Ferienbericht eines Camping-Anfängers

Zum ersten Mal Urlaub im Caravan

Anfänger Foto: Jens Dralle 8 Bilder

Sommer, See und Selbstbestimmung – Zeit für einen Urlaub mit dem Wohnwagen, Camper auf Probe sozusagen. Kann ja nicht so schwer sein. Hänger dran, ab dafür, oder?

Leichtes Blätterrascheln, gedämpfte Stimmen von drumherum, der süßliche Duft frischer Luft – jetzt, hier. Und da der Deutsche an sich ja immer mault: Fehlt nur noch das würzige Aroma frischen Kaffees. Aber nein, wir wollten ja campen. Heißt: Kaffee selber aufbrühen. Wie überhaupt alles selbst machen. Einkaufen, kochen, abspülen. Urlaub. Nicht aufstehen. Liegen bleiben. Durch die große Dachluke zusehen, wie sich Äste und Blätter jenes Baumes im leichten Wind bewegen, in dessen Schatten unser Wohnwagen parkt.

Der Campingplatz am Südufer des Lago Maggiore erwacht. Korrigiere: ist offenbar schon wach. Zumindest an der Vielzahl der Stimmen gemessen, die durcheinanderflattern, überraschenderweise in angenehmer Lautstärke. Obwohl so ein Wohnwagen jetzt nicht unbedingt wirkt, als sei er aus dem Vollen gefräst. Das Zugfahrzeug schon. Deshalb beschlossen wir früh, eher die Wohnwagen- als die Wohnmobil-Typen zu sein. Auch weil wir nicht umhertingeln wollen, heute hier, morgen dort. Lieber den einen oder anderen Tagesausflug im eigenen Pkw.

Anfänger Foto: Jens Dralle
Solider Zugwagen, geräumige Ferienwohnung am Haken: gute Gründe, ein Reisemobil zu verschmähen.

Wir zählen jedenfalls zu den wenigen, die noch in den Federn liegen. Vielleicht kommt ja doch noch jemand und bringt Kaffee. Stattdessen piepst aus dem Schlafsack unserer Tochter ein dünnes „Mogän“, sie räkelt sich im Stockbett im Bug. Es ist 9 Uhr, die junge Dame hat gestern noch ordentlich einen draufgemacht. In der Minidisco. Was Vierjährige eben so machen, Polonaise, mitsingen, Theater gucken. Abends herrscht Vollbespaßung für Kinder, den Rest besorgen die zahlreichen Rutschen und Klettergerüste, alles in direkter Nachbarschaft der platzeigenen Pizzeria. Perfekt: Müssen wir nicht gleich am ersten Abend den Gasherd des Eriba ausprobieren.

Wir liegen immer noch im Hubbett, das den Umbau der Rundsitzgruppe zum Elternbett entbehrlich macht. Fein. Das bedingt zugleich einen höheren Aufbau und Stehhöhe von 2,08 Meter – schön für das Raumgefühl. Aber auch: Ungünstige Verschiebung des Schwerpunktes beim Fahren. Hatte Gespannfahren irgendwie weniger schaukelig in Erinnerung. Ist aber auch schon lange her, dass ich einen Caravan zog. Übrigens ohne darin zu wohnen, sondern zu Testzwecken. Darin wohnen? Noch länger her. Etwa … ja ... wirklich? Tatsächlich: 37 Jahre. Sprich: Die Eltern kümmerten sich um alles.

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Üben, üben, üben...

So wie meine Frau und ich jetzt. Wir genossen viele Aufenthalte in Hotels, jetzt müssen wir selbst ran. Wollten wir ja auch. Und es ist gut. Allein das Einkaufen im nahegelegenen Supermarkt erholt, kauft der Italiener doch mit viel mehr Lust auf Lebensmittel ein als wir zu Hause. Das steckt an. Und erweitert das schüttere Speisekarten-Italienisch um ein paar Begriffe. „All‘ etto“, beispielsweise: 100 Gramm. Unser Zwerg lernt beim Spielen andere Kinder kennen, aus Italien, aus den Niederlanden.

Wir lernen beim Spülen andere Camper kennen, vor allem aber auch unsere eigenen Unzulänglichkeiten, wenn du erkennst, wie professionell das die anderen angehen. Mit mehreren Plastikwannen und so. Egal. Wir üben ja noch. Vorzelt? Gibt’s nicht. Stattdessen noch schnell den Pavillon aus dem Garten abgebaut und eingepackt. Ja, und die Zehn-Liter-Gießkanne. „Eine Gießkanne muss mit, Jens“, hör ich ihn noch sagen, den Ingo, Profi-Camper und Chefredakteur dieses Magazins. Er sah die Fragezeichen, die von hinten durch meine Pupillen schimmerten. „Na, um den Frischwassertank zu füllen. Falls dein Platz keinen Wasseranschluss hat.“ Nun, wo er Recht hat. Also gehört auch das regelmäßige Wasserholen zu den Ritualen.

Anfänger Foto: Jens Dralle
Mit etwas Glück gibt es sogar einen Stellplatz in bester Lage: Nahe zum Strand und weit weg von den nächsten Mülltonnen.

Wir sind ja schon froh, überhaupt einen schönen Platz gefunden zu haben, schließlich beanspruchen wir schon seit jeher den Titel „schlechteste Urlaubsplaner der Welt“. Zwei Wochen vor Abreise beschlossen die beste aller Ehefrauen und ich: Jep, wir probieren mal Urlaub im Wohnwagen. Natürlich in der Hauptsaison. Auch wenn wir damit rechneten, den Eriba Living 555 XL neben den Mülltonnen abstellen zu müssen – egal. Und jetzt: Keine Mülltonnen. Stattdessen grün, saubere Sanitäranlagen ums Eck, zweimal umfallen, und du liegst am platzeigenen Strand.

Die Begeisterung ist groß

Da steht er also, unser Wohnwagen, schon die Fahrt war ein kleines Abenteuer, einfach weil es für uns neu ist, so zu urlauben. Brauche ich jetzt zwei Vignetten? Wie schnell darf ich eigentlich im Ausland mit dem Gespann fahren? Warum zum Teufel will das Navi, dass ich statt der Autobahn die Passstraße nehme? Egal. Angekommen.

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Und noch bevor der Gedanke zu Ende gedacht war, wie der Eriba nun über den Absatz auf den Stellplatz zu wuchten wäre, eilte der Nachbar herbei und packte mit an. Schließlich habe er dasselbe Problem gehabt. Vor drei Wochen, als er und seine Familie ankamen. Profi-Camper. Mit voll eingerichtetem Vorzelt. Ob wir wohl auch mal so …?

Die eine Woche jedenfalls lief super, wir wollen wieder. Trotz selber machen. Oder gerade wegen? Findet übrigens auch die Gattin. Aber warum eigentlich? Ginge doch auch in einer Ferienwohnung. Wir finden keine befriedigende Antwort. Einigen uns auf den Ausblick am Morgen. Das Rascheln der Blätter, der süße Duft frischer Luft. Ach ja: Derzeit suchen wir nach einem Wohnwagen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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