckdose im TV-Bord ist mit zehn Ampere abgesichert und muss bei unserem Projekt als Basis für die Abzweigungen herhalten.

Nachrüstung der 230-V-Steckdose

  • Nachdem der Caravan in einem ersten Schritt komplett stromlos geschaltet wird, legt man die Anschlussleitung der Spendersteckdose frei. Diese wird anschließend mit einem Seitenschneider gekappt und an beiden Enden abisoliert.
  • Der nächste Schritt gleicht Malen nach Zahlen beziehungsweise nach Farben: Die abisolierten Enden werden nämlich in Dreifach-Wago-Klemmen farblich passend verbunden, deren dritter Einschub den Platz für das neue Kabel bietet.

Zu den Kabelfarben sei kurz erwähnt, dass sie denen im Hausbau entsprechen und sich wie folgt zusammensetzen: Das braune oder schwarze Kabel wird umgangssprachlich als Phase bezeichnet, das blaue als Null- oder Neutralleiter und zu guter Letzt ist das grün-gelbe Kabel der Schutzkontakt (Schuko), der auch als Erde bezeichnet wird. Letzterer verhindert, dass eine defekte Phase das Gehäuse eines angeschlossenen Gerätes unter Strom setzen kann, indem es in diesem Fall einen Kurzschluss bewirkt, welcher die Sicherung auslöst.

Steckdosen nachrüsten Foto: Ismene Brandenburg
Dank Lochsägeaufsatz lassen sich saubere Aussparungen für die Steckdosen bohren. Der Durchmesser muss direkt beim ersten Anlauf passen.
  • So erschwert beispielsweise die Rolltür des Fernsehschranks eine direkte Kabelführung zur anschließenden Dachschrankreihe. Hier helfen Kabelschellen und Klebefixierungen, die das Kabel zwischen den Rolltürschienen auf Kurs zu halten.
  • Durch ein eigens gebohrtes Loch geht es dann in die Dachschrankreihe über dem Bett im Heck. Wobei das Kabelziehen mit einer weiteren Person deutlich einfacher gelingt.
  • Nach oben offene Schottwände und der Gedanke, Kabel und Schrankinhalt zu separieren, erleichterten die Entscheidung für einen Kabelschacht an der Decke der Dachschränke.

Enttäuschung hier: Das Kabel hält zwar im „passend“ gekauften Schacht, dieser lässt sich aber aufgrund des Kabeldurchmessers nicht wie vorgesehen verschließen.

  • Beim Bohren ist Präzision gefragt, denn mit dem Lochbohrer hat man aufgrund seines Zentrierbohrers in der Mitte nur eine Chance.
  • Das Verkabeln der neuen Einbausteckdosen ist dagegen kinderleicht: Hier hilft es, sich nach einem Handyschnappschuss der Spendersteckdose zu richten.

Einen Lerneffekt gab es dennoch: Anders als bei den Wago-Klemmen darf die Klemmvorrichtung in den Steckdosen selbst nicht ohne Aderendhülsen genutzt werden. Letztere werden über die passend abisolierten Leiter gestülpt und mit einer sogenannten Crimpzange verpresst.

  • Abschließend noch die helle Berührungsschutzdose aufgesetzt und die Steckdose ist bereit für die Montage. Dafür wird sie mit vier Schräubchen in das Holz des Ablagebrettes geschraubt.

Nervig: Den einzeln verpackten Steckdosen liegen keine passenden Schrauben bei. Ein optisches Manko: Die Steckdosenblende harmoniert bisher nur bedingt mit ihrem Distanzrahmen. Trotzdem sind die Steckdosen nach der Endabnahme voll einsatzbereit.

Steckdosen-Update

Kurz nach dem Umbau haben wir nochmals im Netz recherchiert und Reimo kontaktiert. Dort erfuhren wir: „Für die verbauten Steckdosen von Presto sind zusätzliche Blenden notwendig. Diese sind aktuell aber nicht in der gewünschten Farbe lieferbar.“ Die Lösung unseres Problems brachte die Umstellung auf das Steckdosensystem Integro von Berker. Vorteil: Blende und Klappe sind bei dieser Variante ein Teil und lassen sich einfach auf den vorhandenen Steckdosenrahmen aufstecken. Nachteil: Das funktioniert natürlich nur, wenn auch die Steckdose und die Berührungsschutzkappe selbst von Berker stammen.

