Auswirkungen von Covid-19 aufs Camping
Corona-Krise und Camping
Little sisters using digital tablet in a camping tent while their mom working on laptop computer at home in the evening. Digital Vision/gettyimages

Campingurlaub 2021: Saisonstart verschoben

Campingurlaub 2021 Kein Saisonstart zu Ostern

Die Corona-Pandemie hat den Campingtrend befeuert. Allerdings gilt über Ostern eine Lockdown-Verschärfung – der Saisonstart 2021 ist verschoben. Der Beliebtheit der Urlaubsform Camping sollte das keinen Abbruch tun.

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Update 23.3.2021: Die Bundesregierung hat den verschärften Oster-Lockdown abgesagt. Das Beherbergungsverbot gilt jedoch weiterhin.
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Bis zur Bund-Länder-Konferenz am 22. März 2021 haben viele CamperInnen gehofft, dass Campingplätze und Stellplätze über Ostern öffnen dürfen. Doch der bereits bestehende Lockdown und das Beherbergungsverbot wurden bis zum 18. April verlängert. Genau über die Osterfeiertage tritt zusätzlich der #WirBleibenZuHause-Lockdown mit strengeren Kontaktbeschränkungen in Kraft.

Was bedeutet das? Von Donnerstag 1. April bis Montag 5. April gelten bundesweit verschärfte Maßnahmen. Das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben soll an diesen fünf Tagen in Deutschland so stark heruntergefahren werden wie noch nie. Einzig der "Lebensmitteleinzelhandel im engeren Sinne" darf am Ostersamstag öffnen.

Kein kontaktloses Camping möglich

Fünf Bundesländer waren dafür, an Ostern den sogenannten "kontaktlosen" Urlaub in Ferienwohnungen und im eigenen Wohnwagen oder Wohnmobil zu erlauben. Dazu gehörten: Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Voraussetzung sollte sein, dass eigene Sanitäreinrichtungen verfügbar sind und Essen selbst organisiert werden kann. Doch in der Konferenz, die bis tief in die Nacht dauerte, wurde dieser Vorschlag nach langen Verhandlungen abgelehnt.

Corona Camping Maske
Westend61/Gettyimages
Kontaktloser Campingurlaub wäre für einige Bundesländer eine Option gewesen - doch die Coronakonferenz entscheid sich dagegen.

Der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V. (BVCD) hatte das Konzept zum kontaktlosen Urlaub mit entwickelt und kritisiert die Entscheidung. Es sei unverständlich, warum Auslandsreisen – beispielsweise nach Mallorca – erlaubt seien, aber Selbstversorger-Urlaube im eigenen Land oder Bundesland nicht. Zumal Kontaktbeschränkungen, Hygieneauflagen und regelmäßige Tests für Sicherheit sorgen könnten. "Campingurlaub an der frischen Luft ist insbesondere mit einer nationalen Teststrategie, in das die Campingplätze eingebunden werden und mit digitaler Nachverfolgung auch unter den gegenwärtigen Pandemiebedingungen vertretbar.", so Dr. Gunter Riechey, Präsident des BVCD.

Ob und wann die Reise- und Campingsaison 2021 losgehen kann, steht derzeit nicht fest. Es wird voraussichtlich bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 8. April beschlossen. Bislang steht nur fest: Camping auf Campingplätzen ist bislang kein Pandemietreiber gewesen. Da Urlaube auf Campingplätzen kontaktarm und mit viel Frischluft verbunden sind, erfreut sich diese Reiseform zu Corona-Zeiten großer Beliebtheit.

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Camping gefällt immer mehr Menschen

Alteingesessene CamperInnen beobachten bereits seit einigen Jahren, dass die Campingplätze immer voller werden. Auch 2020 waren die Plätze hierzulande und im Ausland gut besucht – in den Monaten, in denen das Reisen erlaubt war. Dass Camping im Trend liegt, lässt sich auch anhand steigender Fahrzeug-Neuzulassungszahlen belegen.

