FKK-Camping Dirk Engelhardt
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FKK-Camping an der französischen Atlantikküste

FKK-Feriendorf an der französischen Atlantikküste FKK am Atlantik ausprobiert: So ist es wirklich

In Aquitanien an der französischen Atlantikküste gibt es Nudistendörfer mit Platz für mehr als 10.000 FKK-Freunde. Was begeistert Camper am hüllenlosen Urlaub? Unser Autor hat's ausprobiert.

Die Bilder in Prospekten von FKK-Anlagen täuschen: Dort tummeln sich am Strand, vor den Chalets und in der Hängematte vor allem junge, wohlgeformte Frauen. In der Realität sieht der erste Eindruck etwas anders aus: Der überwiegende Teil der nackten Urlauber sind nicht mehr ganz junge und auch nicht unbedingt schlanke Männer. Ich habe mich getraut und eine Reise in den französischen Club Naturiste La Jenny in der Nähe von Arcachon am Atlantik gebucht.

Hier in der Aquitaine gibt es mehrere Villages Naturistes, wie FKK-Anlagen in Frankreich genannt werden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es nur bestimmte Strandabschnitte für Nudisten gibt, ist in Frankreich die gesamte Ferienanlage hüllenlos. Das heißt, man kann nackt in den Supermarkt gehen, ins Restaurant oder auch zum Friseur. Nackt auf dem Fahrrad fahren darf man bis zu den Grenzen des zwei Kilometer langen Geländes. Wer das Gelände verlässt, muss sich wenigstens Bikini oder Badehose anziehen.

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Nackt radeln ist ein luftiges Vergnügen. Nicht vergessen: ein Handtuch zum Unterlegen.

"Bei uns darf man nackt sein, es ist aber kein Zwang", erläutert Jean-Lou, der seit vielen Jahren Naturist ist, die Lebensweise. Tatsächlich sieht man in La Jenny viele Pärchen, bei denen der Mann nackt ist, während seine Partnerin sich in einen Pareo hüllt oder sogar ganz angezogen ist. Darauf angesprochen, erklärt Jean-Lou, dass "Frauen im Allgemeinen" leider viel kritischer mit sich selbst sind und sich nackt in der Öffentlichkeit oft nicht wohl fühlten. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist die treibende Kraft bei der Buchung des Naturistenurlaubs wohl der Mann.

Blickdichter Zaun um die Anlage

Die gesamte, sieben Hektar große Anlage von La Jenny schützt ein mannshoher, blickdichter Zaun. Der wurde vor einigen Jahren gebaut, weil es Probleme mit Spannern gab. Drinnen sieht es aus wie in jeder gehobenen Ferienanlage: Auf dem hügeligen, weitläufigen Gelände sind geräumige Mobile Homes mit großen Sonnenterrassen und kleine Villen verteilt. Jedes Chalet umgibt ein großer Garten, sodass man Nachbarn kaum wahrnimmt. Generell ist die Anlage eher für Urlauber gedacht, die Ruhe suchen – Animation gibt es ebenso wenig wie eine Boîte, eine Diskothek.

Viele Chalets sind in Privatbesitz, und die Eigner kommen öfters vorbei, um Urlaub zu machen. Große Schilder am Eingang des Nacktparadieses weisen in Französisch, Englisch und Deutsch darauf hin, dass man sich auf einem Naturistengelände befindet. "Leben Sie nackt!", heißt es hier unmissverständlich.

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Auf einem Naturistenplatz ist die Sprache nicht so wichtig - es kommt auf die Einstellung an. Hier lebt man nicht nur am Strand textilfrei.

Jean-Lou, so erzählt er, hat das Naturistenleben schon als Kunststudent entdeckt. "Uns fehlte damals im Zeichenkurs ein Modell, und ich hatte mich geschämt, mich zu entblößen. Aber ein Freund, der Naturist war, hatte kein Problem und meldete sich als Modell." Das imponierte Jean-Lou. Jener Kommilitone nahm ihn dann mit zu La Jenny, und ab da war es um ihn geschehen. "Ich war sofort begeistert von dem ungezwungenen Umgang und den netten Bekanntschaften dort", erzählt er. Die Angestellten der Anlage sind aber beileibe nicht alles Naturisten. In den Restaurantküchen und im Service ist Nacktheit aus Hygienegründen sowieso nicht erlaubt. Die wenigen Angestellten, die nackt arbeiten, haben jedoch einen Bonus bei den Kunden.

Hüllenlos golfen

Eine Besonderheit in La Jenny ist der Golfplatz – der weltweit einzige Golfplatz übrigens, auf dem nackt gespielt werden kann. Er ist klein, hat sechs Löcher und einen Abschlagsplatz. Dafür braucht man keinen Golfwagen, sondern kann zu Fuß von Loch zu Loch gehen. Und sich nebenbei nahtlos bräunen.

Nach einigen Tagen habe ich mich völlig an das nackte Leben gewöhnt. Nackt – doch immer mit einem kleinen Handtuch. Diese Regel lerne ich schnell, denn beim Fahrradfahren, auf dem Stuhl im Restaurant oder an der Bar legen sich Naturisten immer ein Handtuch unter. Der Hygiene wegen. Davon abgesehen kann man beim Radeln, am Strand oder in den hohen Wellen des Atlantiks die Luft und das Wasser am ganzen Körper spüren statt einer nasskalten Badehose. Ich kann jetzt nachfühlen, wo die Sehnsucht der Naturisten ihren Ursprung hat.