Also wurde nochmals eine Bestellung bei Reimo ausgelöst und die Ersatzdosen gewohnt prompt geliefert. Während des Versandes hieß es noch ein wenig Zittern, da die augenscheinlich mit Blitz fotografierten Blenden im Netz teilweise eher silbern als schwarz/anthrazit wirken. In Natura gab es dann aber Entwarnung. Sämtliche sichtbaren Teile haben ein schönes dunkelgrau und fügen sich somit harmonisch in das Gesamtbild.

Steckdosen nachrüsten Foto: P. Heise
Nach einer erneuten, kurzen Umbauaktion, kann sich das Ergebnis sehr gut sehen lassen.

Der anschließende Umbau funktionierte richtig zügig – kein Wunder, da die zeitaufwendig verlegten Kabel ja schon an Ort und Stelle liegen. Somit beschränkte sich die Umrüstungsarbeiten auf die Halte- und Anschlussschrauben. Abschließend wurden noch hinten der Berührungsschutz und vorn die Kappen aufgeklickt. Somit kann sich das Ergebnis endlich sehen lassen, da nun auch die nachgerüsteten Steckdosen aussehen wie die Originalen.

2. USB-Nachrüstung im Wohnwagen

Ohne Anschluss an das Stromnetz sind die 230-V-Steckdosen im Caravan nicht zu gebrauchen. Um Smartphone oder Tablet dennoch laden zu können, muss das 12-V-Bordnetz herhalten, da dieses auf die Zugfahrzeug- oder Bordbatterie zugreift. Passende USB-Ladedosen gibt es im Campingfachhandel für etwa 30 bis 50 Euro. Die Nachrüstung selbst gleicht der am 230-V-Netz:

Steckdosen nachrüsten Foto: Ismene Brandenburg, Philipp Heise
Die Dose wird häufig über eine Mutter auf der Rückseite fixiert.

  • Zuerst wählt man den Platz für die neue Ladedose und ermittelt den Durchmesser des benötigten Lochs. Auch hier ist ein entsprechender Lochkreisbohrer für die Montageöffnung notwendig. Nicht immer müssen die Möbel zerlegt werden, um den Ausschnitt für die neue USB-Ladesteckdose zu sägen.
  • Für eine schnelle Nachrüstung bietet es sich an, die Zuleitung von einem bereits abgesicherten Stromkreis abzuzweigen. Im Falle des 12-V-Netzes sind die Zuleitungen der Lesespots häufig geeignete Spender.
  • Sind die Plus- und die Masseleitung mittels Multimeter oder Prüflampe identifiziert, helfen Wago-Klemmen beim Abzweigen.
  • Soll der Strom von einer Bordbatterie kommen, muss die Plusleitung mit einer eigenen Sicherung versehen werden, die möglichst nah am Pluspol der Batterie sitzen sollte. Das Minuskabel klemmt man in diesem Fall, mit einer kleinen Ringschelle versehen, direkt an den Massepol der Bordbatterie.
  • Die Dose selbst wird häufig über eine große Mutter auf der Rückseite fixiert. Die zugehörige Frontblende wird separat mit zwei Schräubchen befestigt.
  • Ein Schalter in der Plusleitung blockiert den Eigenverbrauch der USB-Dose.

Tipp: Auch ohne eingestecktes Gerät entladen USB-Ladedosen langsam den Bordakku, da ein 5-V-Spannungswandler integriert ist. Abhilfe schafft ein kleiner Schalter, der den Ladestromkreis unterbricht und damit die Bordbatterie schützt. Dieser sollte genau wie die Sicherung in der Plusleitung montiert werden.

Fazit

Bei der Bestellung kann es zahlreiche Stolpersteine geben. Daher ist ein Besuch vor Ort der Bestellung im Netz vorzuziehen. Tipp: Mit einem Handy-Foto (ohne Blitz) lässt sich die passende Farbe im Laden nochmals besser finden.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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