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B96-Führerschein für Caravaner

Wie bekommt man den B96-Führerschein?

B96 Foto: promobil 9 Bilder

Was bringt der B96 und wie sieht die Prüfung dazu aus? Unser Volontär Martin Ehrenfeuchter hat sich dem Test gestellt und fragt sich dabei: Abzocke, Geldmacherei oder doch sinnvoll?

23.06.2017 Martin Ehrenfeuchter 1 Kommentar

Setzen, 6! Oder in diesem Fall wohl eher "Setzen, B96!". Wer Gespanne mit mehr als 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse fahren möchte und wie ich erst nach der Jahrtausendwende den Führerschein der Klasse B erworben hat, der muss noch einmal die Schulbank drücken, oder besser gesagt die Fahrschulbank. Am Ende des eintägigen Seminares winkt als Belohnung der B96-Führerschein.

B96-Führerschein: So absolviert man die Schulung

Beim Betreten des Schulungsraums fühle ich mich wieder etwas in meine Schulzeit zurück versetzt. Zugegebener Weise bin ich dann doch etwas nervös. Doch schnell stellt sich heraus: Alles halb so schlimm! Die lockere Art von Fahrlehrer Zeilmann sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Dann prasselt auch schon der Lehrstoff auf uns herab, schließlich haben wir nicht viel Zeit. An nur einem Tag kann der B96-Führerschein erworben werden. Manche Fahrschulen bieten die gut achtstündige Schulung inzwischen auch im Rahmen des Urlaubs auf dem Campingplatz an.

B96: Der Turboführerschein für Caravaner

Die Schulungsinhalte sind in zwei Blöcke unterteilt: Einem gut zweieinhalbstündigem Theorie- folgt ein viereinhalbstündiger Praxisteil, der sowohl auf einem Übungsgelände als auch im öffentlichen Straßenverkehr stattfindet.

Zuerst stehen theoretische Inhalte auf dem Stundenplan. Der Ablauf ist mit dem Fahrschulunterricht von früher zu vergleichen. Der Lehrer steht vor einer Leinwand, erklärt die Straßenverkehrsordnung und stellt mir Fragen, die ich auf Anhieb nicht beantworten kann: "Welche Gesamtlänge darf ein Gespann nicht überschreiten?", fragt mich Matthias. Ich rate, falsch. Die Lösung: Besitzer der B-Fahrerlaubnis dürfen sich hinter das Steuer bis zu 18 Meter langer Gespanne setzen.

Aber es bleibt nicht nur bei der grauen Theorie: Wir lernen zunächst theoretisch das korrekte Ankuppeln eines Caravans, dann folgt die Umsetzung in der Praxis: Bugrad auf die benötigte Höhe auskurbeln, Sperrhebel öffnen – Sie kennen den Rest.

Ab hinter das Steuer des Gespanns

Dann darf ich mich endlich hinter das Steuer setzen. Zunächst heißt es, sich mit den neuen Umständen vertrautzumachen. Wir bekommen einen Zugwagen mit Automatikgetriebe. Das erleichtert uns das Fahren gerade in den Anfangsminuten enorm und wir können uns voll auf die Straße vor und den Caravan hinter uns konzentrieren. Die ersten Runden auf dem abgesperrten Gelände der Erwin Hymer World fahre ich dementsprechend ganz vorsichtig. Mit der Zeit werde ich mutiger und schneller: Ich beschleunige, bremse ab, fahre Kreise, Kurven und wende. Es folgt die Königsdisziplin, vor der ich am meisten Respekt habe: das Rangieren.

Das Rangieren mit dem Caravan

Zugegeben: Das sieht zu Beginn bei mir doch noch alles ziemlich abenteuerlich aus. Nach dem vierten Versuch habe ich dann jedoch so langsam den Dreh raus – im wahrsten Sinne des Wortes – und parke rückwärts sauber zwischen die aufgestellten Pylonen ein. Tipps und Tricks zum richtigen Rangieren erhalten Sie im Folgebericht ab Seite 8. Auf dem Gelände können wir uns weiter austoben, dann wird es ernst und man lässt mich in den öffentlichen Straßenverkehr.

Wir fahren zunächst auf der Landstraße. Zum ersten Mal bekomme ich ein Gefühl dafür, wie der Caravan bei mäßig starkem Wind reagiert. Es geht durch ein, zwei Kreisverkehre, ehe wir für eine dritte Runde auf die Autobahn fahren: Spurwechsel und Tempo 100 ist angesagt. Ich fühle mich immer sicherer mit meinem gut 1200 Kilogramm schweren Caravan im Schlepptau. Ein Blick nach links in den Seitenspiegel, ein Blick nach rechts – es läuft.