Auf La Jenny gibt es eine große Anzahl von deutschen Urlaubern; viele kommen jedes Jahr wieder. Allerdings erzählen einige ihren Freunden oder Kollegen nicht genau, wie sie ihren Urlaub verbringen. FKK ist in Deutschland immer noch ein Tabu-Thema, so kurios sich das im Jahr 2020 auch anhört. "Ich kann mich erinnern, dass ein Angestellter, der inkognito kam, hier seinen Chef getroffen hat, und dann war es super peinlich", amüsiert sich Jean-Lou. Lange kursierten in Deutschland seltsame FKK-Magazine wie "Sonnenfreunde" oder "Jung & Frei", die auch Nacktfotos von Kindern publizierten und teilweise verboten wurden. Die Nachwirkungen dauern an.

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Über einen öffentlichen Weg führt der Weg von La Jenny zum Strand.

Wenn man von La Jenny an den weiten Atlantikstrand läuft, muss man einen Pinienwald durchqueren. Er ist öffentliches Gelände, und ein Schild weist darauf hin, dass man sich "minimal" bekleiden sollte. Da man hier aber kilometerweit von menschlichen Siedlungen entfernt ist, laufen praktisch alle nackt die 200 Meter bis zum Nacktbadestrand.

Kilometerlanger Sandstrand

Kilometerweit gibt es hier nichts als weißen, feinen Sand und türkisblaues Meer, eine einzige Strandbar verkauft Getränke. Wegen der Strömungen und des tiefen Wassers ist das Baden allerdings nicht ganz ungefährlich.

In der Nähe von La Jenny gibt es weitere drei Naturistendörfer, die jedoch nicht so edel gestaltet sind. Das größte nennt sich Euronat, hier wohnen in der Hochsaison rund 10.000 Nackturlauber. Für sie gibt es etwa ein Spa mit Thalasso-Behandlungen und einen Marktplatz mit mehreren Geschäften und Restaurants. Auch Reiten ohne Bekleidung ist hier möglich.

In Montalivet und Arnaoutchot befinden sich weitere zwei Dörfer direkt am Atlantikstrand, die auch Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen Platz bieten. Natürlich werden auch Surfkurse für Nudisten angeboten, schließlich ist man nicht weit von den berühmten Wellen von Biarritz entfernt.

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Sand und Wellen am Atlantik lassen sich ohne Badekleidung noch viel intensiver erleben.

Paul hat Montalivet vor sechs Jahren für sich entdeckt. "Ich bin mittlerweile Stammgast", sagt der kernig-sportliche Deutsche bei einem entspannten Naturfrühstück mit Atlantikblick. "Am Anfang war es natürlich etwas befremdlich, doch ich habe dann relativ schnell in den Naturistenmodus geschaltet." Noch etwas anderes ist für ihn wichtig: "Es ist die unglaubliche Energie dieses Ortes, der einen in kürzester Zeit entspannen lässt. Ich habe mir sagen lassen, dass die Gründer sehr lange nach dem richtigen Ort gesucht haben."

Für (bekleidete) Ausflüge bieten sich Weingüter wie das Château La Tour Carnet an, wo der Grand Cru Classic zu probieren ist, oder ein Abstecher zu den Austernfischern in Andernos Les Bains, wo Austern günstig in alten Fischerhütten serviert werden. Wer sich für die Geschichte der Naturisten interessiert: in der FKK-Anlage CHM Montalivet ist die erste Naturistenhütte Frankreichs zu besichtigen, die der Gründer der französischen Naturistenbewegung, Albert Lecocq, im Jahr 1950 schuf.

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Freunde von Meeresfrüchten und Fischspezialitäten kommen in Aquitanien ganz sicher auf ihre Kosten.

Kulinarische Versorgung

Essen kann man in allen Anlagen übrigens hervorragend. Obwohl man meist auf einfachen Plastikstühlen und Plastiktischen sitzt, werden klassische Gerichte der französischen Küche zu mäßigen Preisen serviert. Das beste Restaurant befindet sich auf der Anlage in Montalivet und nennt sich Marinheiro. Hier serviert Silva Elsa portugiesische Gerichte mit viel frischem Fisch und Muscheln. Krönender Abschluss ist die Crème brulée, hier bestreut mit grob gemahlenem Chilipulver aus dem Baskenland, dem berühmten Piment d’Espelette.

Auch an der französischen Mittelmeerküste gibt es ein großes Naturistendorf, Cap d’Agde. Es besteht allerdings mehrheitlich aus Hochhäusern, und auch die Zielgruppe ist eine gänzlich andere: Die meisten Urlauber kommen hierher, um ihren Hobbys Gruppensex und Partnertausch zu frönen. Familien sind deswegen besser am Atlantik aufgehoben.

Camping-Tipps für FFK-Fans in Südfrankreich

Camping Naturiste Euronat 33590 Grayan-et-l'Hôpital (FR) 46 EUR/Nacht
CHM Montalivet 33930 Vendays Montalivet (FR) 1 Bewertung
Camping Arnaoutchot 40560 Vielle St Girons (FR)