Tiny House aVoid

Italienischer Architekt tourt durch Europa

Tiny House aVoid Foto: Gianluca Fiore 37 Bilder

Wie ist das Leben in einem Tiny House? Diese Frage kann der italienische Architekt und Ingenieur Leonardo Di Chiara mit seinem Modell aVoid beantworten. Er wohnt in dem Mini-Haus und tourt damit durch europäische Großstädte.

Den Traum vom Eigenheim haben viele, aber nicht alle können ihn sich erfüllen. Vor allem selten so junge Leute wie der italienische Architekt und Ingenieur Leonardo Di Chiara. Mit 28 hat sich schon ein Haus gebaut. Das allerdings im Mini-Format, auf Rädern und mit einer Anhängerkupplung, kurz: ein Tiny House. „Es war mein großer Wunsch ein Haus zu bauen, aber ich wollte auch unterwegs sein und auf Reisen gehen, deswegen entschied ich mich dazu dieses Tiny House zu bauen“ sagt Di Chiara. Auf gerade einmal neun Quadratmetern lebt er jetzt. Anders als beim Wohnwagen sind dabei Küche, Bett, Bad und Tisch nicht permanent, sondern alles ist in den Wänden versteckt und kann nach den Wünschen des Bewohners aufgebaut werden.

Leben auf 9 Quadratmetern

Tiny House aVoid Foto: Giaccomo Terracciano
Wohnen auf 9 qm. Wenn alles weggeklappt ist, hat es Platz.

Das Tiny House ist 5,06 Meter lang, 2,53 Meter breit und vier Meter hoch. Die neun Quadratmeter Wohnfläche könnten bei der Planung ganz zufällig herausgekommen sein, schließlich gibt es die kleinen Häuser in vielen verschiedenen Größen, doch sie wurden vom Architekten genau eingeplant. Neun Quadratmeter entspricht der minimalen Wohnraum-Größe in Italien, dies besagt das Gesetz. Di Chiara will also zeigen, was auf kleinstem Raum möglich ist.

So wird ein Tiny House gebaut
Ein Leben auf kleinstem Raum

Leonardi Di Chiaras Tiny House trägt den Namen aVoid, der englische Begriff bedeutet auf deutsch „Leere“. Eine Leere, also ein leerstehender Platz kann mit so einem Haus auf Rädern gefüllt werden. Designed wurde das Haus vom Architekten, zum Bauen hat er sich allerdings Hilfe von einem Zimmermann geholt. In Zusammenarbeit mit der Tinyhouse University, einem Berliner Kollektiv, das Tiny Houses erforscht, und 40 technischen Sponsoren konnten sein Vision in die Tat umgesetzt werden. Derzeit hat das aVoid einen Wert von 60.000 Euro.

Tiny House aVoid Foto: Anna Fontanet Castillo
Im aVoid kann gegessen, gearbeitet und geschlafen werden.

Flexible Möbel im Tiny House

Wenn man das kleine Haus durch die Glasfront betritt, steht man quasi mitten im Wohnzimmer. Dieses lässt sich mit ein paar Handgriffen zum Schlafzimmer umfunktionieren und hinter einer Schrankwand verbirgt sich die Küche. Am Eingang links befindet sich das Bad. Es besteht aus Marine-Sperrholz, einem Holz das auch im Bootsbau benutzt wird und wasserabweisend ist. Allerdings hat Di Chiara aktuell noch keine Duschwanne eingebaut und duscht deshalb außerhalb. Die Toilette ist keine klassische Kassettentoilette, wie im Wohnwagen, sondern ein Öko-Model mit Sägespänen. Der Wassertank fasst 60 Liter. Auf dem Dach kann man sich auf einer kleinen Terrasse zwischen den Solarpanels hinsetzen und unter den Dachfenstern ist ein kleiner Kräutergarten angelegt. Strom bezieht das Tiny House von der Solaranlage auf dem Dach, deswegen muss es regelmäßig in der Sonne stehen. Den Winter über wird der Architekt und Ingenieur nach Rom fahren, derzeit tourt er mit dem Tiny House durch eurpäische Städte, um seinen minimalistischen Lebensstil vorzustellen.

Tiny House aVoid Foto: aVoid
Zum Schlafen müssen Fenster und Türen verschlossen und verdunkelt werden, gegen neugierige Blicke.

„Ist es nicht komisch nachts mitten in der Stadt in dem Tiny House zu schlafen“ fragen wir den Designer und Bewohner. „Nein“ sagt Di Chiara „Die Menschen sind sehr respektvoll, natürlich sind sie neugierig, aber für die Nacht habe ich dicke Rolläden, da kann keiner reinschauen“. Außerdem sagt er, bräuchte man die Umgebung einer Stadt, wenn man in so einer kleinen „Wohnung“ lebt. So kann er auf ein großes Bücherregal verzichten, sondern geht dann einfach in die Bibliothek oder man muss sich keine eigene Waschmaschine anschaffen, sondern nutzt Waschsalons. Freunde einzuladen sei aber kein Problem, sagt Di Chiara. Man kann ja auch vor dem Tiny House sitzen. Allerdings sei es wichtig, dass die Gäste beim Essen auch ja ihre Teller ganz sauber essen. Wie man das von Wohnwagen- und Wohnmobil-Rohren kennt, ist es nicht so förderlich Öle und Fette von Tellern abzuspülen, dabei können die Leitungen schnell verschmutzen. Leonardo Di Chiara sagt dafür hätte er auch schon eine Lösung. Er bereite dann immer kleine Brotstücke vor, mit denen man den Teller „sauber wischen“ kann. In Italien gibt es für dieses Ritual sogar einen Namen: Scarpetta.

Sein aVoid kommt so gut an, dass er aktuell auf der Suche nach einem Investor ist, um das Haus in Serie produzieren zu lassen. Dann soll es allerdings viel billiger werden und nicht für 60.000 Euro angeboten werden. Er könnte sich auch vorstellen, sein eigenes Tiny House später zum Test-Wohnen anzubieten.

Auf seiner Tour steht Di Chiara noch bis zum 21. Oktober 2018 steht Di Chiara in Stuttgart auf dem Österreichischen Platz. Dort ist er Teil des Projekts „Wohnen unter der Paulinenbrücke“, bei dem es um die Wohnungsitation geht. Er will zeigen, wie man auch mit sehr wenig Platz auskommt. Könnten Tiny Houses die Lösung für die Wohnungsnot in Großstädten sein? Dieses und weitere Themen werden die ganze Woche in Stuttgart unter der Paulinenbrücke diskutiert – vielleicht auch bei einer Runde Scarpetta.

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