Im Jahr 2020 wurden zwischen Januar und Dezember 29.148 neue Wohnwagen zugelassen. Ein Wert, den es in Deutschland zuletzt im Jahr 1994 gab. Dies entspricht einem Plus von 8,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Damit ist 2020 das siebte Jahr mit Anstieg in Folge. "Caravaning steht für vielfältige und selbstbestimmte Urlaubsgestaltung und ist daher für immer mehr Menschen attraktiv", sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes e.V. (CIVD).

Noch beliebter als Caravans sind Reisemobile. 2020 erreichten die Neuzulassungen von Reisemobilen mit 78.055 Fahrzeugen einen neuen Bestwert. Im Vorjahresvergleich entspricht dies sogar einem Wachstum von 44,8 Prozent. Nimmt man Wohnwagen und Reisemobile zusammen, wurden 107.203 Freizeitfahrzeuge im Jahr 2020 deutschlandweit neu zugelassen. Das ist zusammen ein Plus von 32,6 Prozent im Vergleich zu 2019.

Happy young couple looking at tablet inside camper van
Westend61
Social-Distancing funktioniert im eigenen Campingmobil mit eigener Küche optimal. Der Boom aufgrund der Coronapandemie ist nachvollziehbar.

"Die Pandemie hat grundsätzliche und langfristige Entwicklungen im Tourismus wie Nachhaltigkeit, regionales und individuelles Reisen oder den Trend zurück in die Natur beschleunigt. Wegen der besonderen Eignung von Caravaning für diese Kundenbedürfnisse und die aktuelle Situation dürfte sich das Wachstum der Neuzulassungen 2021 fortsetzen", so Onggowinarso.

Corona beeinflusst 2021 die Wahl des Urlaubsziels

Ähnlich gute Aussichten für die Campingbranche sieht die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) e.V. im Rahmen ihrer Reisetrendanalyse 2021 voraus. Denn laut FUR rücken im Jahr 2021 wieder Urlaubsziele in der Nähe in den Fokus, die möglichst mit dem eigenen Fahrzeug erreichbar sind und genügend Abstand zu anderen Menschen ermöglichen. Wohnwagen und Camping sind für diese Art des Urlaubs mit Social-Distancing prädestiniert.

Wie bereits 2020 sind Flug- und Fernreisen für die Mehrheit der Befragten in diesem Jahr weiterhin keine Option. Aufgrund der angespannten Lage erwarten UrlauberInnen von Anbietern Flexibilität und Kulanz bei der Buchung sowie auch angemessene Hygiene- und Sicherheitskonzepte vor Ort. Alles äußere Faktoren, die beim Camping mit dem eigenen Fahrzeug von Einzelpersonen leichter selbst steuerbar sind als etwa beim Urlaub im All-inclusive-Hotel mit Flug.

Weiter hat die Studie ergeben, dass die Urlaubslust insgesamt mit 51% (Vorjahr 57%) leicht gesunken ist. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist 2021 mit einer Dämpfung der touristischen Nachfrage zu rechnen. Gründe hierfür sind vor allem Restriktionen im Zusammenhang mit der Eindämmung des Corona-Virus. Weitere Ursachen seien wirtschaftlicher Natur oder weil die Reiselust abhandengekommen ist.

Insgesamt stellt die Forschungsgemeinschaft aber, trotz aller Umstände, eine positive Prognose für das Reisejahr 2021. Besonders rosige Aussichten sind es fürs Camping, wie es auch die aktuellen Zulassungszahlen von Freizeitfahrzeugen unterstreichen.

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Ja, ich finde es super, dass immer mehr Menschen die Reiseform ebenso feiern wie ich.
Nein, ich bevorzuge leerere Plätze und weniger Campingmobile auf den Straßen.

Mehr Infos von CIVD und FUR.

Fazit

Es zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab: Camping wird gesamtgesellschaftlich positiver wahrgenommen. Insbesondere junge Menschen entdecken die Urlaubsform für sich. Man kann nur hoffen, dass die Infrastruktur fürs Camping entsprechend mitwächst und es genügend Campingplätze für all die neuen Campingfans gibt.

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