Zum Abschluss geht es dann noch auf einen Campingplatz – Wenden und Rangieren ist angesagt, diesmal ohne Hütchen. Noch einmal An- und Abkuppeln und dann ist die Stunde auch schon vorbei und ich halte das so wichtige Zertifikat in meinen Händen. Gleich weiterfahren darf ich jetzt allerdings noch nicht. Das Formular muss ich zunächst meiner zuständigen Fahrerlaubnisbehörde vorlegen und dort einen neuen Führerschein samt Schlüsselzahl beantragen.

Fazit B96-Führerschein

Zugegeben, auch ich war zunächst skeptisch, als ich mich im Vorfeld mit dem B96 auseinandersetzte. Warum einige Hundert Euro investieren, wenn ich am Ende sowieso nicht alle Anhänger ziehen darf. Zudem: An einem Tag sollen ich lernen, einen bis zu zwölf Meter langen Caravan zu ziehen? Das kann nichts vernünftiges sein! Da ich jedoch zu der Fraktion „Erst einmal anschauen, dann darüber urteilen" gehören, gab ich dem B96 eine Chance. Und er hat sie genutzt!

Das lag zum einen sicherlich am aufgeschlossenen Fahrlehrer, zum anderen überzeugte mich die Idee, die hinter dem B96 steckt. Entgegen meiner Vermutung, das Seminar sei reine Geldmache, ist es im Grunde genommen ein Entgegenkommen an die Caravan-Liebhaber. Mit dem B96-Führerschein darf ich so gut wie jeden Caravan ziehen. Das eintägige Seminar unterscheidet sich im Wesentlichen nicht groß von einem umfangreichen Fahrsicherheitstraining: Bremsen, Wenden, Rangieren, gemischt mit etwas Theorie. Das Training nimmt unsicheren Fahrern die Angst – egal ob männlich oder weiblich. Ein weiterer Vorteil: die Zeit. Am Endes des Tages bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat in die Hand. Der B96 ist somit in nicht einmal acht Stunden absolviert. Ich kann die Argumente der Skeptiker nachvollziehen. Für mich als Fahranfänger gibt es allerdings ein klares Urteil zugunsten des B96: Das Geld lohnt sich!

Alle wichtigen Informationen zum B96 im Überblick

Was bringt der B96?

Der B96 stellt eine Erweiterung des Führerscheins der Klasse B dar. Er ist damit also keine eigens für sich stehende Führerscheinklasse, sondern eine Schlüsselzahl des B-Führerscheins. Schlüsselzahlen sind Ziffern, die zusätzliche Kompetenzen angeben. Sie sind auf dem Führerschein angeben. Ein Erwerb führt zur Aufhebung der zulässigen Gesamtmasse des Anhängers von ursprünglich 750 Kilogramm. Die maximal zugelassene Gesamtmasse aus Zugfahrzeug und Caravan darf jedoch das Gewicht von 4,25 Tonnen nicht überschreiten.

Was wird gelernt?

Der theoretische Schwerpunkt liegt bei der B96-Schulung beim korrekten Beladen, der Besonderheit der Fahrzeugdynamik sowie der Fahrzeugtechnik. Im Praxisteil werden das An- und Abkoppeln, das Bremsen, das Rangieren und das Fahren auf Land- und Bundesstraße sowie Autobahn gelernt und geübt.

Wie sieht's aus mit Vorraussetzungen und Kosten?

Das Mindestalter für den B96 beträgt 17 Jahre. Die Kosten für den eintägigen Kurs belaufen sich von auf 300 bis 500 Euro. Damit ist der Führerschein nicht nur zeitunkritisch, sondern auch relativ günstig. Eine theoretische oder praktische Prüfung entfällt. Der Fahrlehrer entscheidet ob einer erfolgreichen Teilnahme. Inzwischen bietet fast jede Fahrschule den B96-Führerschein an.

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Ich habe folgende Fahrzeugkombination:

Zugfahrzeug:
Leergewicht: 1,4 to
Zul. Gesamtgewicht: 2 to.
Zul. Anhängermasse: 1,8 to.
Anhänger:
Leergewicht: 0,5 to
Zul. Gesamtgewicht: 2,7 to.


Ist das noch B96 oder schon BE?

rolandscharf 26. September 2017, 12:52 Uhr
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